Schach und Autismus (II)

24.01.2021 – "Simon" ist Asperger-Autist und hat im ersten Teil seines Beitrages über seinen persönlichen Zugang zum Schach berichtet. Im letzten Teil seiner Betrachtung hat er aufgeschrieben, wie das ChessBase Datenbankprogramm ihm hilft, die Dinge zu ordnen und zugänglich zu machen.

ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training!
ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Meine Erfahrungen mit ChessBase 15

(Anmerkung: Der Text entstand, bevor die neue Version ChessBase 16 erschien!)

Von "Simon" 

Hallo zusammen, nun komme ich auch schon zu meinem letzten Teil der Artikelreihe: „Schach und Autismus“. Zu aller erst möchte ich mich schon jetzt bei euch für das Lesen und positive Feedback bedanken. Ich freue mich, dass die letzten beiden Teile euer Interesse wecken konnten und bin dankbar für diese einmalige Möglichkeit, meine Erlebnisse, Empfindungen, Erfahrungen sowie eigenen Strategien einem breiten Publikum zur Verfügung stellen zu dürfen.

Non plus Ultra für Schachspieler

In diesem letzten Artikel der Reihe soll es um meine Nutzung des Programms ChessBase 15 gehen. Es ist schlichtweg das Non plus Ultra für jeden Schachspieler, ganz gleich, ob Amateur oder Profi. Im Vordergrund soll hierbei meine Erfahrung mit diesem überaus nützlichen Tool stehen und meine Empfindungen bzw. Eindrücke bei der Arbeit mit dem Programm.

Chessbase 15 ist mittlerweile in aller Munde und die meisten Schachspieler die ich kenne, nutzen es ebenfalls. Alle sind begeistert von dem gewaltigen Spektrum verschiedenster Anwendungen und Möglichkeiten, die ihnen das Programm ChessBase 15 bietet. Und zwar zu Recht! Es würde den Tellerrand bei weitem sprengen, wenn ich jetzt alle Funktionen dieses Meisterwerks aufzählen und im Detail erläutern würde. Dennoch möchte ich euch ja einen Einblick in die faszinierende Welt von ChessBase 15 geben, daher bin ich bemüht, das für mich Wesentliche anzureißen. Dies sind selbstredend jene Funktionen, die ich als besonders relevant und hilfreich bewerte, die ich einfach wegen der tollen Möglichkeiten sehr schätze oder aber die durch eine für mich interessante und individuelle Konzeption mit reichem Potenzial, sich zukünftig noch mehr zu entfalten, dargestellt sind.

Zunächst einmal möchte ich kurz auf meinen Gebrauch des Programms eingehen, ehe ich die Ideen und damit verbundenen Möglichkeiten, sich produktiv und mittels viel Präzision mit seinem eigenen Tun und Schaffen zu beschäftigen, erörtern werde, bis ich schlussendlich zu meinem Fazit gelange. In alle der angesprochenen Aspekte werde ich, wie von mir beabsichtigt und anfangs ebenfalls erwähnt, meine Eindrücke, Erfahrungen, den Umfang der etlichen Optionen sowie Empfindungen insgesamt einfließen lassen.

Wie Ihr aus den beiden Teilen, die zuvor zum Thema Autismus und Schach veröffentlicht wurden, entnehmen könnt, bin ich zu einem „echten“ Turnierspieler herangereift, der einerseits das Schachspiel per se, andererseits auch das ganze Drumherum sehr schätzt und liebt. So ist es meines Erachtens nicht verwunderlich, dass ich mich, so denn es mein gut getakteter und strukturierter Zeitplan zulässt, jeden Tag mit diesem sehr faszinierenden Spiel befasse.

Schlüssel zu einer atemberaubenden Welt

Und um wieder zurück zur Auslegung jenes Artikels zu gelangen, spielt ChessBase 15 dabei natürlich eine sehr große Rolle. Denn ist es für jeden zumindest halbwegs ambitionierten Schachspieler meiner Meinung nach unverzichtbar, sich kritisch mit seinen eigenen Partien zu beschäftigen, die Partien starker Meister der Vergangenheit und Gegenwart zu studieren, die potenziellen Gegner genau unter die Lupe zu nehmen und seine eigene Struktur anhand eines individuell geprägten, auf den jeweiligen Spielstil abgestimmten Eröffnungsrepertoires, aufzubauen.

Erneut ist ChessBase 15 für mich (und ich gehe fest davon aus, für zig andere mehr!) der Schlüssel zu einer atemberaubenden und beeindruckenden Welt. Ich nutze es jedoch nicht nur wegen der eben aufgeführten Aspekte, sondern für vieles mehr.

