Ukraine und Russland gewinnen Europa-Mannschaftsmeisterschaften

von André Schulz
22.11.2021 – Im Vierkampf um die Europamannschaftsmeisterschaft setzte sich die Ukraine mit der besseren Zweitwertung durch. Frankreich mit dem überragenden Alireza Firouzja wurde punktgleich Zweiter. Die deutsche Mannschaft kam als Zehnte ins Ziel. Im Frauenturnier siegte Russland mit 18:0 Punkten. Die deutschen Frauen belegten einen ausgezeichneten fünften Platz. | Fotos: Turnierseite und Deutscher Schachbund

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Ukraine gewinnt Europamannschaftsmeisterschaft

Die Europa-Mannschaftsmeisterschaften in Terme Catez endeten am Sonntag in einem packenden in einem packenden Vierkampf der Mannschaften aus Frankreich, Aserbaidschan, Armenien und der Ukraine. Alle vier Teams wiesen 12 Mannschaftspunkte auf. In der Zweitwertung lag Armenien vorne.

Der Papierfavorit Russland hatte sich nach seiner Niederlage gegen Frankreich in der Runde zuvor aus dem Titelrennen verabschiedet. Diesmal war es nicht der Überflieger Alireza Firouzja, der beim 2,5:1,5-Sieg für den Siegpunkt gesorgt hatte, sondern Maxime Lagarde an Brett vier gegen Andrey Esipenko.

In der letzten Runde trafen nun die vier führenden Mannschaften aufeinander. Frankreich spielte gegen Aserbaidschan und die Ukraine hatte Armenien zum Gegner. An Brett eins spielten Alireza Firouzja und Shakhriyar Mamedyarov gegeneinander.

Mamedyarov hatte bis dahin Punkte in sieben Runden gesammelt, die ersten drei Partien gewonnen und dann viermal remis gespielt. In Runde acht hatte er ausgesetzt. Firouzja hatte sechs Partien gewonnen. Zweimal schafften seine Gegner ein Remis. In der Live-Eloliste kletterte der weltbeste Jugendliche unaufhörlich nach oben.

My Black Secrets in the Modern Italian

Italienisch gilt als gediegener Partieanfang, bei dem wenig Figuren getauscht werden und gehaltvolle Stellungen entstehen, in denen es mehr auf Pläne ankommt als auf forcierte Varianten. So zeigt hier die Pläne aus schwarzer Sicht.

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In der Italienischen Modevariante entwickelte Firouzja mit den weißen Steinen eine leichte Initiative, aber Mamedayrov hielt dagegen. Die Entscheidung fiel erst spät in einem komplizierten Endspiel.
 

 

[Eine spannungsgeladene Situation.]

29.De3 Lf5 [29...Lxb3+ 30.axb3 Kf7 31.La3 Th6 (31...Lxa3? 32.Tf4) 32.Lxd6 Dxd6 33.Te5 Weiß hat eine Qualität weniger, hat aber Angriff gegen den offenen schwarzen König.]

30.c4 [Um nach Möglichkeit die b-Linie zu öffnen.]

30...Tah8 [30...Lxe4 31.Dxe4 und g4 fällt.]

31.Te5? [Nach 31.cxb5 ist der Ausgang der Partie offen.] 31... Lxd3 [Schwächer ist 31...Lxe5 32.dxe5 De6 33.Dg5+ Lg6]

32.Txd3 [Nicht 32.Tg5+? Lg6]

32...bxc4 [Beide weißen Türme können geschlagen werden. Schwarz ignoriert das und versucht noch einen Gegenangriff, doch es reicht nicht mehr.]

33.La3

 

33... Txf2 [Nicht 33...cxd3? 34.Lxd6 Txf2 (34...Dxd6 35.Dg5+ Kf7 36.Df5+ Df6 37.Dd7+ Kg6 38.Dxg4+ mit Dauerschach.) 35.Te7+ Kg8 36.Te8+ Kg7=]

34.Dxf2 Lxe5 35.dxe5 Th1+ 36.Kd2 Dh6+ 37.Kc3 Tc1+ 38.Kb4 cxd3 39.Dxa7+ Kg6 40.Lxc1 d2 41.De7 dxc1D 42.Df6+ Kh7 43.Df7+ Dg7 0–1

Mit seinem siebten Sieg in der neunten Partie zog Firouzja in der Live-Eloliste nun auch noch an Ding Liren vorbei, übersprang die 2800-Marke und ist hinter Magnus Carlsen jetzt die Nummer zwei in der Welt.

