Norway Chess: Anand bleibt in Führung

von André Schulz
03.06.2022 – Die dritte Runde beim Norway Chess Turnier brachte für Magnus Carlsen den ersten glatten Sieg. Der Weltmeister besiegte Teimour Radjabov. Zu drei Punkten kam auch Maxime Vachier-Lagrave gegen Aryan Tari. Viswanathan Anand bleibt nach seinem Armageddon-Sieg über Wang Hao in Führung. | Fotos und Videos: Norway Chess

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Auch nach der 3. Runde des Norway Chess Turniers heißt der Tabellenführer Viswanathan Anand. In seiner Heimat wird das Turnier aufmerksam verfolgt. Mit seinen Erfolgen und dem Gewinn seiner Weltmeisterschaften - Anand gewann die FIDE K.o.-Weltmeisterschaft 2000, das WM-Turnier der FIDE 2007 und den WM-Wettkampf gegen Kramnik 2008 und verteidigte seinen Titel 2010 und 2012 erfolgreich gegen Gelfand und Topalov - ist Anand in Indien nicht nur einer der populärsten Sportler des Landes, sondern quasi schon in den indischen Olymp aufgestiegen, mindestens als Halbgott. Außerdem hat er Schach in Indien zum Volkssport gemacht. Die Schach-Begeisterung in Indien hat dazu geführt, dass eine neue Generation von spielstarken jungen indischen Großmeistern auf dem Weg in die Weltspitze ist. Im Juli ist Indien Gastgeber der Schacholympiade, was die Begeisterung  noch einmal anheizen wird.

Master Class Band 12: Viswanathan Anand

Als Viswanathan Anand auf der europäischen Schachbühne erschien, hatte er in Indien schon einige Erfolge erzielt, die indischen Jugendmeisterschaften und als Jugendlicher auch die Landesmeisterschaften der Erwachsenen gewonnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Anand 1984 für die Schacholympiade in die indische Nationalmannschaft berufen. 1987 wurde er Juniorenweltmeister, 1988 verlieh die die FIDE dem 19-jährigen den Titel eines Großmeisters.

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Inzwischen ist Anand tatsächlich schon 52 Jahre alt, hat aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern als Schachweltmeister noch Spaß am Schach. Und er kann es natürlich noch.

Viele Kinder unter den Zuschauern

Nach zwei "Dreiern" in den ersten beiden Runden erwies sich aber in Runde drei Wang Hao als nicht bezwingbar, zumindest nicht im klassischen Schach. Wang Hao war nach dem Kandidatenturnier 2020-21 aus gesundheitlichen Gründen vom Turnierschach zurückgetreten. Inzwischen hat sich sein Gesundheitszustand aber verbessert und er ist wieder da.

Die Partie zwischen Anand und Wang Hao wurde mit der Sveshinikov-Variante eröffnet - eine Seltenheit, denn meist weichen die Weißspieler mit 3.Lb5 aus, weil Sveshnikov zu gut erforscht ist. Anand und Wang Hao folgten 18 Züge lang einigen Vorgängerpartien und fanden sich dann in einer ausgeglichenen Stellung wieder. Bald danach kam zu einigen Tauschoperation und die Partie verflachte zum Remis.

In der folgenden Armageddonpartie wiederholte Anand seinen "Fehler" aus dem 3. Zug nicht, spielte 3.Lb5 und gewann.

Auch in der Partie zwischen Anish Giri und Wesley So konnten die beiden Spieler 18 Züge lang "Theorie" abrufen, hier in der Klassischen Variante der Nimzoindischen Verteidigung. Und auch hier verflachte die Partie bald nach Abtausch einiger Steine.

Wesley So hielt die Stichkampfpartie mit den schwarzen Steinen dann remis, was ihm nach der Armageddonregel den halben Extrapunkt einbrachte. So stand am Ende sogar auf Gewinn.


Wesley So

Remis endete auch die Partie zwischen Shakhriyar Mamedyarov und Veselin Topalov in einem Damenbauerspiel, einem Mix aus Slawischem Damengambit und Katalanisch. Der Aseri hatte mit der langen Rochade und später mit einem Bauernopfer Schärfe in die Partie gebracht, aber im Endspiel entspannte sich die Situation.

Mameyarov gewann die Armageddonpartie mit den weißen Steinen.

Die 3. Runde brachte auch auch zwei Entscheidungen in den regulären Partien. Maxime Vachier-Lagrave besiegte mit den schwarzen Steinen Aryan Tari. In der Moskauer Variante (3.Lb5) als Antwort auf den nimmermüden Versuch des Franzosen, die Najdorf-Variante zu spielen, kam Vachier-Lagrave im Mittelspiel zu einem unwiderstehlichen Königsangriff.

 

 

 

Maxime Vachier-Lagrave

Schließlich feierte auch Magnus Carlsen einen glatten Gewinn gegen Teimour Radjabov. In der Nakamura-Variante (7...b5, der Name ist inoffiziell) der Katalanischen Eröffnung verteidigte Carlsen einen gewonnenen Gambitbauern auf der b-Linie und als dieser vorrücken konnte, war die Partie zu Gunsten von Weiß entschieden.

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Sehen Sie, welche Eröffnungen Carlsen wählt, um seinen Gegner im Mittelspiel strategisch zu überspielen oder ein vorteilhaftes Endspiel zu erhalten.

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Magnus Carlsen

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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