Mainz: Anand und Aronian, Kaszimdzhanov gewinnt Open

21.08.2006 – Nachdem ihm Teimour Radjabov drei Tage lang einen ausgeglichenen Kampf geliefert hatte, setzte sich am letzten Spieltag doch die Routine von Viswanathan Anand durch. Mit 5:3 gewann er schließlich die Schnellschachweltmeisterschaft gegen den jungen Mann aus Baku. Bei der Schach960-WM gab es indes eine Wachablösung. Levon Aronian gewann gegen Titelverteidiger Peter Svidler ebenfalls mit 5:3. Keine der Partien zwischen Aronian udn Svidler endeten remis, obwohl diesen Ergebnis auch bei Schach960 durchaus legal wäre. Sieger des mit über 630 Spielern Rekord besetzten Opens wurde Rustam Kasimdzhanov. Ohne Zweifel war letztlich sein großartiges Schachverständnis dafür ausschlaggebend, aber wer weiß, ob nicht auch das Outfit einen (psychologischen?) Anteil hatte (Foto: Sieger Rustam Kasimdzhanov im ChessBase-T-Shirt). Sieger-Shirt im Shop kaufen... Chess Classic Mainz...Berichte, Fotos, Partien...

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Chess Classic Mainz 2006

 


 

Anand gegen Radjabov: Alle Partien...

Ordix Open: Partieauswahl...


Berichte aus Mainz:

Matches: Bericht vom fünften Tag

3:3 in dramatischen Duellen
Anand gleicht erneut Rückstand gegen Radjabow aus / Kein Remis in Chess960-WM
Von Hartmut Metz

Weiß hat ein Problem! Nach sechs Partien in der GrenkeLeasing Schnellschach-WM kam bis auf die letzte Begegnung stets Schwarz deutlich besser aus der Eröffnung heraus. Einmal konnte Teimour Radjabow das Ruder noch herumreißen und den Anzugsvorteil zur Geltung bringen. Ansonsten hätte Schwarz sogar viermal die Oberhand behalten. Am dritten Tag unterstrich Radjabow erneut die Stärke seiner Sweschnikow-Verteidigung im Sizilianer. Die 3:2-Führung büßte der 19-Jährige jedoch gegen Viswanathan Anand ein, obwohl dieser erstmals mit Schwarz nichts herausholen konnte und ein „Endspiel, das ich remis halten sollte“ (Radjabow), aufs Brett kam. Dieses behandelte der Schnellschach-Weltmeister aber virtuos.

Das krasse Gegenteil schien der Inder vorher abzuliefern. „Ich habe lausig gespielt. Mehr will ich zu der Partie nicht sagen“, erklärte Anand. Nach den ersten 20 Zügen, die beide herunterblitzten, übernahm bald der Herausforderer die Regie. Wie schon bei seinem ersten Sieg bewies Radjabow, dass ungleichfarbige Läufer keinen Friedensschluss garantieren, wenn noch ein Turm mit auf dem Brett ist. Zum zweiten Mal drückte das „neue Ungeheuer von Baku“ (in Anlehnung an die zurückgetretene Legende Garri Kasparow) einen Freibauern durch. Anand musste wieder den Läufer dafür geben und streckte kurz danach die Waffen. „34.Kf1 war schlecht. Mir entging dabei 38…Ld2“, erläuterte der Schnellschach-Weltmeister seinen Fauxpas. Radjabow war hingegen mit seiner Spielanlage zufrieden und wertete 33…Lf8 als „besonders starken Zug“, der ihm Gewinnversuche erlaubte.

Bei der Pressekonferenz gerieten die Partien ins Hintertreffen. Der Aserbaidschaner echauffierte sich, weil seine Uhr um 20 Uhr gedrückt wurde. Er glaubte, der Beginn würde sich wie bei der ersten Partie verzögern. Die Unpünktlichkeit entsteht zuweilen um 18.30 Uhr wegen der länger dauernden Open beziehungsweise der erforderlichen Umbauarbeiten. Schiedsrichter Sven Noppes hielt im Foyer Ausschau nach Radjabow, der mit rund vier Minuten Verspätung eintraf. Die Zeit fehlte ihm am Schluss zwar nicht auf der Uhr, beeinträchtigte aber sein Innenleben. Ohne die nötige Ruhe konnte der Weltranglistenelfte das Turm-Läufer-Endspiel – zu Anands Glück diesmal mit gleichfarbigen Läufern! – nicht halten. Obwohl in der Schlussstellung Weiß nichts weniger hat, reichte Radjabow ebenfalls im 46. Zug die Hand zur Aufgabe übers Brett. Materialverlust und die Aktivierung des schwarzen Königs waren unvermeidlich, da die weiße Majestät auf h1 eingeklemmt auf ein Matt wartete.

