Schach - ein Tool für Bildung

von ChessBase
09.09.2019 – Die FIDE Commission "Chess in Schools" (CIS) hat eine knapp 50-seitige Broschüre herausgegeben, in der die Vorzüge des Schachs bei Erziehung und Bildung, aber auch für Integration und als Demenzvorsorge zusammengefasst werden.

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Schach ist eines der ältesten Brettspiele der Welt, und erfreut sich sicher nicht ohne Grund über so viele Jahrhunderte ungebrochener Beliebtheit. Eigentlich sind die Regeln leicht zu erlernen, trotzdem ist das Spiel schwierig und je tiefer man eindringt, desto komplexer wird es. 

Schach übt den Verstand und hilft bei der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr erkannt. In einigen Ländern ist Schach schon landesweites Schulpflichtfach, zum Beispiel in Armenien. 

Auch der Weltschachbund FIDE misst seiner weltweiten Initiative "Schach in den Schulen" inzwischen große Bedeutung bei.

Nicht nur bei der Erziehung ist Schach ein wichtiges Werkzeug. Es hilft bei der Integration und Inklusion, denn die Sprache "Schach" versteht jeder. Auch als Demenzvorsorge ist Schach nützlich.

Auf knapp 50 Seiten stellt die FIDE in einer neuen Broschüre die Vorzüge des Schachs dar und gibt Hinweise auf weiterführende Veröffentlichungen.

 

 

Auszug aus der Broschüre:

"Ziel ist es, Schach in einer Weise zu nutzen, dass Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter durch hierbei erworbene Fähigkeiten in ihrer Bildung, in ihrer sozialen Entwicklung und für ihre geistige Gesundheit profitieren können.

Seit der Gründung des Schulschachverbands im Jahr 1984 nutzt die FIDE Schach mehr und mehr für Bildungszwecke. Nicht um Schach zu unterrichten und bessere Schachspieler hervorzubringen, sondern um die schulische Bildung von Kindern zu verbessern.

Die FIDE wurde im Jahr 1924 gegründet und ist vom IOC offiziell als Weltverband fürSchach anerkannt. Die FIDE hat sich immer auf Wettkampfschach konzentriert, Weltmeisterschaften organisiert und einen großen Beitrag zur Ausbildung von Schachspielern, Trainern und Schiedsrichtern geleistet. Diese Arbeit wurde 2012 durch die Social Action Commission (SAC) und die Social Projects Commission (SPC) erweitert.

Welchen Wert Schach als Werkzeug für Bildung und Sozialkompetenz hat, wurde schon 1786 von Benjamin Franklin erkannt. In seinem Artikel "The Morals of Chess" schrieb er, das Leben sei eine Art Schach und dass wir beim Schachspiel Weitsicht, Umsicht und Vorsicht lernen können und auch, dass wir uns, wie im Schach, nicht durch temporäre schlechte Zustände entmutigen lassen, sondern beharrlich nach Ressourcen suchen sollten. Der pädagogische Nutzen des Schachspiels wurde im 20. Jahrhundert weithin anerkannt. Die sozialen und gesundheitlichen Vorzüge des Schachspiels begann man hingegen erst in diesem Jahrhundert wirklich wertzuschätzen.

Benjamin Bloom entwickelte 1956 eine Klassifizierung des intellektuellen Lernverhaltens in Stufen. Seine Taxonomie unterschied drei Hauptbereiche: den kognitiven, den psychomotorischen und den affektiven Bereich. 

In der Frühpädagogik (siehe Early Years Skills programm) stehen der psychomotorische und der emotionale Bereich im Mittelpunkt. Traditionellerweise konzentriert sich Bildung vorwiegend auf kognitives Lernen, was häufig auch die Grundlage für die Erstellung von Lehrplänen, Beurteilungen und Aktivitäten ist. Innerhalb des kognitiven Bereichs unterschied Bloom sechs aufeinander aufbauende Lernstufen: Wissen, Verstehen, Anwenden, Analyse, Synthese und Evaluation.