Alirreza Firouzja 

Firouzja, 18 Jahre alt, ist der jüngste Spieler der Schachgeschichte, der jemals eine Elozahl über 2800 erreichte. Seine Eloleistung bei der Europa-Mannschaftsmeisterschaft betrug 3015.

Die drei übrigen Partie des Matches endeten remis, so dass am Ende ein 2,5:1,5 für Frankreich auf dem Ergebniszettel stand.

Im zweiten Spitzenkampf hatte es Armenien mit der Ukraine zu tun, wobei kein einziger der fünf eingesetzten ukrainischen Großmeister im Verlauf des Turnier auch nur eine einzige Partie verloren hatte! Der beste Punktejäger war Andrei Volokitin an Brett zwei mit fünf Punkten aus acht Runden, darunter drei Siegen.

Andrei Volokitin

Er lieferte sich mit Haik Martirosyan einen Kampf auf Biegen und Brechen.

 

 

19.g3 Sxh3+ [Vorsichtiger war 19...Sd5!? 20.Te1 Dg6]

20.Kg2 Sg5 21.Sxg5 hxg5 22.Dg4 [Für den Bauern bekommt Weiß Spiel auf der h-Linie und den Diagonalen e4–a8 unf e4–h7.]

22...Tf5 23.Sf3 Df7 24.De4 Tf8 25.Th1 g6?! [25...Df6!? um das Feld f7 freizumachen. 26.Dxc6 (26.g4 Tf4) 26...g4 27.Kg1 Txf3 28.Txf3 Dxf3 29.Dxe6+ Tf7 30.De8+ Tf8=]

26.Dxc6 g4 27.Kg1 Txf3 28.Txf3 Dxf3 29.Dxe6+ Df7 [29...Tf7 geht nun nicht: 30.De8+ Tf8 31.Dxg6#]

30.Dxf7+ Txf7 31.Th4 [Weiß hat etwas Initiative in dem entstandenen Turmendspiel.]

31...Td7 32.Txg4 Txd3 33.Txg6+ Kf7 34.Tc6 Td2 35.c4 [35.Txc7+ Ke6 36.c4 ist Zugumstellung.]

35...Txb2 36.Txc7+ Ke6 37.Tc6+ Kf5 38.cxb5 Tb3 [38...Txb5? 39.Tc4+–]

39.b6 Txa3 40.b7 Tb3 41.Ta6 Txb7 42.Txa4

 

[Das Endspiel ist theoretisch remis, aber Schwarz muss sich noch sehr anstrengen.]

42...e4 43.Ta5+ Kf6 44.Kf1 Tb3 45.Ke2 Tc3 46.Ta8 Tb3 47.Tf8+ Ke5 48.Kf1

 

48... Kd4

[Der einzige Remiszug war hier 48...Tf3. Nach 49.Txf3 exf3 50.Ke1 (50.Kg1 Kf5 51.Kh2 Kg4=) 50...Ke4 51.Kd2 Kd4 kann Schwarz das Endspiel halten: 52.Kc2 Kc4 53.g4 Kd4 54.g5 Ke5 55.Kd3 Kf5 56.Ke3 Kxg5 57.Kxf3 Kf5=]

Oder 49.Te8+ Kd5 (Nicht 49...Kf5? 50.Kg2 Tb3 51.Tf8+ Kg5 52.Tf4 e3 53.f3 Tb2+ 54.Kh3 e2 55.Te4 und Weiß gewinnt.) 50.Kg2 Kd4 51.g4 Tf4 52.Tg8 Kd3 53.g5 Ke2=) 

49.Kg2 Tb7 50.Kh3 Ke5 51.g4 1–0

Auch Anton Korobov gewann seine Partie. Am Ende hieß es also 3:1 für die Ukraine. Das bedeutete gleichzeitig den Sieg bei diesem Turnier, denn die Ukraine hatte in der Zweitwertung ganz knapp die Nase gegenüber Frankreich vorne.

Die deutsche Mannschaft, li., hier gegen Armenien

Die deutsche Mannschaft kam in der Schlussrunde zu einem glatten 3:1-Sieg über die Türkei. Matthias Blübaum und Rasmus Svane gewann ihre Partien. Liviu-Dieter Nisipeanu und Vincent Keymer spielten remis. Das deutsche Team wurde Zehnter.