Ein spannender letzter Tag scheint einmal mehr in der Mainzer Rheingoldhalle programmiert zu sein. „Die Weiß-Performance ist von mir bisher wirklich nicht beeindruckend“, räumte Anand ein und schloss mit den Worten, „aber ich habe noch einen Tag, um das zu ändern.“ Vielleicht wäre es jedoch klüger, am Sonntag um 20 Uhr mit 1.Sf3 zu beginnen – das wird der „Tiger von Madras“ aber sicher auch davon abhängig machen, wie er seinen letzten „Schwarz-Vorteil“ in diesem Match ab 18.30 Uhr nutzen kann.

Bei der Clerical Medical Chess960-WM steht es ebenfalls 3:3. Erneut schenkten sich Peter Swidler und Levon Aronjan nichts.

Selbst ausgeglichene Stellungen werden weitergekämpft – und auch noch von einer Seite irgendwie verpatzt. Deshalb gab es bisher kein einziges Remis! „Unglaublich, dass ich die fünfte Partie noch verlor“, bestätigte Swidler. Das tödliche Damenschach Aronjans auf c3 „ist mir nicht entgangen – ich hatte jedoch übersehen, dass es Matt wird“, erzählte der Chess960-Weltmeister. Der Herausforderer machte die Zeitnot seines Kontrahenten für den Patzer verantwortlich. „Erst glaubte ich, brillant zu stehen. Als mir gezeigt wurde, dass ich falsch lag, war eigentlich nicht mehr viel zu wollen“, berichtete Aronjan von seinen Gedanken.

Ähnlich gut fühlte sich der Berliner bei seinem Zug c5 im zweiten Duell des Abends. „Nach c4 stand ich jedoch schlecht, weil die Dame im Abseits stand. Ich spielte schrecklich. Das war meine schlechteste Partie in diesem Match“, resümierte Aronjan. Sein Widersacher geißelte sein a4 „als wirklich hässlichen Zug. Danach hätte Levon c4 spielen müssen. Als er aber mich zu c4 kommen ließ, war die Stellung gewonnen – allerdings nur, weil seine Dame so schlecht stand“, erläuterte Swidler. Die schwarze Turmverdoppelung auf der h-Linie verpuffte. Einen Bauern ließ der Russe gerne Bauersein, um ein entscheidendes Tempo zu gewinnen. „Levon bereitete die Position offensichtlich nicht viel Freude – und so stellte er rasch alles ein“, konstatierte Swidler.

Sollte es bei einem remislosen Wettkampf bleiben, dürfen sich die Fans eventuell auf eine Tiebreak-Verlängerung freuen. Zu dieser könnte es auch bei Anand – Radjabow kommen. Zuletzt benötigte der achtfache Mainz-Sieger 2001 gegen Weltmeister Wladimir Kramnik Blitzpartien, um nach einem 4:4 für die Entscheidung zu sorgen.

 

Matches: Schlussbericht

Anand siegt zum siebten Mal
Usbeke Kasimdschanow setzt sich im Open vor 631 Gegner durch / 46.600 Zuschauer im virtuellen Stadion

Von Hartmut Metz

Der Schach-König von Mainz hat sich zum siebten Mal in Folge die Krone bei den Chess Classic aufgesetzt: Viswanathan Anand bezwang gestern Abend bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft in der Rheingoldhalle Teimour Radjabow. Einmal mehr hatte es der mehrfache indische Sportler des Jahres spannend gemacht. Nach fünf Partien lag er noch mit 2:3 gegen den 19-jährigen Herausforderer aus der Mainzer Partnerstadt Baku zurück. Dann gewann Anand zweimal mit den schwarzen Steinen. Im letzten Duell musste Radjabow so aufs Ganze gehen, riskierte alles – und verlor. Mit dem 5:3 hat der weltbeste Schnellschachspieler zum neunten Mal die Chess Classic gewonnen. „Radjabow war ein starker Gegner. Dass Schwarz so dominierte, möchte ich als extrem bezeichnen. Ich hatte mich im Juli vor allem mit dem Anti-Moskauer im Slawisch beschäftigt, was Früchte trug. Doch offensichtlich investierte ich zu wenig Zeit in die weiße Vorbereitung gegen Sweschnikow“, führte Anand aus. Radjabow scherzte angesichts der schwarzen Dominanz mit vier Siegen: „Wir müssen mehr mit den weißen Steinen arbeiten, um Ausgleich zu bekommen!“ Ernster berichtete er, dass er „im Juli Sweschnikow vorbereitete, aber wenig mit Weiß machte“. Der Herausforderer glaubt, einige Lehren aus dem Match ziehen zu können. „Ich muss noch mehr arbeiten“, befand der Großmeister aus Baku. 

