Wettkampf Ragger-Nisipeanu: Remis nach 140 Zügen

von André Schulz
19.02.2018 – Parallel zum Graz Open spielen Markus Ragger und Liviu-Dieter Nisipeanu einen Wettkampf über sechs Partien. Die erste Partie endete nach 140 Zügen ohne Sieger. Die zweite Partie endete ebenfalls remis, dauerte aber nicht ganz so lange.(Foto: Österreichischer Schachbund)

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Deutschland mit und gegen Österreich

Sportliche Vergleiche zwischen Deutschland und Österreich sind immer besonders reizvoll und werden auch stets von vielen Emotionen begleitet. Österreichische Fußballfans erinnern sich gerne an das Spiel zwischen Deutschland und Österreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien, als die österreichische Mannschaft dank zweier Tore von Hans Krankl mit einem 3:2 als Sieger vom Platz ging. Bei dieser Weltmeisterschaft wurde mit Vorrunden und einer Zwischenrunde gespielt. Durch die Niederlage gegen Österreich verpasste die deutsche Mannschaft, immerhin Titelverteidiger, den Einzug in die Finalrunde und schied aus. In der deutschen Öffentlichkeit wurde dieser Vorfall wenig gnädig goutiert, das Spiel ging als "Schmach von Cordoba" in die deutsche Fußballgeschichte ein. In Österreich wurde es als "Wunder von Cordoba" bezeichnet. Das Ganze ist allerdings schon 40 Jahre her und so erinnern sich tatsächlich nur noch die älteren Fußballfreunde an dieses Spiel - in Österreich. In Deutschland erinnert sich niemand.

Wenn es darauf ankommt, ist die Verbundenheit zwischen Deutschland und Österreich jedoch groß. Das beweist nicht nur die Geschichte, sondern zum Beispiel auch das Fußballspiel zwischen den Nationalmannschaften der beiden Länder bei der Weltmeisterschaft vier Jahre später, 1982 in Spanien. Deutschland und Österreich spielten in der gleichen Gruppe, zusammen mit Chile und Algerien. Die indisponierte deutsche Mannschaft unterlag dann gleich im Auftaktspiel gegen Algerien mit 1:2. Zum Glück für die Deutschen gewann Österreich seine beiden Spiele gegen Chile und Algerien und da Deutschland gegen Chile gewonnen hatte, konnte sich die deutsche Mannschaft mit einem Sieg über Österreich den Einzug in die nächste Runde sichern. Auch Österreich käme weiter, wenn die Mannschaft nicht höher als 0:2 verlöre.

1:0 für Deutschland war also ein optimales Ergebenis für beide Mannschaften. Das Spiel endete 1:0. Es konnte gar nicht anders ausgehen, was jeder Schachprofi sofort versteht. Horst Hrubesch schoss schon nach 11 Minuten das 1:0 für Deutschland und danach wurde der Ball von beiden Seiten praktisch nicht mehr über die Mittellinie gespielt. Es war klar, dass beide Mannschaften mit diesem Ergebnis zufrieden waren. Die Belastung, 80 Minuten lang vom spanischen Publikum ausgepfiffen zu werden, hielten die Spieler tapfer aus. Deutschland und Österreich zogen in die nächste Runde ein, das "kleine" Algerien schied aus.

Viel Anerkennung gab es für die Leistung der beiden Mannschaften in der Presse jedoch nicht. Diesmal erhielt das Spiel den Titel: "Die Schande von Gijon". In einem Interview mit der "Welt" räumte der deutsche Nationalspieler Manfred ("Manni") Kaltz ein: "Schön war das nicht," wusste aber auch: "So ist Profisport."

Die österreichischen Satiriker Dirk Stermann und Christoph Grissemann haben einst das Spiel von Cordoba (3:2 für Österreich) in einer Reportage verarbeitet und dabei auch die die politischen Nebentöne der gemeinsamen deutsch-österreichischen Geschichte nicht außer Acht gelassen.

Auch im Schach sind Deutschland und Österreich eng verbunden. Österreich stellte mit Wilhelm Steinitz den ersten Schachweltmeister, Deutschland mit Emanuel Lasker den zweiten. Wien und Berlin waren vor dem Ersten Weltkrieg große europäische Schachmetropolen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland im Vergleich zu Österreich, was die Spielstärke seiner Spieler angeht  lange Zeit führend, doch zuletzt hat sich das zumindest im Einzel etwas geändert. Das liegt an Markus Ragger, der nicht nur der beste Österreicher im Schach ist, sondern zeitweilig auch der beste Schachspieler im deutschsprachigen Raum, wenn man nur die Spieler berücksichtigt, die für einen der deutschsprachigen Verbände spielberechtigt sind.

Markus Ragger wurde 1988 in Klagenfurt geboren und wuchs in Maria Saal auf. Hier spielt er seit über 10 Jahren auch für den örtlichen Schachverein in der österreichischen Bundesliga und gewann mit der Mannschaft 2015/16 den Mannschaftsmeistertitel. In Deutschland spielt Markus Ragger für die SG Solingen und wurde mit diesem Team im gleichen Jahr auch deutscher Mannschaftsmeister. 

