OIBM: Elf Spieler punktgleich

16.11.2007 – Noch elf Teilnehmer liegen mit 4,5 Punkten nach fünf Runden gleichauf bei der Offenen Internationalen Bayrischen Meisterschaft, darunter mit Frank Holzke, Georg Meier, Rainer Buhmann und David Baramidze auch einer Reihe deutscher Spieler. Die beste Sonderwertung der Spitzengruppe weist der polnische Großmeister Pawel Jarazc von Turm Trier auf. Einer der Höhepunkte der vierten Runde war die Partie zwischen Stefan Bromberger und Elena Cherednichenko, in der die Ukrainerin in Diensten des SK Krumbach dem deutschen IM arg zusetzte. Gerald Hertneck liefert informative Einblicke in das Turniergeschehen und lässt in Interviews die Beteiligten zu Wort kommen.Turnierseite...Bericht und Bilder...

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Rundenbericht der Runde 4
Von Gerald Hertneck



Als der Turnierberichterstatter sich 50 Minuten nach Rundenbeginn den Spitzenbrettern näherte, traute er seinen trüben Augen kaum. In der „Top players lounge“, also den acht Spitzenbrettern waren bereits drei Plätze verwaist. Es lohnt sich an dieser Stelle, die Namen der Akteure aufzulisten, die die Zuschauer um ihr Vergnügen gebracht haben. Nämlich Michael Hoffmann und David Baramidze, Nidjat Mamedov und Rashad Babaev sowie Ilja Schneider und Piotr Bobras. In der Schlussrunde wäre ein derartiges Vorgehen verständlich, da ansonsten der erfolgreiche Turnierabschluss gefährdet sein könnte. In der Mitte des Turniers ist der Vorgang jedoch ungewöhnlich.


Baramidze-Kaplan

Somit bleibt dem Turnierberichterstatter nur die lakonische Feststellung, dass Lars Bremer in seinem berühmtgewordenen Essay „Die Schneeflocke auf dem Eisberg“ sein pädagogisches Ziel der Bekämpfung der allgegenwärtigen Remisseuche und der damit verbundenen moralischen Ertüchtigung der Großmeister verfehlt hat. Vielleicht wird sich der Weltschachbund eines Tages erbarmen, und wie verschiedentlich gefordert, erst ab dem 30. Zug (oder sogar noch später) eine Remisvereinbarung in international gewerteten Turnieren zulassen. Ob dies ein zulässiger Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit des Schachspielers wäre, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls: bis ein solches Regularium in Kraft tritt, wird noch viele Male die Sonne über dem Tegernsee auf und wieder untergehen.



Djalalova


Im Rückblick auf die dritte Runde ist festzuhalten, dass der titellose Ulrich Weber von der Schachabteilung Dotzheim mit Weiß ziemlich mühelos gegen GM Shabalov Remis hielt. Die selbe stolze Leistung erbrachte Raoul Strohhäker gegen GM Khenkin. Beide namhaften Großmeister mussten sogar kritische Momente durchstehen, wie die Analyse zeigt.

In der vierten Runde fesselte eine spektakuläre Partie die Aufmerksamkeit der Zuschauer, und zwar die Begegnung von Stefan Bromberger gegen Svetlana Cherednichenko, die das Turnier mit ihrem angriffslustigen Schach bereicherte. Der Tegernseer blieb allerdings äußerst cool, und wies alle schwarzen Angriffe auf seinen exponierten König entschieden zurück.

Nach der Partie unterhielt sich der Berichterstatter kurz mit der charmanten Ukrainerin und ihrer Schwester Elena Cherednichenko.

Die beiden spielen nach dem Turnier in Dresden zum zweiten Mal in Deutschland und fühlen sich hier sehr wohl. Das Turnier gefällt ihnen sehr gut, weil es so stark ist und weil die Organisation perfekt ist. Die beiden Schwestern sind sehr dankbar dafür, dass sie von Artur Jussupow trainiert werden (!) und außerdem lieben sie die Schachbücher des Autorengespanns Jussupow und Dworetzki. In Deutschland spielen sie für den SK Krumbach, sodass wir wohl noch öfter von ihnen hören werden!


