Offener Brief von Robert Hübner

von ChessBase
27.11.2019 – 2015 zog der Godesberger SK im Streit mit dem Deutschen Schachbund und dessen "Spielervereinbarung" seine Mannschaft aus der Zweiten Liga West zurück. Jetzt findet die Geschichte mit dem Aufstieg des Siegburger SC in die Zweite Liga ihre Fortsetzung. Robert Hübner und Bodo Schmidt dürfen nicht mehr mitspielen, weil sie die "Spielervereinbarung" des DSB nicht unterschreiben wollen. | Foto: Niederländisches Nationalarchiv

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Deutscher Schachbund vs. Godesberger SK

Vor fünf Jahren kam es zu einem offenen Streit zwischen dem Godesberger SK und seinen Spielern in der Zweiten Bundesliga und den Gremien des Deutschen Schachbundes. Der DSB legte den Spielern der Ersten und Zweiten Bundesliga eine "Spielervereinbarung" vor, die diese unterschreiben mussten, um am Spielbetrieb in den höchsten deutschen Spielklassen teilnehmen zu können.

Im Hintergrund dieser Maßnahmen stand einen Vorfall aus der Saison 2012/13. Wie zitieren aus der Wikipedia:

Im Rahmen des Mannschaftskampfes SC Eppingen gegen die Sportfreunde Katernberg in der Saison 2012/13 kam Falko Bindrich in der Schachbundesligapartie am 21. Oktober 2012 gegen Sebastian Siebrecht der Aufforderung des Schiedsrichters nicht nach, ihm sein unerlaubt auf die Toilette mitgeführtes Handy zur Kontrolle auszuhändigen. Seine Partie wurde daraufhin als verloren gewertet. Der SC Eppingen kündigte daraufhin an, Bindrich bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts nicht mehr in seiner Bundesligamannschaft einzusetzen. Danach verhängte das Präsidium des Deutschen Schachbundes in seiner Sitzung am 19. Januar 2013 gegen Bindrich eine Funktions- und Spielsperre von zwei Jahren. Gegen diese legte Bindrich Einspruch ein und kündigte an, nötigenfalls auch zivile Gerichte anzurufen. Am 2. Mai 2013 wurde die Sperre vom DSB-Schiedsgericht aufgehoben. In der Begründung hieß es, die Sperre sei ohne Rechtsgrundlage verhängt worden, da Bindrich bei dem Vorfall nur dem Sanktionsrecht des Schachbundesliga e.V., nicht aber dem des DSB unterlegen habe. DSB-Präsident Herbert Bastian kündigte daraufhin an, diese Rechtslücke durch entsprechende Satzungsänderungen schließen zu wollen. Im April 2014 wurde bekannt, dass Bindrich den Deutschen Schachbund auf Schadenersatz in Höhe von 68.000 Euro verklagt. Im September 2014 wurde die Klage durch das Landgericht Berlin abgewiesen. Bindrich habe die Höhe seiner Einnahmeverluste nicht belegen können und ihn treffe zudem ein Mitverschulden an der verhängten Sperre.

Aus: Wikipedia, Falko Bindrich

Die in diesem Fall fehlende juristische Grundlage wurde später mit einer "Spielervereinbarung" genannten Unterwerfungserklärung geschaffen, die aber in manchen Punkten über das Ziel hinausgeschossen war, so befanden einige Spieler. Insbesondere Spieler des Godesberger SK, der zu diesem Zeitpunkt mit seiner ersten Mannschaft in der Zweiten Liga West spielte, weigerten sich die Spielervereinbarung in dieser Form zu unterschreiben. Der Verantwortlichen des DSB zeigte sich jedoch unnachgiebig. Zur Saison 2015/16 zog der Godesberger Schachklub deshalb seine Mannschaft aus der Zweiten Liga zurück.

Innerhalb des Godesberger SK setzte sich der Streit fort. Es bildeten sich zwei Fraktion, die darüber stritten, wie man sich in dieser Sache verhalten sollte. Am Ende zerriss es einen einstmals großartigen Verein, der über Jahrzehnte für seiner herausragende Jugendarbeit bekannt war, förmlich - ein erschütternder Vorgang, besonders für die Schachfreunde, die im Godesberger SK groß geworden sind.

Chronik des Godesberger SK...

Stellungnahmen zum Rückzug beim GSK...

Viele Schachfreunde verließen den Klub. Auch Bodo Schmidt und Robert Hübner wechselten den Verein und spielten nun für den SC Siegburg. Dort findet die Geschichte jetzt ihre Fortsetzung. Dank guter Ergebnisse ist der SC Siegburg nämlich bis in die Zweite Liga aufgestiegen. Hier können aber drei Spieler nicht mehr mitspielen, weil sie die vom DSB eingeforderte Spielervereinbarung nicht unterschreiben wollen, darunter Robert Hübner und Bodo Schmidt.

Robert Hübner und Bodo Schmidt möchten den Kampf um ihr Recht nicht aufgeben. Robert Hübner hat sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Bodo Schmidt berichtet in seiner Ergänzung von den Auswirkungen, die der Streitfall um die Spielervereinbarung gehabt hat. 

Ungeachtet der Notwendigkeit für den Deutschen Schachbund, eine juristische Grundlage für Maßnahmen gegen Betrüger in der Hand zu haben, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Verantwortlichen des DSB hier mit Kanonen auf Spatzen schießen. Es kann sicher nicht im Sinne des Schachs und des Schachbundes sein, wenn Vereine an den Vorschriften für den Spielbetrieb zugrunde gehen und Spieler wie Dr. Robert Hübner, in seiner besten Zeit ein Weltklassespieler und WM-Kandidat, dadurch vom Spielbetrieb ausgeschlossen wird. Vielleicht führt die neuerliche Initiative von Bodo Schmidt und Robert Hübner dazu, dass man sich noch einmal zusammensetzt und nach einer Lösung sucht. Im Sinne des Schachs wäre das sehr wünschenswert.

Wir geben den Offenen Brief von Robert Hübner und die Ergänzung von Bodo Schmidt hier unverändert wieder. 

