Niemann verklagt Carlsen, Nakamura, chess.com und Daniel Rensch auf je 100 Mio. USD Schadenersatz

von ChessBase
20.10.2022 – Einen Tag nach dem Ende der US-Meisterschaft hat Hans Niemann auf seinem Twitter-Account eine 44-seitige Klageschrift gegen Magnus Carlsen, Daniel Rensch und Chess.com und Hikaru Nakamura veröffentlicht. Vertreten durch die Kanzlei Oved & Oved LLP und die örtlichen Anwaltskanzlei The Gartner Law Firm in Missouri klagt Niemann beim US-Bezirksgericht Missouri wegen Falschbehauptung und Rufschädigung auf je 100 Mio. USD Schadensersatz. | Foto: Crystal Fuller /Saint Louis Chess Center

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In der von Hans Niemann auf seinem Twitter Account veröffentlichten Klageschrift heißt es unter anderem:

Am 4. September 2022 besiegte Niemann Carlsen in einer Partie beim prestigeträchtigen Sinquefield Cup Schachturnier in St. Louis, Missouri. Dies war nicht das erste Mal, dass Niemann Carlsen im Schach schlug, aber nur das erste Mal dass er dies bei einer von der FIDE offiziell anerkannten Veranstaltung tat.

Niemanns überraschender Sieg zerstörte effektiv Carlsens zwei Ambitionen, nämlich: zum ersten Mal in der Geschichte ein FIDE-Rating  von 2900 zu erreichen und seinen eigenen Weltrekord von nicht verlorenen Partien bei offiziellen FIDE- Turnieren zu brechen.

Diese Errungenschaften hätten Carlsen als den wohl größten Schachspieler aller Zeiten gefestigt sein wachsendes Schachimperium noch wertvoller gemacht.

Um die Sache für Carlsen noch schlimmer zu machen, blamierte Niemann Carlsen, indem er ihn in seinem Interview nach der Partie spielerisch verspottete.

Weiter heiß es: 

Carlsen, berüchtigt für seine Unfähigkeit, mit Niederlagen umzugehen, rastete aus. Wütend darüber, dass der 12 Jahre jüngere Niemann es wagte, den "Schachkönig" zu beleidigen, und aus Angst, dass das junge Wunderkind seine Multi-Millionen-Dollar-Marke durch eine erneute Niederlage weiter verunstalten würde, rächte sich Carlsen bösartig und heimtückisch an Niemann, indem er ihn fälschlicherweise und ohne jeglichen Beweis beschuldigte, während ihrer persönlichen Partie betrogen zu haben, und verlangte, dass die Organisatoren des Sinquefield Cups Niemann sofort vom Turnier zu disqualifizieren.

Als die Turnierleitung sich weigerte, Carlsens korrupter und feiger Forderung nachzukommen, Niemann grundlos vom Wettbewerb auszuschließen, schlug Carlsen erneut zu, diesmal indem aus Protest den Rest des Sinquefield Cups boykottierte - ein beispielloser Akt für einen Spitzenschachprofi, geschweige denn für den amtierenden Weltmeister.

Carlsen bestätigte dann seine diffamierenden Anschuldigungen gegen Niemann mit einem provokanten Posting auf Twitter, das den beabsichtigten Effekt hatte, Carlsens falsche Anschuldigungen, Niemann habe gegen ihn betrogen, in der ganzen Welt zu verbreiten.

In seiner Klage fordert Niemann das Gericht auf, Carlsen, sowie Daniel Rensch CEO von Chess.com, die Plattform chess.com und Hikaru Nakamura zu je 100 Mio. USD Schadenersatz zu verurteilen:

