Vassily Nikolajevich Panov wurde am 1. November 1906 in Kozelsk geboren, einer Stadt im Bezirk Kaluga, südwestlich von Moskau. Sein Vater Nikolai Alexandrovich Panov war ein Finanzbeamter, seine Mutter Jewgenia Vassilevna Panova (geb. Assonova), war die Tochter eines bekannten Lokalhistorikers und arbeitete als Lehrerin. Vassily Panov wuchs in Kaluga auf. 1916 zog die Familie nach Moskau.
Vassily Panov als Spieler
Vassily Panov lernte das Schachspiel mit sieben Jahren von seinem Vater. Mit fünfzehn Jahren spielte er in Moskau seine ersten Turniere.

Als junger Mann gelang ihm ein Sieg bei einer Simultanvorstellung von Weltmeister Capablanca.
1929 wurde Panov Moskauer Meister, 1935 und 1939 Moskauer Vizemeister. 1941 und 1946 gewann er jeweils Bronze.
Panovs größter Turniererfolg war der Sieg beim Halbfinale zur UdSSR-Meisterschaft in Kiew 1938. Insgesamt fünfmal konnte Panov sich zwischen 1935 und 1948 für das Finale der UdSSR-Meisterschaft qualifizieren. Seine beste Platzierung war 1939 der elfte Platz.
1950 verlieh die FIDE Panov den Titel eines Internationalen Meisters.
Nach 1957 nahm Panov wegen seiner schlechten Gesundheit nur noch selten an Turnieren teil. Sein letztes Turnier spielte er 1963. Danach zog er sich vom Turnierschach zurück, nahm aber 1970 noch ein letztes Mal an einem Turnier in Skopje teil.
In den 1920er Jahren folgte Panov zeitweise dem Beispiel seines älteren Bruders N.N. Panov, einem Dichter und Autor von Seefahrergeschichten, und veröffentlichte unter dem Pseudonym „Pila“ in der Zeitung „Rabotschaja Moskau“ einige Gedichte und Feuilleton-Beiträge, häufig mit Bezug zum Schach. Sogar ein Theaterstück entstand in dieser Zeit.
Während des Zweiten Weltkrieges gab Panov Simultanvorstellungen und hielt Vorträge für die Patienten in den Moskauer Krankenhäusern.
Vassily Panov als Autor und Theoretiker
Als Schachautor veröffentlichte Panov Lehrbücher sowie Schachbiografien bekannter Meister wie beispielsweise Tschigorin, Capablanca und Aljechin. Von 1942 bis 1965 war er der Schachkorrespondent für die Zeitung „Iswestija“. Außerdem veröffentlichte er Artikel in der Jugendzeitschrift „Pioneerskaja Prawda“.
In seinen Artikeln und Lektionen war Panov ein unnachgiebiger und bisweilen auch bissiger Dogmatiker. Zeitgenossen beschreiben ihn als streitlustig, aber durchaus auch humorvoll. Seine Beiträge und theoretischen Untersuchungen verfasste er mit großem Fleiß und großer Gründlichkeit. Mit Niederlagen in seinen Partien kam er allerdings nur schwer zurecht.
In seiner Zeit war jede Art von Journalismus, selbst die Schachberichterstattung, eng von den ideologischen und politischen Zielen der Staatsführung geprägt. So waren auch die Artikel des Parteimitglieds Panov, selbst Buchrezensionen, von der kommunistischen Ideologie jener Zeit durchsetzt.
Wie erst später bekannt wurde, ging Panov in seinem politischem Dogmatismus jedoch noch weiter. Er war ein Denunziant. Gennadi Sosonko berichtete für New in Chess (2014/3) in seinem Beitrag "The Panov Attack", dass Panov 1950 anlässlich einer Rezension zu einem Buch über die Offenen Spiele von Paul Keres den Autor beschuldigte "bürgerlich-westliche" und "antimarxistische" Theorien zu verbreiten. Ein entsprechender Brief wurde nach dem Zusammenbruch der UdSSR in den KGB-Archiven gefunden. Neben politischen Dogmatismus wird in diesem Fall wohl auch Missgunst und Neid für Vassily Panov ein Antrieb für sein Handeln gewesen sein.
Keres hatte während der Nazizeit im Deutschen Reich Turniere gespielt und wollte bei der Okkupation Estlands durch die Rote Armee 1945 nach Finnland fliehen. Er wurde jedoch verhaftet und entging nur knapp der Deportation nach Sibirien. Keres musste sich mit den neuen Machthabern arrangieren.
Auch in seinen Zeitungsartikeln gerierte sich Panov häufig als eine Art "Schach-Inquisitor" und prangerte "antimarxistische Tendenzen" und "wurzellosen Kosmopolitismus" an und forderte eine politische Säuberung der Schachliteratur.
Für Keres hatte der Angriff keine unmittelbaren Folgen. Als Weltklassespieler war sein Nutzen für die UdSSR-Propaganda zu groß. Der Este antwortete am Brett: Er gewann 1950 die UdSSR-Meisterschaften.