André Schulz

 

Offener Brief von Dr. Robert Hübner

„Spielervereinbarung“

Seit über sechzig Jahren habe ich an Mannschaftskämpfen in verschiedenen Ländern Europas teilgenommen. Das ging stets ohne Schwierigkeiten. Jetzt zwingt der Deutsche Schachbund als einziger der zahlreichen mir bekannten Verbände in aller Herren Länder diejenigen, welche in der zweiten Bundesliga spielen wollen, eine sogenannte „Spielervereinbarung“ zu unterschreiben; in dem Schriftsatz wird sie des weiteren als „Vertrag“ bezeichnet.

Was ist der eigentliche Zweck dieses neuen, sonst nirgendwo geübten Verfahrens? Nach Durchsicht des Schriftsatzes fällt die Beantwortung der Frage leicht: Den einzelnen Spielern soll die Möglichkeit entzogen werden, jemals seine persönlichen, individuellen Rechte dem Deutschen Schachbund gegenüber geltend machen zu können. Es wird aber das Verhältnis zwischen der Organisation und dem Spieler durch das Bürgerliche Recht geregelt; es bedarf dazu keines „Vertrages“, der einer Seite alle Rechte gibt, der anderen Seite alle Rechte nimmt. Diese Feststellung gilt insbesondere für § 1.3 und § 2 des Textes.

Ich bespreche einige der Formulierungen, die den Schriftsatz zieren.

1) Unter „§ 1.2 Vertragszweck“ heißt es:

„Der DSB verurteilt jegliche Form von Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher oder seelischer Art ist; er verurteilt jedwedes Verhalten, das das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt.“

Was hat diese Aussage in einem „Vertrag“ zu suchen? Man kann sie nur auf eine Weise verstehen. Der Deutsche Schachbund teilt dem sogenannten Vertragspartner mit: „Du, der du in unserem hehren Kreis zugelassen werden willst, bist natürlich für Gewalt und gegen das Recht sexueller Selbstbestimmung. Du bist ein potentieller Verbrecher.“ Es finden sich hier Ansätze zu einem Gesinnungsstrafrecht, wie es für totalitäre Strukturen kennzeichnend ist. Dies wird vollkommen klar aus § 2, in dem mit Verweis auf den zitierten Satz Sanktionen angedroht werden.

2) Unter § 3 „Vermeidung und Aufklärung von Verstößen“ wird gesagt:

„Der Spieler nimmt davon Kenntnis, daß [...] es dem Schiedsrichter erlaubt [ist], Kleidung, Gepäck oder andere Gegenstände in einem abgesonderten Bereich zu untersuchen...“

Um die Ungeheuerlichkeit dieser Bestimmung auszuloten, hält man sich am besten ein Fallbeispiel vor Augen. Nach dem Wortlaut dieses Paragraphen hat der Schiedsrichter die Befugnis, mich zu zwingen, mit ihm zu meinem Wagen zu gehen und dort meine Habseligkeiten zu durchwühlen, während ich in meiner Partie noch fünf Minuten Zeit zur Verfügung habe. Es ist offensichtlich, daß solche Befugnis nicht zur Vermeidung und Aufklärung von Verstößen dient. Wie oben festgestellt wurde, soll den Vertretern des Deutschen Schachbundes unbeschränkte Rechtshoheit gegenüber jedem Spieler verliehen werden; ein anderes Ziel gibt es nicht.

3) Der § 6 („Übergangs- und Schlußbestimmungen ...“) wurde von den Vertretern des Deutschen Schachbundes so ausgelegt, als ob sie jederzeit ohne Angabe von Gründen diese Vereinbarung widerrufen könnten. Das bedeutet sofortigen Ausschluß aus dem Spielbetrieb. Warum sollte ich eine Vereinbarung unterzeichnen, die mich in völliger Rechtlosigkeit zurückläßt und mir nicht einmal die Teilnahme am Spielbetrieb sichert?

Man mag meinen, daß solche Fälle, wie sie unter 2 und 3 geschildert wurden, in der Praxis nicht vorkommen. Meine Erfahrung widerspricht solcher Annahme. In sechzig Jahren habe ich am Brett kein einziges Mal einen ernsthaften Streit mit einem Gegner gehabt; mit Schiedsrichtern hatte ich dutzendweise Zusammenstöße. Mehrmals wurde ich von Schiedsrichtern körperlich angerempelt, obwohl der Deutsche Schachbund sich gegen Gewalt ausspricht; mehrmals habe ich gegen Schiedsrichterentscheidungen mit Erfolg den Rechtsweg beschritten.

Der Schriftsatz des Deutschen Schachbundes zeigt Mißtrauen und Verachtung gegenüber den Spielern; es ist selbstverständlich, daß auch der Spieler in diesem Fall Mißtrauen aufbaut und nicht mit einer angemessenen, sondern einer wörtlichen Auslegung der Bestimmungen rechnet. Dafür sind so viele Beispiele aus der letzten Zeit bekannt, daß die Aufzählung von Fällen überflüssig ist.[1] Längst ist in unserer Gesellschaft die Einsicht abhandengekommen, daß ein sinnvolles Miteinander nur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens möglich ist.

 

[1] Ich erwähne nur das schöne Vorkommnis, daß man die Partie eines Spielers als verloren wertete, weil dieser in der Sekunde, die der Schiedsrichter für den Beginn der Partie erwählte, aufgestanden war, um von einem Mannschaftskollegen einen Kugelschreiber zu borgen. 

Dr. Robert Hübner

 

Auswirkungen dieser "Spielervereinbarung"/Muster Unterwerfungserklärung

Im April/Mai 2015 wurde die "Spielervereinbarung"  für die 2. Bundesliga eingeführt. Sie unterschied sich erstaunlicherweise von der der 1. Bundesliga . So sollte z.B. der  Schiedsrichter in der 2. BL das Recht auf Leibesvisitation des Spielers auch ohne Verdachtsmomente haben.

Damals spielte der Unterzeichner zusammen mit u.a. Dr. Robert Hübner, Dr. Jan Sprenger, Thomas Jackelen, Alex Dranov bei dem Godesberger SK in der 2.BL West. Der überwiegende Teil der Spieler lehnte die Unterzeichnung ab und die Mannschaft mußte  zurückgezogen werden. Davon hat sich der gerade auch in der Jugendarbeit sehr engagierte Godesberger SK bis heute noch nicht erholt. In der Saison 2015/16 spielte die 2. BL West nur mit 9 Mannschaften.