DARUM beantragt Niemann hiermit, dass das Gericht die folgenden Ansprüche gewährt:

a) In Bezug auf den ersten Klagegrund ein Geldurteil zu Gunsten von Niemann gegen die Beklagten, wobei der genaue Betrag im Prozess zu bestimmen ist,
aber nicht weniger als 100.000.000 $, zuzüglich Zinsen vor dem Urteil;

b) in Bezug auf den zweiten Klagegrund ein Geldurteil zu Gunsten von Niemann
gegen die Beklagten, wobei der genaue Betrag im Prozess festgelegt wird,
aber nicht weniger als 100.000.000 $, zuzüglich Zinsen vor dem Urteil;

c) in Bezug auf den dritten Klagegrund ein Geldurteil zu Gunsten von Niemann
gegen die Beklagten, wobei der genaue Betrag im Prozess festgelegt wird,
aber nicht weniger als 100.000.000 $, zuzüglich Zinsen vor dem Urteil;

d) in Bezug auf den vierten Klagegrund ein Geldurteil zugunsten von Niemann
gegen die Beklagten, wobei der genaue Betrag im Prozess festgelegt wird,
zuzüglich Zinsen vor dem Urteil;

e) in Bezug auf den fünften Klagegrund ein Geldurteil zugunsten von Niemann
gegen die Beklagten, dessen konkreter Betrag in der Verhandlung festgelegt wird,
aber nicht weniger als 100.000.000 $, zuzüglich Zinsen vor dem Urteil;

f) eine Zuerkennung von Niemanns Kosten, Auslagen und angemessenen Anwaltsgebühren
die im Zusammenhang mit dieser Klage entstanden sind;

g) Jede andere und weitere Entlastung, die das Gericht für gerecht und angemessen hält.

 

 

Die Klageschrift...


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Pemoe6 Pemoe6 25.10.2022 12:05
@oegenix: Ja, das war ja auch alles klar und zum größten Teil gleich vor der Runde durch den Schiedsrichter (oder Organisator?) bekanntgegeben worden.
Aber beim allerbesten Willen kann ich mir praktisch nicht ausmalen, dass die Organisatoren angeboten haben, Niemann einfach so zu entfernen, um Carlsen zu halten ... und erst recht nicht, dass Carlsen so etwas gefordert haben könnte. Wenn man bedenkt, dass das alles Leute des öffentlichen Lebens und auch knallharte Geschäftsleute sind, die höchstwahrscheinlich nicht aus Spaß ihren Ruf ruinieren wollen, wäre das höchstens bei temporärer geistiger Umnachtung möglich, und das schließe ich aus.
Wenn sich das Niemann aber einfach ausgedacht und seinen Anwälten erzählt hat, damit es besser klingt, wird's ein Bumerang.
Silvio Z Silvio Z 24.10.2022 09:46
"Sicher ist, dass die (m.E. zum Betrug geradezu herausfordernde) Entscheidung, die Partien live zu übertragen, korrigiert und eine 15minütige Verzögerung eingebaut wurde."

Endlich spricht mal jemand diesen Fakt an. Von hohen Sicherheitskriterien kann also mitnichten die Rede sein. Erst ab der 4. Runde wurde die Zeitverzögerung eingeführt. Heißt: In den Runden 1 - 3 war es quasi eine Einladung zum Betrug! Danke den Veranstaltern des Sinquefield Cup! Asche auf ihr Haupt.
oegenix oegenix 24.10.2022 09:02
@Pemeo6
Was bekannt ist, ist in "Perlen vom Bodensee vom 6.9.22" nachzulesen. Danach wurde Carlsen mit seinem Vater auf dem Weg zum Orgabüro gesehen. Lt. Hauptschiedsrichter gab es eine Diskussion und den Versuch, Carlsen im Turnier zu halten.
Sicher ist, dass die (m.E. zum Betrug geradezu herausfordernde) Entscheidung, die Partien live zu übertragen, korrigiert und eine 15minütige Verzögerung eingebaut wurde. Angeblich wurden auch die RFIDKontrollen verstärkt.
Vielleicht bringt die angekündigte Untersuchung durch die FIDE mehr Fakten ans Licht.
Pemoe6 Pemoe6 23.10.2022 10:53
Carlsen hatte gefordert, Niemann vom weiteren Turnierverlauf auszuschließen? Das lese ich hier zum ersten Mal und es kommt mir ziemlich absurd vor, dass das die Wahrheit sein soll. Hat hier jemand irgendwelche Quellen?
Krennwurzn Krennwurzn 23.10.2022 11:16
@schachkwak
Carlsen war sich wohl am Brett sicher, dass Niemann betrügt und diese Meinung dann veröffentlicht.

Juristisch ist das wohl von der Meinungsfreiheit gedeckt, sportrechtlich sollte er ermahnt werden.

