Schach im Fernseher: Starker Auftritt von Shirov bei der IFA

01.09.2001 – Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin hat die galaxis technology ag vergangenen Freitag Abend an ihrem Stand in Halle 4.2 als Weltpremiere eine PC-Set-Top-Box gegen einen Schach-Vizeweltmeister spielen lassen. Alexei Shirov spielte eine Schnellpartie gegen den amtierenden Computerschachweltmeister Shredder. Im zweiten Teil der Veranstaltung spielte Shirov über die PC-Box im Internet Partien gegen Shashikiran (Indien), Elisabeth Pähtz (Erfurt) und Murugan (England). Bericht, Bilder, Partien...

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IFA 2001
Berlin

Schach im Fernseher: Starker Auftritt von Shirov


Technik: Alles easy

Die Lübecker galaxis technology ag stellt digitale Satelliten- und Kabelempfänger, Antennenschüsseln und TV-Karten für PCs her. Neuestes Kind der Entwicklungsabteilung ist die PC-Set-Top-Box. Hinter dem Wort mit den vielen Bindestrichen verbirgt sich ein digitaler Satelliten-Empfänger mit eingebautem PC. Dieser wird über eine integrierte Software gesteuert, die so aufgebaut ist, dass aus dem PC-Anwender ein TV-Zuschauer wird. Mit anderen Worten: Wer keine Lust hat, sich mit der oft "frickeligen" PC-Technik auseinander zu setzen, kann über die PC-Box, die sich wie ein Fernseher bedienen lässt, trotzdem PC-Programme laufen lassen oder zum Beispiel das Internet nutzen - zusätzlich zur Funktion der Box als digitaler Empfänger.


Presseresonanz

Vergangenen Freitag war Premiere: An seinem gut besuchten Stand in Halle 4.2 auf der Internationalen Funkausstellung galaxis präsentierte die PC-Box gleich im Härtetest: Der amtierende Computerschachweltmeister Shredder gegen den amtierenden FIDE-Vizeweltmeister Alexei Shirov. Shirov war extra für diese Veranstaltung aus Riga, wo er zur Zeit lebt eingeflogen worden, und zeigte sich in Berlin nicht nur schachlich voll auf der Höhe, sondern auch ansonsten rundherum zufrieden. Vielleicht lag es daran, dass er gerade in Riga geheiratet hat.


Zuschauer vor dem galaxis-Stand


Schach auf Groß-Bildschirmen

Als Zuschauer hatte galaxis Geschäftsfreunde, Kunden und Pressevertreter eingeladen, die im geschlossenen galaxis-Stand den immer wieder spannenden Kampf zwischen Mensch und Maschine verfolgten. Aber auch außerhalb des Standes konnte man über Großbildschirme Shirov beobachten und die Partien verfolgen. Die Schachpresse war übrigens durch Raj Tischbierek, Dirk Poldauf (Schach), Harald Fietz (Schachmagazin 64) und Dagobert Kohlmeyer (Rochade, dpa) vertreten.


Zuschauer im galaxis-Stand


Schachkenner: Raj Tischbierek, Rainer Polzin, 
Eckerhardt von Strompowski, Dirk Podauf 

Mensch gegen Maschine: Seit Jahren gibt es diese interessante Auseinandersetzung im Schach und bis heute ist sie nicht entschieden. Was sich aber ständig ändert, ist die Größe der Maschinen. Kasparov trat gegen den IBM-Schrank Deep Blue an, bei den Frankfurt Classic 2000 war der Gegner der Spitzenspieler ein kühlschrankgroßer Fujitsu -Siemens Server, ein Jahr später in Mainz war dieser zum Pocket-PC geschrunpft und jetzt spielen schon die "Videorecorder" - diese Größe hat die PC-Box in etwa, obwohl sie natürlich kein Videorekorder ist - so stark, dass sie menschliche Super-Großmeister herausfordern können. 

Die PC-Box wird mit 800 Mhz angekurbelt und verfügt über die heute üblichen Arbeitsspeichergrößen von 128 MB. Auf der 20 Gigabyte-Festplatte ist viel Platz für alles, was man speichern möchte.

Shirov meinte, für ihn sei es auch neu gegen eine "Black Box" zu spielen.

Shirov: Stark

In der Partie gegen Shredder, quasi gerade aus Maastricht angereist, wo er seinen Titel Mikroprozessor-Weltmeister verteidigte, sah es nach der Eröffnung optisch etwas besser für die Maschine aus, doch entfachte Shirov mit einem Figurenopfer einen heftigen Angriff, aus dem sich Shredder nur noch mit Rückopfer und Übergang in ein verlorenes Endspiel befreien konnte. Die Partie wurde mit 20 Minuten plus 10 Sekunden für jeden Zug gespielt. Shirov spielte direkt mit der Maus am Bildschirm, eine Extra-Zugabezeit wegen der Mausbedienung wollte er nicht. Am Ende verbrauchte er sogar weniger Zeit als Shredder. Hinzu kommt übrigens als weiterers Handicap für den Vizeweltmeister, dass es in der Messehalle nicht eben leise war, im Gegenteil. Auch gegen einen Livekommentar zur Partie am Stand hatte er nichts einzuwenden. Eine starke Leistung unter widrigen Bedingungen!