Kurz vor Beginn dieser Saison erlaubte jedoch der DSB -ohne den Godesberger SK in Kenntnis zu setzen- einigen Aachenern Spielern die Spielervereinbarung durch Streichungen und/oder Zusätze abzuändern. Davon erfuhren wir erst ein Jahr später.

Seit rund drei Jahren engagiere ich mich in meinem Heimatverein SC Siegburg. Wir sind nach mehrfachem Aufstieg hintereinander nun in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Wir dachten, daß man uns  die gleichen Rechte einräumen würde wie den Aachenern Spielern -also mindestens den Zusatz " bei begründetem Verdacht" zu akzeptieren. Weit gefehlt. Wir erhielten einen Brief des ehemaligen Bundesturnierdirektors Herrn Alt in dem er sogar dreist bestritt, daß es abgeänderte Spielervereinbarungen gäbe und das wir unverändert zu unterschreiben hätten. Spieler, die dies nicht machen,"hätten in der Bundesliga nichts zu suchen".

Wir haben dann beim DSB zwei Anträge gestellt. Zum einen die Spielberechtigung für die 2. BL auch bei Streichung des Wortes verdachtsunabhängig zu erhalten und die Ehrenmitglieder Dr. Robert Hübner und Vlastimil Hort von der "Spielervereinbarung" auszunehmen. Beides wurde abgelehnt und durch das Bundesturniergericht bestätigt. Für den ersten Antrag mit der Begründung, das die Spielberechtigung der Aachener Spieler Unrecht gewesen sei und wir daraus keine Rechte ableiten könnten. Und  Ehrenmitglieder seien zu behandeln wie alle anderen, die unter der Gnade des DSB Schach spielen dürfen.

Bei unserem kürzlichen Heimkampf gegen die SG Porz spielte für Porz ein Spieler auf der Basis des seinerzeit von ihm selbsteigenhändig geänderten Vertragstextes während Dr.Hübner, Axel Breest und ich nicht spielen durften.

In §2  seiner Satzung hat sich der DSB zur Förderung des Schachspiels verpflichtet und nicht zum Gegenteil. Ich spiele nun seit 55 Jahren beginnend bei der SG Porz Schach und habe seit der Zeit alle Präsidenten und Spielleiter kennengelernt. So etwas wie das geschilderte ist mir noch nicht vorgekommen.

Bodo Schmidt

 

Links:

Die Spielervereinbarung (2014)...

Spielervereinbarung der Frauen-BL...

Widerstand gegen die Spielervereinbarung (2014)...

SC Siegburg...

 




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Phantasy Phantasy 05.12.2019 09:36
"Oder ist das nur die Behauptung von GM Hübner?"

Wer nach ueber 40 Jahren objektive Beweise fuer einen Schienbeintritt sucht, hat eindeutig Langeweile.
Das ist meine Behauptung. Es liegen objektive Beweise vor. (Geständnis, Fotos, Film, Ohren-Zeugen ).
ulricus ulricus 05.12.2019 05:16
wethair schreibt am 28.11., dass der ehrwürdige Weltmester Petrosjan unseren lieben GM Hübner in dem damaligen Kandidaten-Match unter dem Tisch gegen das Schiebein getreten haben soll. Gibt es objektive Beweise (Geständnis, Fotos, Film, Ohren-Zeugen o.ä.) oder nur die Behauptung von GM Hübner? Das würde mich mehr interessieren als der unnötige Hickhack um Formulierungen, die dem einem oder andern nicht schmecken.
JoelH_DE JoelH_DE 02.12.2019 08:39
@Reinhard Murina
M.E. hat jemand, der die Rechte anderer bewusst ignoriert und bricht, selbst keine Anrecht auf diese Rechte.

Wenn ein Einbrecher erfolgreich darauf klagt, dass er "unerlaubt" von einer Überwachungskamera gefilmt wurde, weil das "Vorsicht Kamera"-Schild fehlte, dann hört es bei mir mit dem Rechtsverständnis nämlich auf.

Leider haben Recht und Gerechtigkeit dank der vielen Rechtsverdreher wenig miteinander gemein.

Vernünftiger Menschenverstand wird durch absurdeste Regeln oft mit Füßen getreten. Denn letztlich bekommt Hr. Hübner, auch von mir, das Fett weg, das eigentlich Hr. Bindrich gebührt. Denn dessen Uneinsichtigkeit bzw. Egoismus führte ja erst zu dieser eigentlich unnötigen Reglementierungswut.

Einfach weil sich die Leute selbst nur noch die Nächsten sind und Gemeinschaft und Fairness maximal klein geschrieben werden in der heutigen Zeit und gegen alles und jeden geklagt wird. Frei nach dem Motto: Nach mit die Sintflut (die klimatisch witzigerweise folgen wird, wenn es so weiter geht auf der Welt. Aber das ist eine andere Geschichte, wenn auch aus den gleichen Gründen)
R700 R700 30.11.2019 10:39
Wie sollte Justitia Schaden “erkennen“ oder gar “messen“ können, hat sie doch verbundene Augen, vielleicht um sich den Aufenthalt in der “Normativität des Faktischen“ so angenehm wie möglich zu gestalten.
gio06 gio06 30.11.2019 09:26
Solange kein juristisch messbarer Schaden zu erkennen ist, beschränkt sich die öffentliche Justiz zu Recht darauf, im Klagefall zu überprüfen, ob (a) die Statuten eines Vereins den allgemeinen Rechtsnormen und speziell denen des Vereinsrechts entsprechen und (b) in einem strittigen Einzelfall korrekt angewandt werden. Den missbräuchlichen Einsatz digitaler (oder analoger) Hilfsmittel, der beispielsweise über den Aufstieg von der II. in die I. Kreisklasse entschieden hat, überlässt die öffentliche Justiz dem internen Rechtsinstanzenweg, weil sie keinen "Streitwert" wahrnimmt. Eine Klage nimmt die Justiz erst in dem Moment an, wo die benachteiligte Seite die Rechtlichkeit des verbandsinternen Verfahrens (Formfehler) in Frage stellt.
Anders verhält es sich im (halb-)professionellen Sektor, weil öffentliches Recht (Vertragsrecht, ggf. Arbeitsrecht) direkt berührt wird, was auch für eine "Unterwerfungserklärung" gilt, die sich selbst in Bezug zum Vertragsrecht setzt.
Abseits allen Für und Widers, die Robert Hübners offener Brief zu seiner Person, Motivation und allerlei weiteren Begleitumständen ausgelöst hat, liegt hier eine grundlegende Problematik vor: Als "DSB e.V." verpflichtet sich der DSB zum Schutz des Schachs, was selbstverständlich Schutz vor Betrug, gleichermaßen aber eben auch Schutz vor überzogenem, rechtlich womöglich zweifelhaftem, herabwürdigem Vorgehen beinhaltet - als "DSB in Bundesliga e.V." ist er an einer juristisch reibungslosen Vermarktung interessiert, was in der Konsequenz dazu führt, dass Schachspieler wie R.H. sich nicht mehr als schutzwürdige Individuen, sondern generalisierend als potentielle Täter, Verursacher von Rechtskonflikten, potentielle Prozessgegner wahrgenommen sehen.
Beides passt nicht gut zusammen.
Reinhard Murina Reinhard Murina 29.11.2019 02:35
@ cs001
"Aus meiner Sicht geht es lediglich um Meckern des Meckerns willen. Einen berechtigten Kritikkern sehe ich nicht."