Eine Wachablösung gab es im Chess960: Der Weltranglistendritte Levon Aronjan (Armenien) entthronte Peter Swidler. Er war vier Jahre lang Chess960-Weltmeister. Den 2:3-Rückstand konnte der Russe noch am Samstagabend egalisieren. Gestern zog der St. Petersburger aber zweimal den Kürzeren zum Endstand von 3:5. Schon nach wenigen Zügen befand sich der Titelverteidiger jeweils auf der Verliererstraße, befand Swidler. Der St. Petersburger hält Aronjan „für den besten Chess960-Spieler der Welt“ und habe den Sieg verdient, weil er „einen schlechten Tag weniger hatte als ich“. Aronjan freute sich über den Sieg und nannte es auch unglücklich, dass er in der achten Partie dank der ausgelosten Grundstellung schon gewaltigen Vorteil bekam.

Organisator Hans-Walter Schmitt zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Chess Classic. „Oberbürgermeister Jens Beutel will die Chess Classic bis mindestens 2013 in Mainz ausrichten und sicherte uns seine Unterstützung zu.“ Der Bad Sodener berichtete auch von einer Kooperation mit dem Weltklasseturnier in Wijk aan Zee (Niederlande). Die Chess Classic Mainz werden 2007 vom 13. bis 19. August ausgetragen – eventuell sogar ein, zwei Tage länger über zwei Wochenenden, kündigte Schmitt an.



Ordix-Open: Erster Tag


Caoili schiebt Extra-Schichten

Neun GM mit 5/5 zur Halbzeit / Neuer Rekord im Ordix Open: 632 Teilnehmer

Von Hartmut Metz

Rekorde, Rekorde, Rekorde: Zwar schrammen die Chess Classic Mainz noch knapp an 1.000 Spielern in allen Wettbewerben vorbei – 2007 dürfte aber auch diese Marke in der Rheingoldhalle geknackt werden. Diesmal nahmen – alle Anmeldungen von den Weltmeisterschaften über die Open, die Computer-WM bis zu den Simultans zusammengezählt – 976 Spieler teil! Nach Zählweise von Organisator Hans-Walter Schmitt, der die Weltmeisterschafts-Duelle aussparte und eine Abmeldung während des FiNet Open nicht mitrechnete, kam seine Lieblingszahl heraus: 960! Passend zu Chess960 …

Eindeutig sind im Ordix Open die neuen Höchstleistungen: Die Teilnehmerzahl kletterte um rund 20 Prozent auf 632! Mehr als ein Viertel davon, exakt 177, sind Titelträger des Schach-Weltverbandes FIDE. 58 tragen den Herren-Großmeister-Titel, zehn sind Großmeisterinnen. Internationale Meister (IM) gehen 44 an den Start, weibliche IM sind neun vor Ort. Zudem versuchen 51 FIDE-Meister (FM) und fünf weibliche FM ihr Glück im größten Schnellschach-Open der Welt. Im Vorjahr hatten 139 Titelträger (davon 52 Großmeister) in Mainz teilgenommen.

Sensationen bleiben in solch einem großen Feld natürlich nicht aus. Überstanden die meisten an den vorderen Brettern den Auftakt ungeschoren, übernahm der an Nummer fünf gesetzte Jewgeni Barejew, der zu Glanzzeiten diese Position auch in der Weltrangliste einnahm, die Rolle als erstes Opfer. Der Sekundant von Weltmeister Wladimir Kramnik zog gegen Christoph Pfrommer von den Karlsruher Schachfreunden den Kürzeren. Der FM setzte ihn im Endspiel mit Turm und Läufer (sowie zwei gegen einen Bauern) matt und bekam dafür vom Publikum viel Applaus. Zu den weiteren Überraschungen zählte auch das Remis von Günther Tammert (Caissa-Rochade Kuppenheim) gegen Lev Gutman, der sich nach dem unerwarteten Ergebnis recht ungehalten gab. „Das kennt man von ihm“, kommentierte Tammert gelassen. Weniger erfreut zeigte er sich dann allerdings darüber, dass noch zwei weitere Großmeister auf ihn warteten – im Ordix Open ist aber normal, gewinnt man ein paar Partien …


