OIBM: Rückschlag für Luis Engel

29.10.2019 – Jung-Großmeister Luis Engel musste bei den Offenen Internationalen Bayrischen Meisterschaften am Tegernsee einen Rückschlag einstecken. Er verlor seine Partie gegen Timo Küppers. Der Katernberger führt das Feld nun an. | Foto: Sparkassen Open

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Pressemitteilung/ Conrad Schormann

 

Eine Partienauswahl der 3. Runde:

Das gute, alte Morra-Gambit hat in der jüngeren Vergangenheit eine kleine Renaissance erfahren. In der dritten Runde half es Dietmar Fauth, sich an die Spitze der Seniorenwertung zu setzen:

Eine wilde Schlacht zweier Youngster, in der Engel den Ton angab, letztlich aber Küppers einen weiteren Schritt in Richtung IM-Norm machte.

Luis Engel

Das Schach im Iran gebärt schon seit Jahren einen hochveranlagten Jungmeister nach dem anderen. Einer von denen ist der mittlerweile 22-jährige Pouya Idani, einst Jugendweltmeister, der angesichts all der Firouzjas und Maghsoodloos in seinem Heimatland nicht mehr die erste Schachgeige spielt.

 

Semi-Tarrasch: eine Universalwaffe gegen 1.d4

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„Verstanden habe ich nur, was ich mir selbst erklären kann“

Mihail Marin und Maria Yugina dürften zu den bekanntesten Schach-Ehepaaren zählen. Meisterhaft spielen sie beide, er sogar großmeisterhaft. Abseits des Brettes glänzt sie mit ihrer Malerei, er als Autor. Übermäßige Ambition am Brett verneinen die Russin und der Rumäne. Er würde vom Tegernsee gerne ein paar Elopunkte mitnehmen, vielleicht in Form kommen für die Senioren-WM, sie würde sich freuen, wenn ein paar ihrer ausgestellten Bilder einen neuen Besitzer finden.

Mihail Marin | Foto: Thomas Müller

Mihail, ich habe eine Beschwerde.

Mihail: Oh?

Vor Jahren, als ich angefangen habe, meine Megabase nach möglichst instruktiv kommentierten Partien zu durchsuchen, sind mir immer wieder deine aufgefallen. Bald habe ich einfach nur noch nach „Kommentator Marin“ gesucht, weil es ja keinen Besseren gibt. Aber mein Eindruck ist, du lässt uns heute viel weniger an deinem Wissen teilhaben, als das früher der Fall war.

Mihail: Danke für die Blumen! Das eine oder andere Aktuelle müsste es schon geben, oder? Vielleicht war das früher tatsächlich mehr, weil ich mit Rainer Knaak befreundet bin, der das ChessBase-Magazin gemacht hat. Wir schätzen einander, er hat mich oft gezielt angesprochen, aber jetzt ist er im Ruhestand.

Wie entstehen deine Kommentare?

Partien zu kommentieren oder Bücher zu schreiben, ist ein zeitaufwändiger Prozess. Ich muss sicher sein, dass ich Dinge in aller Tiefe verstanden habe. Das erkenne ich daran, dass ich sie mir selbst erklären kann. Erst wenn das klappt, erst wenn ich mir sicher bin, dann schreibe ich Sachen so auf, dass der Leser bestmöglich von meiner Vorarbeit profitiert.

In aller Tiefe? Kannst du das definieren?

Mihail: Schachverständnis und -wissen hat mehrere Ebenen. Alle Schachschreiber, ich ja auch, arbeiten mit Computern. Wir schauen uns Partien an und erklären dann die Ideen hinter Varianten und Bewertungen der Maschine. Nur entwickelt sich so kein fundamentales Verständnis. Darum löse ich mich oft ganz bewusst von dieser Methode, vor allem, wenn ich ein Buch schreibe. Ich baue mein Brett auf, spiele eine Partie nach oder analysiere eine Position und fokussiere mich auf meine Gedanken und Ideen. Natürlich habe ich dafür nicht immer Zeit.