Mainka



* * * Schachszene im Fokus

Aus Sicht eines Schachspielers ist ein Schachturnier eine Veranstaltung, die optimale Rahmenbedingungen bieten sollte, und um deren Organisation und Finanzierung man sich keine Gedanken machen muss. Die wichtigste Aufgabe eines Spielers besteht in der Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner sowie natürlich auf einen erfolgreichen Turnierabschluss, der durch möglichst viele Siege gewährleistet wird. So verhielt es sich auch jahrelang für den Autor dieser Zeilen, der mehr als 20 Jahre lang auf vielen Turnieren und Meisterschaften weltweit zu Gast war. Doch nun haben sich die Zeiten geändert, aus dem ehemaligen aktiven Turnierspieler ist ein Beobachter der Schachszene geworden, der eine aktive Rolle in der Turnierberichterstattung übernimmt. In den nächsten Tagen werden daher in einer Interviewreihe die wichtigsten Akteure portraitiert, die Jahr für Jahr zum Gelingen der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft in Bad Wiessee beitragen.

Heute im Portrait: die Turnier-Schiedsrichter Christian Krause und Hans Brugger
Im Gespräch mit Großmeister Gerald Hertneck

Herr Krause und Herr Brugger, was sind eigentlich genau die Aufgaben eines Schiedsrichters?

Brugger: Die Aufgaben kann man untergliedern in Turniervorbereitung, Turnierdurchführung und Turniernachbereitung. Zur Turniervorbereitung gehört zum Beispiel auch, dass der Schiedsrichter schon vor Beginn des Turniers die Turnierräume und die Infrastruktur inspiziert. Es ist zum Beispiel auch wichtig, dass die EDV-Unterstützung funktioniert. Schlechte Spielbedingungen sollte der Schiedsrichter nach Möglichkeit im Vorfeld abstellen. Die Hauptaufgabe ist natürlich die Turnierdurchführung, also die tägliche Auslosung, die Eingabe der Ergebnisse, die Schlichtung von Streitfällen, die Überwachung der Uhren und die Einhaltung der Turnierordnung. Ein beliebter Verstoß gegen die Turnierordnung ist zum Beispiel der Konsum von Alkohol im Turniersaal. Die Turniernachbereitung besteht hauptsächlich in der Bereitstellung der Daten für die Elo- und DWZ-Auswertung. Ein guter Schiedsrichter setzt sich nach dem Turnier mit dem Ausrichter zusammen, um zu besprechen, was gut und was schlecht gelaufen ist.

Wie wird man denn eigentlich Schiedsrichter?

Brugger: Jeder Schiedsrichter kann eine Laufbahn durchlaufen vom Turnierleiter, über den regionalen Schiedsrichter und den Nationalen Schiedsrichter bis hin zum Internationalen Schiedsrichter. Auf deutscher Ebene muss man Kurse absolvieren und Prüfungen ablegen, sowie eine bestimmte Anzahl von Turnieren geleitet haben, um die Stufen zu durchlaufen. Für den Nationalen Schiedsrichter ist natürlich auch die Qualifikation „vertiefte Regelkunde“ erforderlich.

Und wie wird man dann Internationaler Schiedsrichter?

Krause: In formaler Hinsicht auf Vorschlag des nationalen Verbands durch Ernennung der zuständigen FIDE-Kommission. Mit dem Antrag müssen natürlich die Voraussetzungen nachgewiesen werden. Der Kandidat benötigt mindestens 4 Normen, d.h. er muss entsprechende Titelturniere oder größere Offene Turniere geleitet haben. Außerdem soll er zwei oder drei FIDE-Sprachen beherrschen.

Muss eigentlich ein Bundesligaschiedsrichter mindestens Nationaler Schiedsrichter sein?

Krause: Die Situation ist hier nicht ganz eindeutig. In der Regel wird ein Bundesligaschiedsrichter entweder Nationaler oder Internationaler Schiedsrichter sein. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass in Ausnahmefällen ein regionaler Schiedsrichter zum Einsatz kommt.


Was ist denn in der Praxis die wichtigste Qualifikation eines Schiedsrichters?

