Wijk, Runde 9: Nepomniachtchi, Carlsen, Anand - ein Trio an der Spitze

von Johannes Fischer
22.01.2019 – Ian Nepomniachtchi kam in Runde 9 des Tata Steel Turniers in Wijk aan Zee zu einem wichtigen Sieg. Er gewann eine gut gespielte Partie gegen Vidit Gujrathi und liegt jetzt mit 6 aus 9 zusammen mit Magnus Carlsen und Vishy Anand wieder in Führung. Der zweite Sieg der Runde gelang Vladimir Fedoseev gegen Teimour Radjabov, die anderen fünf Partien endete alle Remis. Im Challengers verpasste Vincent Keymer einen Gewinn gegen Evgeny Bareev und Elisabeth Pähtz verlor gegen Benjamin Gledura. | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess

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Tata Steel Chess 2019 - Runde 9

Masters

I. Nepomniachtchi 1-0 S. Vidit

Ein schöner Sieg gelang Ian Nepomniachtchi. Er kam nach einer ungewöhnlichen Eröffnung zu einem damenlosen Mittelspiel, das schließlich in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern mündete, in dem beide Seiten noch Türme hatten, aber Nepomniachtchi die Initiative besaß. Vidit fand keine adäquate Verteidigung und Nepomniachtchi kam zu seinem dritten Sieg in Wijk. Damit schloss wieder zur Spitze auf und liegt nun gleichauf mit Magnus Carlsen und Vishy Anand mit 6 aus 9 auf Platz eins.

 

T. Radjabov 0-1 V. Fedoseev

Den zweiten Sieg der Runde erzielte Vladimir Fedoseev. Durch schiere Hartnäckigkeit. Er spielte mit Schwarz gegen Teimour Radjabov und sehr lange war die Partie vollkommen ausgeglichen und schien auf ein Remis hinauszulaufen. Doch bei knapper werdender Zeit verdarb Radjabov ein Turmendspiel, das er mehrfach Remis halten konnte und strich nach 84 Zügen die Segel. Eine bittere Niederlage für Radjabov.

 

S. Shankland ½-½ M. Carlsen

Vor dem Turnier in Wijk hatten Sam Shankland und Magnus Carlsen noch nie in einer Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit gegeneinander gespielt, aber sie kennen sich gut, denn sie haben zusammengearbeitet. Vielleicht hat das Carlsen dazu gebracht, möglichst schnell von der Theorie abzuweichen und nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 a6!? zu spielen. Nach 4.cxd5 cxd5 5.Sf3 trieb der Weltmeister die Provokation noch ein bisschen weiter und zog 5...h6!?. Jedes Lehrbuch für Anfänger warnt davor, die Randbauern in der Eröffnung zu ziehen, aber in der Partie konnte Shankland die provokanten Eröffnungszüge des Weltmeisters nicht bestrafen. So führte die unorthodoxe Eröffnung zu einer orthodoxen Stellung, in der Weiß ein bisschen besser stand, aber nie ernsthaften Vorteil hatte. Nach 40 Zügen endete die Partie mit Remis.

 

A. Giri ½-½ J. van Foreest

Einen munteren Schlagabtausch und ein frühes Remis gab es im holländischen Duell zwischen Anish Giri und Jorden van Foreest. Nach zurückhaltendem Auftakt forcierte van Foreest nach Abschluss der Eröffnung die Dinge, indem er einen Bauern opferte, was Giri zu einem Damenopfer provozierte. Van Foreest wollte nicht wissen, wie aktiv die weißen Figuren werden können und gab die Dame schnell zurück. So kam es zu einem Endspiel, in dem Schwarz das Läuferpaar und Weiß einen Bauern mehr hatte. Dieses Endspiel wollte Giri nicht spielen und so endete die Partie vorzeitig mit einem Remis.

 

Jorden van Foreest | Foto: Alina l'Ami

V. Kramnik ½-½ Ding Liren

Einmal mehr sorgte Kramnik für Abwechslung. Nach zurückhaltender Eröffnung brachte er eine zweischneidige Stellung aufs Brett, die ihm jedoch in Zeitnot entglitt. Doch in besserer Stellung mit Mehrbauern im Endspiel gab Ding das Kompliment zurück und übersah eine taktische Ressource, die Kramnik Ausgleich sicherte. Doch auf weitere Abenteuer hatten beide keine Lust mehr und so endete die Partie sofort mit Remis.

 

S. Mamedyarov ½-½ J. Duda

Shakhriyar Mamedyarov läuft dieses Jahr in Wijk seiner Form hinterher. In den ersten acht Runden war ihm noch kein einziger Sieg geglückt, stattdessen hatte er sechs Remis gespielt und zwei Niederlagen auf dem Konto. Mit einem Bauernopfer in der Eröffnung zeigte sich Mamedyarov in Runde 9 aggressiv gestimmt, aber nur wenig später musste er in ein vollkommen ausgeglichenes Endspiel abwickeln, das bald darauf Remis wurde.

 

Noch ohne Sieg: Shakhriyar Mamedyarov | Foto: Alina l'Ami

R. Rapport ½-½ V. Anand

Vishy Anand kam gegen einen solide spielenden Rapport keine Probleme, mit Schwarz Ausgleich zu erzielen und konnte nach der Eröffnung sogar die Initiative an sich reißen. Doch Rapport verteidigte sich umsichtig und so endete auch diese Partie mit Remis.

 

Ergebnisse

Shankland, Samuel - Carlsen, Magnus  ½-½
Radjabov, Teimour - Fedoseev, Vladimir  0-1
Giri, Anish - Van Foreest, Jorden  ½-½
Nepomniachtchi, Ian - Vidit, Santosh Gujrathi  1-0
Kramnik, Vladimir - Ding, Liren  ½-½
Mamedyarov, Shakhriyar - Duda, Jan-Krzysztof  ½-½
Rapport, Richard - Anand, Viswanathan  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Challengers

Im Challengers Turnier verteidigte Spitzenreiter Maksim Chigaev seine Tabellenführung mit einem Remis gegen Andrey Esipenko. Mit 6,5 aus 9 liegt Chigaev vier Runden vor Schluss weiter mit einem halben Punkt Vorsprung alleine in Führung. Vincent Keymer spielte mit Schwarz gegen Evgeny Bareev und kam einem Sieg nahe, aber nicht nahe genug.

 

Elisabeth Pähtz verlor mit Schwarz gegen Benjamin Gledura.

Elisabeth Pähtz | Foto: Alina l'Ami

Ergebnisse

Praggnanandhaa R - Korobov, Anton  ½-½
Chigaev, Maksim - Esipenko, Andrey  ½-½
Van Foreest, Lucas - Kuipers, Stefan  0-1
Gledura, Benjamin - Paehtz, Elisabeth  1-0
Saduakassova, Dinara - Maghsoodloo, Parham  0-1
Bareev, Evgeny - Keymer, Vincent  ½-½
Kovalev, Vladislav - L'Ami, Erwin  ½-½

Tabelle

 

Partien

 

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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Sturmaske Sturmaske 23.01.2019 06:20
Schon erstaunlich wie schwach und hilflos die E.Paehtz in einigen Partien fungiert.
Noch unbegreiflicher die schwache Leistung von V.Kramnik.
Früher waren die Partien einfach interessanter. Liegt wohl auch an der Entwicklung der Computer.
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