Unter der Quarantäne-Lupe: Alireza Firouzja

27.05.2020 – Torsten Cmiel glaubt fest daran, dass Alireza Firouzja einmal zukünftiger Weltmeister sein wird. Bei den derzeitigen Online-Turnieren probiert der 16-Jährige auch neue Eröffnungen aus und sammelte Erfahrungen unter anderem in der Caro-Kann-Verteidigung. Wer gegen Magnus Carlsen bestehen will, braucht gute Waffen! Hier ist Thorsten Cmiels Analyse.

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Was macht eigentlich... Alireza Firouzja?

Der zukünftige Weltmeister Alireza Firouzja, Jahrgang 2003, konnte in Wijk an Zee 2020 erstmals eine Duftmarke in einem Turnier der Weltklasse setzen. Er erzielte 50 Prozent. Vor allem sein aggressiver Spielstil begeisterte die Fans weltweit. Vier Siegen standen vier Niederlagen gegenüber.

Respektvoll fielen die Reaktionen der Großmeister-Kollegen in Wijk aus, obwohl diese Spieler ihre Partien im Turnier gegen den Youngster gewinnen konnten: Magnus Carlsen war so zufrieden wie man mit einem Sieg gegen einen 16-jährigen Gegner sein kann. Er sei nicht ängstlich, aber aufmerksam gewesen meinte der Weltmeister nach deren Partie. Es ging ihm darum, bestimmte Stellungen zu vermeiden. Alireza sei ein starker Gegner. Vishy Anand zeigte sich beeindruckt von der Leichtigkeit mit der der Iraner seine Partien in dem Turnier gewann. Wesley So bezeichnete Alireza kurz und knapp als unterbewertet. Alireza selbst noch etwas schüchtern bezeichnete sich als Lernender, der möglichst viele lange Partien gegen Weltklassespieler benötigt, um vollkommen wettbewerbsfähig zu sein. Die gemeinsamen Analysen fallen jetzt zunächst eine Weile aus.

Magnus Carlsen

Fabiano Caruana

Post Mortem Firouzja und Caruana

Alireza Firouzja

 

Nach Wijk ersetzte Alireza Wei Yi im Turnier in Prag und gewann im Stichkampf gegen Vidit den ersten Preis.

 

Quarantäne-Schach

Seit Ende Februar war die Turniersaison für Alireza dann erst einmal wie für viele andere Spieler ebenfalls beendet. Seither machte Alireza beim Online-Schach auf sich aufmerksam. Zunächst gewann er einen epischen Wettkampf gegen Magnus Carlsen im Bullet-Blitz, dann gewann er den „Banter Blitz Cup“ ebenfalls gegen Magnus. Es folgten Einladungen zu Schnellschach-Events. Es begann mit dem Magnus „Carlsen Invitational“, danach folgte der Nations-Cup für das Team Rest der Welt und zuletzt spielte Alireza beim „Lindores Abbey Invitational“ mit. Zwischendurch gewann Alireza ein Blitz-Event der Chessbrahs. Im Finale gewann der Youngster gegen Anish Giri.

Magnus-Carlsen-Invitational

Alireza spielte 29 Partien. Sein Ergebnis mit Weiß lag mit 7,5 aus 14 knapp im Plus. Mit Schwarz kamen nur vier Punkte aus 15 Partien hinzu. Fairerweise muss man erwähnen, dass Alireza mit Caro-Kann eine neue Eröffnung ausprobierte und insbesondere gegen Ian Nepomnichtchi ein schlechtes Ergebnis erzielte.

Mit Weiß spielte er zehnmal 1.d4 und viermal griff er zum Königsbauern.

Partien nach Farben sortiert (keine Kommentare)

Mit Weiß

 

Mit Schwarz

 

Alireza goes Caro-Kann!?

Zuletzt setzte Alireza auf eine neue Eröffnung gegen den gegnerischen Königsbauern. Tatsächlich dürfte das ein Teil seines Gesamtplans sein, um irgendwann Magnus Carlsen abzulösen. Es ist natürlich empfehlenswert als Jugendlicher möglichst viele Eröffnungen auszuprobieren. Bisher waren vor allem Najdorf-, Taimanov- und der Klassische Sizilianer die Waffen von Alireza. Hinzu kamen Ausflüge in Spanische Gefilde mit Schwarz.

Noch ist Spannung drin, da nicht bekannt ist, welche Variante Alireza gegen die alte Hauptfortsetzung 3.Sc3 (Sd2) spielt. In seinen Schnellschach-Begegnungen gegen die Weltelite wurde ihm fast ausschließlich der Zug 3.e5 vorgesetzt. Dabei kam es zuletzt gegen Ian Nepomniachtchi und Anish Giri zu einer Art Thematurnier. Alireza gewann in Wijk gegen Artemiev eine Partie gegen Caro-Kann.

Partien (etwas kommentiert)

 

Caro-Kann - Berliner Geheimvarianten Band 1 und 2

Auf den DVDs legt Baldauf ein vollständiges Schwarzrepertoire gegen den Zug 1.e4 vor. Baldauf legz besonderen Wert darauf, die Varianten nicht nur auf Vereinfachung und Remis auszulegen, sondern eine Gewinnwaffe an die Hand zu geben.

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Nations-Cup

Es folgte der Nations-Cup. Alireza spielte hinter Teymur Radjabov am zweiten Brett für das Team Rest der Welt. Mit 5,5 aus zehn Partien war Alireza sehr erfolgreich bei diesem Team-Event. Drei Siegen standen zwei Niederlagen gegenüber. Dabei war sogar mehr drin. Gegen den Endspiel-Experten Pentala Harikrishna hielt der Youngster ein verlorenes Endspiel mit gleichfarbigen Läufern zusammen. Am dritten Tag verlor Alireza gegen Wei Yi im Caro Kann und gegen Aronian ging ein mehrfach gleich stehendes Turmendspiel verloren. Es folgte ein Sieg gegen Vidit in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Gegen Nakamura verpasste Alireza eine gute Chance auf einen einfachen Punkt, nachdem der Amerikaner einen Zug verwechselt hatte. Am Schlusstag folgten dann zwei Siege gegen Karjakin und Levon Aronian.

Partien kommentiert

 

Lindores-Abbey-Rapid-Challenge

In einem weiteren hochklassigen Turnier der Magnus-Carlsen-Tour durfte Alireza erneut bei den Großen mitspielen. In den neun Runden lief es nicht so gut wie zuvor: Vier Niederlagen standen zwei Siege (Duda und Grishuk) gegenüber. Das Turnier begann mit einer dramatischen Partie gegen Levon Aronian, der sich für seine Niederlage im Nations-Cup revanchierte. Die Partie jedenfalls war nichts für schwache Nerven.

Partien kommentiert