Krause: Da gibt es mehrere wichtige Bereiche. Zum einen sollte man wissen, dass der Schiedsrichter unparteiisch sein muss, d.h. er ist die Vertrauensperson beider Spieler. In kritischen Situationen muss er dann eine Entscheidung treffen, wobei er in der Regel nicht die Stellung, sondern die Situation zu beurteilen hat. Er muss natürlich die Regeln gut kennen, und er sollte nur Drohungen aussprechen, die er auch einhalten kann. Wenn er zum Beispiel zu einem Spieler sagt: beim nächsten Verstoß verlieren Sie die Partie, dann muss er sich auch daran halten, um glaubwürdig zu bleiben. Ganz wichtig ist aber auch, dass der Schiedsrichter Zurückhaltung übt, und sich nicht unnötig in den Vordergrund drängt.

Wenn ein Spieler mit der Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden ist, kann er ja das Schiedsgericht anrufen. Ist dessen Entscheidung dann endgültig?

Krause: Es ist in der Schachwelt wenig bekannt, aber man kann tatsächlich nach dem Turnier bei der FIDE Beschwerde gegen eine Partiewertung des Turnierleiters oder des Schiedsgerichts einlegen. Es ist in der Praxis auch schon vorgekommen, dass ein Ergebnis nachträglich korrigiert wurde, weil die FIDE nach Befragung der Beteiligten zu der Auffassung gelangte, dass das Schiedsgericht falsch entschieden hat.

Es gab ja in den letzten Jahren immer wieder umstrittene Regelungen bzw. Schiedsrichterentscheidungen, wobei mir hier vor allem der Partieverlust durch Handy-Läuten einfällt.

Krause: Bei dem Thema Partieverlust durch Handyklingeln fühle ich mich direkt angesprochen, weil ich maßgeblich an dieser Regelung beteiligt war. Ich halte die getroffene Regelung nach wie vor für richtig, da sie gerade in Offenen Turnieren eine segensreiche Wirkung entfaltet. Vor der Neuregelung „Bestrafung mit Partieverlust“ waren die Schiedsrichter angewiesen, das Handyklingeln als Störung zu behandeln. Jeder weiß wie weit Handys heutzutage verbreitet sind. Wir müssten also gerade in großen Turnieren ständig damit rechnen, dass das Handy läutet, wenn dies keine schweren Folgen nach sich ziehen würde. Seit der Neuregelung und darauf folgenden Präzedenzfälle ist erfreulicherweise festzustellen, dass die Teilnehmer im Turnier so gut wie nicht mehr durch Handyklingeln belästigt werden. Also hat die Regelung das gewünschte Ziel erreicht. Hinzu kommt noch, dass aufgrund der rasanten technischen Entwicklung die Mitnahme jeglicher technischer Geräte in den Turniersaal verboten ist, sofern keine ausdrückliche Erlaubnis dazu besteht.

An dieser Stelle gebe ich Ihnen recht, aber auf der anderen Seite sollte eine Partie oder ein Mannschaftskampf doch wohl am Schachbrett und nicht am grünen Tisch entschieden werden?

Krause: Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber es ist eine Reihe von Fällen denkbar, wo dies nicht der Fall ist. Zum Beispiel bei fortgesetzter Störung des Gegners oder bei Missachtung des Schiedsrichters. Der Schiedsrichter kann ja in schweren Fällen sogar so weit gehen, einen Spieler vom Turnier auszuschließen.

Und was passiert, wenn ein Spieler oder eine Mannschaft sich weigert, einen Partieverlust durch Handyklingeln anzuerkennen?

Krause: Auch das ist schon vorgekommen. In einem kuriosen Fall hat der Schiedsrichter nach dem Handyklingeln auf Remis entschieden, weil ihm der Partieverlust unverhältnismäßig erschien. Diese Entscheidung wurde von der Turnierleitung aufgehoben, und der gegnerischen Mannschaft der volle Punkt zuerkannt. Dies wiederum hat der betroffene Verein nicht akzeptiert und vor dem Landgericht geklagt! Dieses hat jedoch in der Sache nicht entschieden, und die Prozessbeteiligten aufgefordert, sich gütlich zu einigen. Was dann auch geschehen ist, wobei durch den Gang vor Gericht nicht unerhebliche Kosten verursacht wurden.


Also ist die Rechtslage bei „Partieverlust durch Handyklingeln“ inzwischen eindeutig?

