Prinz von Limulunga eröffnet "Schachhaus" in Sambia

07.02.2012 – Der "Prinz von Limulunga" ist keine Figur aus der Augsburger Puppenkiste - es gibt ihn wirklich. Und auch das "Schachhaus" in Limulunga wurde Realität - dank der Initiative von Björn Lengwenus, den vielen Spendern, die seine Idee, im Westen Sambias ein Waisenhaus zu unterstützen, begeisternd fanden und natürlich den Projektleitern vor Ort. Da Schach hier eine zentrale Rolle spielt, kann man dieses Waisenhaus getrost "Schachhaus" nennen, meint Björn Lengwenus. Während seines "Sabbat"-Jahres reiste der Barmbeker Schuldirektor noch einmal an den Sambesi, freute sich dort über das Ergebnis seiner Initiative an und traf sogar noch ein paar Austauschschüler seiner Hamburger Schule. Hier sein Bericht. Ein Schachhaus in Sambia...

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Ein Schachhaus in Sambia
Von Björn Lengwenus

Wenn viele Menschen sich zusammenschließen, dann können große Dinge bewegt werden, auch wenn Sie auf den ersten Blick gar nicht so überwältigend aussehen. Zum Beispiel: Sechs der vielen Millionen Straßenkinder in Afrika ein neues Zuhause zu geben.



Als ich vor knapp eineinhalb Jahren an dieser Stelle über meine Idee berichte, ein weiteres Waisenhaus für Mädchen im wunderbaren Projekt „Liyoyelo“ in Sambias Westen in Limulunga zu eröffnen, war ich zwar festen Willens diese Idee zu verwirklich, aber keineswegs restlos überzeugt die nötigen finanziellen Mittel zusammen zu bekommen.  (s. Bericht und Aufruf... )

Aber auf die „Schachgemeinde“ war Verlass. Es war ein tolles Echo. Viele Schachfreunde reagierten auf den Aufruf gaben Zuspruch und machten mir Mut, einige kündigten auch gleich ihre Spende an.

Irgendwann war ich mit den Zusagen der ChessBase-Homepage-Besucher und den einsatzfreudigen Schülern meiner Hamburger Stadtteilschule Barmbek sicher, dass wir es bewerkstelligen können, die anfallenden Kosten für sechs Mädchen aufzubringen.

Also startete der Projektgründer Michael Scholz vor Ort mit seinem Team den Ausbau des Hauses.


Mahlzeiten werden vorbereitet

Und das unfassbare geschah: Am 19.August 2011 wurde tatsächlich ein Haus für sechs neue Waisenmädchen eröffnet: Das Münster-Barmbek-Haus. Ebenso gut hätte es auch "Schachhaus" heißen können, so viele Schachspieler waren mittlerweile im Spendenpool dabei.

Im Rahmen meines "Sabbat"jahres ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, als Station meiner geplanten Weltumrundung an diesem Tag in Limulunga Halt zu machen und konnte gleich miterleben, wie die ersten Waisenmädchen einzogen. Unter anderem ein sechsjähriges Mädchen, das von diesem neuen Haus erfahren hatte und sich zu Fuß auf über 200 Kilometer (!) Fußweg aufgemacht hatte um das Projekt zu erreichen. Der Anblick des Mädchens ließ sogar die „hartgesottenen“ sambischen Hausmütter weinen. Aber schon zwei Ganzkörperwäschen später durfte ich Zeuge des ersten Lächelns dieses Waisenmädchens werden. Ein sehr besonderer Moment.


Der grüne Stoff reichte für drei Kleider und eine Tischdecke



Dass dieser besondere Moment noch ein bisschen besonderer wurde, dafür sorgten sechs Mädchen aus Hamburg, die zusammen mit ihren beiden Lehrerinnen unserer Stadtteilschule Barmbek/ Fraenkelstraße nach Sambia gekommen waren.



Bewegte Bilder in der Kamera


Austauschschüler aus Hamburg

Hamburger Stiftungen und Sponsoren hatten dafür gesorgt, dass unsere Schülerinnen diese irre Reise antraten. Solch Austausch-Reisen – bei wohlbetuchten Gymnasien üblich – sind bei den stets klammen Brennpunkt Haupt- und Realschulen (nun: Stadtteilschulen) eigentlich unmöglich. So waren die meisten der Hamburger Mädchen vorher noch nie geflogen und es eher gewöhnt „arm“ zu sein und Hilfe anzunehmen. Hier in Limulunga waren sie reich – unschätzbar wohlhabend. Auch eine Erfahrung.

Und so lag ein echter Zauber über Limulunga, über den alle Anwesenden noch lange sprechen werden. Denn die Einblicke und Einsichten, die alle gemeinsam gewannen, waren viel mehr als das eigentliche Wort „Austausch“ aussagte. Die Hamburger Delegation berichtete später in ihrem Blog sehr eindrucksvoll was die zwei Wochen Afrika in Ihnen ausgelöst haben:

Hamburg-Afrika Blog...

Die Sonne schien (natürlich) als der Prinz von Limulunga (klingt nach Augsburger Puppenkiste, ist aber ganz offiziell) zusammen mit dem Provinz–Gouverneur das Eröffnungsbändchen durchschnitten.


Beginn der Eröffnungsfeier


Offizielle Ansprachen


Gesang und Tanz. Die Dorfjugend schaut zu.




