Makropoulos kandidiert als FIDE-Präsident

von André Schulz
09.04.2018 – Am letzten Wochenende war der Weißrussische Schachverband Gastgeber einer FIDE-Präsidiumssitzung. Anlass war die Bewerbung des Verbands als Ausrichter der Schacholympiade 2022. Nach der Sitzung gab Georgios Makropoulos seine Kandidatur als FIDE-Präsident bekannt. (Foto: FIDE)

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Die FIDE durchlebt derzeit unruhige Zeiten. In früheren Jahren hat das Präsidium mit Kirsan Ilyumzhinov als FIDE-Präsident und Georgios Makropoulos als sein erster Vize sehr geschlossen alle Versuche abgewehrt hat, das Präsidium abzulösen. 2006 kandidierte Bessel Kok gegen Ilyumzhinov, 2010 Anatoly Karpov und 2014 Garry Kasparov. Sie alle hatten gegen den Amtsinhaber und gegen seine rechte Hand im Präsidium keine Chance, trotz ihrer prominenten Namen. In den Wahlkämpfen vor den FIDE-Wahlversammlungen wurde jeweils mit sehr harten Bandagen gekämpft.

Vor etwa zweinhalb Jahren, im November 2015, begann die Situation sich zu ändern. Im Rahmen seiner Sanktionen gegen die syrische Assad-Regierung nahm das US-Schatzamt auch Kirsan Ilyumzhiov, als 19%igen Anteilseigener der russischen Alliance Bank, ins Visier. Der Bank wurde vorgeworfen Ölgeschäfte der Assad-Regierung finanziert zu haben. Kirsan Ilyumzhinov wurde zusammen mit einer Reihe anderer russischen Oligarchen auf eine Schwarze Liste des US-Schatzamtes gesetzt. Damit wurde auch seine Position als Präsident des Weltschachbundes geschwächt. Da ihm auch die Einreise in die USA verwehrt war, konnte er beispielsweise die FIDE nicht beim WM-Kampf zwischen Carlsen und Karjakin in New York repräsentieren. Offenbar stehen auch die Geldflüsse der FIDE mit Ilyumzhinovs Alliance Bank in Verbindung und so geriet auch der Weltschachbunk unter Druck. Im Februar 2018 meldete der FIDE-Schatzmeister Adrian Siegel, die Schweizer USB-Bank drohe, das FIDE-Konto zu schließen. 

In Folge dieser Vorgänge verlor Kirsan Ilyumzhinov innerhalb des FIDE-Präsidiums nach und nach die Unterstützung. Die übrigen Präsidiumsmitgliedern forderten ihn auf, die Angelegenheit zu klären und in Ordnung zu bringen. Illyumzhinovs Versuche, die Vorwürfe des US-Schatzamtes zu entkräften, scheiterten jedoch.

Bei der Präsidiumssitzung am Rande des 88. FIDE-Kongresses im Oktober 2017 kam es zum Eklat. Schon auf der Sitzung im April 2017 war die Rolle von Ilyumzhinov lebhaft diskutiert worden. Faktisch wurde er entmachtet. Seine Aufgaben wurden nun größtenteils kommissarisch auf den FIDE-Vizepräsidenten Georgios Makropoulos übertragen. Nach der Sitzung hatte FIDE-Webseite schon voreilig den Rücktritt von Präsident Ilyumzhinov. Dieser dementierte aber umgehend. In einer nachfolgenden Sondersitzung einigte man sich darauf, den Status quo beizubehalten.

Kirsan Illyumzhinov wurde 1995 als Nachfolger von Florencio Campomanes zum FIDE-Präsidenten gewählt und hat das Amt seitdem inne, länger als jeder andere FIDE-Präsident vor ihm. Bei seiner Amtsübernahme war die FIDE nahezu pleite. Mit seiner Hilfe konnte der Weltschachbund sich wieder sanieren. Auf der anderen Seite gab es aber immer wieder Vorwürfe der Korruption und Intransparenz gegen das Präsidium unter Ilyumzhinov. Kritiker glauben, dass die dubiosen Geschäfte des FIDE-Präsidenten ein Grund dafür sind, dass renommierte Firmen nicht als Sponsoren von FIDE-Schachveranstaltungen in Erscheinung treten möchten. Andere Beobachter sind jedoch der Auffassung, dass ohne Ilyumzhinov und seinen Verbindungen zur russischen Regierung und zu russischen Wirtschaftskreisen das FIDE-Turnierschach der letzten Jahrzehnte gar nicht finanzierbar gewsen wäre.