Nebenbei kann man objektiv weder beweisen, dass Niemann betrogen hat also auch dass er nicht betrogen hat.
Bei noch so hoher Sicherheit bleibt immer ein Restrisiko.
Phantasy Phantasy 23.10.2022 06:01
Carlsens Brief ist meiner Meinung nach perfekt geschrieben und von der freien Meinungsäußerung gedeckt. Die entscheidende Passage ist diese hier:

"I believe that Niemann has cheated more — and more recently — than he has publicly admitted. His over the board progress has been unusual, and throughout our game in the Sinquefield Cup I had the impression that he wasn’t tense or even fully concentrating on the game in critical positions, while outplaying me as black in a way I think only a handful of players can do. This game contributed to changing my perspective."

"Ich glaube, daß Niemann mehr betrogen hat - und in letzter Zeit - als er öffentlich zugeben hat. "
Er darf das glauben, es is erlaubt.
Er darf das, was er glaubt, auch mitteilen.

Carlsen hat sich nichts zuschulde kommen lassen, der Satzbau stimmt. Das Satzende "als er öffentlich zugegben hat" ist perfekt und macht sein Statement unantastbar.
schachkwak schachkwak 23.10.2022 12:36
In der Streaming-Szene hat sich ja vor allem Hikaru Nakamura zwischenzeitlich festgelegt, dass Niemann gecheatet hat. Das hat zu einer Parodie von Ben Finegold geführt.
Finegold hat gemeint, dass Niemann beim Sinquefield Cup _KEINE_ unerlaubte Hilfe hatte. Entsprechend kritisiert er Carlsen, Nakamura und auch chess.com incl. Danny Resch.

GM Ben Finegold ist nicht nur ein bekannter Schach-Streamer mit wunderbaren trockenem Humor, sondern ich glaube, er hat auch etwas mit der amerikanischen Jugendarbeit zu tun. Ich habe jetzt aber nicht herausgefunden, ob er offiziell für die Jugendarbeit im amerikanischen Schachverband verantwortlich ist oder war. Niemann hat er aber nur vor 8 Jahren mal in einem Schachcamp gecoacht. Sonst hat er keinen Kontakt zu ihm, meint er.

Er gibt vor, dass es ihm nicht um Sympathien geht, sondern dass es ihm um die Wahrheit geht.

Hier trollt er Magnus:
https://www.youtube.com/watch?v=jLBy71vUWcA

Hier trollt er Hikaru und analysiert wohl eine 100%-Partie von Niemann (zumindest 100% der gezeigten Züge sind Engine-Züge?):
https://www.youtube.com/watch?v=sJv_RdJ-Hmk
Für alle, die Hikaru Nakamuras Stream nicht kennen - er nennt Material, Felder, Drohungen oder Vorteile gerne "Juicer". Hikaru spricht normalerweise sehr schnell und wiederholt sich dabei manchmal etwas.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Finegolds Sichtweise bei dem Fall durchsetzen wird.
https://www.youtube.com/watch?v=XDGGJt5KMZQ
Um das Video zu verstehen, sollte man wissen, dass Fingold ein paar zusätzliche Schachregeln aufgestellt hat.
- spiele nie f3 oder f6 (selbst wenn es gut ist)
- immer zurückziehen (vor allem den Läufer)
- immer die Qualität opfern
- ... habe bestimmt einiges vergessen ...

