Schachmagazin 64: Australiens chinesischer Meister

12.02.2007 – Im letzten Monat vollzog das Schachmagazin 64 aus dem renommierten Bremer Schünemann Verlag einen erfolgreichen Relaunch. Bei gleichem Preis (5 Euro) und Gesamtumfang  wurde die Zeitschrift auf eine monatliche Erscheinungsweise umgestellt. Kürzlich erschien das zweite Heft im neuen Look. Neben aktuellen Turnierberichten, z.B. zum Corus-Turnier oder dem ACP-Masters, und einer ausführlichen Würdigung von Boris Spasski, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, gehören viele Trainingsrubriken zum neuen Konzept. In Turnierberichten offenbaren sich manchmal menschliche Schicksale, die erst durch die Berührung mit dem Schach öffentlich werden konnten. So heißt der Gewinner der Offenen Australischen Meisterschaften 2007 Zhao Zong Yuan und kommt eigentlich aus ..., Sie ahnen es schon. Warum es ihn nach Australien verschlagen hat und wie er ganz woanders Schach gelernt hat, wird in dem Artikel "Zhaos Weg" erzählt. Wem das gefällt, der kann beim Verlag zum Schnuppern ein sehr günstiges Probeabo (3 Hefte, 5,40 Euro) bestellen. Schachmagazin 64 - aktuelle Ausgabe... SM 64 beim Verlag bestellen...Zhaos Weg...

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Zhaos Weg: Von Peking über Coffs Harbour nach Sydney
Zhao Zong Yuan wurde Meister von Australien
Unter Mitarbeit von GM Ian Rogers




Mit einer Überraschung endete die Offene Australische Meisterschaft 2007: den Titel holte der erst 20-jährige Student der Pharmazie an der Universität Sydney, Zhao Zong Yuan. Der Name lässt zwar seine Wurzeln leicht einordnen, dennoch ist Zhao australischer Staatsbürger. Wie es dazu gekommen ist, gleicht einem Abenteuer mit vielen Zufällen. Geboren wurde Zhao in Peking, und zwar zu der Zeit, als Ende der 80er Jahre in China ein politisches Tauwetter einsetzte, das es manchen Chinesen nach langer Zeit wieder möglich machte, sich im Ausland ausbilden zu lassen. Unzählige chinesische Abiturienten und Studenten machten sich auf den Weg in die weite Welt, rund 20 000 verschlug es nach Australien, unter ihnen auch Zhaos Vater. 1989 endete die chinesische Demokratiebewegung mit dem Massaker auf dem Pekinger Tiananmen Platz, die Reisefreiheit samt Auslandsaufenthalte wurden stark eingeschränkt.

Als humanitäre Geste bot die australische Regierung allen chinesischen Studenten, die nicht zurück wollten, ein dauerhaftes Bleiberecht an, wovon rund 10 000 Gebrauch machten, ebenso wie Zhaos Vater. Die Familie war getrennt. Zwei Jahre später durften Zhaos Mutter und der gemeinsame Sohn nach Australien reisen, doch die Beziehung der Eheleute hielt nur noch vier weitere Monate. Dann packte die Frau wieder ihre Koffer, nahm den Jungen und kehrte nach China zurück. Um das Sorgerecht entflammte eine Auseinandersetzung, die Gerichte sowohl in China, als auch in Australien drei Jahre lang beschäftigte. Schließlich gewann Zhaos Vater das Berufungsverfahren; seit 1994 lebt Zhao in dem Land „down under“.


Das Schachspiel erlernte er noch in der Pekinger Schule und zwar in der Zeit, als die politischen Führung einen weit reichenden Beschluss fasste, welcher in der Konsequenz die ganze Schachwelt veränderte. Dazu muss man wissen, dass in China immer schon Abermillionen von Menschen dem chinesischen Schach Xiangqi frönten, das internationale Schach (Guoji Xiangqi) jedoch wurde eher nebenher betrieben. Doch ist mit Xiangqi international kein Blumentopf zu gewinnen, da es weltweit von den Medien noch erheblich weniger beachtet wird als das uns vertraute Schachspiel. Und so fiel in Peking die Entscheidung, fortan das internationale Schach zu fördern und es in den Schulen zu unterrichten. In eine solche Klasse kam Zhao und er fing sofort Feuer, bald konnte er schon sehr gut spielen.

Dann folgte der Umzug nach Australien und es bedurfte eines unglaublichen Zufalls, dass Zhao seinen Weg als Schachspieler machen konnte. Zunächst landete er nämlich in Coffs Harbour, einer kleineren Stadt auf halbem Weg zwischen Sydney und Brisbane, wo sein Vater Arbeit bekam. Der Ort ist bekannt durch das wissenschaftliche Phänomen des „Riesenvolkes“ der Kumbaingeri (Durchschnittsgröße der Männer fast 1,90) und man sagt auch, dass hier die größten Bananen der Welt gedeihen. Der Ort liegt landschaftlich schön, kein Wunder, dass der weltbekannte Schauspieler Russel Crow an diesem Platz geheiratet und ein Landhaus bezogen hat, und überhaupt lässt es sich dort aushalten, nur schachlich ist es die reinste Wüste. Und Zhao wäre sicher als Schachspieler versauert, wäre nicht plötzlich John Maddix aufgetaucht....

(Ausschnitt aus Schachmagazin 64, Ausg. 2/2007)

 

 



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