Rasmus Svane

Rasmus Svane war mit 5,5 aus 7 der beste Spieler der deutschen Mannschaft, gefolgt vom Vincent Keymer mit 5 aus 8. 

Ergebnisse

Team MP Res. : Res. MP Team
France 12 : 12 Azerbaijan
Ukraine 12 3 : 1 12 Armenia
Spain 11 : 11 Netherlands
Georgia 10 ½ : 11 Poland
Russia 10 : 10 England
Serbia 10 : 10 Greece
Turkey 9 1 : 3 9 Germany
Israel 9 2 : 2 8 Hungary
Norway 8 2 : 2 8 Czech Republic
Romania 8 1 : 3 8 Croatia
Austria 8 2 : 2 8 Denmark
Slovenia 1 7 : 7 Italy
Slovakia 7 1 : 3 7 Switzerland
Lithuania 7 2 : 2 6 Sweden
Iceland 6 : ½ 6 Kosovo
Montenegro 6 : 6 North Macedonia
Ireland 5 : 6 Albania
Finland 6 3 : 1 3 Scotland
Belgium 5 4 : 0 2 Wales
Slovenia 2 6 2 : 0 0 bye

Endstand

Rk. Team  TB1 
1 Ukraine 14
2 France 14
3 Poland 13
4 Spain 13
5 Azerbaijan 12
6 Russia 12
7 Armenia 12
8 Serbia 12
9 Netherlands 11
10 Germany 11
11 Georgia 10
12 Israel 10
13 England 10
14 Greece 10
15 Croatia 10

39 Mannschaften

Partien

 

Europamannschaftsmeisterschaft der Frauen

Etwas anders verlief die Europa-Mannschaftsmeisterschaft der Frauen. Hier bestätigte die russische Mannschaft ihre Favoritenrolle auf beeindruckende Weise und gewann sämtliche Wettkämpfe. Die Russinnen legten zwischen sich und den Rest des Feldes drei Mannschaftspunkte. Beste Spielerin war Polina Shuvalova mit 7 aus 8.

Das russische Frauenteam

"Best of the rest" wurde Georgien mit 15 Punkten und ebenfalls deutlichem Vorsprung vor dem übrigen Feld. Im Kampf um Bronze stach Aserbaidschan mit der besseren Zweitwertung die Ukraine aus.

Nach der Niederlage gegen Polen Runde sieben ließen die deutschen Frauen gegen die Türkei und gegen Litauen zwei Siege folgen und kamen mit elf Mannschaftspunkten als Fünfte ins Ziel - ein ausgezeichnetes Ergebnis. Beste Spielerin war Josefine Heinemann mit 6 aus 9.

Das deutsche Frauenteam (Josefine Heinemann, Hanna Marie Klek, Jana Schneider, Elisabeth Pähtz) mit dem neuen Frauentrainer Yury Yakovich. Melanie Lubbe fehlt auf diesem Bild.


Hanna Marie Klek im Interview:

Yury Yakovichs Sicht auf das Turnier:

 

Ergebnisse

Team MP Res. : Res. MP Team
Russia 16 : 10 Poland
Georgia 13 : 10 France
Ukraine 10 3 : 1 10 Hungary
Azerbaijan 10 : 10 Netherlands
Serbia 9 : 10 Greece
Germany 9 : ½ 9 Lithuania
Slovakia 9 ½ : 8 Italy
Armenia 8 3 : 1 8 Czech Republic
Romania 7 : ½ 8 Spain
Turkey 7 2 : 2 7 Slovenia 1
Austria 7 ½ : 7 Sweden
Israel 6 2 : 2 6 Croatia
England 5 : 6 Switzerland
North Macedonia 5 : 5 Iceland
Belgium 4 ½ : 3 Norway
Slovenia 2 6 2 : 0 0 bye

Tabelle

Rk. Team  TB1 
1 Russia 18
2 Georgia 15
3 Azerbaijan 12
4 Ukraine 12
5 Germany 11
6 Serbia 11
7 Poland 10
8 Netherlands 10
9 Italy 10
10 France 10
11 Armenia 10
12 Hungary 10
13 Greece 10
14 Romania 9
15 Slovakia 9

31 Teams

Partien

 

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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adalthor23 adalthor23 22.11.2021 10:31
"Der beste Punktejäger war Andrei Volokitin an Brett zwei mit fünf Punkten aus acht Runden, darunter drei Siegen." steht im Text. Laut meinen Informationen (chess-results), holte Volokitin 6 Punkte aus 8 Partien, darunter 4 Siege!
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