Fabian Döttling

Gleich deren fünf hintereinander verbuchten neun Großmeister: Schachrijar Mamedjarow (Aserbaidschan), Pentala Harikrishna (Indien), Alexander Morosewitsch (Russland) Ex-Weltmeister Rustam Kasimdschanow (Usbekistan), Alexej Alexsandrow (Weißrussland), Goran Dizdar (Kroatien), Gabriel Sargissjan (Armenien), Zoltan Gymesi (Ungarn) und Daniel Fridman. Der Lette schlug in der letzten Runde des ersten Tages FiNet-Open-Champion Etienne Bacrot. Noch schlimmer kam es für Mitfavorit Alexej Schirow. Der Wahl-Spanier unterlag in der vierten Runde dem Mörlenbacher IM Witali Kunin, danach kam er gegen den Solinger IM Markus Schäfer, mit 2358 Elo nur die Nummer 119 der Setzliste, nicht über ein Remis hinaus.


Evgeny Bareev

Für Mamedjarow ist ein erster perfekter Tag nichts Ungewöhnliches in Mainz. Schon im FiNet Chess960 Open legte der 21-jährige Weltranglistenzwölfte los wie die Feuerwehr und baute die Serie sogar bis auf 8/8 aus. Mehr Mühe hatte Morosewitsch. Der Topgesetzte stand gegen Jewgeni Agrest mit einer Minusqualität kritisch. Der Schwede verschmähte eine Punkteteilung und geriet in ein Endspiel Turm und Läufer gegen Turm – im Schnellschach eine äußerst unangenehme Stellung. Morosewitsch sicherte sich damit auch den vollen Punkt. In der sechsten Runde trifft der Weltranglistenneunte nun auf Kasimdschanow.


Für Eilige: "Moro" gegen "Kasim"

Dizdar stoppte Arkadij Naiditsch. Die deutsche Nummer eins von Bindlach Aktionär liegt damit hinter mehreren Einheimischen, die bei 4,5 Zählern stehen: Etwa Chess-Classic-Kommentator Fabian Döttling (OSC Baden-Baden), der den starken Ukrainer Andrej Wolokitin nicht über ein Remis hinauskommen ließ. Für weitere Überraschungen sorgten der Schönecker FM Horst Alber mit dem Erfolg über Rainer Buhmann (Hockenheim) und der Neckargemünder Volker Jakob (2280), der Gutman in die Knie zwang. 15 Spieler haben 4,5 Zähler. Am meisten muss von diesen sicher Alexander Grischuk beachtet werden. Der Russe gewann das Ordix Open bereits zweimal.


Stefan Löffler ist nicht zufrieden

Extra-Schichten schob in den Pausen Arianne Caoili: Die australische Nationalspielerin stand einem Kölner Drehteam zur Verfügung. Die adrette Filipina spielte vor der vierten und fünften Runde gegen Organisator Hans-Walter Schmitt und die deutsche Topspielerin Elisabeth Pähtz zu Show-Zwecken freie Partien. Das australische Fernsehen will nicht über „Gormallygate“ berichten. Bei der Olympiade in Turin erlangte die bei Oberursel gemeldeten Grazie Berühmtheit: Der englische Großmeister David Gormally hatte Levon Aronjan angegriffen, als dieser bei der Bermuda-Party mit Caoili tanzte. Die Australierin war indes mit Naiditsch zu dem Spielerabend gekommen. „Im Nachhinein hat’s doch den Richtigen getroffen“, kommentierte eine Großmeisterin, nachdem Caoili zuletzt häufiger mit Aronjan als Naiditsch gesehen worden sei. Das australische Fernsehen interessiert sich indes weniger für irgendein Techtelmechtel. Caoili, die von einer Gesangskarriere träumt, tritt im Herbst in der zweiten Staffel von „Dancing with the stars“ an.


Arianne Caoili: "Dancing with Queens": wie passend.

Das ist das Pendant zu der Tanz-Show, bei der Heide Simonis hier zu Lande in die Schlagzeilen geraten war. Caoili gilt als heiße Sieganwärterin, glaubt man den australischen Produzenten, die im Vorfeld Kontakt mit den Organisatoren der Chess Classic Mainz aufgenommen hatten. Die 19-Jährige besiegte in der fünften Runde den an 417 gesetzten Frankenthaler Peter Dorner aus verlorener Position heraus. Die an Position 268 notierte Caoili, die 2169 Elo hat, weist nach dem ersten Tag im Ordix Open drei Punkte auf.

