Nach fünf Runden des Challengers-Turniers beim Prager Schachfestival führt der 16-jährige Vaclav Finek die Tabelle mit einem vollen Punkt Vorsprung souverän an. Der junge tschechische IM fuhr am Sonntag mit den weißen Steinen seinen dritten vollen Punkt gegen Daniil Yuffa ein. Neben den drei Siegen spielte er zweimal remis. Er steht damit bei 4 aus 5.
Yuffa war vor Rundenbeginn einer von vier Spielern, die einen halben Punkt hinter Finek lagen. Durch die Niederlage fällt er aus der Verfolgergruppe zurück ins Mittelfeld. Am dichtesten am Tabellenführer sind Thomas Beerdsen, Jachym Nemec und Stepan Hrbek. Alle drei spielten in der letzten Runde vor dem Ruhetag remis und liegen mit 3 von 5 Punkten einen Punkt hinter dem Führenden.
Die Schlüsselpartie zwischen Finek und Yuffa wurde durch eine strategische Entscheidung geprägt. Yuffa tauschte seinen schwarzfeldrigen Läufer, wodurch die schwarzfeldrige Stellung um seinen König deutlich geschwächt wurde.
Finek reagierte kraftvoll und hielt den Druck aufrecht.
Nachdem der König seines Gegners entblößt war, erhöhte Finek nach und nach die Spannung und nutzte seinen Vorteil überzeugend aus. Im Interview erklärt er sein Vorgehen:
Die einzige weitere entschiedene Partie des Tages gewann Divya Deshmukh. Sie feierte mit den schwarzen Steinen ihren ersten Turniersieg gegen Surya Shekhar Ganguly. Damit erreichte sie die 50-Prozent-Marke. Sie glich damit ihre Bilanz nach der Niederlage gegen Zhu Jiner in der dritten Runde und drei Remisen aus.
Den entscheidenden Moment nutzte die Inderin, als Ganguly sich für 19.Sxh7? entschied – ein Springeropfer, das keine ausreichende Kompensation einbrachte.
Weiß hätte 19.Dh3 spielen und damit sogar einen leichten Vorteil haben können. Stattdessen folgte 19.Sxh7? Dh5! (die Widerlegung) 20.Sxf6+ gxf6 21.f3 Dxh2+ 22.Kf2 Dh4+ 23.Kf1
Der schwarze Springer sprang in den folgenden beiden Zügen von e7 nach d5 und von dort nach c3. Er griff dabei die Türme an, um eine Figur zu gewinnen. Ganguly gab die Partie im 35. Zug auf.

Divya Deshmukh | Foto: Petr Vrabec / Prager Schachfestival
Unter den drei Remispartien stach die Begegnung zwischen Zhu Jiner und dem topgesetzten Benjamin Gledura besonders heraus. Zhu willigte durch dreifache Zugwiederholung in ein Remis ein, obwohl die Engines ihre Stellung mit einer Bewertung von etwa +1,3 als vorteilhaft einstuften.
Nach ihrem katastrophalen Turnierstart – Zhu hatte drei ihrer ersten vier Spiele verloren – war die pragmatische Entscheidung, einen halben Punkt zu sichern, verständlich.

Zhu Jiner | Foto: Tomáš Krist / Prager Schachfestival