Shamkir: Magnus Carlsen gewinnt zum dritten Mal das Gashimov Memorial

von Klaus Besenthal
28.04.2018 – Vor der letzten Runde des Gashimov Memorials im aserbaidschanischen Shamkir hatten sicherliche viele Fans darauf gehofft, dass der Chinese Ding Liren in seiner Schwarzpartie gegen Magnus Carlsen auf Gewinn spielen würde, doch daraus wurde nichts: Die Spieler benötigten nur 20 Minuten, um die Partie in schöner Einhelligkeit zum Remis abzuwickeln. Dieses Resultat machte Carlsen zum Gesamtsieger des ausschließlich mit absoluten Topspielern besetzten Turniers - der norwegische Weltmeister hat seiner Vita damit zweifellos ein weiteres Ruhmesblatt hinzugefügt. Ding Liren verzichtete seinerseits mit dem kraftlosen Unentschieden zwar auf einen offenen Kampf um den Turniersieg, konnte damit aber immerhin einen schönen zweiten Platz erreichen.

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Fotos: Shamkir Chess

Nach 2014 und 2015 konnte Magnus Carlsen in Shamkir also erneut gewinnen. Shakhriyar Mamedyarov (der Aserbaidschaner hatte das Turnier 2016 und 2017 gewonnen) blieb hingegen der Griff nach dem "Triple" verwehrt.

Abschlusstabelle

 

Magnus Carlsen erscheint nach wie vor als ungefährdeter Herrscher über die Schachwelt: Der Weltmeister verliert selten überhaupt mal eine Partie und kann auf höchstem Niveau immer wieder Gewinnquoten über 30 Prozent erreichen. Was oder wer könnte diesen Status gefährden? Auf jeden Fall wohl nur ein Gegner, der den unbedingten Willen hätte, eine Chance, wie sie sich Ding Liren bot (der Chinese hätte mit einem Sieg gegen Carlsen das Turnier gewinnen können), auch zu ergreifen. Heute war Ding Liren jedenfalls nicht dieser Mann, doch irgendwie war der aus Zuschauersicht unerquickliche Partieverlauf auch wieder verständlich. Die Profis müssen immer auch auf Sicherheit schauen: Ein einmal erreichter Platz will abgesichert sein (und wenn es nur der zweite ist), die Elozahl will pfleglich behandelt werden, die Preisgelder spielen eine große Rolle usw. Auf dem Brett sah das heute so aus:

 

Ding Liren und Magnus Carlsen

Ein Kurzremis produzierten auch Rauf Mamedov und Shakhriyar Mamedyarov, die beiden aserbaidschanischen Lokalmatadoren. Die Partie zwischen Radoslaw Wojtaszek und Anish Giri war auch nicht viel mehr als eine Art "Abwicklung" mit vielen Figurentauschen, bis das Remis schließlich unausweichlich wurde. 23 Züge spielten David Navara und Teimour Radjabov (auch Radjabov ist Aserbaidschaner) bis zur dreimaligen Stellungswiederholung, was Navara immerhin noch einmal einen halben Punkt einbrachte. Dass der Tscheche Letzter wurde, ist vielleicht keine so große Überraschung (einer muss schließlich in einem Feld von zehn Weltklassespielern in diesen sauren Apfel beißen), doch dass er dabei punktemäßig - nach insgesamt vier Niederlagen - so weit abgeschlagen sein würde, war wohl kaum zu erwarten gewesen.   

Teimour Radjabov und David Navara

Es fehlt noch der Blick auf Sergey Karjakin und Veselin Topalov, und diese beiden führten tatsächlich noch einmal einen Kampf auf Biegen und Brechen, der das Erscheinen dieses Berichts um mehrere Stunden verzögerte. Konkret ging es bei diesem Kampf für Karjakin um den vollen Punkt, während Topalov die dritte Niederlage in Folge zu verhindern suchte. Doch am Ende kam es dann genau so: Karjakin holte - nach acht Remisen - seinen ersten Sieg in diesem Turnier, was den Russen noch auf den dritten Platz im Abschlusstableau beförderte, während Topalov, der nach Runde 6 noch die Tabelle angeführt hatte, tatsächlich zum dritten Mal hintereinander verlor.

 

Veselin Topalov: Nach Runde 6 war der bulgarische Exweltmeister noch Tabellenführer, doch dann verlor er in Serie gegen Carlsen, Wojtaszek und Karjakin.

Partien

 

Turnierseite...




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Silvio Z Silvio Z 29.04.2018 12:01
Herzlichen Glückwunsch an Magnus Carlsen, der mit allen Kräften erfrolgreich Ding Liren ein Remis abgeklammert hat! Leider hatte Ding Liren nicht ansatzweise eine Chance, den Weltmeister in dieser Partie zum Kampf zu fordern.

Ambitionslos und pragmatisch war nicht Ding Liren, sondern Magnus Carlsen.. Dem Autor des Artikels war das leider gänzlich entgangen.
WernerBerger WernerBerger 28.04.2018 08:54
"Magnus Carlsen erscheint nach wie vor als ungefährdeter Herrscher über die Schachwelt: Der Weltmeister verliert selten überhaupt mal eine Partie und kann auf höchstem Niveau immer wieder Gewinnquoten über 30 Prozent erreichen."
Was will uns der Autor damit mitteilen, drei Wochen nachdem Carlsen beim Grenke Masters abgeschlagen mit einem ganze Punkt Rückstand auf den Sieger nur Platz 2 erreichen konnte? Was an einer Gewinnquote über 30 Prozent beeindruckend sein sollte, erschließt sich mir nicht.
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