Wijk aan Zee Runde 2: Brisante Duelle

15.01.2007 – Die zweite Runde beim Corus-Turnier in Wijk aan Zee führte zu vielen brisanten Duellen: Zwischen Kramnik und Shirov herrscht ein gespanntes Verhältnis seit Kramnik gegen Kasparov um die Weltmeisterschaft spielen durfte, obwohl er Shirov im Kandidatenfinale unterlag, Topalov fordert von van Wely eine Entschuldigung dafür, dass van Wely beim Weltmeisterschaftskampf in Elista für Kramnik Partei ergriffen hat und Carlsen und Navara sind junge Großmeister, die gerne einmal Weltmeister werden wollen, genau wie Radjabov und Karjakin. Vielleicht führte diese angespannte Stimmung zu den vielen entschiedenen Partien des zweiten Tags.Turnierseite...Videos vom zweiten Tag bei chessvibes...Runde 2 im Überblick...

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Weltmeister Vladimir Kramnik: Weiter auf Erfolgskurs?

Gegen seinen alten Rivalen Kramnik hatte Shirov kein Glück. Er dachte bereits beim 7. Zug eine Stunde nach, aber richtig geholfen hat ihm das nicht. Weiß kam besser aus der Eröffnung heraus und übte stets Druck auf die schwarze Stellung aus. Kurz vor der Zeitkontrolle unterlief Shirov in schwer zu spielender Stellung dann ein taktisches Versehen und er gab auf, ohne Kramniks Antwort abzuwarten.


Hier spielte Shirov 34....Tb7?? und gab sofort auf.


Alexei Shirov: Kein Glück gegen Vladimir Kramnik

Veselin Topalov präsentierte sich gegen Loek van Wely gewohnt aggressiv. Mit Weiß griff er in einem Sizilianer an und nach ungenauer Verteidigung des Schwarzen wurde seine Initiative plötzlich entscheidend.



Der letzte schwarze Zug war 25...Kg8? Weiß spielte jetzt 26.Lxc5! und nach ...Sxc5 27.Dh6 konnte Schwarz h7 nicht mehr decken. Es folgte noch ...Kf8 28.Dxh7 Df7 29.Sd3 axb3 30.cxb3 Sxd3 31.Txd3 e4 32.Le6 exd3 33.Lxf7 Txa2 34.Dg8+ Ke7 35.Kxa2 gab van Wely auf. Dieser Sieg brachte Topalov den täglich vergebenen Expertenpreis ein.

Noch aggressiver ging Alexander Motylev gegen Anands Najdorf-Sizilianer zu Werke. Motylev lud den Inder zur Bauernraubvariante ein und opferte drei Bauern, um sich Angriffschancen zu sichern. Die weißen Drohungen waren nicht konkret, aber sie waren da. Allerdings verbrauchte Motylev zu viel Bedenkzeit und am Ende übersah er in Zeitnot eine Remismöglichkeit.

Motylev,A (2647) - Anand,V (2779)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Db6 8.Dd2 Dxb2 9.Tb1 Da3 10.e5 h6 11.Lh4 dxe5 12.fxe5 Sfd7 13.Se4 Dxa2 14.Td1 Dd5 15.De3 Dxe5 16.Le2 Lc5 17.Lg3 Lxd4 18.Txd4 Da5+ 19.Td2 0-0 20.Ld6 Td8 21.Dg3 Df5 22.Le5 Dg6 23.Dh4 Sc6 24.0-0 f5 25.Lh5 Dh7 26.Lb2



Hier empfiehlt Fritz 26...Tf8 als beste Verteidigung für Schwarz. Weiß hat drei Bauern weniger, Angriffsmöglichkeiten, aber ist von einem klaren Gewinn oder forciertem Remis weit entfernt. Nach der Partiefortsetzung ...fxe4 27.Tf7 Tf8 hätte Motylev jedoch mit 28.Txg7+ Dxg7 29.Lxg7 Kxg7 30.Dg3+ Kh8 31.Dg6! Dauerschach erzwingen können. Stattdessen spielte er 28.Df2 und nach ...Txf7 29.Dxf7+ Kh8 30.Tf2 e5 31.Dd5 Sf6 war es vorbei: 0-1