GM Finegold sagt also: Rein objektiv hat Niemann beim Sinquefield Cup nicht gecheatet und damit ist Carlsens Verhalten zu kritisieren und zu sanktionieren.
Mendheim Mendheim 22.10.2022 05:29
Es ist sicherlich eine ehrenwerte Idee, einen Konflikt sportlich am Brett zu lösen, leider aber in diesem Fall ein ziemlicher Unsinn. Dabei ist gar nicht 1. April.
Abgesehen davon, dass sich die Konfliktparteien kaum auf ein Setting einigen könnten, wenn sie denn überhaupt dazu bereit wären, dies ernsthaft zu versuchen, wäre auch die Aussagekraft des Ergebnisses zweifelhaft, zumal mit den Konsequenzen, die vorgeschlagen werden. Das Ganze auch noch mit Schnellpartien zu mischen, macht den Eintopf zwar fett, aber kaum bekömmlich. Fischers Gelächter wäre was für die Hall of Fame.
R700 R700 22.10.2022 05:13
Naja, wenn der Ex-Chefökonom des IWF sich einmischt, kommt sicherlich eine justiziabel evaluierbare Marktschätzung des Geschehens zustande. Die Bank gewinnt doch immer...
MARIO1962 MARIO1962 22.10.2022 03:26
@Phantasy : wäre ja schön , wenn er wenigstens mal EINE schlaue Minute hätte................................
crizzy crizzy 22.10.2022 01:30
Danke @Krennwurzn für den Hinweis auf den Artikel von Prof. Rogoff:
"Was, wenn Hans Niemann wirklich ein zweiter Bobby Fischer ist?"
20 Partien Schnellschach, bei denen die schnelle Abfolge der Züge einen Betrug extrem schwierig macht, und dann acht reguläre Partien.
Lasst uns die Sache am Schachbrett klären.
PS: Sehr guter Vorschlag!
AHGST AHGST 22.10.2022 01:23
Es wird am Ende ein schlechten Beigeschmack für den Schachsport übrigbleiben.
Ehrlich gesagt, wie konnte Niemann ca. 100 mal "betrügen". Wer schon mal auf Schach-Online-Portale
Computerhilfe angewendet hat, wie schnell kam die Verwarnung? Da braucht man keine 100 Partien!
Mendheim Mendheim 22.10.2022 12:56
Spasski hat mal in einem Interview (ich glaube mit NewInChess) gesagt, die Schachwelt sei eine Monarchie. Da konnte man einen leicht ironischen Unterton heraushören, aber grundsätzlich meinte er es wohl so und bejahte es auch. Das war zu Kasparows Zeiten. Spätestens seit Carlsen dachte man, dass sich da vielleicht doch etwas geändert hätte, und differnzierter betrachtet, stimmt das wohl auch. Bei Carlsen sind es weniger seine Handlungen als vielmehr die Begleitumstände (s.a. Rücktritt vom WM-Titel) und wie er seine Entscheidungen kommuniziert, was frappiert. Statt "L'état c'est moi" klingt es jejtzt auf gut Deutsch nach "l...m...A..."
Krennwurzn Krennwurzn 22.10.2022 12:30
Ein interessanter Artikel im österreichischen Standard

KENNETH ROGOFF
Professor für Wirtschaft und Politik an der Harvard University
und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

https://www.derstandard.at/story/2000140212308/schach-was-wenn-hans-niemann-wirklich-ein-zweiter-bobby-fischer?ref=rss
Krennwurzn Krennwurzn 22.10.2022 11:45
Ich bin mir sicher, dass Carlsen während der Partie gegen Niemann selbst wirklich geglaubt hat, dass er betrogen wird. Er ging schon mit einer negativen Einstellung in die Partie, die verlief dann (Vorbereitungsglück) auch noch grottenschlecht und er spielte schlecht und schlechter ...

