Zum 100. Geburtstag von Mark Taimanov
Mark Taimanov wurde am 7. Februar 1926 in Leningrad, heute St. Petersburg, in einer jüdischen Familie geboren. Als Kind erhielt er eine musische Ausbildung, lernte Klavier spielen und besuchte eine Musikschule. Dann wurde er eines Tages für einen Film über Beethoven engagiert. Der Film wurde ein großer Erfolg, und der junge Mark Taimanov war plötzlich ein Kinderfilmstar. Daraufhin wurde der elfjährige Mark Taimanov in den neuen örtlichen Pionierpalast eingeladen, um dort Besuchergruppen die Funktion dieser Einrichtungen zu erklären. Dort lernte er die Schachgruppe kennen. Da Taimanov sich sehr talentiert zeigte, wurde er einer besonderen Fördergruppe zugeteilt, die von Michail Botvinnik persönlich geleitet wurde.
Parallel zu seinem Schachtraining pflegte Taimanov auch weiter seine Musikausbildung und lernte am Leningrader Konservatorium Lyubov Bruk kennen, mit der er bald ein erfolgreiches Pianoduo bildete. Im Jahr 1945, beide waren 19 Jahre alt, heiratete das Paar.
1948 erreichte Taimanov erstmals das Finale der UdSSR-Meisterschaften, kam aber bei seiner Premiere nicht über den letzten Platz hinaus, den er sich mit Lev Aronin teilte. Ein Jahr später belegte er schon den geteilten zweiten Platz zusammen mit Efim Geller hinter Smyslov und Bronstein.
1950 wurde Mark Taimanov im Schach aufgrund seiner Erfolge zum Internationalen Meister ernannt, und nach einer Musiktournee durch die Sowjetunion mit seiner Partnerin Lyubov Bruk erhielt das Duo Einladungen ins Ausland und gab auch dort ebenfalls Konzerte.

Im September 1952 war Taimanov einer der Teilnehmer des Interzonenturniers von Saltsjöbaden und qualifizierte sich als Zweiter hinter Alexander Kotov für das berühmte Kandidatenturnier Zürich/Neuhausen 1953, zu dem einige bemerkenswerte Turnierbücher veröffentlicht wurden.
Ende 1952 gewann Taimanov zudem mit seinem früheren Lehrer Botwinnik die UdSSR-Meisterschaft. 1956 konnte er den Titel nach einem Stichkampf gegen Boris Spassky ein zweites Mal gewinnen.
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Foto: Gazeta
Im Laufe seiner Karriere nahm Taimanov an 23 UdSSR-Meisterschaften teil, mit wechselhaftem Erfolg.
1952 wurde Taimanov von der FIDE zum Großmeister ernannt. Beim Kandidatenturnier in Zürich/Neuhausen konnte Taimanov nur einen Platz im Mittelfeld erreichen.
Obwohl Taimanov neben seiner Schachlaufbahn auch noch zusammen mit seiner Frau seine Karriere als Musiker verfolgte, erzielte er in den 1950er und 1960er Jahren gute Turniererfolge und durfte bald auch an Auslandsturnieren teilnehmen.
Taimanov gehörte zur sowjetischen Auswahl bei Studentenmannschaftsmeisterschaften, bei Europamannschaftsmeisterschaften und bei verschiedenen Länderwettkämpfen.