Gut gelaunt: Vishy Anand

Dramatisch verlief auch die Partie zwischen Magnus Carlsen und David Navara. Carlsen stand nach der Eröffnung gut, was ihn dazu verleitete, eine Qualität zu opfern, um sich ein eindrucksvolles Bauernzentrum zu sichern. Vermutlich hatte er dabei jedoch einen taktischen Trick übersehen, der ihn einen dieser Bauern kostete. Später leistete sich Navara einen Fehler, nachdem Carlsen sofort hätte gewinnen können. Er sah das jedoch nicht, überzog jedoch im weiteren Verlauf seine immer noch verteidigungsfähige Stellung und verlor am Ende.

Carlsen,M (2690) - Navara,D (2719)

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 Sc6 9.Le3 0-0 10.0-0 Ld7 11.Tb1 Dc7 12.Lf4 Dc8 13.d5 Sa5 14.Ld3 e5 15.Lg3 f5 16.f4 fxe4 17.Lxe4 Sc4 18.Dd3 Sd6 19.fxe5 Sxe4 20.Dxe4 Lf5




Hier spielte Carlsen 21.Dc4 Denn nach 21.De3 Lxb1 22.Txb1 Df5 hat er Schwierigkeiten, seinen Bauern e5 zu decken: 23.Td1 (auf 23.Te1 folgt einfach ...Tae8) 23...Lxe5 24.Dxe5 Dxe5 25.Lxe5 Tae8. Durch diesen taktischen Trick gewinnt Schwarz die Figur zurück. Zwar kann er nach 26.Lc7 Txe2 27.d6 Tee8 28.d7 Td8 das materielle Gleichgewicht wieder herstellen, aber das Turmendspiel sieht wegen des schwachen d-Bauern gut für Schwarz aus. 21...Lxb1 22.d6+ Kh8 23.Txb1 Df5 24.Te1 Lxe5 25.Sd4 Lxd4+ 26.cxd4 Tae8 27.Txe8 Txe8 28.h3 Kg7 29.Db5 Td8 30.dxc5 Td7 31.a4 g5?



32.a5?
Nach 32.c6 Dxb5 33.axb5 gehen die weißen Bauern zur Dame. ...a6 33.Dc4 h5 34.Le1 Tf7 35.c6 bxc6 36.Lc3+ Kh7 37.Dxc6 Df2+ 38.Kh1 Df1+ 39.Kh2 Df4+ 40.Kh1 Df1+ 41.Kh2 Df4+ 42.Kh1 g4 43.hxg4 hxg4 44.Dc8 g3 45.Dh8+ Kg6 46.Dg8+ Kh5 47.Dh8+ Dh6 48.Dxh6+ Kxh6 49.Kg1 Kg5 50.Ld4 Tf5 0-1

Sergei Tiviakov sorgte für allem mit seiner Eröffnungswahl für Aufsehen: Skandinavisch mit ...Dd6. Peter Svidler beeindruckte das jedoch nur wenig und mit energischem Spiel sicherte er sich Vorteil. Wie Svidler nach der Partie selbst sagte, vergab er den Vorteil jedoch wieder, wonach er noch einmal arbeiten musste, um die Partie zu gewinnen. Am Ende gelang ihm eine hübsche taktische Abwicklung:



51.Txf7+ Sxf7 52.Se6+ Kg8 53.Sxd8 Sg5 54.Ld5+ Kh7 55.Se6 Sf3+ 56.Kh3 f5 57.Txg7+ Txg7 58.Sxg7 Sxd4 59.b6 e3 60.Kg2 Sc2 61.Kf1 Sb4 62.b7 Sa6 63.Sxf5 Kg6 64.Se7+ Kf6 65.Sc6 1-0

Levon Aronian sicherte sich seinen ersten Punkt mit einem hübschen positionellen Sieg gegen Ruslan Ponomariov. Ponomariov spielte in der Eröffnung provokant und geriet dadurch unter positionellen Druck, den Aronian systematisch verstärkte. Irgendwann war es Ponomariov zu viel und er opferte etliche Bauern, um in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abzuwickeln. Das war allerdings auch verloren.