Spielen Sie mal bitte diese Partie nach, bzw. sehen Sie sich die Endstellung mal an.

Klundt, Klaus (2360) vs. Huebner, Robert (2580)
Bad Wiessee 1997

Die Geschichte ist so, leider konnte ich im Internet nicht mehr den Link auf den Bericht in der Schachzeitung finden, Klaus Klundt hatte vorher schon mal Remis angeboten, jetzt, wo jeder sieht, dass diese Stellung wirklich Remis ist reicht Dr. Hübner, Klaus Klundt die Hand und beide tragen in das Partieformular remis ein. "Plötzlich fällt Dr. Hübner ein, wenn er die Hand reicht, ohne vorher explizit ich biete jetzt Remis an, gesagt zu haben, hat er aufgegeben. Er streicht das Remis durch und trägt eine 1:0 ein und unterschreibt das so.

Wer sich so verhällt, da gelten andere Regeln, als "lediglich um Meckern des Meckerns willen."

Ich habe mir überlegt, ob Klaus Klundt hätte antworten sollen, ich habe schon verstanden, dass Sie Remis anbieten wollten, ich habe das Remis akzepiert. In so einer Welt gilt wirklich, "Es bedarf dazu keines „Vertrages“, der einer Seite alle Rechte gibt, der anderen Seite alle Rechte nimmt"
Reinhard Murina Reinhard Murina 29.11.2019 01:27
@ JoelH_DE

"Es existiert ein Foto, das ihn auf der Toilette sitzend mit einem Handy in der Hand zeigt, mit einer Engine offenbar die laufende Partie analysierend. Offenbar wurde das Foto - ebenfalls mit einem Handy - von einem anderen Spieler aufgenommen und dem Schiedsrichter als Beweis übergeben."

Und wie stehen Sie zu den "Verfehlungen", die zu diesem Foto geführt haben?

"Es bedarf dazu keines „Vertrages“, der einer Seite alle Rechte gibt, der anderen Seite alle Rechte nimmt" wahrscheinlich hat Dr. Hübner in diesem Punkt Recht ;-)
cs001 cs001 29.11.2019 12:47
Als Jurist habe ich mir mal die vereinbarung durchgelesen. Für mich ist die Standard, ich sehe nicht, dass eine solche Vereinbarung von einem ordentlichen Gericht gekippt werden würde. Die Vereinbarungen anderer Verbände sind dort teilweise noch schärfer. Man sehe sich mal olympischen Sportarten an. Olympiakader oder auch nur, wer an internationalen Wettkämpfen teilenehmen will muss dort im voraus angeben, wo sie sich 24/7 aufhalten.

Die Fälle von Dr. Hübner halte ich für an den Haaren herbeigezogen. Aus meiner Sicht geht es lediglich um Meckern des Meckerns willen. Einen berechtigten Kritikkern sehe ich nicht.
JoelH_DE JoelH_DE 29.11.2019 09:42
Wie ist das eigentlich? Dieser Vertrag ist ja jetzt schon einige Jahre alt. Gibt es einen bekannten Fall wo er angewandt wurde?

Und wie steht Herr Hübner zu den Verfehlungen seines ehemaligen Sportskameraden Igor Rausis?

https://de.chessbase.com/post/der-fall-des-igor-rausis

Dessen ELO-Aufstieg begann ja bereits zu Godesberger Zeiten, ein Schelm der böses dabei denkt! Denn in diesem Fall hätte ich ebenfalls Abstand von solch einer Vereinbarung genommen. Wohl wissend dessen was ich so auf der Toilette treibe....
KurtNr1 KurtNr1 28.11.2019 09:50
Btw. Kommentare von hinten nach vorn lesen zu müssen, kenne ich so nicht, mag ich auch nicht, schadet der Lesbarkeit.
KurtNr1 KurtNr1 28.11.2019 09:49
Das Ganze ist doch keine Erfindung des DSB, sondern Usus bei der FIDE.

R.H.:"Der § 6 („Übergangs- und Schlußbestimmungen ...“) wurde von den Vertretern des Deutschen Schachbundes so ausgelegt, als ob sie jederzeit ohne Angabe von Gründen diese Vereinbarung widerrufen könnten. "

§ 6 der Sp.v. "Der Vertrag kann von beiden Seiten ordentlich mit einer Frist von einem Monat zum 30. Juni eines
Jahres gekündigt werden. Die Möglichkeit der Kündigung aus wichtigem Grund ist davon unberührt. ..."

Ich habe ja schon viele jur. Kunstgriffe kennen gelernt, aber das ! ? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das vor einem ord. Gericht hält.

Was bleibt nun noch übrig von der Argumentation? Für mich nichts.

Ach ja, ob und wie ich zu Kontrollen stehe, hatte ich noch nicht erwähnt. Erst die Voraussetzungen prüfen, dann kann man sinnvoll diskutieren.

Und ja, dort wo Entscheidungen getroffen werden, werden Fehler gemacht, aber das "Auto- Beispiel" ist schlicht albern. Auch da hält keine Sanktion, wenn man dies verweigert.

