Salamanca Chess Festival: Topalov und Salimova mit dem besten Start

von André Schulz
04.02.2021 – Vier Männer und vier Frauen bestreiten das Meisterturnier in Salamanca. Elisabeth Pähtz startete in Runde Eins gegen Veselin Topalov und hielt die Partie in einem Springerendspiel fast bis zum Schluss völlig ausgeglichen - fast... | Fotos: Turnierseite Salamanca

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Trotz Corona-Pandemie führen die Schachfreunde von Salamanca ein Schachfestival durch, natürlich unter den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen. Das Festival ist als Kulturfestival gedacht. Das Meisterturnier ist die Hauptveranstaltung, aber es gibt eine Reihe von Zusatzturnieren und jeden Tag einen Vortrag zu verschiedenen kulturellen und sozialen Themen.

Gastgeber für die Ereignisse des Festivals ist das "Colegio del Arzobispo Fonseca". Das Haus wurde 1519 vom Alonso de Fonseca , Erzbischof von Santiago de Compostela begründet, um galizischen Studenten ein Studium an der Universität von Salamanca zu ermöglichen. Ende des 16. Jahrhunderts wurden hier auch irische katholische Studenten aufgenommen, die in ihrer Heimat wegen ihrer Religion verfolgt wurden und nach Spanien geflüchtet waren. Ursprünglich bestand das Kolleg aus vier Gebäuden, von denen nur eines die Zeit überdauerte. Das prächtige Haus bietet einen sehr schönen Rahmen für das Festival, das in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführt wird.

Einer der Vorträge, von Sabrina Vega, beschäftigt sich mit der Rolle der Frau im Schach. Zum Turnier wurden vier Männer und vier Frauen eingeladen, um die Teilnehmerzahl gleichberechtigt auf die Geschlechter zu verteilen und für eine Gleichberechtigung zu sorgen.

Sabrina Vega gegen David Anton

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Alexei Shirov zeigt auf dieser DVD mit 5.Te1 gegen die Berliner Mauer eine Alternative zu 5.d4, in der Weiß Druck entwickeln und die Initiative an sich reißen kann.

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Allerdings sind die Kräfteverhältnisse doch recht ungleich verteilt, denn mit Veselin Topalov und Alexey Shirov sind zwei männliche Spitzengroßmeister am Start, dazu kommt mit David Anton ein spanischer Topspieler und mit Eduarda Iturrizaga noch ein weiterer starker Grroßmeister. Die vielfache spanische Meisterin Sabrina Vega, die junge Bulgarin Nurgyul Salimova, dazu Elisabeth Pähtz und Almira Skripchenko sind Spielerinnen von beachtlicher Spielstärke, werden es aber schwer haben, den doch deutlich spielstärkeren Männern Paroli zu bieten. Es geht aber auch um den Vergleich überhaupt. Manche Schachfreunde sind ja der Ansicht, dass die Separierung mit eigenen Frauenschachwettbewerben das Niveau im Frauenschach eher behindert.

Der Turniersaal

Der Spielstärkeunterschied zeigte sich gleich am ersten Spieltag mit den Runden eins und zwei. Gespielt werden Schnellpartien mit 40 Minuten plus 5 Sekunden Zugabe pro Zug. Mit Ausnahme vom Freitag werden pro Tag zwei Partien ausgetragen. Drei der vier Frauen, Elisabeth Pähtz, Almira Skripchenko und Sabrina Vega starteten mit jeweils 0 aus 2. Nur Nurgyul Salimova kam als einzige der Frauen zum Erfolg, sogar mit zwei Siegen, gegen ihre weiblichen Mitbewerberinnen Almira Skripchenko und Sabrina Vega. Veselin Topalov begann das Turnier ebenfalls mit zwei Siegen gegen zwei Frauen, gegen Elisabeth Pähtz und Almira Skripchenko. Elisabeth Pähtz hielt die Partie sehr lange ausgeglichen. Erst in einem komplizierten Springerendspiel wurde sie vom bulgarischen Spitzenspieler ausgespielt.

[Weiß hat vielleicht ein etwas leichteres Spiel, weil der Bauer a5 schwach ist und die weiße Bauernmehrheit am Damenflügel leichter zu mobilisieren ist, wobei die Rückständigkeit des b-Bauern etwas hinderlich ist. Zum Gewinn sollte das nicht reichen.]

 

33.Kd3 Kf8 34.Kc4 Ke7 35.Kc5 [Der weiße König möchte zum a-Bauern, aber der Sc6 deckt diesen noch zuverlässig.]

35...Kd7 36.Sa8 g5 [Schwarz setzt seine Mehrheit am anderen Flügel in Bewegung. Das muss Weiß beachten.]

37.Sb6+ Kc7 38.Sc4 f5

 

39.exf5 exf5 40.Kd5 [Nicht etwa 40.Kb5 f4 41.Sxa5 Sxa5 42.Kxa5 g4 und Schwarz gewinnt.; 40.Sd6!? f4 41.Sf7 g4 42.Sxh6 Se5 (42...f3? 43.gxf3 gxf3 44.Sg4 und gewinnt.) 43.Sf5 f3 44.gxf3 Sxf3=]

40...f4 41.Ke4 Kd7 42.h4 Ke6 43.h5 Kf6 44.Sd6 Se5 45.Sf5 Sd7

 

[Weiß hat hier objektiv keinerlei Vorteil mehr. Allerdings muss bei Springerendspielen immer sehr viel rechnen, hier auch schnell, weil es eine Schnellpartie ist. 45...Sf7 46.Sd4 Sd8= war auch OK.]

46.Sxh6 Sc5+ 47.Kd5 Sxb3 48.Sg4+ Kf5 [48...Kg7=. Besser vor dem h-Bauern bleiben.]

49.Se5 [Versperrt das Feld g6.]

 

49...Kf6? [Der entscheidende Fehler. Besser war 49...Sd2 50.h6 Se4 z.B.: 51.Sc6 Sf6+ 52.Kc4 g4 53.Sxa5 f3 54.gxf3 gxf3 55.Kd3 Kg6 56.Sc4 Kxh6 57.a5 f2 58.Ke2 Sd5 59.a6 f1D+ 60.Kxf1 Kg6 61.a7 Sc7 62.Sb6 Kf5 63.Ke2 Ke5]

50.h6 Sd2 51.Kc6 Sb3 [51...Kxe5 52.h7]

52.Kb5 Sd4+ 53.Kxa5 Se6 54.Kb6 Kxe5 55.h7 Kd5 1–0

Nach Erscheinen des Beitrages hat sich Endspiel-Guru Karsten Müller das Endspiel angesehen und gleich am Anfang Gewinn für Weiß nachgewiesen:
 

 

 

Runde 1

 

Runde 2

 

Tabelle

 

Partien

 

 

Turnierseite...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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