Vor einem Jahr erreicht Markus Ragger mit 2703 seinen bisherigen Bestwert in der FIDE-Eloliste und war damit bester Spieler im deutschsprachigen Schachraum. Derzeit ist seine Elozahl etwas gesunken und so teilt er sich diesen Rang mit dem für den Deutschen Schachbund spielenden Liviu-Dieter Nisipeanu. Zur Zeit hat Nisipeanu die Nase etwas vorne. Doch bekanntlich sind auch Zahlen nur Schall und Rauch, die Wahrheit ist auf dem Brett. 

So spielen Markus Ragger und Liviu-Dieter Nisipeanu nun einen Wettkampf über sechs Partien, im Rahmen des parallel stattfindenden  Graz Opens. Austragungsort ist das Novapark Hotel in Graz. 

Karte: Google Maps

Die erste Partie am Samstag endete nach 140 Zügen Remis. Nach Beginn mit der Caro-Kann Verteidigung, mündete ein Endspiel mit Türmen und Springern in das elementare Endspiel Turm und Springer gegen Turm. Das ist bekanntlich meist remis. Aber natürlich kann man noch auf Gewinn spielen. Das tat Nisipeanu mit seinem Materialvorteil auch noch eine Weile, bevor die Partie im 140. Zug dann doch mit der Punkteteilung endete. Die zweite Partie endete dann etwas vorzeitig schon im 26. Zug nach einer dreifachen Stellungswiederholung ebenfalls ohne Sieger.

Erster Zug (Foto: Österreichischer Schachbund)

 

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Das Schachfestival wird zudem mit drei Open-Turnieren gespielt. Im A-Open nehmen 135 Spieler teil. Nach zwei Runden gibt es noch 20 Spieler ohne Punktverlust. Die Großmeister Andrei Istratescu und Bartosz Socko führen die Setzliste mit Elozahel knapp unter 2600 an. Bester deutscher Spieler im Feld nach Elo ist Hagen Pötsch.

Open: Stand nach zwei Runden

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Istratescu Andrei 2,0 0
  Socko Bartosz 2,0 0
  Sebenik Matej 2,0 0
  Deac Bogdan-Daniel 2,0 0
  Dastan Muhammed Batuhan 2,0 0
  Pötsch Hagen 2,0 0
  Kanmazalp Ogulcan 2,0 0
  Gumularz Szymon 2,0 0
  Bao Qilin 2,0 0
  Tomazini Zan 2,0 0
  Schwabeneder Florian 2,0 0
  Molenda Marcin 2,0 0
  Menezes Christoph 2,0 0
  Tomczak Mikolaj 2,0 0
  Chakravarthi Reddy M 2,0 0
  Horvath Dominik 2,0 0
  Unuk Laura 2,0 0
  Cerovic Danilo 2,0 0
  Neuschmied Siegfried 2,0 0
  Schweighoffer Martin 2,0 0
21 Czarnota Pawel 1,5 0
  Nevednichy Vladislav 1,5 0
  Socko Monika 1,5 0

... 135 Spieler

 

Turnierseite...

Ergebnisse bei chess-results...

Berichte bei chess.at...

Interview mit Manfred Kaltz (Welt.de)...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Krennwurzn Krennwurzn 20.02.2018 12:25
Nimmt man das deutsch-österreichisches Satiriker-Duo Stermann & Grissemann ernst, dann ist der Wettkampf in GRAZ eine rein österreichische Angelegenheit, denn es spielt der stärkste Österreicher Liviu-Dieter Nisipeanu (geboren in Kronstadt) gegen den stärksten Österreicher Markus Ragger (geboren in Klagenfurt).

Kronstadt (Brasov) war bis Ende des ersten Weltkriegs die östlichste Stadt der Donaumonarchie im heutigen Rumänien und jahrhundertelang Grenzregion.

Nebenbei ist Siebenbürgen inkl. Brasov ein herrliches und sicheres Urlaubsgebiet - nur auf Bären sollte man aufpassen! Wir waren 2016 drei Wochen dort unterwegs - herrliche Landschaft, schöne Städte, nette Menschen und gutes Essen!!
André André 20.02.2018 09:46
Herzlichen Dank für die Korrekturhinweise. Es gibt tatsächlich noch aufmerksame Fußballfans, die sich alle Details genauestens erinnern ;-)
Krennwurzn Krennwurzn 19.02.2018 10:49
Nun im Schach ist es doch genau umgekehrt - hier wäre es ja eine Sensation wie in Cordoba wenn ein Deutscher gegen ein Österreicher gewinnen würde ... sagt der böseste aller Ösis die Krennwurzn :-)

Lauf - keuch -auuaaaaaaaahhhh
GrobiGermany GrobiGermany 19.02.2018 07:37
Nichts für ungut, aber: Die Schmach von Cordoba ist im Sommer schon 40 Jahre her. Und in Gijon hätte Deutschland und Österreich auch ein 2:0 zum Weiterkommen gereicht (Algerien hatte 5:5 Tore, Österreich hätte dann noch 3:2 gehabt).
WernerBerger WernerBerger 19.02.2018 05:00
Cordoba ist nicht 30 Jahre her, sondern liegt schon 40 Jahre zurück. Es ging nicht um den Einzug in eine "Finalrunde", sondern um das Spiel um Platz 3. In Spanien vier Jahre später verlor Deutschland gegen Algerien nicht 0:2, sondern 1:2. Außerdem wäre Österreich auch bei einem 0:2 weitergekommen.
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