Shamkir, Runde 8: Carlsen schlägt Karjakin und gewinnt das Turnier

von Johannes Fischer
08.04.2019 – Magnus Carlsen war in Runde 8 des Vugar Gashimov Memorials in Shamkir weiter in Angriffslaune. Gegen Karjakin kam er nach einem Bauernopfer im frühen Mittelspiel zu starkem Angriff, gegen den Karjakin kein Mittel fand. Mit diesem Gewinn sicherte sich Carlsen zugleich den Turniersieg. Eine Runde vor Schluss liegt er mit 6 aus 8 1,5 Punkte vor Sergey Karjakin, Alexander Grischuk und Ding Liren, die auf 4,5 Punkte kommen. Grischuk gewann gegen Navara, Ding Liren gegen Topalov, Giri und Mamedyarov trennten sich Remis, genau wie Radjabov und Anand. | Fotos: Shamkir Chess 2019

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Shamkir Chess 2019, Runde 8

S. Karjakin 0-1 M. Carlsen

In Runde 7 opferte Carlsen mit Weiß gegen Anish Giri kurz nach Ende der Eröffnung einen Bauern und gewann im Angriff, und in Runde 8 wandte Carlsen dieses Rezept auch mit Schwarz gegen Karjakin erfolgreich an. Im Sveshnikov-Sizilianer mit 7.Sd5 wich Karjakin, der gewinnen musste, um sich noch Hoffnungen auf den Turniersieg zu machen, früh einer Zugwiederholung aus, aber wurde dann im Mittelspiel von Carlsen überspielt. Mit einem Bauernopfer im 20. Zug riss Carlsen die Initiative an sich und entschied die Partie anschließend mit einem ruhig und souverän geführten Königsangriff.

 

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Mit diesem Sieg sicherte sich Carlsen zugleich seinen vierten Turniersieg in Shamkir. Mit 6 Punkten aus 8 Partien liegt der Weltmeister eine Runde vor Schluss uneinholbar in Führung.

Gut in Form: Magnus Carlsen | Foto: Turnierseite

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A. Grischuk 1-0 D. Navara

Alexander Grischuk kam gegen David Navara zu seinem zweiten Sieg im Turnier. Er profitierte dabei von einem Rechenfehler Navaras, der den Tschechen zu einer vordergründig gut aussehenden Abwicklung verlockte, die aber nach einem Zwischenzug Grischuks zu einem verlorenen Endspiel führte.

 

Alexander Grischuk | Foto: Turnierseite

V. Topalov 0-1 Ding Liren

Die längste Partie der Runde spielten Veselin Topalov und Ding Liren. Ding Liren kam mit einem kleinen Vorteil aus der Eröffnung heraus, den er in ein vorteilhaftes Turmendspiel verwandeln konnte. Doch Topalov verteidigte sich geschickt und so kam es schließlich zu einem Endspiel König und Turm gegen König und Springer, wobei Ding Liren den Turm hatte. Dieses Endspiel ist theoretisch Remis, aber schwerer zu verteidigen als es scheint. Ding Liren spielte hartnäckig auf Gewinn und verpasste laut Endspiel-Tablebases nach ungenauer Verteidigung Topalovs auch mehrfach den Gewinn. Und Topalov verpasste mehrfach einen Weg zum Remis. Doch am Ende zahlte sich die Hartnäckigkeit des Chinesen aus: Topalov verteidigte sich ungenau und Ding Liren konnte ihn in eine Zugzwangstellung bringen und gewinnen.

 

Ding Liren: Fördernd ist Beharrlichkeit | Foto: Turnierseite

T. Radjabov  ½-½ V. Anand

Ein unspektakuläres Remis spielten Teimour Radjabov und Vishy Anand. In einem Abgelehnten Damengambit kam es schon bald nach Abschluss der Eröffnungsphase zu einem Endspiel, das ausgeglichen war und ohne große Aufregung Remis wurde.

 

A. Giri ½-½ S. Mamedyarov

Anish Giri stand gegen Mamedyarov in einem Italiener zwar die ganze Partie über leicht besser, aber Mamedyarov war vorsichtig und konnte alle Drohungen des Weißen parieren. Nach der Zeitkontrolle verflachte die Partie zu einem ausgeglichenen Endspiel und endete mit Remis.

