One Brettl after another

von Olaf Steffens
01.04.2026 – Gern hätte Olaf Steffens beim Kandidatenturnier mitgespielt, doch es hat nicht ganz gereicht. Doch es muss ja nicht Zypern sein. Über Ostern versammelt sich alles, was hier- und dazulande Schach spielen kann zum "grenke Open" in Karlsruhe. Da fährt auch der Bremer Olaf Steffen noch einmal ins weit entfernte Ländle. | Fotos: Olaf Steffens

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Der Beitrag erschien zuerst in Olaf Steffens Blog "Vegane Schachkatzen". Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

Karlsruhe: One Brettl after another

Anders als der wunderbar passionierte Großmeister Matthias Blübaum reise ich in den Osterferien nicht nach Zypern. Das dortige Kandidatenturnier der FIDE ist bekanntermaßen auf 8 Teilnehmer beschränkt und obendrein seit Monaten schon ausgebucht mit globalen Größen wie Nakamura, Caruana, Pragg, Giri und eben – Matthias Blübaum! Ein hartes Brot – kein Platz auf Zypern für den FM Steffensen, und auch für viele andere Schachfreunde nicht.

Nur geträumt

Wer von Euch ohne Einladung zum Kandidatenturnier ist – fühlt Euch getröstet, Ihr Lieben! Zypern muss ja gar nicht. Denn im schönen Karlsruhe beim großen, beim größeren, beim sogar größten GRENKE Open lockt kurzfristig eine wuchtige Turnieralternative.
Ihr könnt im Lande bleiben, im Ländle gar, und gleichwohl über Ostern auf die Besten der Welt treffen.

Magnus ist, Vincent ist da, Nodirbek auch, sowie 3000 weitere Apologeten der 64 Felder. Da schau her!

In Karlsruhe sitzt niemand allein am Brett, weder beim Freestyle-Turnier mit seinem enormen Preisgeld von über 200.000,- Euro, als auch beim klassischen Schach – wobei der Preisfonds hier ganz unerwartet nur rund ein Drittel des Freestyle-Topfes beträgt.

War das schon immer so? Zeiten ändern sich.

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One Brettl after another: Drohnenflug über 1500 Bretter und 50.000 Figuren

Mein letzter amtlicher Einsatz im Südweschde ist schon einige Jahre her, wenn nicht sogar … Jahrzehnte. Man mag es nicht glauben, vielleicht war es beim Baden-Baden Open 2001? Oder in Baden-Baden 2011, das muss es gewesen sein.

Dieser Süden, er ist einfach zu weit weg, zumindest aus Bremen. Anreisetechnisch wäre es für uns Hanseaten erheblich einfacher, hätte man Karlsruhe damals weiter im Norden gebaut, zum Beispiel anstelle von Hannover.

Doch in diesem Jahr, hurra, da passt es mal mit einer langkilometrigen Reise in den tiefen, den wilden Süden! (Der Rest der Katzenredaktion wird derweil zu Hause auf den Tischen tanzen – kennt man ja.)

Das schönste Land in Deutschlands Gau’n,
das ist mein Badnerland.
Es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.

Drum grüß ich dich mein Badnerland,
du edle Perl’ im deutschen Land, deutschen Land.
Frisch auf, frisch auf, frisch auf, frisch auf,
frisch auf, frisch auf mein Bremerland Badnerland.

(Aus dem Badnerlied, der inoffiziellen Landeshymne Badens)

Auch im Süden ist es ja ganz schön

Ich freue mich auf die große Schachfamilie unter dem gewaltigen Dach des Kongresszentrums, auf weltweite Großmeister, lokale Tübinger IMs und weit angereiste Norddeutsche.

Freue mich auf den Bücherstand mit Chesstiger Jonny Carlsenstedt, und bin neugierig, wie Turnierdirektor Sven Noppes und sein Team so ein Turnier mit vielen Tausend schachhungriger Menschen bloß immer so reibungslos organisiert bekommen (Chapeau, Chapeau).

Immerhin: allfällige Streitfälle zwischen den Disputanten können sicher gleich vom ortsansässigen Karlsruher Bundesverfassungsgericht entschieden werden. Problem gelöst.

Und nun ja – neun Runden in fünf (Oster-) Tagen, das ist wahrhaftig ein intensives Erlebnis. Es gibt bei diesem Wettbewerb nun wirklich One Battle After Another, und kommt einem Kandidatenturnier auf Zypern sicher schon ganz nahe. (Viel Erfolg dort, Matthias!)

Bange Frage: Hält man das durch, so viel Schach auf einmal? Bange Antwort: Muss ja.

Auch in Ghent hat es ja gut geklappt im letzten Sommer, mit gütiger Hilfe von ganz oben.
Solange die Wege an den 3000 anderen Karlsruher TurnierspielerInnen vorbei zum Kaffeetresen nicht zu weit sind, bin ich hoffnungsvoll.
Doch selbst dann – vernünftig spielen muss man ja auch noch.
 

Grenke Open Turnierseite

Interview mit Matthias Blübaum (Chessbase)

One Battle After Another (Vorschau und Trailer)

Kandidatenturnier: Bremen ruft!


Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919, den MTV Leck, den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Von 2012 bis 2021 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen. Bloggt seit 10 Jahren auf www.schach-welt.de und VeganeSchachkatzen.de.
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