Schachtipps von Shogi-Profis

22.06.2015 – Shogi ist die japanische Variante des Schachs. Zwei der besten Shogi-Spieler der Welt sind die Japaner Akira Watanabe und Akihito Hirose. Anfang Mai waren sie beim Shogi-Festival in Ludwigshafen dabei. Shogi-Enthusiast Stephan Michels nutzte die Gelegenheit für ein Interview und erhielt interessante Tipps, wie man im Shogi und im Schach besser werden kann. Mehr...

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Ein bisschen Schach, aber nicht zu viel …

Beim Shogifestival am 02. und 03.05.2015 in Ludwigshafen waren auch die zwei Shogi-Profis Akira Watanabe und Akihito Hirose zu Gast. Neben einer Demonstrationspartie gegeneinander und dem Spielen vieler Simultanpartien standen sie auch für ein Interview zur Verfügung und beantworteten Fragen zu ihrem Alltag, Training, Computer und guten Schlaf.

Akira Watanabe, 9. Dan, (links) und Akihito Hirose, 8.Dan, (rechts)
beim Simultan während des Shogi-Festivals in Ludwigshafen

Wie sieht ein typischer Tag eines Shogiprofis aus?

Watanabe: Ein Profi spielt pro Jahr 40 – 50 ernsthafte Partien. Die anderen Tage sind dem Training gewidmet. Zu den Aufgaben gehört es aber auch, Shogi zu verbreiten, bei Events aufzutreten, zu kommentieren, im Fernsehen aufzutreten usw.

Amateuren wird häufig geraten, Tsumes (Anm.: das entspricht Mattaufgaben im Schach) zu lösen. Dies sei sehr wichtig, um die Spielstärke zu verbessern. Lösen Sie als Profis noch Tsumes?

Hirose: Das ist von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Ich mag Tsume-Shogi sehr. Ich glaube, man kann sagen, dass alle Spieler ihre Tsumes dabei haben und ihren Kopf frisch halten.

Trainieren Sie auch mit dem Computer?

Hirose: Nein, ich benutze den Computer nicht für das Training.

Watanabe: Ich benutze ihn schon seit 10 Jahren. Wenn ich etwas analysiere, speichere ich dort meine Analysen. Mittlerweile ist der Computer für mich ein wichtiges Werkzeug.

Akira Watanabe

Was kann man tun, um als Shogispieler stärker zu werden. Was ist Ihr Top-Tipp?

Hirose: Amateure sollten Gegner in etwa ihrer Stärke finden. Vielleicht ein bisschen stärker als man selbst und versuchen, etwas daraus zu lernen. 

Watanabe: Es ist jetzt viel mit Hilfe der Computer und des Internets möglich. Die Software kann man ja vom Level her einstellen. Auch mein Tipp ist,  sie ein bisschen stärker als man selber ist, einzustellen.

Ihre Partien enden oft spät abends um 21 Uhr oder 22 Uhr, häufig nach einem Byoyomi). Träumen Sie danach noch vom Shogi? (Anm.: Unter Byoyomi versteht man im Shogi die Phase, wenn ein Spieler seine ursprüngliche Bedenkzeit aufgebraucht hat. Danach muss er jeden Zug innerhalb einer Minute ausführen. Wenn man bedenkt, dass beim Shogi geschlagene Steine wieder eingesetzt werden können und die Stellungen zum Ende hin immer komplexer werden, ist dies die Phase höchster Konzentration)

Hirose: Der Kopf hört hinterher nicht auf zu arbeiten. Man kann nicht gut schlafen und man beschäftigt sich weiter damit.

Watanabe: Ich verlasse um 10 Uhr das Haus und komme erst um 1 Uhr nachts wieder und der Kopf arbeitet weiter. Meine Methode um abzuschalten, ist, Fußball zu sehen. Und zwar so lange, bis ich müde werde und schlafen kann.

Sie, Herr Watanabe, haben 2007 gegen die Software Bonanza gespielt und gewonnen. Würden Sie jetzt noch einmal gerne einen Wettkampf gegen einen Computer spielen?

Watanabe: 2007 war die Spielstärke der Software noch ganz anders. Jetzt muss man aber tatsächlich einräumen, dass die Computerprogramme viel weiter entwickelt sind. Man kann nicht sicher sagen, ob wir zwei Profis gewinnen würden. Chancen gibt es sicherlich, aber es ist jetzt ein ganz anderes Spiel. Vielleicht wird es irgendwann in der Zukunft noch einen Wettkampf eines Profis gegen ein Computerprogramm geben.

Wie kann man Shogi außerhalb von Japan verbreiten?

Akihito Hirose (8. Dan) während der Simultanpartien

Hirose: Wichtig ist die Rolle der lokalen Shogienthusiasten vor Ort. Ohne die geht es nicht. Dann hat auch die japanische Shogi Föderation eine Verantwortung, um Mittel bereitzustellen und Veranstaltungen zu fördern. Und die Rolle der Profis ist auch wichtig. Aber solche Veranstaltungen müssen gut vorbereitet sein, damit die Menschen wissen, wer kommt und um was es geht.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht Shogi spielen? Mögen Sie auch andere Strategiespiele oder spielen Sie Schach?

Watanabe: Ich spiele kein Schach, aber ich mag auch Go. Ich bin nicht sehr stark, aber ich mache es gern.

Hirose: Ich mag auch Go, ein bisschen Schach, aber nicht zu viel!

Vielen Dank für das Interview und alle Gute für die Zukunft.

Das Interview führte Stephan Michels. Er betreibt die englischsprachige Website www.shogi24.com mit Informationen aus der Shogiszene und ist Verfasser des Buches ‚Shogi – Schach der Samurai (Einführung in das faszinierende japanische Schach)‘.

Vielen Dank an Prof. Dr. Frank Rövekamp vom Ostasieninstitut Ludwigshafen für die Übersetzung.


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