Krause: Es gibt einen bemerkenswerten Sonderfall. Wenn ein Spieler kein Mattmaterial mehr hat (zum Beispiel nur noch den nackten König), kann er nach den Regeln nicht mehr gewinnen. Wenn nun das Handy seines Gegners klingelt, dann lautet das korrekte Ergebnis 0 zu 0,5, d.h. es wird ausnahmsweise kein ganzer Punkt vergeben. Der Spieler, dessen Handy geläutet hat, wird genullt, und der Spieler mit dem nackten König bekommt ein Remis. Dieser Fall tritt allerdings in der Praxis so gut wie nie ein.

Zum Abschluss noch eine interessante Frage bezüglich der DWZ- Auswertung von vereinslosen Spielern. Wie ist da die Rechtslage?

Krause: Der Deutsche Schachbund führt die DWZ-Liste nur für die Mitglieder des DSB. Wenn ein Spieler vereinslos ist, besteht seine Zahl zwar noch, aber sie wird nicht mehr veröffentlicht. Er hat also auch keinen Anspruch auf Auswertung seiner Partien, solange er vereinslos ist. Anders ist es bei seinen Gegnern im Turnier; deren Partien gegen den Vereinslosen werden mit dessen nichtveröffentlichter DWZ-Zahl ausgewertet, sofern diese bekannt ist. Ich würde also jedem Spieler, der an der Auswertung seiner Partien interessiert ist, die Mitgliedschaft bei einem Verein empfehlen.

Und wie sieht es dann mit der Eloauswertung aus?

Krause: (überlegt). Grundsätzlich sollte dies analog für die Auswertung der Elozahl gelten, da ein Spieler nur Mitglied des Weltschachbunds sein kann, wenn er Mitglied in einer nationalen Föderation ist. In der Praxis würde ich allerdings denken, dass diese Regelung nicht so genau kontrolliert wird, und dass die Eloauswertung trotzdem erfolgt.

Herr Krause und Herr Brugger ich danke Ihnen für das Gespräch.


Rundenbericht der Runde 5

Zur Einleitung ein kurzer Rückblick auf den spektakulärsten Moment des gestrigen Tages. In der Begegnung Friedel gegen Halkias am zweiten Brett ergab sich nach langem Kampf die Materialverteilung König und Turm gegen König und Springer. Bekanntlich ist dieses Endspiel bei richtiger Verteidigung nicht zu gewinnen. In beiderseitiger Zeitnot versuchte der Amerikaner Friedel jedoch sein bestes, bis sich in der abgebildeten Stellung (rechte Bretthälfte) das folgende Unglück ereignete: Weiß konnte seinen nächsten Zug nicht mehr ausführen, da seine Zeit fiel. Die Spieler einigten sich daraufhin auf Remis.


Mamedov-Schneider

Hier musste jedoch Hauptschiedsrichter Krause einschreiten, der darauf hinwies, dass eine theoretische Mattstellung möglich ist. In der Praxis wird Weiß natürlich nie so dumm spielen, aber die FIDE-Regeln zielen eben nur darauf ab, ob das Matt theoretisch möglich ist. Die Partie wurde daher als verloren für Friedel gewertet. In der weiteren Diskus-sion stellte sich noch heraus, dass die Regeln in Amerika anders lauten, d.h. dort würde die Partie Remis gegeben, weil Schwarz über keine praktische Gewinnchance mehr verfügt.

Ansonsten wäre noch zu berichten, dass sich die Teilnehmerzahl des Turniers durch diverse Rückzuge inzwischen auf 412 reduziert hat. Der Wintereinbruch hat dem Turnier heuer also arg zugesetzt, wobei der Berichterstatter es so empfindet, dass ein Winterspaziergang an der Uferpromenade von Bad Wiessee durchaus einen ganz eigenen Reiz hat.

Nach der vierten Runde sind nur noch vier Spieler mit einer weißen Weste verblieben, und zwar Postny, Jaracz,


Postny


Jaracz

Halkias und (überraschend) Frank Holzke vom Bundesligaverein Wattenscheid. Dahinter befindet sich ein Riesenfeld von Spielern mit 3,5 Punkten, sodass alle Titelträger sich noch Hoffnungen auf die vorderen Plätze machen können. Sagte ich eben alle Titelträger? Leider nicht, denn ein Großmeister hat sich bereits zum zweiten Mal spielfrei geben lassen, und zwar die Schachlegende Ulf Andersson. Leider konnte der Berichterstatter bisher noch nicht in einem persönlichen Gespräch die Hintergründe dieses etwas tragischen Turnierverlaufs in Erfahrung bringen.


