Tata Steel Turnier: Der Firouzja-Express, er rollt wieder

von André Schulz
14.01.2020 – Alireza Firouzja gilt als eines der größten Talente der Welt und einige handeln den 16-jährigen Iraner, der in Paris lebt, bereits als kommenden Weltmeister. Und sein Debüt im Masters von Wijk aan Zee ist fast perfekt: nach einem Sieg gegen Vladislav Artemiev liegt Firouzja mit 2,5 aus 3 nach drei Runden alleine in Führung. Magnus Carlsen spielte sein drittes Remis in Folge, aber schickt sich an, einen weiteren Rekord zu brechen. |Fotos: Alina l'Ami für Tata Steel Chess

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Tata Steel, Runde 3: Firouzja führt, Carlsen stellt Rekord ein

Magnus Carlsen geht inzwischen auf die 30 zu und damit gehört man im Schach ja heutzutage fast schon zum "alten Eisen". Ganz so weit ist es aber noch noch nicht. Magnus Carlsen kann sich ja noch mit allen drei Weltmeistergürteln schmücken. Er ist Weltmeister in den Klassen "Klassisch", "Rapid" und "Blitz", also in allen Disziplinen, in denen die Schachfiguren am Anfang so aufgebaut werden, wie man das kennt. 

Trotzdem: Hinter ihm formiert sich die Jugend und nagt am Thron. Tatsächlich ist Carlsen mit seinen 29 Jahren in Wijk nach Anand und Nikita Vitiugov der drittälteste der 14 Turnierteilnehmer. Turnierdirektor Jeroen van den Berg, der schon immer ein gutes Händchen für ein spannendes Turnierfeld hatte, hat auch in diesem Jahr einige viel versprechende junge Leute ins Schachdorf an der niederländischen Nordeeküste geholt. Da sind vor allem: Jan Krzysztof Duda (22), Vladislav Artemiev (22) und Alireza Firouzja (16), die alle schon über 2700 Elo haben.

Der "Turniersenior" in Wijk ist Viswanathan Anand. Der 15. Weltmeister, der in Indien Schach zum Volkssport gemacht hat, könnte - kaum zu glauben - tatsächlich schon an den Seniorenweltmeisterschaften Ü50 teilnehmen. Er kann aber auch noch gut an den absoluten Spitzenturnieren teilnehmen. Gestern hatte er gegen Wesley So in jugendlicher Frische die Axt rausgeholt und einen Mörderangriff gestartet, stieß aber auf eine zähe Verteidigung. Remis durch Dauerschach wäre ein gerechtes Ende gewesen, aber Anand verpasste die beste Möglichkeit und stand am Ende mit leeren Händen da.

In der dritten Runde traf Anand auf Anish Giri, der ja auch noch zu den jungen Spielern gehört, aber schon so lange dabei ist, dass man ihn als alten Hasen betrachtet. In Anands Partie heute ging es dann doch deutlich ruhiger zu. Nach 21 Zügen meinten beide Spieler, es sei genug und sie schlossen Frieden.

 

Nach 21...Dd3. Die Maschine sah Weiß im Vorteil und hätte mit 22.Se5 weitergespielt.

Die Partie zwischen Nikita Vitiugov und Wesley So wurde mit der wieder in Mode kommenden Offenen Variante der Spanischen Partie eröffnet und folgte tatsächlich bis zum 26. Zug einem Vorgänger, nämlich Bacrot gegen Gozzoli, Agen 2017. 

 

Hier ging es mit 26...Tf4 weiter. Das Endspiel ist ausgeglichen

Vor seiner Partie gegen Jeffery Xiong in Runde 3 war Carlsen in 109 Partien in Folge ungeschlagen und damit kurz davor, den Rekord von Sergei Tiviakov, der einmal 110 Partien in Folge ohne Niederlage geschafft hat, zu brechen. Doch das war für Carlsen kein Grund, seine Partie gegen Xiong besonders vorsichtig anzulegen. Im Gegenteil: er hatte Weiß und spielte von Beginn an aggressiv. Diese Strategie hätte sich allerdings fast als Bumerang erwiesen, denn Xiong verteidigte sich umsichtig und kam sogar in Vorteil. Doch Carlsen verteidigte sich gewohnt zäh und so endete die Partie schließlich mit Remis und Carlsen konnte Tiviakovs Rekord einstellen. In Runde 4 spielt Carlsen mit Schwarz gegen Jorden van Foreest. Wenn er dort nicht verliert, ist Carlsen in 111 Partien in Folge auf höchstem Niveau ungeschlagen - das hat vor ihm noch kein anderer Spieler der Schachgeschichte geschafft.

 

Magnus CarlsenMagnus Carlsen auf dem Weg zum nächsten Rekord | Foto: Alina l'Ami

Aber van Foreest ist ein gefährlicher und kompromissloser Gegner. Beim Tata Steel Turnier 2019 landete er zwar auf dem letzten Platz, aber hatte mit drei Siegen und sieben Niederlagen die niedrigste Remisquote aller Teilnehmer. Und in Runde 3 des Turniers 2020 gewann van Foreest mit einem hübschen Damenopfer gegen Daniil Dubov. 

Video-Analyse von IM Georgios Souleidis

 

Jorden van Foreest

Jorden van Foreest | Foto: Alina l'Ami 

Doch in den ersten drei Runden in Wijk sorgt vor allem Alireza Firouzja für Aufregung. Mit seinem Sieg in Runde 3 gegen Vladislav Artemiev brachte der 16-jährige den "Firouzja-Express" wieder ins Rollen und liegt jetzt mit 2,5 Punkten aus 3 alleine in Führung.

 

Ein Favorit auf den Sieg in Wijk ist auch Fabiano Caruana, die Nummer zwei der Welt. Nach zwei Remis zum Auftakt kam er in Runde 3 zu gegen Yu Yangyi zu seinem ersten Sieg.

 

Jan-Krzysztof Duda kam gegen Vladislav Kovalev, der das Turnier mit zwei Niederlagen begonnen hatte, zu seinem dritten Remis in Folge - und war mit diesem Ergebnis gut bedient.

 

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Challengers

Auch im Challengers gibt es ein paar große Talente. Zu ihnen gehören Anton Smirnov (19), Nihal Sain (16) und ganz besonders Nodirbek Abdusattorov (16). Die Augen der deutschen Schachfreunde ruhen auf Vincent Keymer (16). Die der Gastgeber auf Max Warmerdam und Lucas van Foreest.

Aber allem jugendlichem Eifer und Ehrgeiz zum Trotz endete die dritte Runde des Challenger Turniers ausgesprochen friedlich: alle sieben Partien endeten mit Remis.

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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