Und ja, wenn man sich auf das Grundgesetz beruft, dann doch gleiches Recht bzw. hier die Pflicht für alle.
KurtNr1 KurtNr1 28.11.2019 09:37
Bevor man sich Gedanken macht, ob und wie Manipulationen im Schach begegnet werden kann, sollte man die vorliegenden Unterlagen genau anschauen und prüfen, was überhaupt tatsächlich geregelt ist. Dazu wie folgt. Auch wenn es etwas länger wird, ich zitiere mal aus dem vorstehenden Text, was n.m.Ansicht die Lesbarkeit erhöht.

R.H.:"Was ist der eigentliche Zweck dieses neuen, sonst nirgendwo geübten Verfahrens? Nach Durchsicht des Schriftsatzes fällt die Beantwortung der Frage leicht: Den einzelnen Spielern soll die Möglichkeit entzogen werden, jemals seine persönlichen, individuellen Rechte dem Deutschen Schachbund gegenüber geltend machen zu können."

Ja wo denn bitte? Es wird lediglich die Zuständigkeit des Präsidium und Schiedsgerichts des DSB geregelt, erst danach kann die ordentliche Gerichtsbarkeit angerufen werden, § 8 d.Sp.vereinbarung.

Die Präambel bzw. Vertragszweck hat noch mehr Inhalt, außer den beanstandeten Passus und auf den kommt es augenscheinlich an. "...Der Vertrag soll die Sanktionierung von Verstößen des Spielers...".

Nun mag man sicher verschied. Ansichten haben, ob die Verurteilung von Gewalt etc. in dieser Vereinbarung enthalten sein sollte, aber ehrlich. Was benachteiligt die Spieler? Doch höchstens die, welche diese Grundsätze nicht einhalten.

Zu § 3, bezeichnet von R.H. als Ungeheuerlichkeit.