Kaplan

Es bleibt noch zu erwähnen, dass die gestrige spektakuläre Partie von Stefan Bromberger einer mindestens 20-zügigen Vorbereitung entsprang, wie mir Stefan heute am Frühstückstisch erzählte. Außerdem haben wir die Partie noch einmal von vorne bis hinten durchanalysiert, und dabei wurde die Einschätzung im gestrigen Bulletin voll bestätigt. Bis auf 20.Kh1 ist die Partie von Weiß fehlerfrei gespielt. Seine Gegnerin hat zwar anfangs gut mitgehalten, konnte aber an ein oder zwei Stellen stärker spielen. Jedenfalls erhält die Partie das Prädikat theoretisch wertvoll.

* * * Schachszene im Fokus

Aus Sicht eines Schachspielers ist ein Schachturnier eine Veranstaltung, die optimale Rahmenbedingungen bieten sollte, und um deren Organisation und Finanzierung man sich keine Gedanken machen muss. Die wichtigste Aufgabe eines Spielers besteht in der Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner sowie natürlich auf einen erfolgreichen Turnierabschluss, der durch möglichst viele Siege gewährleistet wird. So verhielt es sich auch jahrelang für den Autor dieser Zeilen, der mehr als 20 Jahre lang auf vielen Turnieren und Meisterschaften weltweit zu Gast war. Doch nun haben sich die Zeiten geändert, aus dem ehemaligen aktiven Turnierspieler ist ein Beobachter der Schachszene geworden, der eine aktive Rolle in der Turnierberichterstattung übernimmt. In den nächsten Tagen werden daher in einer Interviewreihe die wichtigsten Akteure portraitiert, die Jahr für Jahr zum Gelingen der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft in Bad Wiessee beitragen.

Heute im Portrait: Horst Leckner, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im Gespräch mit Großmeister Gerald Hertneck

Herr Leckner, seit wann ist die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im Schachsponsoring tätig?
Die Kreissparkasse sponsert den Schachsport schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Schachabteilung des TV Tegernsee, wird seit 1996 mit größeren Beträgen unterstützt. Damals spielte die 1. Mannschaft noch in der Oberliga und mit jedem Aufstieg in eine höhere Liga (erst in die 2. Bundesliga und seit 1999 in die 1. Bundesliga) hat die Kreissparkasse den Etat erhöht. Mit der Verpflichtung weiterer Weltklassespieler in der laufenden Saison wurde der Etat nochmals aufgestockt. Was das Turnier betrifft, so sind wir seit der ersten Auflage im Jahr 1997 mit von der Partie – und zwar in den Jahren bis 2002 als Co-Sponsor mit der Schweizer Bank Hofmann, und seit 2003 als Hauptsponsor. Außerdem haben wir die Deutsche Seniorenmeisterschaft in den Jahren 1999 und 2003 unterstützt.

Leider ist es ja eher unüblich, dass sich die Großbanken in Deutschland mit nennenswerten Beträgen für den Schachsport engagieren. Worin liegt die Motivation für Ihr Haus, sich so stark zu engagieren?

Zur Struktur unseres Schachsponsorings möchte ich ausführen, dass die Förderung der Spitze (also der Bundesligamannschaft) und der Breite (der Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaft) als Paket zu betrachten ist. Was die Spitze betrifft, bewerben wir sehr stark unser Engagement für die seit Jahren einzige Bayerische Bundesligamannschaft. Ich denke, hier können wir gegenüber unseren Kunden glaubhaft machen, dass die Förderung von Spitzenleistungen im Sport auch etwas über die Qualität unserer Bankdienstleistungen aussagt. In der Breite kommt unsere Förderung vor allem den Hoteliers und den Lokalen in Bad Wiessee und Umgebung zu Gute. Die Hoteliers und Gastwirte sind ja zum Großteil auch Kunden unseres Hauses. Man muss ganz klar sehen, dass das Turnier in der ansonsten schwachen Nachsaison im November hohe Übernachtungszahlen generiert. Hier haben wir auch einen Vorteil gegenüber anderen Großveranstaltungen am Tegernsee, die zumeist über einen wesentlich kürzeren Zeitraum laufen. Zum Beispiel finden viele Veranstaltungen über das Wochenende statt, und dann übernachten die Teilnehmer maximal zwei Tage. Bei dem Turnier hingegen fallen mindestens neun Übernachtungen an. Wenn man die Übernachtungszahlen über die 11 Jahre des Turniers hochrechnet, kommt man auf etwa 50.000 Nächtigungen, wodurch die Region relativ stark profitiert hat.