Die für mich wichtigsten hierbei sind die taktische Analyse der eigenen Partien, die Referenzdatenbank, um zu erfahren, wie oft ein bestimmter Zug unter welchem Erfolg angewandt wurde, der Vergleich einer Brettstellung mit ähnlichen Strukturen und die Vorbereitung auf anstehende Turniere/Mannschaftskämpfe etc. Des Weiteren finde ich das Design sehr ansprechend und die Möglichkeit, meinen eigenen Raum zu schaffen, in dem ich alle wichtigem Daten für mich in übersichtlicher und gut strukturierter Form speichern kann, Wissen zusammentragen und stets erweitern kann, Partien in entsprechenden Datenbanken hinterlegen und ggf. kommentieren kann usw. Das ist eine sehr tolle Erfahrung für mich und ich muss sagen, dass ich fast jeden Tag irgendetwas, sei es noch so nuancenreich, dazulerne!

Außerdem möchte ich noch weitere Vorzüge, die das Programm für mich bietet, beleuchten. Dies wären auf jeden Fall die plausible Struktur, die gute Nachvollziehbarkeit des einen oder anderen Tools, das überaus umfängliche Angebot, sich in so ziemlich jedem Bereich weiterzubilden und zu verbessern sowie die übersichtliche Gestaltung der vielen Anwendungspunkte und die permanente Gewissheit, dass ich im Prinzip nicht wirklich etwas falsch machen kann, sodass etwas im Worst-Case-Szenario gelöschtes rückgängig zu machen ist. Dies finde ich ebenso erwähnenswert wie die versteckten Möglichkeiten, hier und da etwas für sich Neues und in der Mehrzahl der Fälle Nützliches zu entdecken.

Ein fester Rahmen

Es ist insbesondere für uns Autisten wichtig, dass es einen gewissermaßen festgelegten Rahmen gibt, der selbstverständlich dennoch genügend Raum zur eigenen Entfaltung bietet. So ist es für uns leichter und besser zu verstehen, welchen bestimmten Zweck eine Aufgabe oder in diesem Fall Funktion erfüllt und eben auch, warum es genau so und nicht anders konzipiert wurde. Wenn ich dies auf eine Turniersituation übertrage, so heißt es, je weniger Faktoren nebensächlicher Natur mich umgeben, umso besser ist meine Konzentration und mein Wohlbefinden einzustufen. Deshalb sagt man uns Autisten auch oft nach (und zwar zu Recht!), dass wir sehr darauf bedacht wären, alles einer festen Struktur zuzuordnen und uns von allem mit störendem Potenzial zu lösen, damit wir die in uns schlummernden Fähigkeiten zu Geltung bringen könnten. Das wiederum führt im nächsten Schritt zu einer kontrollierten und somit besseren Leistung (da besser gefiltert und differenzierter), und das in allen erdenklichen Bereichen, sei es Schule, Arbeit, Ausbildung, Studium oder Freizeit. Zudem sind wir oftmals sehr reizoffen, was bedeutet, dass wir unterschiedliche Faktoren/Reize nicht gefiltert wahrnehmen können. Dies führt oftmals dann zu einer sogenannten Reizüberflutung, die zumindest bei mir im weiteren Verlauf nicht selten mit Kopfschmerzen einhergeht. Damit möchte ich Euch lediglich vor Augen führen, warum wir so „ticken“, was die Auslöser davon sind und was uns demnach besonders wichtig ist, sowohl auf einer kurzfristigen wie langfristigen Zeitskala.

Um wieder zurück zu ChessBase 15 zu kommen …

Summa Summarum lässt sich für mich konstatieren, dass ich die Möglichkeit der Nutzung mit ChessBase 15 als sehr hoch gewichte, egal für welches Spielniveau. Ferner ist es für mich immer noch ein tolles Erlebnis, wenn ich mein Programm aufrufe und ich an meinen Datenbanken zu den verschiedensten Themen, wie Eröffnungen, wertvolle psychologische Tipps und Methoden, Endspiele, bestimmte Figurenkonstellationen, Anwendung der richtigen Technik, der Entwicklung eines Planes im Mittelspiel, wichtiger taktischer wie positioneller Motive usw. arbeiten kann.

Das macht mir unglaublich viel Spaß und vervollkommnet wird dies noch durch das Studium meiner eigenen Partien, logischerweise ebenfalls in Datenbanken hinterlegt.

