Veteranen blitzen in Moskau

27.12.2006 – Russland erinnert sich gerne seiner Helden und Heldentaten. Die Schachszene macht dabei keine Ausnahme und so veranstaltete der Moskauer Zentralschachklub zum 65. Jahrestag der Schlacht um Moskau ein Blitzturnier der Veteranen. Bei der Schlacht um Moskau fügten die sowjetischen Truppen der deutschen Wehrmacht, die im November 1941 bereits kurz vor Moskau stand, die erste große Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu. In dem erbitterten Kampf fielen etwa 250.000 deutsche und 700.000 sowjetische Soldaten. Doch beim Veteranenblitz, der zahlreiche Prominente aus Politik und Schach anzog, herrschte heitere Stimmung. Misha Savinov berichtet in Wort und Bild. Mehr...

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Veteranen blitzen in Moskau

von Misha Savinov

Der Zentralschachklub ist ein wirklich aktiver Ort. Ganz gewiss fiel er nicht in Winterschlaf, nachdem das Superfinale vorbei war. Der Veteranenverband des Russischen Schachverbands, namentlich dessen Kopf, Großmeister Evgeny Vasiukov organisierte ein Turnier, das dem 65. Jahrestag des Kampfs um Moskau 1941 gewidmet war. Neben Kriegsveteranen luden die Organisatoren 'Gaststars' ein - einige Großmeister, darunter Sergey Shipov, ehemals 2650+ und Igor Glek, aber auch einflussreiche Politiker - Alexander Zhukov, Vizepremierminister und Präsident des Russischen Schachverbands, und Arkady Dvorkovich, Vorsitzender des Expertenrats der Regierungsbehörde.

Neun Runden waren zu spielen und die Bedenkzeit betrug 11 Minuten pro Spieler, wobei sich Vasiukov allerdings ein interessantes Handicap-System ausgedacht hatte. Für Extra-Ratingpunkte wurden Minuten abgezogen, während die Teilnehmer über 60 pro Dekade eine Minute zusätzlich bekamen. So spielte der Spieler mit der höchsten Elo-Zahl, Sergey Shipov, oft mit 3 Minuten gegen 13 seines Gegners. Eine leichte Aufgabe für den erfahrenen Blitzspieler, wenn Sie meine Meinung hören wollen, aber 'einfache' Großmeister, die sich nicht aufs Blitz spezialisiert haben, hatten gelegentlich mit Schwierigkeiten zu kämpfen.


Viele Veteranen legten ihre Orden an


Yury Averbakh im Gespräch mit Lyudmila Belavenets, der Tochter von Meister Sergey Belavenets, der im Krieg umgekommen ist und für Generationen von Kindern ein Schachlehrer mit Hingabe war.



Die Preisliste beschränkte sich nicht auf die 1.000 USD für den ersten Platz. Fast jeder erhielt eine Trophäe, da es viele Bücher, Schachspiele usw. gab. Alexander Zhukov erhielt ein Borodino Schachspiel, Symbol der siegreichen russischen Armee. Vielleicht hätte man es Schachspiel der Napoleonischen Kriege oder so ähnlich nennen sollen - schließlich mussten sich die Russen nach der Schlacht aus Borodino und Moskau zurückziehen.


Alexander Zhukov erhält die Trophäe

Der Kampf begann. Zhukov und Dvorkovich spielten zwei ganze Runden, und erzielten 1,5 bzw. 0,5 Punkte. Der Präsident des Russischen Schachverbands ist für einen Amateur sehr stark, vielleicht etwa zwischen 2300-2350. Der Sohn des berühmten Schiedsrichters Vladimir Dvorkovich ist ein Spieler der 1. Kategorie, aber spielt leidenschaftlich gern Schach. Beim vor kurzem ausgetragenen Tal-Gedenkturnier war er an den Wochenenden oft Zuschauer.


VIPs in Runde 1

Im Turniersaal konnte man viele bekannte Gesichter sehen. Hier ein paar Schnappschüsse.


Großmeister Igor Zaitsev


Meister Oleg Stetsko, Mitglied des Redaktionskomitees von 64-Chess Review


Doktor Krylov (aus dem Kramnik-Team) spielt gegen Karpovs Helfer Petelin


IM Boris Arkhangelsky, 75


WIM Rimma Bilunova, 66, die Mutter von Denis Bilunov - vor nicht langer Zeit an der Spitze von Kasparovchess und augenblicklich Garrys politischer Waffenbruder


Meister Evgeny Gik, 63, produktiver Schachautor

Sergey Shipov übernahm mit einer Reihe von Siegen die Führung. Eigentlich hatte man damit gerechnet, dass auch seine Großmeisterkollegen Glek und Smagin in den Kampf um den Titel eingreifen würden, aber sie taten sich gegen den hartnäckigen Widerstand der Meister sowjetischer Prägung schwer. Sergey Smagin zum Beispiel erlitt zum Auftakt zwei Niederlagen in Folge.


Beugt sich …Bh3+


GM Smagin verfolgt die Partie von FM Stanislav Zhelesny, 72, Redakteur einer Schachkolumne in der Militärzeitung Roter Stern


GM Shipov holte weiter Punkte und war zu allen freundlich

Nach zwei Runden im Turnier wandten sich Zhukov und Dvorkovich dem Blitz zu, da die erwarteten Gegner eingetroffen waren …


Vasiukov: 'Dieser junge Mann wird nicht zum Turnier zugelassen'


Bareev: 'Von dieser Eröffnung habe ich überhaupt keine Ahnung, stecke ich bereits in Schwierigkeiten?'




Die Show beginnt!


Karpov hatte sich im Tal-Cup warm gespielt


Bareev: 'Ich bin sicher, du hast zwei Mal gezogen!'


Sergey Shipov saß das ganze Turnier an Tisch 1, umgeben von Zuschauern und Rivalen.


In der Mitte des Turniers litt er unter leichten gesundheitlichen Problemen und ein Doktor wurde gerufen.

Sergey erhielt ein Medikament gegen Bluthochdruck und blieb mit einem perfekten Ergebnis bis zum Schluss an der Spitze. 9/9, zweieinhalb Punkte Vorsprung vor den Spielern, die sich Platz zwei teilten.

Smagin und Glek machten mit FM Zhelesny, NM Kryukov (Vorsitzender des Zentralschachklubs; siehe Photo 24) und Zilbert, der für den russischen Schachverband arbeitet, den Tie-Break unter sich aus.


Glek (vorne) und Shipov (hinten)


NM Kryukov

Am Tag darauf sah man im Zentralschachklub schließlich eine Veranstaltung, die nichts mit Schach zu tun hatte. Es gab ein großes Go-Festival mit Massensimultanveranstaltungen von Spielern des Russischen Go-Verbands mit höherem Dan. Es muss gut tun, gelegentlich eine Schachpause einzulegen.


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