Die Eröffnung



Der Prinz von Limulunga schreitet zur Tat


Erst Eröffnung dann Party


Ran ans Buffet

Und das Strahlen der Sonne schien auch auf unseren Gesichter. Zumal noch eine ganz besondere Überraschung wartete: Der Lions-Club-Kopenhagen hatte einige PCs gespendet und so konnte auf dem Gelände des Projekts das erste Internet-Cafe der Region eröffnet werden.


Stellvertretend für den Lions-Club


Fritz&Fertig im Internet-Café

Das war die längst gewünschte „kleine Einnahmequelle“, die sich Gründer und Projektleiter Michael Scholz so gewünscht hatte. Es sind Minimalbeträge, die das Projekt nun durch das Internetcafe neben dem Verkauf von Korbflechtereien einnimmt.

Ein erster kleiner Schritt, der allerdings noch unter anderen Gesichtspunkten bedeutsam ist. Die Projektmädchen erhalten die Chance durch die Nutzung von PCs chancenreich für den sambischen Arbeitsmarkt ausgebildet zu werden. Auch in Sambia sind PC-Kenntnisse sehr bedeutsam.

Wie es sich für ein kleines Schachdorf – seit meinem Besuch vor einem Jahr hat sich Schach als Freizeitbeschäftigung fest etabliert und alle Mädchen spielen es von Zeit zu Zeit – gehört, wurde natürlich auch sofort Fritz und Fertig installiert. In diesem Zusammenhang „outete“ sich Projektmanager Mr. Maketo als ehemaliger Schach-Meister der sambischen Westprovinz und forderte nach und nach alle Anwesenden zum Duell.


Der West-Sambia-Meister begutachtet Fritz&Fertig

Tatsächlich spielte er ziemlich gutes Schach, wie ich erschreckt feststellen musste, als er zum Duell gegen mich antrat.

Aber ich konnte auf die afrikanische Gastfreundschaft bauen und durfte die Partie für mich entscheiden.

So vergingen die Tage unter der sambischen Sonne direkt am Sambesital viel zu schnell. Hamburger und Limulunga-Mädchen wuchsen und wachsen (Dank den vorhandene PCs) eng zusammen, das Schachbrett wurde als fester Bestandteil der afrikanischen Freizeitbeschäftigung allgemein anerkannt, das Münster-Barmbek- (Schach-) Haus bietet sechs kleinen Waisenmädchen ein neues Zuhause in diesem ganz besonderen Projekt und in unseren Köpfen wuchsen weitere Träume.


Kronkorken statt Türme






Es fehlt noch etwas Regelfestigkeit: Was ist der König, was die Dame?


Alles Steine nach vorne!


Es geht auch ohne Tisch



Unrasiert und fern der Heimat


Bayern München kennt man überall in der Welt - auch am Sambesi

Zum Beispiel, dass weitere Einnahmequellen für das Projekt erdacht werden, um nach und nach auf eigenen Füßen stehen zu können. Zum Beispiel, dass schon jetzt die neugegründete „Sambia-AG“ der Stadtteilschule Barmbek/ Fraenkelstraße nicht nur jeden Cent für das Partnerdorf sammelt, sondern auch wieder Sponsoren und Hamburger Stiftungen sucht, die eine Reise von sechs Hamburger Mädchen nach Sambia im nächsten Jahr ermöglichen. Zum Beispiel, dass ein Team aus dem kleinen Projekt Liyoyelo über die neuen PCs am größten Schulschachturnier der Welt beim „Rechten gegen Linken“-Alsterufer in Hamburg online teilnimmt. Und in ferner Zukunft vielleicht sogar zwei sambische Mädchen für eine Zeit nach Deutschland kommen um neben PC-Kenntnissen auch noch anderes Know How als Gastschüler der Stadtteilschule-Barmbek/Fraenkelstraße zu erwerben.

Das sind Träume. Weit weg. Oder vielleicht doch nicht?

Bis dahin müssen allerdings die laufenden Kosten für die sechs neuen Mädchen in Liyoyelo gedeckt werden. 50 Euro pro Monat pro Mädchen. Das haben wir versprochen. 300 Euro insgesamt – Monat für Monat. Das ist nicht wenig, aber eben auch nicht viel.

Auch heute möchte ich also die Schachgemeinde auf dieses Projekt hinweisen. Neben Zuspruch freue ich mich ebenso wieder über Spendenzusagen. Und wieder möchte ich darauf hinweisen, dass es viele großartige Projekte auf unserer bunten Erde gibt. Dieses ist eines von vielen. Möge jeder selbst entscheiden, wann, wie viel und wo er sich engagiert. Es gibt einfach viel zu tun.

Für Nachfragen und Spendenzusagen für Liyoyelo stehe ich gerne (auch wenn ich gerade im Rahmen meines "Sabbat"jahres um die Welt reise) per E-Mail zur Verfügung (wer meine Reise verfolgen möchte, ist herzlich eingeladen meinen Blog zu lesen: http://www.bisbaldbarmbek.blogspot.com)



Dankeschön!

Bjoernlengwenus@aol.com

Apropos: Zwischendurch gab es auch noch überraschenden Besuch:


Es reicht nach Essen...


Ein Irrtum?


Dann ist es Zeit schlafen zu gehen


Schach macht schnell müde


Chrr....



 

 

 

 

 

 



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