Der frühere Präsident der autonomen Republik Kalmückien Kirsan Ilyumzhinov hat erklärt, dass er gerne erneut zur Wahl antreten möchte. Ob er diesen Wunsch ohne die Unterstützung des übrigen Präsidiums in die Tat umsetzen wird und kann, muss sich zeigen. Schon vor einiger Zeit wurde Geogios Makropoulos als Nachfolger von Ilyumzhinov ins Gespräch gebracht.

Präsidium-Meeting in Minsk (Foto: FIDE)

De facto führt Makropoulos derzeit die Geschäfte der FIDE. Seit 1982 ist er Präsident des Griechischen Schachverbandes. 1986 wurde er zum FIDE-Vizepräsidenten gewählt. Seit 1996 ist er geschäftsführender Vertreter des Präsidenten. Bislang hieß es, der Grieche hätte aus gesundheitlichen Gründen kein Interesse, das Amt des Präsidenten auch formal zu übernehmen. Heute meldete die FIDE jedoch, Makropoulos hätte sich zur Kandidatur entschlossen, nachdem ihn bei bei der zurückliegenden FIDE-Präsidiumssitzung zahlreiche Präsidiumsmitglieder dazu gedrängt hätten.

Georgios Makropoulos mit dem Minister für Sport und Tourismus von Weißrussland Sergey Kovalchuk   (Foto: FIDE)

Seit einigen Wochen wird in Schachkreisen auch das Gerücht kolportiert, ein Scheich aus dem arabischen Raum würde für das Amt des FIDE-Präsidenten kandidieren. Schach hat in den arabischen Ländern, in den Vereinigten Arabischen Republiken, auch im Iran, in den letzten Jahren deutlich an Popularität gewonnen. Sogar in Saudi-Arabien wurde im Zuge einer Öffnung und Modernisierung des Landes mit den letzten Schnellschach-und Blitzweltmeisterschaftern erstmals ein großes Schachturnier ausgerichtet. 

 

Die Präsidiumswahl findet am 3. Oktober 2018, beim FIDE-Kongress während der 43. Schacholympiade in Batumi (Georgien) statt.

 

Chessdom: Makropoulos kündigt Kandidatur an...

FIDE-Präsidiumssitzung in Minsk...

Weitere Links: 

ChessBase: Posse um angeblichen Rücktritt...

ChessBase: Ich bleibe im Amt...

ChessBase: Dear Kirsan...

ChessBase: Stalemate in the power struggle...

Kirsan Ilyumzhinov Blacklisted by the US Government...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Manja Manja 09.04.2018 06:08
Ist Schach ein in Geldnot gerater Spieler, der sich für das schnelle Geld in der Not auf finstere Gesellen einließ und nun nicht mehr aus der Nummer raus kommt, bis ihm nach und nach alle Finger abgeknipst werden?
Was hat die FIDE noch mit Schach zu tun? Andererseits - was hat die FIFA noch mit Fußball zu tun? Vielleicht muss man das einfach akzeptieren. Geld regiert die Welt. Ist nur sehr schade, wenn seriöse Firmen nicht investieren wollen, weil alles so zwielichtig ist.
Ich simme zu - Ullrich Krause soll übernehmen und die Welt retten!
RevTiberius RevTiberius 09.04.2018 05:30
Wenn man das nun schon jahrzehntelange Elend bei der FIDE sieht, kommt einem der Spruch in den Sinn, dass man gar nicht so viel fressen kann, wie man kotzen moechte. Ein Fall fuer den DSB-Praesidenten. Ullrich Krause, uebernehmen Sie!
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