Diese entspricht den FIDE- Regeln, Art.11.3.3. und findet sich in der übersetzten Fassung beim Deutschen Schachbund wieder: "Der Schiedsrichter kann von einem Spieler verlangen, dass dieser in einem
abgesonderten Bereich die Untersuchung seiner Kleidung, seiner Gepäckstücke, anderer
Gegenstände oder seines Körpers zulässt. Der Schiedsrichter oder eine von ihm
beauftragte Person darf den Spieler untersuchen, wobei der Untersuchende das gleiche
Geschlecht wie der zu Untersuchende haben muss. Verweigert ein Spieler die Erfüllung
dieser Pflichten, hat der Schiedsrichter Maßnahmen gemäß Artikel 12.9 zu ergreifen."
rilke rilke 28.11.2019 09:30
In der von B. Schmidt genannten Godesberger Mannschaft spielte damals auch Dr. Igor Rausis. Warum erwähnt er ihn nicht?
flachspieler flachspieler 28.11.2019 06:47
Ich bedauere, dass Hübner, Schmidt und Co sich nicht bereit erklärt haben, an einer besser formulierten Erklärung mitzuarbeiten.
Ingo Althöfer
gio06 gio06 28.11.2019 06:27
Bravo, Schachfreund "Staxmann": statt Klagen - Klage. Ließe sich im professionellen bzw. semiprofessionellen Schachbereich im weitesten Sinn an ein "Beschäftigungsverhältnis" denken (dazu gäbe ein Terminus "Vertrag" ja Anlass), wäre zu prüfen, ob der Passus zur "verdachtsunabhängigen" Kontrolle nicht einfach rechtsunwirksam, weil sittenwidrig ist. Analog könnte hier möglicherweise die Rechtsprechung zur Überwachung von PC's (auf missbräuchliche Nutzung während der Arbeitszeit hin) zu sehen sein, die nicht auf dem Weg des Generalverdachts, sondern nur bei konkreten Anhaltspunkten vorgenommen werden darf. Ebenfalls fraglich, ob im Rahmen einer Beschäftigung ein Spieler zum Einhalten eines vereinsinternen Instanzenwegs genötigt werden darf - und inwieweit der Entzug einer Spielberechtigung bei fehlender "Unterwerfung" nicht einer unangemessenen Beschneidung der Berufsfreiheit gleichkommt. Wie sähe es da mit der Gemeinützigkeit aus?
Offene Fragen... die anscheinend damit zu tun haben, dass es womöglich nicht nur eine "Rechtslücke" gegeben hat. Von der einen Seite nähern sich die Mogler, von der anderen Seite die Justiziare - und manchmal ist nicht einfach zu entscheiden, was für sportsmanship das größere Übel darstellt.
staxmann staxmann 28.11.2019 08:47
Prolegomena: Dass die ganze Diskussion inzwischen groteske Züge angenommen hat ist sicherlich auch ohne den Brief von Dr. H. wohl unbestritten. Auch ich durfte vor Jahren meinen Spielpartner mit Handy auf dem Balkon des Spielsaals während der Partie anfinden und dann vom Schiri gesagt zu bekommen dass der Balkon nicht zum Spielbereich gehört... . Nun den die Entscheidung wurde auf Instanzweg glücklicher Weise korrigiert.
Ergo ist die juristische Einschätzung des "Vertrages" entscheidend:
Ob glücklich oder unglücklich (JA in der Tat! ) formuliert ist hierfür irrelevant.
Entscheidend ist ob dieser Vertrag rechtswidrig oder rite ist und einer gerichtlichen Überprüfung stand halten würde. Bei einem Vertag, der die Rechte der beiden Vertragspartner so einseitig reglementiert liegt zumindest die Vermutung der Sittenwidrigkeit sehr nahe. Sollte sich zudem bestätigen, (was ich auch bereits habe munkeln hören) dass in Einzelfällen geduldet wurde dass einzelne Passagen verändert oder gestrichen wurden, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen dass die Vereinbarung aus juristischer Sicht null und nichtig ist. Dementsprechend ist sie-wie bei z.B. eben solchen Mietverträgen - bedenkenlos!! zu unterschreiben, da im Vertragsfall die Rechtmäßigkeit zu bestreiten und die Untersuchung zu verweigern ist. Die Unterschrift unter den Vertrag kann hier nicht als Zustimmung gewertet werden, da eine Verweigerung der Unterschrift den Ausschluss bedeutet hätte. Ergo Dr. H. und alle anderen können Unterschreiben und kommt es hart auf hart in jedem Fall den Vertrag zu Fall bringen.
Also DSB schnellstens Hausaufgaben nachholen!
WetHair WetHair 28.11.2019 12:23
Großmeister Dr. Robert Hübner ist der beste Schachspieler, der je im deutschen Sprachbereich hervorgebracht wurde, was Em.Lasker, Adolf Anderssen, Luis Paulsen etc. einschließt. Er ist ein von mir bewunderter, präzise und sprachlich unerreicht brillant formulierender Autor und Analyst, ohne dessen Darlegungen die Schachliteratur ärmer wäre. Besonders liegen mir seine Veröffentlichungen über Aljechin, über den WM-Kampf Lasker-Schlechter und die inhaltliche Auseinandersetzung mit Kasparows Weltmeister-Reihe im Gedächtnis.
Und dieser zu bewundernde Mann will nicht mitbekommen haben, warum der Schachbundesliga e.V. - das ist eben gerade nicht der Deutsche Schachbund! - sich gezwungen sah, vor vielen Jahren eine solche Vereinbarung zu schreiben?
Nun, der Grund war, dass man damals voller Panik erkannte, dass die Betrugs-Sanktionen des DSB in der eigenständigen und nach eigenem Regelwerk spielenden Schachbundesliga nicht oder nur schwer greifen könnten. es handelt sich also um eine Vereinbarung, die jene schützt (!!), die seit 60 Jahren oder wie lange auch immer ohne zu betrügen und die spielen, ohne den Schachpartner unter dem Tisch gegen das Schienbein zu treten, wie es Dr.Hübner von Petrosjan angetan wurde.
Regeln im Schach gelten für alle gleichermaßen. Es kann nicht sein, dass z.B. als nette Ausnahme ein GM-Bonus eingeführt wird, weil sich der bekannte Meister eben besser Gehör verschaffen kann als ein Anderer.
Ganz sicher lauern (ein putziges Bild) die Schiedsrichter nicht einem Spieler auf, um sein Auto zu "durchwühlen" - das wäre ja auch völlig zwecklos, weil der Spieler während der Partie ohnedies nicht das Turnierarreal verlassen darf, um sein Auto zu "betreten".
Ich als Schachfan hoffe nun auf weitere Partien und Kommentierungen von GM Dr.Hübner, übrigens auch uf welche von GM Hajo Hecht, GM Artur Jussupow (dem nicht nur vom DSB übel mitgespielt wurde) und Kollegen!
DoktorM DoktorM 27.11.2019 09:03
Wenn ich sehe, wie oft beim Online-Schach betrogen wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass beim Offline-Schach auf einmal alle Betrüger wieder sauber spielen. Ein integerer Mensch wird selbst dann nicht betrügen, wenn es kaum einer oder keiner merkt. Ich wette, ich bin schon mehrmals offline beim Schach betrogen worden. Es gibt eben zu viele charakterlose Menschen auf der Welt.
DoktorM DoktorM 27.11.2019 08:56
Die Spielervereinbarung mag stellenweise unglücklich formuliert sein. Daraus aber abzuleiten, dass ein Schiedsrichter jemanden grundlos drangsalieren kann, ist abwegig. Schiedsrichter haben sicherlich besseres zu tun. Und falls nicht, sind solche Schiedsrichter die längste Zeit welche gewesen. Niemand wird gezwungen, diese Vereinbarung zu unterschreiben. Niemand wird gezwungen, den Anweisungen des Schiedsrichters zu folgen. Die Folgen daraus sind eine fehlende Spielberechtigung oder ein vorläufiger Partieverlust. Die Argumentation von Herrn Hübner ist unsachlich und inhaltlich falsch. Mit der gleichen "Begründung" könnte man viele Gesetze abschaffen, weil sie im Enzelfall auch einmal ungerecht oder unpassend sein können. Sich an bestimmten Formulierungen hochzuziehen, dabei aber den inhaltlichen Kern der Formulierungen eklatant fehlzudeuten, ist sicher nicht gesund.
wok wok 27.11.2019 08:27
Viel Rauch um (fast) nichts? Die Spielervereinbarung ist tatsächlich unglücklich formuliert: "Der Spieler unterwirft sich ..." - weshalb soll man sich im 21. Jahrhundert irgendwem oder irgendetwas "unterwerfen"? Die Einschränkung ein ordentliches Gericht nur dann einschalten zu dürfen, wenn man vorher den Beschwerdeweg beim DSB beschritten hat, halte ich auch für nicht haltbar. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, darf in einem Rechtstaat uneingeschränkt den Rechtsweg wählen. Es sollte doch unter wohlmeinenden, vernunftbegabten Menschen, die unter dem Motto "gens una summus" unterwegs sind, möglich sein, eine Lösung zu finden.
Ollip Ollip 27.11.2019 07:33
@crizzy:
Ich möchte mal erleben wieviel Freude Sie am Schach noch haben, wenn ihre Gegner während der Partie elektronisch Hilfsmittel nutzen, ohne kontrolliert und in der Folge belangt werden zu können.

Ein hinreichender Verdacht bestand beim Fall Falko Bindrich. Dennoch durfte der Schiedsrichter keine Herausgabe des Smartphones fordern.
Diese "Lücke" wollte der DSB mit der Vereinbarung schließen. Möglicherweise ist der DSB etwas unbeholfen vorgegangen und hat den Bogen überspannt. Das mag ich aus der Ferne nicht beurteilen.

Vielleicht können Sie jetzt die Gründe nachvollziehen.
Phantasy Phantasy 27.11.2019 07:27
Der deutsche Schachbund kann fuer den stärksten deutschen Spieler seit Lasker keine Ausnahme machen?
Hübner ist ueber siebzig, ich will seine Partien sehen!


Ist ein Schlaumeister vom DSB mal auf die Idee gekommen, zu sagen: "Hey, wir machen eine Ausnahme. Wenn es Probleme gibt, koennen wir weitersehen. Jungs, es ist Hübner. Wir brechen den Zirkus ab"
Ollip Ollip 27.11.2019 07:13
@rgorn:
Genau, hier stehen sich zwei Rechte entgegen: Auf der einen Seite die Persönlichkeitsrechte ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") und andererseits das Sanktionsrecht bei Betrug.

