Wijk, Runde 4: Fünf Remis, zwei Siege

von Johannes Fischer
15.01.2019 – Sechs Mal hat Magnus Carlsen das Turnier in Wijk aan Zee bereits gewonnen, öfter als jeder andere Spieler. Aber 2019 ist ihm in den ersten vier Runden noch kein Sieg geglückt. In Runde 4 spielte er gegen Vladimir Kramnik lange auf Gewinn, aber musste am Ende ins Remis einwilligen. Für die beiden Siege der Runde sorgten Vidit Gujrathi (Bild), der gegen Jorden Van Foreest gewann und Anish Giri, der Richard Rapport schlug. Tabellenführer im Masters bleibt Ian Nepomniachtchi mit 3 aus 4. Im Challengers spielte Vincent Keymer gegen Praggnanandhaa Remis, genau wie Elisabeth Pähtz gegen Stefan Kuipers. | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

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Tata Steel Chess 2019 - Runde 4

Masters

M. Carlsen ½-½ V. Kramnik

In Runde drei spielte Magnus Carlsen die längste Partie der Runde, in Runde vier spielte er die längste Partie im Masters Turnier. In einer Partie, die lange ausgeglichen war oder sogar Kramnik bessere Chancen bot, konnte Carlsen erst im Endspiel Druck entfalten. Aber Kramnik verteidigte sich einfallsreich und konnte sich am Ende mit einem Minusbauern ins Remis retten.

 

Dieses Remis ist Carlsens 21. Remis in Folge in Partien mit klassischer Bedenkzeit. Sein letzter Sieg gelang ihm gegen Vladimir Potkin in der ersten Runde des Europäischen Vereinspokal im Oktober 2018. Doch das blieb Carlsens einziger Sieg beim Vereinspokal - seine nächsten fünf Partien in diesem Wettbewerb endeten alle Unentschieden.

Nach diesen fünf Remis beim Vereinspokal folgten zwölf Unentschieden gegen Fabiano Caruana beim WM-Kampf in London 2018 und nun vier weitere Remis in Wijk aan Zee.

Magnus Carlsen - wieder ein langer Kampf, wieder ein Remis | Foto: Alina l'Ami

Vladimir Kramnik | Foto: Alina l'Ami

S. Vidit 1-0 J. Van Foreest

In Runde 3 hielt Vidit ein Turmendspiel mit Minusbauern gegen Magnus Carlsen Remis und auch in Runde 4 bewies der indische Großmeister gute Endspielkenntnisse. Er forciete in besserer Stellung ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, in dem Weiß einen Mehrbauern hatte. In Endspielen mit ungleichfarbigen Läufern reicht ein Bauer mehr allerdings oft nicht zum Gewinn, aber Vidit führte dieses Endspiel überzeugend zum Gewinn.

 

R. Rapport 0-1 A. Giri

Ein überzeugender Sieg mit Schwarz gelang Anish Giri. Rapport erlaubte sich mit Weiß ein Eröffnungsexperiment, aber landete in einer Stellung, die ihm wenig Möglichkeiten bot. Im Mittelspiel wurde er allmählich überspielt und seine Versuche, Gegenspiel zu bekommen, beschleunigten die Niederlage nur.

 

Anish Giri | Foto: Alina l'Ami

S. Mamedyarov ½-½ I. Nepomniachtchi

Mamedyarov und Nepomniachtchi spielten ein unspektakuläres Remis. Tabellenführer Nepomniachtchi schien mit Schwarz mit Remis zufrieden zu sein, Mamedyarov fand mit Weiß keine Möglichkeit, Druck zu entfalten. Nach 32 Zügen war die Partie vorbei.

 

V. Anand ½-½ T. Radjabov

Wenig Aufregung brachte die Partie zwischen Vishy Anand und Teimour Radjabov. In der Berliner Verteidigung hatten beide Seiten nichts gegen raschen Abtausch einiger Figuren und nach 30 Zügen schloss man in einem wirklich ausgeglichenen Endspiel Frieden.

 

J. Duda ½-½ S. Shankland

Ein schnelles Remis gab es auch zwischen Duda und Shankland. Aber vermutlich hatten beide diese Partie bereits in der Vorbereitung auf dem Brett. Im 20. Zug brachte Weiß im Sizilianer eine Neuerung, einen Zug später opferte er eine Figur, kurz darauf endete die Partie mit Dauerschach.

 

Auf dem Weg zum Dauerschach - die zuschauende Weltelite wirkt jedoch noch skeptisch. | Foto: Alina l'Ami

Ding Liren ½-½ V. Fedoseev

Fedoseev vermied nach seiner gestrigen Niederlage gegen Duda allzu große Risiken. Und in einer Abtauschvariante des Damengambits musste Fedoseev mit Schwarz zwar fast die ganze Partie über eine etwas schlechtere Stellung verwalten, aber ernsthafte Drohungen konnte Ding Liren nie aufstellen. Und so endete auch diese Partie mit Remis.

 

Ergebnisse

Carlsen, Magnus - Kramnik, Vladimir  ½-½
Mamedyarov, Shakhriyar - Nepomniachtchi, Ian  ½-½
Rapport, Richard - Giri, Anish  0-1
Anand, Viswanathan - Radjabov, Teimour  ½-½
Duda, Jan-Krzysztof - Shankland, Samuel  ½-½
Ding, Liren - Fedoseev, Vladimir  ½-½
Vidit, Santosh Gujrathi - Van Foreest, Jorden  1-0

Tabelle

 

Partien

 

Challengers

Im Challengers gab es einen Sieg. Vladislav Kovalev besiegte Lucas Van Foreest in einem Turmendspiel, das lange ausgeglichen war. Eine interessante Begegnung dieser Runde war das Duell der beiden jungen Talente Vincent Keymer und Praggnanandhaa. Keymer versuchte den Inder mit einem Bauernopfer früh unter Druck zu setzen, aber fand gegen die solide Verteidigung Praggnanandhaas keinen Durchbruch und schließlich endete die Partie Remis.

 

Elisabeth Pähtz spielte gegen den Holländer Stefan Kuipers, der mit drei Niederlagen ins Turnier gestartet war und froh war, diese Serie beenden zu können.

 

Ergebnisse

Korobov, Anton - Saduakassova, Dinara  ½-½
Bareev, Evgeny - Gledura, Benjamin  ½-½
Kovalev, Vladislav - Van Foreest, Lucas  1-0
L'Ami, Erwin - Chigaev, Maksim  ½-½
Keymer, Vincent - Praggnanandhaa R  ½-½
Maghsoodloo, Parham - Esipenko, Andrey  ½-½
Paehtz, Elisabeth - Kuipers, Stefan  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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