Große Erfolge erzielte Vassily Panov mit seinen Publikationen und theoretischen Untersuchungen zu den Eröffnungen. Hier entwickelte Vassily Panov vielen neue Ideen. Die bekannteste nach ihm benannte Eröffnung ist in der Caro-Kann-Verteidigung 1.e4 c6 2. d4 d5 3.cxd5 cxd5 die Variante 4.c4, der sogenannte Panov-Angriff.
Gegen die Sizilianische Scheveninger Verteidigung untersuchte Panov für Weiß einen Aufbau mit 6.g3 und folgendem Läuferfianchetto vor. Auch die Angriffsidee mit 6.g4 gegen die Scheveninger Variante stammte ursprünglich von Panov, bevor sie in den 1940er Jahren von Paul Keres adaptiert und nach dem Esten benannt wurde. Vielleicht rührt sogar daher Panovs Abneigung gegen Keres.
Eine Darstellung dieses beliebten Sizilianischen Systems, die besonders von Garry Kasparov regelmäßig gespielt wurde.
Außerdem untersuchte Panov Pläne für Weiß in der Modernen Variante gegen die Aljechin-Verteidigung (4.Sf3, gefolgt von h3.) und einen Aufbau mit Lb7 in der Spanischen Tschigorin-Variante.
Nach 1.d4 propagierte Panov für Schwarz die Verteidigung 1… c5 2. d5 e5 3. e4 d6 4. c4 Sf6 5. Sc3 Le7 (oder mit Zugumstellung 1… Sf6 2. c4 c5 3. d5 e5 4. Sc3 d6 5. e4 Le7), später aber Czech-Benoni genannt.
The Czech Benoni has never quite made it to the top of the charts as a reply to 1 d4. Perhaps it‘s the very nature of blocked central positions which put people off. Thus after 1. d4 Sf6 2. c4 c5 3. d5 e5 the first impression is that the Black position could become rather passive and it‘s not difficult to find excellent games by White where he stifles all the life out of Black‘s game. Repertoire books are similarly pessimistic about Black‘s chances. But it seems to me that the best Black wins have been forgotten and I‘m in good company here, with players of the calibre of Nisipeanu, Ivan Sokolov, Milidanovic taking a fresh look at the opening and using the Czech Benoni with success in recent games. Thus by playing 3...e5, you angle the game into a path of YOUR choosing, which is very much the modern style and very diffi cult to do with Black. We are going to see some fascinating chess here and by the end of the DVD I hope to have convinced you that the Czech Benoni is well-worth playing. Video playing time: 4 h

Katzenliebhaber Panov
Vassily Panov starb am 18. Januar 1973 in Moskau. Er wurde auf dem Moskau Wostriakowskoje-Friedhof (Zentralfriedhof) beigesetzt (Abteilung 32, Familiengrab).