Was bist du? Schachspieler? Autor? Coach?

Mihail: Spieler! Danach fühlt es sich tief in mir an, so nimmt mich auch Maria wahr. Mehr Zeit verbringe ich allerdings als Autor von Büchern oder DVDs, davon lebe ich in erster Linie. Training gebe ich gelegentlich noch, aber nur, wenn es wirklich passt. Gänzlich erfolglos bin ich darin ja auch nicht. Als ich angefangen habe, mit Daniele Vocaturo zu arbeiten, stand er bei 2360 Elo. Acht Monate später war er Großmeister. Und ich war Sekundant von Judit Polgar, als sie nach einer 14-monatigen Babypause zurück ans Brett kam.

Und du, Maria?

Maria: Ich bin Malerin! Eine Schachmalerin.

Ich hab‘ dich am Brett gesehen. Die Anspannung, den Kampf. Und du hattest in der ersten Runde einen Großmeister an der Angel. Das sah nach Schachspielerin aus.

Maria: Ich liebe es zu rechnen, Varianten durchzugehen. Leider läuft mir am Ende oft die Zeit davon, so war es auch in der ersten Runde.

Mihail: Maria hat viele Talente. Einen grünen Gurt im Capoeira zum Beispiel. Oder sie hat Preise bei Schwimmwettbewerben gewonnen. Und wenn sie am Brett sitzt, dann macht sie keine Kompromisse.

Maria: Schon, aber die Frage war ja, wer oder was ich bin. Und die Antwort darauf lautet „Malerin“. Etwa mit 19 habe ich angefangen zu malen. Jeden Tag, auch während ich studiert und als Schachlehrerin gearbeitet habe. Malen ist meine Leidenschaft. Seinerzeit hatte ich einen Privatlehrer, jetzt ist die Malerei mein Beruf. Vor etwa einem Jahr habe ich nach und nach begonnen, mich auf Schachmotive zu fokussieren.

Und jetzt lebt Ihr als reisendes Schachspieler-Maler-Autoren-Paar. Wie seid Ihr einander begegnet?

Mihail: Willst du, Maria?

Maria: Nein, erzähl du.

Mihail: Gesehen haben wir uns zum ersten Mal in Tallinn 2016, Europäische Blitz- und Schnellschachmeisterschaft. Ich hatte 36 Stunden nicht geschlafen, es war dunkel und kalt. Ich stand in der Anmeldeschlange und fragte mich, was um alles in der Welt ich hier tue. Und dann stand plötzlich dieses Mädchen vor mir und fragte, ob hier die Anmeldung ist. Wenig später haben wir uns in Wien für ein paar Tage gesehen, da habe ich sie schon gefragt, ob sie mich heiratet.

Liebe!

Mihail: Ja (lächelt).

Habt Ihr eine besondere Beziehung zu Deutschland?

Maria: Ich nicht. Aber was ich bislang gesehen habe, gefällt mir sehr gut. Neuschwanstein! Seit ich ein Kind war, träume ich davon, das Schloss zu sehen.

Mihail (in exzellentem Deutsch): Darf ich auf Deutsch antworten? Deutsch war meine erste Fremdsprache in der Schule. Als Kind war ich in den Ferien viele Male bei einer Familie in Brasov, Kronstadt, zu Gast, die Deutsch sprach. Da habe ich es richtig gelernt. Leider habe ich viel vergessen seitdem, weil ich lange kaum einen Draht nach Deutschland hatte. Das änderte sich, als ich angefangen habe, für ChessBase DVDs aufzunehmen. Um wieder in die Sprache einzutauchen, habe ich den „Zauberberg“ von Thomas Mann gelesen. Ich dachte, fange ich doch gleich mit dem Schwierigsten an. Und ich habe es durchgelesen.

