„Ich könnte nicht glücklicher sein. Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, was ich vorhabe, als ich vor zwei Jahren mit dem Freestyle-Projekt startete. Ich wollte kein neues Geschäft gegen alle anderen etablieren. Wir sind etabliert und haben neue Sponsoren. Ich bin froh, dass die Grand-Slam-Tour 2025 so gut war. Und das Beste: Wir haben mit der FIDE ein Long-Time-Agreement bezüglich einer Freestyle-Weltmeisterschaft“, äußert sich Jan Henric Buettner begeistert. In einem Interview, das er Sagar Shah von ChessBase India gab, gewährte er tiefe Einblicke in seinen Gemütszustand, in die Verhandlungen mit der FIDE und in die Abläufe der Grand-Slam-Tour sowie den Einfluss, den Magnus Carlsen auf die Weiterentwicklung des Formats hat.

Laut wurde es vor einem Jahr. Freestyle Chess und die FIDE konnten sich nach – wie beide Seiten bekundeten – langen und guten Gesprächen nicht auf eine einvernehmliche Nutzung des Weltmeistertitels im Zusammenhang mit Freestyle-Schach einigen. Viel – vielleicht zu viel – von dem Ärger drang an die Öffentlichkeit. „Ich weiß bis heute nicht, was damals schiefgelaufen ist. Wir hatten uns geeinigt und sogar schon eine gemeinsame Presseerklärung verfasst. Mir ist es jetzt aber auch egal“, will Buettner dieses Kapitel verdrängen. Vor diesem Hintergrund aber erstaunt den Außenstehenden die kürzlich stattgefundene Einigung umso mehr. Denn schließlich verkündeten die beiden wiedervereinigten Partner, bereits Mitte Februar in Weissenhaus die offizielle Freestyle-WM zu veranstalten.

Buettner erklärt im Interview, wie sich Arkadi Dvorkovich und er in den letzten Monaten einander angenähert hatten. Der FIDE-Präsident hatte eine Einladung zum Grand-Slam-Finale in Südafrika angenommen, die er zwar kurzfristig hatte absagen müssen, doch man traf sich kurz darauf im Rahmen der Rapid- und Blitz-WM. Vielleicht hatte sich der ein oder andere Zuschauer gewundert, wie es sein konnte, dass Buettner bei einer Partie von Magnus Carlsen den symbolischen ersten Zug auf dem Brett ausführte. Da musste also schon eine gewisse diplomatische Entspannung im Vorfeld stattgefunden haben.
Buettner sagt im Interview weiter, wie künftig gemeinsam mit der FIDE über Qualifikationsmodi für die WM gesprochen werden soll und wie dies in die Freestyle-Turnierserie eingebaut werden soll. Aufgrund der Kürze der Zeit bis zum Turnier in Weissenhaus sind für diese erste WM nun die erfolgreichsten sechs Spieler des Grand Slams 2025 qualifiziert. Das sind Magnus Carlsen, Levon Aronian, Vincent Keymer, Fabiano Caruana, Arjun Erigaisi und Javokhir Sindarov. Weiterhin sollte Hikaru Nakamura mit dabei sein. Er ist der bislang einzige Chess960-Weltmeister. „Nach einer langen und guten Diskussion hat mir Hikaru aber abgesagt. Vielleicht möchte er seinen Titel nicht in einem Turnier verlieren. Für ihn rückt Hans Niemann nach“, so Buettner. Den achten und letzten WM-Platz kann sich ein Spieler beim auf chess.com von der FIDE durchgeführten Qualifikationsturnier erkämpfen.
Die diesjährige Serie möchte Buettner noch federführend umsetzen, danach möchte er aber ins zweite Glied zurücktreten: „Ich möchte nicht zehn Jahre in der Verantwortung stehen. Es waren für mich tolle Jahre meines Lebens, aber ich möchte die Fackel weitergeben.“ Das Feld sieht er gut bestellt. Denn zum einen versprach er, in Weissenhaus einige neue Sponsoren zu präsentieren, zum anderen ist auch ein Showmatch zwischen zwei Weltklassespielerinnen geplant, deren Namen er aber noch nicht preisgibt.
Hier das komplette Interview von Jan Henric Buettner und Sagar Shah:
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