Es gibt ja in unserem täglichen Leben viel mehr Beispiele (Schutz des Allgemeinwohls z.B."Terrorabwehr", Pressefreiheit, etc.) wo Persönlichkeitsrechte beschnitten/eingeschränkt werden. Solche entgegen streitenden Grundrechte erfordern eine Abwägung.

Welche konstruktive Lösung empfehlen Herr Schmidt und Hübner? Eine Entschärfung der Formulierung in der Form der Streichung des Wortes "verdachtsunabhängig".
Mich würde interessieren, warum der DSB die Streichung abgelehnt hat. Die zu unrecht genehmigte "Aachener Ausnahme" kann ja keine grundsätzliche Begründung sein, weshalb dieses Wort in der Vereinbarung steht.
crizzy crizzy 27.11.2019 06:40
Als ich diese Vereinbarung "Betrugsbekämpfung im Schach" vom August 2013 unterschreiben sollte, habe ich mich wie "kriminalisiert" gefühlt. Zum Glück blieb mir es erspart, mich der "Sanktionsgewalt des DSB zu unterwerfen". Diese martialische Sprache erinnerte mich sehr an Zeiten beim Militär. Die Vereinbarung ist für mich ein nachzuvollziehender Grund, nicht (!) zweitklassig zu spielen.

Was denken sich Funktionäre und Juristen beim Abfassen solcher Texte? Ob die je etwas mit Schach zu tun hatten und sich in Schachspieler hineinfühlen können?

Man muß doch die Kirche im Dorf lassen. Um wie viele Schachspieler handelt es sich, die betrogen haben sollen? Meines Wissens wenige bei 100.000 organisierten Spielern.
Der Spruch "Mit Kanonen auf Spatzen schießen" trifft es.
Die überführten Spieler wurden m.E. „an den Pranger“ gestellt, indem diese Fälle öffentlicht wurden. Peinlich, peinlich. Ist das nicht Strafe und Abschreckung genug?

Und hat der Schiedsrichter nicht die Vollmacht, die Partie zu Nullen, wenn hinreichender Verdacht besteht bzw. ein Spieler sein Smartphone in der Hosentasche hat?

Ein ungarischer IM wurde nach sechs Stunden genullt, weil während der Partie das Handy im Rucksack geklingelt hatte und er zum Schluß sein Gepäck aufnehmen mußte. Das Klingeln ist sehr ärgerlich, aber ist es Betrug, was eine Null rechtfertigt?

Demnächst gibt es noch Kontrollen wie am Flughafen mit Leibesvisite. Geht´s noch?
99,99 % der Spieler sind Amateure und spielen Schach aus Freude und zur Erbauung!

Wenn ein einziger Schachverband auf dieser Welt einen Sonderweg geht, dann „riecht“ es nach Schildbürgerstreich.
Laßt uns Licht ins Haus tragen wie einst die Schwaben!
rgorn rgorn 27.11.2019 06:02
@JoelH_DE: Das GG dient (wie jede anstaendige Verfassung) in wesentlichen Teilen dem Schutz der Buerger vor dem Staat. Vor allem in diesem Sinne ist der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" zu verstehen. Es ist der maechtige Staatsapparat, dem dieser Satz ins Heft geschrieben wird. Natuerlich gilt er auch fuer saemtliche Bueger und generell fuer alle Menschen, die sich im Einflussbereich des deutschen GGes befinden. Ideell sogar fuer die ganze Menschheit. Zur Frage der Selbstverstaendlichkeit empfehle ich einen Blick in die Geschichte oder auch die Gegenwart (sowohl bei Staaten als auch bei Einzelpersonen).

Jedenfalls werden einem vom GG Rechte garantiert, waehrend die des Staates eingeschraenkt werden. Huebner sieht in dem Vertragswerk jedenfalls gerade einen gegenteiligen Zweck: "Den einzelnen Spielern soll die Möglichkeit entzogen werden, jemals seine persönlichen, individuellen Rechte dem Deutschen Schachbund gegenüber geltend machen zu können." Also wenn das kein Unterschied zum GG und dem schoenen Saetzchen "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ist!
JoelH_DE JoelH_DE 27.11.2019 02:56
Im Bezug auf 1.2 frage ich mich ob Hr. Hübner, im Bezug auf das Grundgesetz, ebenso "verquert" argumentieren würde? Da steht unter anderem, "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Würde Hr. Hübner nun sagen, dass die Bundesrepublik davon ausgeht, dass wir, da wir die deutsche Staatsbürgerschaft tragen, dies nicht als selbstverständlich ansehen und quasi per Gesetz dazu verpflichtet werden müssen, da wir es ansonsten von Natur aus ablehnen?

Sieht uns also der Grundgesetzgeber per se als Böse ans?

Ist im Prinzip der selben "Logik" folgend.
Thomas_Binder Thomas_Binder 27.11.2019 02:26
Zu den Themen von Betrug und Manipulation stimme ich z.B. Ollip zu. Aber was der §1.2 in dieser Vereinbarung zu suchen hat, verstehe ich auch nicht. Wozu soll sich der Spieler in diesem Sinne verpflichten? Welche Gründe gibt es, eine solche Verpflichtung einzufordern? Solche pauschalen Goodwill-Formulierungen haben keinerlei Sinn und sie sind auch nicht notwendig. Der Einsatz z.B. körperlicher Gewalt dürfte in der Schachbundesliga auch ohne eine solche Selbstverpflichtung sanktionierbar sein...
Ollip Ollip 27.11.2019 01:55
Ich verstehe die ganze Aufregung der Spieler nicht.
Wenn ich ins Fussballstadion gehe, werde ich, wie tausend andere Besucher auch, durchsucht. Besteht deswegen ein begründeter Verdacht gegen mich? Will der Veranstalter mich absichtlich demütigen bzw. in meinen Persönlichkeitsrechten einschränken? Wenn ich eine gewisse Sicherheit erwarte, muss ich auch von meinen Rechten etwas abgeben.
Radsportler oder andere Ausdauersportler bekommen morgens um 6 Uhr einen unangekündigten Besuch vom Dopingbeauftragten der ihnen beim Pinkeln zuschaut. Fühlen diese Profilsportler sich unter Ggeneral-doping-Verdacht oder dulden sie das, weil sie ihren Sport lieben und einen sauberen Sport unterstützen wollen?