 

Ordix-Open: Zweiter Spieltag

Ex-Weltmeister gut genug fürs Ordix Open

Usbeke Kasimdschanow setzt sich vor 631 Gegner durch / Mamedjarow zweimal Zweiter – wenigstens Sieg in Kombinationswertung

Von Hartmut Metz


Rustem Kasimdzhanov hat das bessere Shirt für sich

Welch hochwertiger Denksport in der Rheingoldhalle gezeigt wird, zeigen selbst die mit 40.000 Euro dotierten offenen Schach-Turniere bei den Chess Classic Mainz: Kein Geringerer als Ex-Weltmeister Rustam Kasimdschanow gewann gestern das Ordix Open.

Der in Solingen lebende Usbeke gab in elf Runden nur drei Remis ab und lag somit hauchdünn vor Schachrijar Mamedjarow. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wähnte mich in schlechter Form, nachdem ich im Chess960-Open so schwach spielte“, berichtete Kasimdschanow. Mit seiner Leistung im Ordix Open war er natürlich äußerst zufrieden. „Ich machte keine groben Fehler, so weit das im Schnellschach geht. In den zwei letzten Runden konnte ich dann mit zwei Remis austrudeln“, ergänzte der Ex-Weltmeister. Der Ungar Robert Ruck (2537 Elo), der als Nummer 40 überraschend weit nach vorne stieß, versuchte am Schluss ein bisschen etwas mit Weiß, um sich nach Generalabtausch ins Unentschieden zu fügen.

Mamedjarow verzeichnete ebenfalls 9,5:1,5 Punkte und wiederholte seinen zweiten Platz aus dem FiNet Chess960-Open. „Ich wollte wenigstens einmal Erster werden“, trauerte der kampfstarke Weltranglistenzwölfte aus der Mainzer Partnerstadt Baku den Turniersiegen nach. Mit beiden Resultaten zusammen lag der Junioren-Weltmeister wenigstens in der Kombinationswertung vorne und kassierte mit insgesamt 6.500 Euro am meisten Preisgeld. Platz drei ging an den favorisierten Weltranglistenneunten Alexander Morosewitsch, der die Riege der fünf Spieler mit 9:2 Punkten anführte. „Damit schloss ich hier bei meiner dritten Teilnahme mit neun Punkten ab. Das ist eine gute Bilanz – allerdings reichen die nicht zum Turniersieg“, befand der frisch gebackene Gewinner von Biel. In der vorletzten Runde hatte ihn Ruck ausgebremst. „Das war entscheidend“, wusste Morosewitsch. Dafür hatte der Russe gegen Mamedjarow Glück: „Ich hätte eine Figur gewinnen können und patzte leider. Danach war ich sofort verloren“, erzählte der Aserbaidschaner von dem Missgeschick, das die Computer-Bewertung von +3 zu seinen Gunsten auf -3 sinken ließ.

Wie Morosewitsch verzeichneten Pentala Harikrishna, Michail Mchedlischwili, Ruck und Jewgeni Agrest, der einmal mehr seine Klasse im Schnellschach in Mainz unter Beweis stellte, 9/11.

Das Ordix Open sorgte bei der 13. Auflage für neue Rekorde: Die Teilnehmerzahl kletterte von 546 auf 632 Spieler, darunter 58 Großmeister. Kasimdschanow darf nun hoffen, Herausforderer des Schnellschach-Weltmeisters 2007 zu werden. In den Vorjahren waren die Ordix-Open-Sieger Radjabow und Alexander Grischuk (Russland) zum Zuge gekommen. Der zweifache Open-Gewinner Grischuk kam diesmal mit 8,5:2,5 Zählern nur auf Rang elf. Seine ukrainische Freundin Natalja Schukowa wurde mit derselben Ausbeute 19. und beste Frau.


Die beste Frau, Natialja Schukowa, unter Beobachtung

Die deutschen Spieler gingen weitgehend leer aus, weil sie wie Leonid Kritz in der wichtigen letzten Runde unterlagen.


Leonid Kritz

Zwei IM landeten so am weitesten vorne: Der Hofheimer Gennadij Ginsburg und der Hockenheimer Rainer Buhmann kamen mit 8,5 Punkten auf die Ränge 13 und 16. Immerhin lagen sie somit dank der Fortschrittswertung vor den miserabel gestarteten Assen Alexej Schirow und Jewgeni Barejew, die nur ein paar Euro gewannen.

Bei der Kombinationswertung kamen Etienne Bacrot und Kasimdschanow hinter Mamedjarow ein. Bester Senior war Lajos Portisch vor Lev Gutman (beide 8) und Anatoli Dontschenko (7,5). Hinter Schukowa folgten bei den Frauen Alexandra Kosteniuk und Inna Gaponenko (beide 8).


Alexandra Kosteniuk gegen Evgeny Bareev


Schach960-Weltmeister Meyer-Kahlen

 

 

 



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