Dieser Teil ist mir vollkommen verständlich ABER die Reaktion darauf gefällt mir gar nicht. Den Ausschluss Niemanns zu fordern und dann selbst zurückzutreten. Nur persönliche Emotionen und ein paar Indizien reichen eben nicht in einer demokratischen Gesellschaft ...
oegenix oegenix 22.10.2022 09:33
@Snaporaz02
Es kommt immer darauf an, was der Adressat einer Äußerung versteht, und das war, s. Mendheim, eindeutig.
In seinem Statement vom 26.09. hat Carlsen nur seine Eindrücke geschildert. Das ist m.E. von der Meinungsfreiheit gedeckt. Das Video von Mourinho, das er gepostet hat, ist kritischer. Anders als Mourinho, der sich nur allgemein auf die Schiedsrichterleistung bezogen hat, könnte das bei Carlsen konkreter, nämlich als Betrugsvorwurf gegen Niemann ausgelegt werden.
Barral Barral 22.10.2022 12:57
Der erste Twitter Carlsens in dieser Angelegenheit legt ja nahe, dass er sich vorher hat rechtsberaten lassen und seither in einer Grauzone operiert, mit subtilen, nicht justitiablen Anschuldigungen. Das mag sich nach Willkürakt anhören (und ist es de facto sicher auch), aber man sollte das im Kontext der letzten anderthalb Jahrzehnte sehen, in denen Carlsen das Schach dominiert und in denen es sich einschneidend verändert hat: Der Aufstieg des heutigen Handys, der App's, fällt mit Carlsens Aufstieg zeitlich ziemlich genau zusammen - der analoge Weltmeister bewegt sich heute in einer Welt, in der tausende Schachspieler den digitalen Weltmeister in der Grauzone ihrer Gesäßtasche dabei haben. In weiteren anderthalb Jahrzehnten, spätestens, wird keine Gesäßtasche mehr nötig sein, es neuronal kompatible Chips geben und nur noch völlig absurde Duelle um einen Titel, dem nichts Humanes mehr anhaften wird.
Carlsen steigt aus, und er setzt ein Zeichen. Ob Niemann dafür das richtige Exemplum ist - das wage ich nicht zu bewerten. Ob ich das an Carlsens Stelle auf diese Art gemacht hätte - sicher nicht. Aber ein Zeichen bleibt es, ein Menetekel, genauso wie die Duck'schen Fantastillionen, die Niemann einklagen möchte.
Mendheim Mendheim 21.10.2022 10:29
@Snaporaz02
Carlsen hat zwar nicht expressis verbis gesagt, dass Niemann ihn in Saint Louis betrogen hat, aber die Gesamtheit seiner Aussagen lässt überhaupt keinen anderen Schluss zu, als dass er genau dies zum Ausdruck bringen wollte, und so ist das ja weltweit verstanden worden.
Entsprechend wurde Carlsen nach Beweisen für seine derart kolportierte Behauptung gefragt, woraufhin er sich in Schweigen hüllte. Er hat keinesfalls gesagt, er sei missverstanden oder überinterpretiert worden. . Seine spätere Erklärung (eine von mehreren), Niemann habe in der Partie gegen ihn keinerlei Anzeichen von Anstrengung und Angespanntheit gezeigt, verstärkt im Gegenteil die im Raum stehende Anklage.
Wenn ein solches Verhalten - massive öffentliche Anschuldigungen ohne Nachweis - als akzeptabel gelten sollte, dann wäre m. E. der Willkür Tot und Tür geöffnet.
Snaporaz02 Snaporaz02 21.10.2022 07:56
@oegenix
Was für eine Äußerung hat Carlsen denn eigentlich gemacht? Was hat er gesagt? Welche Aussage stimmt nicht?
Es war doch eher sein Verhalten, woraus andere Rückschlüsse gezogen haben, was er damit meinen könnte.
oegenix oegenix 21.10.2022 04:03
@Mendheim
Voraussetzung für eine Verleumdungsklage in den USA ist, dass die Äußerung falsch ist (was Niemann wohl nicht beweisen kann) oder dass der, der die Äußerung macht, die Tatsache, ob sie wahr oder falsch ist, rücksichtslos vernachlässigt. Das wäre meines Erachtens nur dann der Fall, wenn Carlsen keine Indizien für seine Behauptungen gehabt hätte.
Krennwurzn Krennwurzn 21.10.2022 02:31
Zuerst muss die Klage einmal zugelassen werden ...