Nur weil in der Vergangenheit Herr Hübner 60 Jahre lang keinen Zwischenfall mit Spielern hatte, muss das in Zukunft nicht auch der Fall sein. Die elektronischen Hilfsmittel von vor 60 Jahren will ich mal sehen.

Wie würden sich Herr Hübner und Schmidt fühlen, wenn einer ihrer Gegner unerlaubte elektronische Hilfmittel gegen sie einsetzen und der Schiedsrichter keine Handhabe hat. Da wäre die Aufregung bestimmt auch groß.
oegenix oegenix 27.11.2019 12:52
Dr. Hübner greift im Kern nicht die Spielervereinbarung,sondern Satzung, Turnierordnung und Schachregeln der FIDE an. Die Vereinbarung schafft keine eigenen Regeln, sondern soll nur dazu dienen, dass die bestehenden Regeln auch durchgesetzt und sanktioniert werden können.
In der Vereinbarung steht:
"Der Vertrag soll die Sanktionierung von Verstößen des Spielers gegen die Satzung, die Turnierordnung und die Schachregeln der FIDE („Laws of Chess“) im Rahmen des Spielbetriebs des DSB, der Oberligen und der Mitgliedsverbände des DSB sowie deren Untergliederungen ermöglichen"
Jeder kann auch ohne diese Regeln spielen, aber bitte nicht bei offinziellen Turnieren.
Wenn jemand den Computerbetrug durch Handys harmlos findet, wie ein Forist weiter unten, kann er diese Meinung vertreten. Aber damit wird das Schachspiel zerstört.
Wenn jemand eine bessere Idee hat, wie Betrug mithilfe von Hadnys zu verhindern ist, sind Vorschläge sicher willkommen.
R700 R700 27.11.2019 12:49
Geo-engineering, Social-engineerung, Psycho-engineering, noch ein social-scoring made in China dazu, und schon kommt die Zukunft aus der Vergangenheit gekrochen.
Unterwerfungsvereinbarung, passt schon. Industrienorm als Krönung der Menschlichen Evolution, KI-gesteuert, selbstredend. Eine Trauerposse. Trotzdem einen vergnüglichen Tag allerseits.
Martin Rieger Martin Rieger 27.11.2019 12:31
Solche Leibesvisitationen würde ich mir auch verbitten. Wir spielen Schach wegen Hobby, Freude, Sport und vielleicht auch Beruf und sind keine Insassen von Alcatraz die mit dem Gesicht zur Wand abgetastet werden plus obligatorischem Bücken "und bitte jetzt kräftig husten". Ich glaube es hakt. Wie soll das bitte aussehen bei Menschen mit Behinderung? Anstatt sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern (Nachwuchs, Öffentlichkeitsarbeit) werden vom DSB immer wieder aufs Neue zahlreiche, überflüssige Nebenkriegsschauplätze eröffnet. Herr Dr. Robert Hübner hat völlig recht mit seiner Aussage "Der Schriftsatz des Deutschen Schachbundes zeigt Mißtrauen und Verachtung gegenüber den Spielern". Wenigstens weiß man langsam, wie man sich selbst innerhalb des DSB einzuordnen hat.
BaffiHeuft BaffiHeuft 27.11.2019 12:09
Solche eine "Leibesvisitation des Spielers auch ohne Verdachtsmomente" geht garnicht. Auch ohne tiefergehende juristische Würdigung irgendwelcher Umstände und Zwänge ist und bleibt bei uns die Würde des Menschen noch immer unantastbar. Steht ganz vorne in unserem Grundgesetz, aus gutem Grunde an dieser exponierten und prominenten Stelle des Artikels 1. Sorry, aber da sind all die versteckten App-Automaten und Mini-Ohr-Funk-Installationen egal! Schon seit ewigen Zeiten wurde und wird betrogen , wer kennt nicht die in Gebüschen und Handtuchspendern so zahlreich versteckten Schachbücher, Spickzettel u.a. ? Verbands-Juristen habe sich da aber nie gekümmert. War vielleicht nicht spektakulär genug solche eine Kloduchsuchung.
Krennwurzn Krennwurzn 27.11.2019 12:03
Dr. Hübner würde ich nicht als Referenz für realistisches Verhalten verwenden wollen ;-)
BMuntz BMuntz 27.11.2019 11:38
Hätte ich Wahl, mich vom Gegner mittels Handy betrügen zu lassen oder meine Sachen vom Schiedsrichter unbegründet durchsuchen zu lassen, würde ich mich sehr einfach für letzteres entscheiden. Insofern könnte man die Spielervereinbarung als nützlich erachten. Selbstverständlich liegt Dr. Hübner solch Pragmatismus fern.
JoelH_DE JoelH_DE 27.11.2019 10:55
Mir ist nicht bekannt, dass irgendein Schiedsrichter seine "Rechte" über Gebühr oder "zum Spass" gegenüber einem Spieler der 1. oder 2. BuLi wahrgenommen hat. Warum auch? Es geht hier darum dem Missbrauch von Spielern entgegen zu treten nicht, diese willkürlich zu gängeln, davon hat keiner was.

Und wenn Hr. Hübner lieber mit potenziellen Betrügern am Brett sitzen will und darin keine Einschränkungen sieht, den Spielspass und der Fairness betreffend, dann soll er es doch unterhalb dieser beiden Ligen tun, oder im Ausland spielen, keiner hält ihn davon ab.
onkel bräsig onkel bräsig 27.11.2019 10:44
Ohne die anderen Fakten und Sichtweisen zu kennen ist ein Urteil stets schwierig, aber so wie Dr. Hübner es darlegt, grenzt es wahrhaftig an Kontrollwahn und Vertrauensverlust in die Fairness der Spieler. Wennn unser schöner Sport noch mehr überreglemetiert wird, macht es bald keinen Spass mehr, wenn man unter Generalverdacht steht. Leider haben hier selbst GMs (u.a. GM Rausis, GM Feller (Betrug gar bei einer Olympiade ...) dazu beigetragen, dass wir so eine Atmosphäre haben :-((
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