Hiermit haben Sie die materielle Ebene geschildert. Und wie sehen Sie die ideelle Seite Ihres Sponsorings?

Das Schachspiel bietet ja einige Parallelen zum Bankgeschäft. Zum Beispiel die Analyse von komplexen Situationen und die darauf aufbauende Entscheidungsfindung. Oder das strategische Element – also zum Beispiel die längerfristige Planung von Investments. Außerdem gilt das Schach als sehr seriös und hat ein positives Image. Unsere Bank wirbt also auch aktiv mit Schachmotiven, und bekommt auch oft positive Rückmeldungen darauf.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf unsere Jugendförderung hinweisen. Unser Haus engagiert sich auch sehr stark in diesem Bereich, und zwar nicht nur im Schach, sondern auch in anderen Sportarten wie Fußball, Eishockey und Skifahren. Außerdem werden bei uns im Landkreis zwei Musikschulen für Jugendliche ganz wesentlich unterstützt. Im Schach unterstützen wir die Landkreisschulmeisterschaft, die im Dezember ausgerichtet wird. Generell muss man betonen, dass es inzwischen sehr viele Studien gibt, die auf die positive Wirkung des Schachunterrichts in Schulen hinweisen. Die Lernfähigkeit der Schüler wird dadurch in vielen Bereichen signifikant verbessert. Es liegt also nahe, sich im Schulschachbereich weiter zu engagieren.

Das hört sich ja so an, dass bei der Vergabe des Sponsoring-Etats in Ihrem Haus alle Türen für das Schachengagement offen stehen...

Hierzu muss man ganz klar festhalten, dass unser Gesamtetat natürlich auch ausgewogen sein muss, und dass die Geschäftsleitung vom Nutzen des Schachsponsorings überzeugt sein müssen. Hier bringe ich mich natürlich aktiv ein, und ich gebe zu, dass ohne mich die Kommunikation der Vorteile des Schachsponsorings nicht so reibungslos laufen würde. Übrigens wird in unseren jährlichen Geschäftsberichten die Schachförderung seit Jahren positiv gewürdigt.

Hier stellt sich natürlich die Frage, inwieweit das Turnier in Bad Wiessee in Zukunft gesichert ist?

Auch hier sollte man ganz klar feststellen, dass die Entscheidung über das Sponsoring des Turniers von Jahr zu Jahr getroffen wird. Es gibt also keine mehrjährigen Garantien. In der Praxis läuft es so, dass die Kurverwaltung jedes Jahr einen Antrag bei der Kreissparkasse stellt. Bisher haben wir aber immer den Etat zugesichert, da wir die oben geschilderten positiven Effekte des Turniers ganz klar sehen. Also ich denke, solange das Turnier die jetzige Quantität (Teilnehmerfrequenz) und Qualität (gute Organisation) hält, ist es nicht gefährdet. Dennoch würde ich mir wünschen, dass das Sponsoring des Turniers noch auf breitere Schultern gestellt wird.

Im Turnier werden ja auch die Kaderspieler des Deutschen Schachbunds gefördert. Auf welche Initiative geht dies zurück?

Das war seinerzeit eine Idee von Artur Jussupow. Wir haben dann Kontakt mit dem Deutschen Schachbund aufgenommen, und vereinbart, dass ein bestimmtes Kontingent an Spielern freie Übernachtung und Erstattung der Reisekosten erhält. Dieses Angebot wurde auch immer sehr angenommen.

Worauf führen Sie die Beliebtheit des von Ihnen ins Leben gerufenen Schachturniers in Bad Wiessee zurück?

