Der WM-Kampf zwischen Euwe und Aljechin begann am 3. Oktober 1935 und dauerte bis zum 15. Dezember 1935. Gespielt wurde in 13 verschiedenen holländischen Städten, maximal 30 Partien waren vorgesehen. Sollte es am Ende 15:15 unentschieden stehen, würde Aljechin als Titelverteidiger Weltmeister bleiben.
Aljechin ging auch als haushoher Favorit in den Wettkampf, nicht zuletzt, weil er wenige Jahre zuvor bei den Spitzenturnieren in San Remo 1930 und Bled 1931 mit großem Vorsprung souverän gesiegt hatte. Außerdem war Aljechin Profi und widmete sein ganzes Leben dem Schach. Er spielte Turniere, gab in der ganzen Welt Simultanvorstellungen und schrieb Bücher sowie zahllose Artikel für Zeitungen und Schachzeitschriften.

Alexander Aljechin 1935 | Aus einem Filmdokument über den Wettkampf (siehe unten)
Euwe hingegen war Amateur; er hatte Frau und Kinder und arbeitete als Mathematiklehrer.
Zu Beginn des Wettkampfes wurde Aljechin seiner Favoritenrolle gerecht und lag nach sieben Partien mit 5:2 in Führung. Doch dann fing sich Euwe und holte den Rückstand wieder auf. So stand es zur Halbzeit des Wettkampfs nach 15 Partien 7,5:7,5 unentschieden. Und je länger der Wettkampf dauerte, desto besser schienen die Chancen Euwes zu werden.

Für die Kamera spielt Max Euwe Budapester Gambit
Aljechin-Biograf Steve Rauls erklärte diese Entwicklung in seinem Buch Chess Villain mit der unterschiedlichen Vorbereitung Euwes und Aljechins und dem unterschiedlichen Umgang der beiden mit den Herausforderungen des Wettkampfs. Er schreibt:
Im ersten Drittel des Matches ging es um den Unterschied zwischen den Hunderten von Partien, in denen Aljechin gegen die größten Spieler der Geschichte angetreten war auf der einen Seite, und Euwes Amateur-Karriere mit Wochenendturnieren auf der anderen Seite. Im letzten Drittel des Matches ging es um Euwes Schwimmtraining am Morgen und und seine Boxstunden am Nachmittag und Aljechins jahrelangen Alkoholrausch. ... Aljechins Lösung bestand darin, sich nach den Partien und manchmal auch davor mit Alkohol zu betäuben. (Steve Rauls, Chess Villain: How Alexander Alekhine Alienated the World and Changed the Game, McFarland 2025, S. 123)
Diese Strategie Aljechins erwies sich allerdings als wenig erfolgreich, und mit einem Sieg in der 25. Partie übernahm Euwe vier Partien vor Ende des Wettkampfs zum ersten Mal die Führung. Auch der Wiener Meister Hans Kmoch, der Aljechin als Sekundant in dessen Wettkämpfen gegen Efim Bogoljubow unterstützt hatte, machte sich in seinem Wettkampftagebuch Gedanken darüber, was mit Aljechin passiert war.
Nach der 25. Partie listet Kmoch auf, wie wenig Aljechin in den Partien zuvor gelungen war, und schreibt:
"Das Ergebnis dieses Zusammenstellung ist für den unerschöpflichen Eröffnungskünstler, für den feurigen, gefürchteten, unwiderstehlichen Angreifer Aljechin geradezu erschreckend. Glanz und Kraft vergangener Tage – wohin bist du entschwunden? War es der Gegner mit seinen scharfen, beinahe respektlosen Eröffnungen und Verteidigungen, mit seiner nicht zu erschütternden, beinahe spöttischen Ruhe und seiner beinahe aufreizenden Selbstbeherrschung, der den Weltmeister schachlich und psychologisch völlig aus der Verfassung brachte? Oder haben die Kräfte des Weltmeisters ganz einfach nachgelassen? ... Aljechin erklärte, er fühle sich soweit ganz wohl, leide jedoch unter dem seelischen Eindruck unerwarteter Niederlagen. ... Was mich persönlich befremdete, war die ruhige Niedergeschlagenheit, mit welcher der Weltmeister den Lauf der Dinge hinnahm. Ein Aljechin, der nach einer verlorenen Partie nicht bebt und schäumt und der Tobsucht nahe ist und sich nur mit äußerster Zurückhaltung in den Schranken sorgfältig anerzogener Sportlichkeit hält – das ist kein Aljechin. Die Wandlung ist unter Berücksichtigung der obigen, vom Weltmeister abgegebenen Erklärung hauptsächlich auf 'Zermürbung durch den Gegner' zurückzuführen."
(Hans Kmoch, Tagebuch vom Wettkampf Aljechin – Euwe, Verlag der Wiener Schachzeitung, S. 58–61, in: Der Schachwettkampf Aljechin – Euwe um die Weltmeisterschaft 1935, Zürich: Edition Olms 1983.)
Am 3. Dezember 1935 kam es dann in Zandvoort zu der entscheidenden 26. Partie des Wettkampfs. Euwe hatte eine Sternstunde und spielte mutig, aggressiv und ohne Angst vor Verwicklungen. Ihm gelang ein eindrucksvoller Sieg. Savielly Tartakower gab dieser Partie den griffigen Titel „Die Perle von Zandvoort“, und unter diesem Namen wurde sie berühmt.
Nach diesem Sieg führte Euwe im Wettkampf mit zwei Punkten Vorsprung, und Aljechin hatte nur noch vier Partien Zeit, um diesen Rückstand aufzuholen. Das gelang ihm jedoch nicht. Er gewann zwar die 27. Partie, aber die drei restlichen Partien endeten alle mit Remis, und so verlor Aljechin den Wettkampf am Ende mit 14,5:15,5, und Euwe war neuer Weltmeister.
Aljechin erwies sich allerdings als fairer Verlierer. In einer Tonaufnahme nach dem Wettkampf, in der man hört, wie gut Aljechin Französisch und Deutsch spricht, gratulierte er Euwe mit den Worten: „Herr Weltmeister, Sie waren immer mein Freund, und werden immer mein Freund sein.“
Doch von dem Wettkampf gibt es nicht nur Ton-, sondern auch Bildaufnahmen.
Euwe erwies sich als fairer Sportsmann und spielte zwei Jahre später einen Revanchekampf gegen Aljechin. Dieses Mal war Aljechin besser vorbereitet und verzichtete vor und während des Wettkampfes auf Alkohol. Er gewann klar mit 15,5:9,5 und eroberte den WM-Titel zurück, den er bis zu seinem Tode am 24. März 1946 nicht mehr verteidigte. Damit ist Aljechin der einzige Weltmeister der Schachgeschichte, der als amtierender Weltmeister gestorben ist.
Aber keine Partie des zweiten WM-Kampfs zwischen Euwe und Aljechin ist auch nur annähernd so berühmt geworden wie "Die Perle von Zandvoort".