Aronian,L (2744) - Ponomariov,R (2723)

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Sf3 d6 5.Dc2 Sbd7 6.g3 c5 7.Lg2 0-0 8.0-0 a6 9.Td1 cxd4 10.Sxd4 Dc7 11.b3 d5 12.Sa4 dxc4 13.Dxc4 Dxc4 14.bxc4 Te8 15.Tb1 Lf8 16.Ld2 e5 17.Sb3 e4 18.c5 Sd5 19.Le1 S7f6 20.Sa5 Ta7 21.e3 Ld7 22.Sc3 Lc6 23.Sxc6 bxc6 24.Sxd5 Sxd5 25.La5 g6 26.Lf1 Taa8 27.Tbc1 Lh6 28.Tc2 Tab8 29.Lc4



... Sb4 30.Lxb4 Txb4 31.Td7 Tf8 32.Lxa6 Tfb8 33.Lc4 T4b7 34.Lxf7+ Kf8 35.Le6 Lg5 36.Td4 Te7 37.Lb3 Lf6 38.Td6 Kg7 39.Txc6 1-0


Levon Aronian: Gut gekleidet bei der Arbeit

Im Duell der beiden Jungstars Radjabov und Karjakin rettete sich Karjakin, der die ganze Partie über am Rande der Niederlage balancierte, erst im Endspiel ins Remis, indem er eine bekannte Festung aufbaute.


Nach 58.g5 hxg5 59.fxg5 Lxg5! opferte Schwarz seinen Läufer, denn die entstehende Stellung ist Remis. Schwarz pendelt mit seinem Turm auf der sechsten Reihe hin und her und muss nur darauf achten, dass die weiße Dame nicht nach f8 kommt. 60.Dxg5+ Kh7 61.Kf3 Th6 62.Df5+ Kg7 63.De5+ Kh7 64.De4+ Kg7 65.Dd4+ Kh7 66.Kg4 Te6 67.Kg5 Th6 68.Dc4 Kg7 69.Da2 Te6 70.Da1+ Kh7 71.Kf5 Th6 72.Da2 Kg7 73.Db2+ Kh7 74.Dc3 Te6 75.Kg5 Th6 76.Dc4 Kg7 77.Dxf7+ Kxf7 78.Kxh6 ½-½

In Gruppe B endeten alle Partien Remis, aber in Gruppe C gelang Wouter Spoelman, der gestern gegen Parimarjan Negi einem hübschen Angriff zum Opfer fiel, seinerseits ein sehenswerter Angriff, der ihm einen Sieg gegen Nadezhda Kosinsetva brachte:

Spoelman,W (2414) - Kosintseva,N (2496)

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Dd3 Le7 8.0-0-0 0-0 9.f4 Db6 10.Sdb5 Td8 11.Dg3 Se8 12.Lxe7 Sxe7 13.Lc4 Dc5 14.Lb3 Ld7 15.Sd4 b5 16.f5 exf5 17.The1 Sf6 18.e5 f4 19.Dg5 Sg6



20.Lxf7+ Kxf7 21.Sb3 Dc6 22.exf6 gxf6 23.Dh6 Th8 24.Sd4 Da6 25.Sd5 Tae8 26.Txe8 Lxe8 27.Te1 Db7 28.Sf5 1-0

Alle Fotos: Frits Agterdenbos, chessvista



Themen: Corus 2007
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