Partie Shredder gegen Shirov zum Nachspielen...

Fritz 7: Weltverbindend

Nach einer Pause, in der die Zuschauer sich am Büffet stärken konnten, gab es den ersten öffentlichen Auftritt der neuen Fritz 7 Oberfläche. Diese bietet als Hauptneuheit einen komplett neuen Programmteil, mit dem Zugang zum ebenfalls neu entwickelten ChessBase- Schachserver bekommt. Wer Fritz7 und einen Internetzugang hat, wird sich dort ohne Weiteres einloggen und verschiedene Angebote nutzen können, zum Beispiel gegen andere Schachfreunde spielen. Man kann aber auch einfach ein Schwätzchen halten (engl.: chatten) oder analysieren. Weitere Angebote werden nach und nach hinzu kommen.

Für die erste öffentliche Vorführung hatten sich schon einige Spieler und Mitarbeiter auf dem Server eingeloggt und standen bereit gegen Shirov oder gegeneinander zu spielen. 

Nachdem sich Shirov angemeldet hatte, dauerte es ungefähr eine Nanosekunde bis die erste Herausforderung zu eine Partie auf dem Fritz 7- Bildschirm erschien, und zwar von Murugan. 


Murugan

Der 12-Jährige, frischgebackener Commonwealth-Meister unter 20(!), hatte wahrscheinlich schon seit einiger Zeit in London an seinem PC darauf gelauert, dass sich der große Alexei einloggt und dann blitzschnell seine Herausforderung geschickt. Und er hatte Glück: er durfte gegen den Vizeweltmeister blitzen. 


Blitz gegen Murugan

Ursprünglich war vorgesehen, das Shirov gegen die beiden indischen GMs Shashikiran und Kunte spielen sollte, diese hatten sich aber irgendwie auf dem Server verlaufen, bzw. waren fehlgeleitet worden. Das gleich Schicksal erlitt GM Karsten Müller in Hamburg. Nach einiger Zeit kamen aber die beiden Spieler aus Indien im Server an. In der Zwischenzeit spielte Shirov weitere Partien gegen Murugan (eigentlich: Thirumurugan Thiruchelvan) und gegen Elisabeth Pähtz. Später folgten Partien gegen Shashirikan. Die Probleme beim Anschluss mit GM Abdjhit Kunte konnten leider in der kurzen Zeit nicht behoben werden.

Einige Blitzpartien zum Nachspielen...


Problembeseitigung: Shirov, Friedel

Witzige Episode am Rande: Beim Teste von Fritz7 vor der offiziellen Veranstaltung daddelte Shirov gegen Matthias Wüllenweber, Geschäftsführer von ChessBase. Letzterer wusste aber nicht, gegen wen er das gerade spielte, der Teilnehmer hatte sich als "Guest" angemeldet, und schickte die Botschaft: "Andre, bist du's?" herüber. Er dachte, dass ChessBase-Mitarbeiter Andre Schulz auf der anderen Seite spielte. Frederic Friedel, ebenfalls vor Ort, tippte ein schlichtes "Nein" ein, und dann dämmerte es Matthias Wüllenweber doch schnell, wer ihm da gerade an die Gurgel ging: "Hi, Alexei!"

Nach den Blitzpartien, Alexei gewann trotz des Lärms alle bis auf zwei, die remis ausgingen, konnte jeder, der wollte über Internet gegen einen der Anwesenden spielen. IM Rainer Polzin aus Berlin zeigte, dass er ein versierter Internet-Spieler ist und gwann u.a. gegen Murugan. Schließlich spielte galaxis-Geschäftsführer Winfried Klimek gegen ChessBase Geschäftsführer Matthias Wüllenweber. Als es kritisch wurde, holte er sich Rat von einer sehr starken "Schachengine" aus Riga.


Winfried Klimek (galaxis), Frederic Friedel (ChessBase)


Winfried Klimek ohne ...


... und mit "Luftüberwachung".

Fritz 7 erscheint übrigens im Oktober. In Kürze beginnt eine öffentliche Beta-Phase, an der sich jeder beteiligen kann. Auf der ChessBase Webseite wird dann bekannt gegeben, wo man sich die Fritz7-Beta downloaden kann.


Frederic Friedel vor der Oper



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