Es wird schon gemunkelt, dass für Niemann eine Abweisung gar nicht schlecht wäre, denn damit könnte eine Art Waffenstillstand und damit Ruhe einkehren.
Mendheim Mendheim 21.10.2022 01:29
@oegenix - Sehr interessant, vielen Dank. "Grundsätzlich muss der Kläger (Niemann) beweisen, dass die Beklagten ihn falsch beschuldigt haben." Gibt es nicht Indizien genug, dass die Beklagten Niemann ohne Nachweis des Betruges beim Sinquefield-Cup und ähnlichen Turnieren (also keine Online-Turniere) in den letzten ein, zwei Jahren öffentlich verdächtigt haben?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass öffentliche Verdächtigungen dieser Art durch Meinungs- und Redefreiheit abgedeckt sind. Das käme ja einer absurden Umkehr der Beweislast gleich, wenn Nieman beweisen müsste, dass er nicht betrogen hat. (Könnte man dann nicht jeden, der sich irgendwann mal was hat zu Schulde kommen lassen, lebenslang brandmarken, nach dem Motto "einmal Betrüger, immer Betrüger"?)
oegenix oegenix 21.10.2022 12:57
@Aurelius @ Mendheim
Das amerikanische Recht ist von unserem stark verschieden. Auch zwischen den einzelnen Bundesstaaten gibt es erhebliche Differenzen.
Die Meinungs- und Redefreiheit, um die es hier geht, ist in der US-Verfassung verankert.
Grundsätzlich muss der Kläger (Niemann) beweisen, dass die Beklagten ihn falsch beschuldigt haben. Das wird ihm angesichts der vorliegenden Indizien kaum gelingen. Es gibt zwar Beweiserleichterungen, die aber für Personen des öffentlichen Lebens nicht oder nur eingeschränkt gelten, wieder abhängig vom Bundesstaat. Ob Niemann schon so berühmt geworden ist, dass ihn das Gericht als Person des öffentlichen Lebens (ähnlich wie prominente Schauspieler) behandelt, kann ich nicht beurteilen.
Der Streitwert (@Mendheim) ist unerheblich. Anwälte werden nach Erfolg oder nach Stundenhonorar bezahlt. Die Gerichtskosten sind minimal (s. meinen Beitrag unten).
Bei chess.com könnte es anders aussehen. Wenn die in ihren Teilnahmebedingungen eine Klausel haben, dass eine Partie ohne weiteren Beweis als Betrug anzusehen ist, wenn eine Überprüfung mit bestimmten Programmen das nahe legt, dürfte die Klage aussichtlos sein.
Mendheim Mendheim 21.10.2022 12:13
Statt Kaffesatzlesen wäre es mal interessant, hier kompetente Einschätzungen von Juristen zu lesen. Die Klageschrift scheint die Beschuldigten in allen Punkten wie eine Verschwörerbande anzuklagen; ausdrücklich heißt es gegen Schluss: "FIFTH CAUSE OF ACTION (Civil Conspiracy – Against All Defendants)". Das scheint mir schwer nachweisbar, selbst wenn das Gericht Niemann in einzelnen Punkten Recht geben sollte. Letztlich müsste das Ganze doch in Einzelverfahren aufgelöst werden, oder?
Der Streitwert erscheint mir als juristischem Laien sehr hoch angesetzt, wenn man die Umsätze betrachtet, die im Schachbusiness getätigt werden. Aber wenn Niemann auch nur 5-10% davon erhalten sollte, wäre er ein "gemachter Mann" und die Folgen für die Beschuldigten könnten ziemlich ruinös sein, oder?
oegenix oegenix 21.10.2022 11:01
Niemann verklagt Personen und eine Institution, die in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Schach als eine von wenigen Sportarten gut durch die Pandemie gekommen ist und die vielen Großmeistern, auch ihm, erhebliche Einnahmen beschert haben.
Niemann wartet mit der Klage nicht, bis die angekündigten Ermittlungen der FIDE abgeschlossen sind. Das bedeutet ja wohl, dass Niemann mit seiner Schachkarriere abgeschlossen hat.
Die Klage ist für ihn finanziell risikolos, wenn seine Anwälte vorerst auf Honorar verzichtet und ein Erfolgshonorar ausgehandelt haben (30 bis 50% sind durchaus üblich).
Die Gerichtskosten für die Klage beim Bezirksgericht sind mit 350 USDollar überschaubar.
Niemann hat auf jeden Fall erreicht, dass den Beklagten ein erheblicher Schaden entsteht. Auch wenn er den Prozess verliert, muss er den Beklagten nämlich nach US-Recht deren Anwaltskosten nicht ersetzen.

Die Folge für den Schachsport ist eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Die ist zuerst einmal eher positiv. Das kann aber schnell umschlagen, wenn es der FIDE nicht gelingt, in Kürze ein transparentes Antibetrugskonzept für alle ELO-gewerteten Turniere durchzusetzen.
Arelius Arelius 21.10.2022 10:52
@Schachpoet8, Sie liegen total falsch. Nur weil er Engine Züge gemacht hat und das nicht einmal zusammenhängend, sind das keine Beweise. Auch andere starke Spieler machen Engine-Züge. Es gibt nicht einen einzigen Fall, wo er offiziell des Betruges in den letzten beiden Jahren erwischt wurde. Vor Gericht zählen nur stichhaltige Fakten. Nur mit gewissen Computeranalysen in bestimmten Phasen einer Partie, wo u.A. auch schwächere Züge erfolgten, hat man da schlechte Karten. Was den Trump anbelangt, ist eine ganz andere Geschichte.
Krennwurzn Krennwurzn 21.10.2022 10:46
Die Causa wird mit einem Vergleich enden und Verlierer wird das Schach sein!