Hier kommen wohl viele Faktoren zusammen. Zum einen natürlich die Stärke des Teilnehmerfelds und die internationale Beteiligung. Wir konnten sogar schon FIDE-Weltmeister wie Khalifman, Ponomarjow und Kasimdschanow verpflichten. Eine wichtige Rolle spielt sicher auch der relativ hohe Preisfonds (zum Beispiel 3.000 Euro für den ersten Platz). In den Anfangsjahren hat Mitorganisator Artur Jussupow, der seinerzeit noch in Bad Wiessee wohnte, durch seine Kontakte in die internationale Schachszene und seine Erfahrung sehr viel zum Erfolg des Turniers beigetragen. Auch der Urlaubsgedanke am schönen Tegernsee spielt sicher eine Rolle. Und dann wäre noch die gute Organisation zu nennen. Ich denke, das Turnier bietet optimale Spielbedingungen, zum Beispiel in Bezug auf den schönen Turniersaal in der Wandelhalle und den Analyseraum. Auch die Ausstattung mit Holzbrettern an allen Tischen und viele weitere Details führen zu einem gehobenen Standard. Dies alles hat dazu geführt, dass wir im ersten Jahr bereits mit 250 Spielern loslegen konnten und im dritten Jahr bereits 500 Teilnehmer verzeichnet haben.

Im Jahr 2003 trat für das Turnier ein kritischer Moment ein, als sie nach Ihrer Berufung in den Vorstand der Kreissparkasse sich von der Turnierorganisation zurückziehen mussten. Wie hat man diese Umstellung erfolgreich gemeistert?

Hier muss man die Leistung der Tourist Information der Gemeinde Bad Wiessee und die von Herrn Kurt Geiss vom Hotel zur Post lobend anerkennen. Mit der Organisation eines derart großen Turniers ist natürlich sehr viel Arbeit auf vielen verschiedenen Ebenen verbunden. Vor der Übergabe ruhte die organisatorische Arbeit hauptsächlich auf meinen Schultern und auf denen meines Sohns Thomas, der für die Technik verantwortlich war. Natürlich haben wir im Jahr 2003 den Übergang so gut wie möglich unterstützt, da dies ja eine völlig neue Aufgabe für die Tourist Information war.

Es freut mich besonders, dass nicht nur der Übergang gut gelungen ist, sondern auch, dass die Tourist Information unter Herrn Rie und Frau Wolff organisatorische Verbesserungen umgesetzt hat. Zum Beispiel geht die Liveübertragung, die von den Teilnehmern sehr gut angenommen wird, auf deren Initiative zurück. Auch der Umstand, dass alle Teilnehmer wieder in einem Saal spielen, und der Nebenraum als Analyseraum genutzt wird, führt zu angenehmeren Spielbedingungen als die frühere Zweiteilung. Ansonsten würde ich noch das in diesem Jahr eingeführte Rauchverbot an der Theke als wesentlich Verbesserung der Turnierbedingungen anführen.

Herr Leckner, ich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen so viel Engagement für das Schach aufbringen wie Sie, und ich danke Ihnen für das Gespräch.


 

Rangliste: Stand nach der 5. Runde
Rang Teilnehmer Titel TWZ At Verein/Ort Land S R V Punkte Buchh SoBerg
1. Jaracz,Pawel GM 2518 M SG Turm Trier 1 POL 4 1 0 4.5 17.5 15.25
1. Holzke,Frank IM 2499 M Schachverein Wa GER 4 1 0 4.5 17.5 15.25
3. Postny,Evgeny GM 2601 M Sportfreunde Ka ISR 4 1 0 4.5 17.0 14.75
4. Buhmann,Rainer GM 2567 M SV Hockenheim GER 4 1 0 4.5 16.5 14.75
5. Baramidze,David GM 2581 M TSV Bindlach Ak GER 4 1 0 4.5 16.5 14.50
5. Meier,Georg GM 2558 M SAbt SV Werder GER 4 1 0 4.5 16.5 14.50
7. Halkias,Stelios GM 2590 M Sportfreunde Ka GRE 4 1 0 4.5 16.5 14.25
8. Mamedov,Nidjat GM 2565 m Aserbeidschan AZE 4 1 0 4.5 16.0 14.00
9. Shabalov, Alexand GM 2626 m USA USA 4 1 0 4.5 15.5 13.75
10. Skatchkov,Pavel GM 2509 m Russland RUS 4 1 0 4.5 15.0 13.25
11. Kopylov,Mihail IM 2472 M SK Norderstedt UKR 4 1 0 4.5 13.0 11.75

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410 Spieler

 

 

 


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