Taimanov, Tal, Petrosian, Kortschnoj
Für das UdSSR-Team bei Schacholympiaden wurde Taimanov allerdings nur einmal nominiert, 1956, nachdem er die UdSSR-Meisterschaften gewonnen hatte. Die UdSSR gewann Gold, und jeder der Spieler bekam von der Regierung ein Auto geschenkt. 1970 spielte Taimanov an Brett sieben der UdSSR-Auswahl im Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt und gewann gegen Wolfgang Uhlmann mit 2,5:1,5.
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Mark Taimanov befand sich lange auf der Sonnenseite des Lebens, soweit man das für das Leben in der kommunistischen Sowjetunion sagen kann. Doch dann änderte sich für ihn alles, als er 1971 den Kandidatenwettkampf gegen Bobby Fischer spielen musste.
Taimanov hatte sich durch einen fünften Platz beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca für die Kandidatenkämpfe qualifiziert und traf gleich im Viertelfinale auf Fischer. Taimanov war mit Michail Tal gut befreundet und hoffte, dass Tal ihn als Sekundant nach Vancouver begleiten würde, doch das wurde vom Sportverband untersagt. Tal und Taimanov waren sich in ihrer lebenslustigen Art zu ähnlich. Stattdessen wurden Wasjukow und Balaschow für die Aufgabe ausgewählt.
Der Wettkampf gegen den übermächtig scheinenden Fischer, ausgetragen in der Universität von Vancouver, war für Taimanov eine Aufgabe, die er schon in psychischer Hinsicht nicht bewältigen konnte. Taimanov sah Fischer als Gegner an, der keine Fehler machte und in der Verteidigung unüberwindbar war. So erreichte Taimanov zwar in einigen Partien gute Stellungen, baute dann aber eine psychische Blockade auf und verlor alle Partien. Die Wettkämpfe wurden damals auf sechs Gewinnpartien gespielt, und Fischer benötigte dafür nur sechs Partien.

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Taimanov hat sich auch in den folgenden Jahren intensiv mit dieser Niederlage auseinandergesetzt und seine Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Buch veröffentlicht: „How I became Fischer’s victim.“

Die russische Originalausgabe
Zu Fischer hatte Taimanov später eine dezidierte Meinung: „Außer Schach gab es nichts für ihn. Er war paranoid und glaubte fest daran, dass der sowjetische Geheimdienst ihn beseitigen wolle. Die Liste seiner Feinde sah so aus: Juden, Bolschewiki, KGB.“
Für das sowjetische Schach war die 0:6-Niederlage eine große Blamage, was Taimanov nach seiner Rückkehr zu spüren bekam. Der willkommene Anlass war, dass Taimanov bei der Einreise Bücher von Solschenizyn in seinem Gepäck hatte, die in der Sowjetunion verboten waren.
Taimanov wurde seiner Bürgerrechte enthoben, und seine Pension als Staatsprofi wurde gestrichen. Er durfte auch nicht mehr ins Ausland reisen. Durch die Vorbereitung auf den Wettkampf mit Fischer hatte Taimanov sich von seiner Frau entfremdet, und die Ehe wurde geschieden. Das beendete auch Taimanovs Musikkarriere. Immerhin durfte Taimanov aber noch an Turnieren in der UdSSR teilnehmen und konnte so seine Schachkarriere fortsetzen. Die Sanktionen dauerten bis 1973 an. Als Taimanov sich für das Interzonenturnier 1973 qualifiziert hatte, beschloss das ZK der KPdSU, ihm zu „verzeihen“. 1976 durfte Taimanov auch wieder ins Ausland reisen und spielte beim Turnier in Hastings mit.
Eine besondere Spezialität von Taimanov war die Sizilianische Verteidigung. Die flexible Taimanov-Variante trägt seinen Namen.
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Taimanov beherrschte aber auch andere Varianten:
Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Eisernen Vorhangs nutzte der reisefreudige Taimanov die Gelegenheit und nahm noch an vielen Turnieren im Westen teil, obwohl er inzwischen mit über 70 Jahren schon im fortgeschrittenen Alter war. 1993 und 1994 wurde Mark Taimanov jeweils Seniorenweltmeister.
Im Laufe seines Lebens war Mark Taimanov viermal verheiratet. Im Jahr 2004, mit 78 Jahren, überraschte er nicht nur die Schachwelt, als er zusammen mit seiner deutlich jüngeren Frau Nadja Vater von Zwillingen wurde.

Die Familie Taimanov

Besuch in Dresden | Foto: Dagobert Kohlmeyer
In einem Interview verriet Taimanov einmal, dass die Frauen tatsächlich seine größte Leidenschaft waren. Erst an nächster Stelle kamen die Musik und dann das Schach.
Auch in anderer Hinsicht war er weiter aktiv. 2014 wurde in St. Petersburg in der Nähe des Newski-Prospekts eine Schachschule gegründet.
Als Schachjournalist war er für mehrere Schachmagazine tätig und veröffentlichte im Laufe seines Lebens einige Schachbücher über Eröffnungen und Turniere.
Mark Taimanov starb nach langer Krankheit am 18. November 2016 in seiner Heimatstadt St. Petersburg. Er wurde 90 Jahre alt.