Visualisierung schaffen

Doch hiermit nicht genug! Es ist jedes Mal eine Art „neue“ Erfahrung für mich, wenn ich mich in den Sphären des Programms bewege. So kam es schon etliche Male vor, dass ich beispielsweise dabei war, eine Partie von mir zu kommentieren, ehe ich auf die für mich sehr nützliche Möglichkeit stieß, mein eigenes, kleines Kunstwerk mit Hilfe von wegweisenden Pfeilen in den Farben rot, blau, gelb und grün zu illustrieren. Diese Form der Visualisierung ist gerade für uns Asperger-Autisten von hoher Relevanz. Denn finden wir es immer schöner und harmonischer, wenn alles einen Sinn bzw. einen Platz hat. Durch das Austoben mittels der Pfeile gewinnt das Bild der Kommentierung eine neue Bedeutung für mich. Unter Zuhilfenahme dieser Funktion kann ich, auch ohne groß meine Kommentare, untermauert durch Varianten, zu lesen, auf Anhieb sehen und verstehen, was in einer Stellung los ist. Damit meine ich, dass es mir somit viel leichter fällt, wichtige Ideen, Pläne, Züge, die für die jeweilige Variante charakteristisch sind, aber auch andere Parameter wie die Sicherheit der Könige, das Vorhandensein von Drohungen, die Postierung der eigenen und gegnerischen Figuren und generell Schwächen im eigenen wie gegnerischen Lager zu erkennen und im Idealfall zu verstehen, um schließlich zum Kern der Stellung vorzudringen.

Einige Beispiele:

Weiß am Zug

Oder:

Das mag jetzt vielleicht für Nicht-Autisten, sprich neurotypische Menschen, allzu banal klingen, doch ist es für mich schon immer sehr nützlich gewesen, Dies wird am besten dadurch deutlich, da ich liebend gern meine Bücher mit Klebezetteln, Leuchtstiften und Passagen kennzeichne. Man fragte mich, wie ich ein Buch so verunstalten könne. Meine Antwort war, dass ich meiner Ansicht nach das Buch oder die Zeitschrift keineswegs verunstalte, sondern das ich lediglich eine für mich klar umrissene Linie zu gestalten versuche, die man auch getrost als roter Leitfaden bezeichnen könne. Damit kann ich viel besser mit einem Buch arbeiten, ich finde schneller gesuchte Informationen dank der zahlreichen Klebezettel, wohlgemerkt auch in Farbe und es ist somit für mich mein eigenes kleines Werk. Dieses kann ich immer mit mir rum tragen und ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass ich dem Buch noch eine zusätzliche, vermutlich nicht beabsichtigte Richtung gebe. Stellt Euch als Vergleich doch nur mal einen Chemiker in seinem völlig weißen Kittel vor. Wie schrecklich! Denn ist es nicht so, dass man vor allem, wenn man als Naturwissenschaftler wie ein Physiker - oder hier exemplarisch Chemiker – arbeitet, auch sehen will, was man so den Tag gemacht hat?! Nur geht das mit einem steril-weißen Kittel nun mal nicht, wohingegen ein mit Substanzen-Flecken und Brenner-Löchern versehener Kittel viel aussagekräftiger und damit für mich passender innerhalb des naturwissenschaftlichen Kontextes ist. Ergo sind die meisten Schachbücher für mich nicht reine Literatur zum Eigenstudium, sondern vielmehr ein beachtliches Werkzeug, um das niedergeschriebene noch viel besser für mich selbst zu begreifen und vor allem das Wesentliche zu erfassen!

Wie man sich sicherlich denken kann, könnte ich noch ewig so weiter machen und meine ungebrochene Begeisterung von diesem wundervollen ChessBase15 mit euch teilen. Doch denke ich, dass es fürs erste reicht, um euch meine persönlichen Erfahrungen wie Empfindungen in dem einen oder anderen Bereich gegeben zu haben. Es gibt schlichtweg zu viele Möglichkeiten, um jene in einen Artikel zu verpacken. Und doch kann ich von mir sagen, dass ich die für mich wichtigsten Punkte, die dieses Programm zur eigenen Verbesserung im Schach bietet, dargelegt zu haben. Darüber hinaus erhoffe ich mir, dass Ihr auch was davon mitnehmen konntet und wünschenswerterweise, wenn Ihr auch auf den Geschmack in puncto Nutzung mit ChessBase 15 gekommen seid. Außerdem möchte ich mich bei euch für das fleißige Lesen und kommentieren meiner Beiträge bedanken. Ich gehe stark davon aus, dass Ihr es spätestens nach einer halben Stunde Recherche unbedingt haben wollt! Wenn Ihr es Euch so dann zugelegt habt, werdet Ihr mit Sicherheit genauso begeistert und zutiefst erfreut darüber sein, wie ich es vor kurzem war, versprochen!

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass ich viel Spaß, viele schöne Momente, Erfolg und einige „Aha-Erlebnisse“ mit diesem „Masterpiece“ wünsche, das diese Bezeichnung vollauf verdient!

Die ersten beiden Teile wurden zusammen hier veröffentlicht...

 


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren