Schulschach in Südafrika

30.09.2013 –  1990 wurde Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und führte Südafrika als erster schwarzer Präsident des Landes in die Demokratie. Doch Südafrika ist immer noch ein Land sozialer Gegensätze. Und da Schach Bildung fördert, fördert die Deutsche Schulschachstiftung das Schach in südafrikanischen Schulen. Mit ansteckendem Erfolg.  Elisabeth Pähtz berichtet...

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Südafrika - Land der Gegensätze

Südafrika ist ein Land, das lange Zeit unter der Eroberung und Kolonisierung durch sowohl Großbritannien als auch der Niederlande leiden musste und auch noch viele Jahre lang einen schlechten Ruf wegen seiner Apartheidpolitik genoss.

Heute spricht man 11 offizielle Sprachen in Südafrika. Neben vielen anderen Stammessprachen gehören "Zulu" und "Sutu" zu den zwei Hauptsprachen der schwarzen Bevölkerung. Die weiße Bevölkerung spricht Afrikaans und Englisch. Afrikaans ist die dem Niederländischen sehr ähnliche jüngste Sprache der Welt. Allgemein lässt sich sagen, dass Südafrika ein Land der Gegensätze ist. Die verschiedenen Sprachen, Kulturen, Religionen und Traditionen bereichern nicht nur diese Region, sondern machen diese Land auch innerhalb Afrikas einzigartig. Im Laufe der letzten Jahrzehnte verspürt man mehr und mehr eine Annäherung der verschiedenen Ethnien und heutzutage kann sogar schon fast von einer Einheit die Rede sein.

Elisabeth Pähtz kümmert sich um den südafrikanischen Nachwuchs.

Mein Eindruck nach nur vier Tagen ist, dass Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Zugänglichkeit und Vertrauen die Werte sind, die großgeschrieben werden in Südafrika.

Nun stellt sich natürlich für einige die Frage, warum wir hier sind? Dank der Kasparov-Schulschachstiftung und dem FIDE-Projekt "CIS" (Chess in Schools) hat sich in vielen Ländern auf der Welt der "Schachvirus" in Schulen verbreiten können. Auch Südafrika blieb davon nicht verschont.

 Der Schachvirus beginnt zu wirken.

Seit Februar 2012 reist der Vorsitzende der Deutschen Schachstiftung (DSS) Matthias Dräger mit seinem Team nach Afrika. Er war bisher dreimal in Johannesburg und einmal in Kinshasa/Kongo unterwegs. Dieses Mal stand wieder Johannesburg auf dem Programm, wohin die neunköpfige Delegation der Deutschen Schachstiftung am 21.09. aufgebrochen ist.

Uns begleitete das kompetente Kamerateam der Media LB, angeführt durch die FM Anita Stangl sowie ihre beiden Kollegen Chris und Axel. Desweiteren reisten mit uns der Chessbase-Autor und Schachtrainer Stefan Becker, der Grundschullehrer und Schach-AG-Leiter Karol Lalla, der Schachpädagoge Detlef Koch und der GM Falko Bindrich. Nicht zu vergessen Matthias Dräger, der das erst alles möglich machte.

Gruppenfoto am Nelson Square

Stefan Becker beim Unterricht mit Schülern der St. Peters Schule

Matthias Dräger macht Luftsprünge

Das Projekt richtete sich an zwei ortsansässige Schulen: Erstens, die Mambo-Primary School, eine Modellschule im Armenviertel Soweto (ausschließlich schwarze Bevölkerung), und zweitens, die Privatschule St. Peters im Norden Johannesburgs (gleichermaßen schwarze wie weiße Bevölkerung).

Die Direktorin der St. Peters Schule Pat Mbele (rechts) und Schachlehrer Blessing Zambuko (links)

Unterricht in St. Peters

Soweto

Strasse in Soweto

Das Ziel der deutschen Schachstiftung ist die Ausbildung von zukünftigen Trainern (Multiplikatoren) an afrikanischen Schulen, die zum später in der Lage sein sollen, Schach an Grund- und Sekundarschulen zu unterrichten. Zum anderen sollen die Lehrer in Folgekursen befähigt werden, ihre eigenen Nachwuchskräfte auszubilden, sodass eine mittel -und langfristige Nachhaltigkeit des Projektes gewährleistet ist.

Jabu unterrichtet

Nicht alle Lehrer werden in der Lage sein, als Mastertrainer andere Lehrer auszubilden, aber es finden sich immer wieder geeignete Kandidaten, die den erhöhten Anforderungen gewachsen sind.

Elisabeth Pähtz mit Schülerinnen einer Schule in Soweto

Linda erklärt das Ziehen der Dame

Um die Bildungssituation in den Townships (Ghettos) richtig einschätzen zu können, muss man verstehen, dass das Bildungsniveau der Bevölkerung extrem niedrig ist, nicht aber ihre Intelligenz. An dieser Stelle greift Schach mit seiner positiven und stimulierenden Wirkung ein und ermutigt und inspiriert die Menschen, sich auch anderen Bildungsinhalten interessiert zu nähern.

Soweto-Schachtrainer Andrew und ich sichtlich zufrieden

Das Spiel beginnt.

Der Unterschied zum im Land bereits etablierten Vereinsschach ist, dass es hier nicht darum geht, eine Talentsichtung zu betreiben, sondern über das Schachspiel einen werteorientierten Kulturbeitrag zu ermöglichen. Abschließend möchte ich sagen, dass ich tief bewegt war von der Begegnung mit offenherzigen freimütigen und vertrauensvollen Menschen, Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Die Gegensätze zwischen Reichtum und Armut lassen uns verstummen und haben mir ein Gefühl für die Verantwortung gegeben, der wir uns stellen dürfen.

Text und Fotos: Elisabeth Pähtz



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