 

Gut Elobrunn am Normensee

Warum so viele starke junge Leute am Tegernsee mitspielen? Weil sie hier Normen erzielen können.

Und das ist keine Selbstverständlichkeit.

In einem neunrundigen Turnier mit mehr als 500 Spielern würde es trotz mehrerer Siege am Stück eigentlich zu lange dauern, bis die richtig dicken Brocken kommen. Aber ohne solche Brocken ist am Ende leicht der Gegnerschnitt nicht hoch genug, sodass es für die Norm nicht reicht.

Darum „Beschleunigtes Schweizer System“ nach Art Baku. Dieses System stellt sicher, dass anfangs die Elodifferenz zwischen den Gegnern nicht so hoch ist. Stattdessen sollen schneller Spieler mit ähnlicher Wertung aufeinandertreffen.

Sichergestellt wird das durch ein einfaches Prinzip: die Spieler der oberen  Setzlistenhälfte bekommen in den Runden 1 bis 3 einen zusätzlichen virtuellen Punkt, welcher in den Runden 4 und 5 auf einen halben reduziert wird und zur 6. Runde schließlich gänzlich entfällt. Die Ranglisten werden jeweils ohne diesen Punkt gebildet, aber zur Paarungsermittlung werden die virtuellen Punkte herangezogen.

Das „System Baku“ ist von der FIDE abgesegnet, sogar Teil des offiziellen FIDE-Handbuchs. Wer die 45-seitige Analyse, warum das System funktioniert, lesen möchte: bitteschön.

Schiedsrichter Hans Brugger  | Foto: Thomas Müller

 

Die Regel-Ecke

Ungültiger Zug, was nun?

Schiedsrichter Hans Brugger sah sich jetzt mit dem ungewöhnlichen Fall konfrontiert, dass derjenige, der den Regelverstoß begangen hat, den Schiri ruft. „Sein Gegner war schlecht zu Fuß“, erklärt Brugger. „Darum kam der Sünder zu mir, sagte, er habe einen unmöglichen Zug ausgeführt, und bat um Schiedsrichterunterstützung.“ Der Fall als solcher war schnell geklärt: Wer einen unmöglichen Zug ausführt, der bekommt zwei Minuten Zeitstrafe.

Dem Schreiber dieser Zeilen war das neu, vielleicht dem einen oder anderen Leser auch: Die Zeitstrafenregelung gilt seit einiger Zeit auch im Blitz. Wer beim Blitzschach einen unmöglichen Zug ausführt, der verliert nicht mehr wie früher die Partie, sondern der bekommt eine einminütige Zeitstrafe aufgebrummt.

 

Stand nach drei Runden

Rk. Name Pts.  TB1 
1 Küppers Timo 3,0 2516
2 Sethuraman S.P. 3,0 2400
3 Peralta Fernando 3,0 2359
4 Bernadskiy Vitaliy 3,0 2353
5 Idani Pouya 3,0 2352
6 Mons Leon 3,0 2326
7 Weber Ulrich 3,0 2314
8 Asadli Vugar 3,0 2305
9 Vetoshko Volodymyr 3,0 2298
10 Krzyzanowski Marcin 3,0 2202
11 Korneev Oleg 3,0 2193
12 Frese Daniel 3,0 2137
13 Maruntis Patrik-Robert 3,0 2073
14 Del Rio De Angelis Salvador G. 2,5 2443
15 Eljanov Pavel 2,5 2415
16 Gareyev Timur 2,5 2406
17 Yankelevich Lev 2,5 2403
18 Parvanyan Ashot 2,5 2399
19 Azarov Sergei 2,5 2368
20 Klimkowski Jan 2,5 2367

...

Partien

 

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Craigh Craigh 29.10.2019 06:29
Unter der "Zeitstrafenregelung" ist eher zu verstehen, dass der Reklamierende eine Gutschrift von 2 Minuten bekommt. Wäre auch sonst etwas unfair, wenn man weniger als 2 Minuten auf der Uhr hat...
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