Und ganz ehrlich so richtig unschuldig sind wir alle nicht - Onlinecheating ging den Verbänden und auch den Vereinsvertretern, Turnierveranstalter, ... sowas am ... vorbei bis es Analperlen in den Boulevard schafften.
Schachpoet8 Schachpoet8 21.10.2022 09:16
Wer 100 mal betrogen hat und selbst dann noch gelogen hat, in nur 2 Partien betrogen zu haben, der ist ein notorischer Lügner..Salamitaktik.. Die Computeranalysen sprechen gegen Niemann.. Trump hat ganze Arbeit geleistet, indem er gezeigt hat, wie weit man in Amerika kommt, wenn man lügt, betrügt und gegen die Opfer dann noch permanent klagt.. Er symbolisiert einen Zeitgeist von Egoismus und Rücksichtslosigkeit.. Legitim ist alles, womit man durchkommt.. Auch im Sport / Doping ein Problem das immer weiter zunimmt.. Ist gar nicht verkehrt, wenn hier auch im Schach mal wieder genauer hingesehen wird, was auf vielen gesellschaftlichen Ebenen genauso schief läuft..
Arelius Arelius 21.10.2022 08:45
Es geht nicht darum, was Niemann in der Vergangenheit getan hat, sondern jetzt in den letzten beiden Jahren bei Turnieren. In dieser Zeit gibt es keinen einzigen klaren sichtbaren Beweis oder gar das er auf frischer Tat ertappt wurde. Eine Verleumdung durch die Genannten aus Sicht Niemanns erscheint da schon wahrscheinlicher, weil man diesen aufgehenden Stern stoppen will. Dieser arrogante Carlsen ist ohnehin ein schlechter Verlierer und bei Nakamura ist es wohl eher der Neid. Es bleibt also weiter spannend.
saber-toothed saber-toothed 21.10.2022 05:24
"Niemann hat mehr als 100 Mal betrogen, das ist bewiesen!" - ich bin sehr gespannt, ob das Gericht (denn dies wird zweifellos zur Sprache kommen) die von Chess.com vorgelegten Statistiken als "Beweis" werten wird. Ich habe große Zweifel.
boheme boheme 21.10.2022 04:04
Niemanns Partien beim Sinquefield-Cup waren durchtränkt mit Ungenauigkeiten. Diverse Experten halten einen Betrug Niemanns beim Sinquefield-Cup für sehr unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Carlsens haltlose Aschuldigungen waren nichts weiter als verächtliche Rufschädigung.
Matthias Ruf Matthias Ruf 21.10.2022 12:23
Erinnert mich an den Poker-Star Mike Postle, der eine Klage einreichte, um 330 Millionen Dollar wegen Verleumdung von anderen Spielern zu erhalten. Am Ende ging der Betrüger jedoch bankrott und konnte seine Anwälte nicht mehr bezahlen. Zuvor kannte der Hellseher die Karten seiner Gegner durch ein verstecktes Smartphone und einen Helfer. Er hatte auch eine zweifelhafte Persönlichkeit, mit der Angewohnheit zu seinem Vorteil zu lügen. Manche Menschen, die betrügen, glauben, dass sie Recht bekommen, wenn sie nur laut schreien.
Magicgirl Magicgirl 21.10.2022 12:21
Niemann hat mehr als 100 Mal betrogen, das ist bewiesen!
Was soll nun diese Klage? Einfach lächerlich!
Niemann wird danach nie wieder zu einem Turnier eingeladen werden und er wird ausgehen wie eine Kerze!
Phantasy Phantasy 20.10.2022 11:09
Oh, Mario1962 hat wieder seine fünf Minuten
MARIO1962 MARIO1962 20.10.2022 10:13
nun muss der sogenannte Weltmeister endlich Fakten liefern, oder löhnen.
spf spf 20.10.2022 09:43
Jetzt geht der Streit erst richtig los! Ob das gut fürs Schach ist darf getrost bezweifelt werden.
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