Besonders bei Schülern aus ärmeren sozialen Schichten sind die Denkfähigkeiten aufgrund einer ereignisarmen Umgebung unterentwickelt. Diese Entwicklungslücke ist das Ergebnis des verarmten sozialen Umfelds. Schach bietet durch spielerisches Lernen den Ausgleich: “Chess as a way of "learning through play" provides the social context in which to develop or remediate thinking skills ..." [Joseph Eberhard]

Genau diese drei Fähigkeiten werden jedoch bei jedem Zug in einem Schachspiel benötigt! Es ist die perfekte Beschreibung des Schachspielens.

Anders verhält es sich mit den drei übergeordneten Denkfähigkeiten: Analysieren, Beurteilen und Kreativität. Schulfächer bieten nur wenig Möglichkeiten diese zu entwickeln.

Alle Schulfächer bieten ebenso wie Schach einfache und direkte Möglichkeiten, die drei untergeordneten Denkfähigkeiten zu entwickeln: Erinnern, Verstehen und Anwenden.

Dr. Alexey Root (Dozent an der School of Interdisciplinary Studies, Universität von Texas, Dallas) hat in einer Reihe von Büchern (siehe Bibliografie) beschrieben, wie Schach dazu verwendet werden kann, alle Kernfächer des Lehrplans zu verknüpfen und zu unterstützen. Durch die beim Schachspiel erforderliche Kombination von kritischem und kreativem Denken bietet es das perfekte pädagogische Werkzeug, um die übergeordneten Denkfähigkeiten zu lehren. Die größte Herausforderung für Kinder sollte es sein, die Art und Weise zu erforschen und zu entwickeln, wie wir denken. Wenn das dann auch noch Spaß macht, wäre das ideal. Wichtig ist, dass der Inhalt nicht jeden Tag erweitert wird.

"Schools and educators need a simple and direct way to teach process standards ('thinking skills')." [Nash 2011]
 

Kritisches Denken schließt logisches Denken und Urteilen, einschließlich Fähigkeiten wie Vergleichen, Klassifizieren, Folgern, Ähnlichkeiten und Muster erkennen, induktives und deduktives Denken, Vorherbestimmen, Planen, das Erstellen von Hypothesen und Beurteilen ein. Kreatives Denken bedeutet etwas Neues oder Originelles zuschauen. Eingeschlossen sind Flexibilität, Originalität, Geläufigkeit, Ausarbeiten, Ideenreichtum, Modifizierung, Vorstellungskraft, assoziatives Denken, Aufzählen von Eigenschaften, metaphorisches Denken und das Erkennen von abhängigen Verhältnissen. Kreatives Denken zielt darauf ab, Neugier zu wecken und Vielfalt zu fördern. Schach trägt zur Entwicklung bei - affektiv, kognitiv und mit Hilfe des Frühpädagogik-Programms auch
psychomotorisch.
 

Konzentration, Aufmerksamkeit, räumliches Denken, logisches Denken, Fantasie und Kreativität. Schach fördert die Akzeptanz gegensätzlicher Ideen. Schach hilft die Kontrolle zu behalten (Reflexe zu kontrollieren). 

Schach fördert die Reflexion (zuerst denken, dann handeln).

Durch Schach lassen sich viele pädagogische Probleme lösen, besonders im Hinblick auf die Verbesserung der Denkfähigkeit. Schach hat alle Eigenschaften eines hervorragenden Lehrmittels.

Schulen brauchen: Eine einfache und direkte Methode zur Vermittlung von Denkfähigkeiten (spielerisch und motivierend ist vorteilhaft) bei der sich der Inhalt nicht jeden Tag erweitert, bei der die Regeln einfach sind bei der die größte Herausforderung für Kinder darin besteht, zu erforschen und zu entwickeln, wie

Schach lehrt Kinder analytisch, logisch und auf mehr als einer Ebene zu denken. Der pädagogische Nutzen von Schach ist hoch und vielfältig. Dies ist in einer großen Anzahl von Forschungsarbeiten weltweit gut dokumentiert. Es gibt so viele Beweise, dass man Gefahr läuft, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, weswegen wir diesen Abschnitt absichtlich kurz halten.

 

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Broschüre (deutsch), pdf...

FIDE: Chess in Schools...




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Walter Rädler Walter Rädler 10.09.2019 07:01
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