 

Ergebnisse

Name Land Elo Ergebnis Name Land Elo
Alexander Grischuk
 
2771 1 - 0 David Navara
 
2733
Teimour Radjabov
 
2756 ½ - ½ Viswanathan Anand
 
2774
Sergey Karjakin
 
2743 0 - 1 Magnus Carlsen
 
2845
Veselin Topalov
 
2740 0 - 1 Ding Liren Ding
 
2809
Anish Giri
 
2797 ½ - ½ Shakhriyar Mamedyarov
 
2793

Stand nach acht Runden

Rg. Name Land Elo 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Pkt.
1 Magnus Carlsen
 
2845   ½   1 1 ½ ½ 1 ½ 1 6.0
2 Ding Liren
 
2809 ½   1 ½ ½ ½ 1 0 ½   4.5
3 Alexander Grischuk
 
2771   0   ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ 4.5
4 Sergey Karjakin
 
2743 0 ½ ½   1 ½ ½ ½   1 4.5
5 Viswanathan Anand
 
2774 0 ½ ½ 0   ½   ½ 1 1 4.0
6 Teimour Radjabov
 
2756 ½ ½ ½ ½ ½   ½   ½ ½ 4.0
7 Veselin Topalov
 
2740 ½ 0 0 ½   ½   ½ 1 ½ 3.5
8 David Navara
 
2733 0 1 0 ½ ½   ½   ½ ½ 3.5
9 Shakhriyar Mamedyarov
 
2793 ½ ½ ½   0 ½ 0 ½   ½ 3.0
10 Anish Giri
 
2797 0   ½ 0 0 ½ ½ ½ ½   2.5

Partien

 

Turnierseite




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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crizzy crizzy 09.04.2019 11:58
8. Runde, Karjakin-Carlsen:
Große Partie von Carlsen! Hier spielte der Weltmeister und sein ehemaliger Herausforderer um den Turniersieg! Die Kommentierung ist deshalb mit Verlaub dürftig. Auch der Zeitverbrauch bei einigen Zügen ist eine wesentliche Information und fehlt! Karjakin als Tabellenzweiter mußte gewinnen, wenn er Carlsen überholen und Turniersieger werden wollte. Mit 14.Da4 und dreifacher Stellungswiederholung Remis zu machen, ging deshalb gar nicht. Nach Carlsen´s Überraschung 15.- Db8!? war Karjakin raus aus seiner Vorbereitung und überlegte fast 20 Minuten an 16.Le2. Das Bauernopfer 20.- 0-0!? mit 13 Minuten Bedenkzeit von Carlsen war psychologisch äußerst geschickt. Eine dynamische Stellung dürfte Karjakin sehr ungelegen gewesen sein. An der Annahme überlegte Karjakin, der später in große Zeitnot kam, über 26 Minuten. Der Springerrückzug aus dem Zentrum mit 26.Sc3 statt Dc2 war ein Fehler und bringt Weiß schon in Nachteil. Erstaunlich war, das Carlsen eine schwierige Phase mit lockerer Hand spielte. 25.- c4 mit 27 Sekunden, 27.- b4 mit 34 Sekunden, 28.- Le4 mit 27 Sekunden. Rapid- bzw. Blitz-Modus! Nach Le4! droht brutal Dh3 nebst Aufgabe! 30.f4? und endgültig 33. Lg4? waren die Verlustzüge. Nach 34.- Ld6 nebst Tae8 hätte Weiß - Bedenkzeit war fast aufgebraucht - aufgeben können. Die Dominanz der schwarzen Figuren in der Schlußstellung, übrigens lt. Engine - 8, erinnert mich an die 31. WM-Partie von A. Karpov-G. Kasparov, 15.10.1985, auch mit schwarzem Bauernopfer, schwarzem Springer auf d3, weißen Springer im Abseits auf a4 etc., viele Ähnlichkeiten.
Bad_Bishop Bad_Bishop 09.04.2019 11:35
Naja, der Beitrag ist recht neutral und ohne großen Enthusiasmus gehalten. Finde ich persönlich nicht schlimm.
Aber es stimmt: CB schwelgt tatsächlich sehr gerne in den "goldenen Jahren" des Schachs.
Krennwurzn Krennwurzn 09.04.2019 09:52
@JFK Carlsen ist einfach zu jung für ChessBase - die schwelgen lieber in der goldenen Vergangenheit des Schachs!
JFK JFK 08.04.2019 09:14
Ich habe schon länger den Eindruck, dass ChessBase kein Carlsen-Fan ist...eine Runde vor Schluß bei diesem Feld als Turniersieger festzustehen, ist doch ziemlich gut...oder? Na ja - Karjakin wich einer Zugwiederholung aus, war also Remis und Carlsen hatte Glück....da habe ich bei Anand-Siegen wesentlich euphorischere Kommentare gelesen...Anand habe ich mal als Jugendlichen live erlebt und er ist auf jeden Fall total sympathisch. Carlsen kenne ich nicht aus eigener Beobachtung. Doch ich würde eine Bewertung der Leistung unabhängig persönlicher oder finanzieller (?) Sympathie erwarten - und das Ergebnis von Magnus Carlsen bei diesem Turnier ist schon ziemlich „geil“ - so sagt man das heute wohl...
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