Wie Origo, eines der größten und regierungsnahen Online-Portale in Ungarn, berichtete, haben namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Sport einen Brief an Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer gerichtet, in dem sie die Nominierung von Judit Polgár zur nächsten Präsidentin der Republik Ungarn fordern.
Die Unterzeichner argumentieren, Ungarn befinde sich in einer historischen Situation, in der die Wahl einer neuen Präsidentin auch einen auf breitem gesellschaftlichem und politischem Konsens beruhenden Verfassungsprozess fördern könne. Ihrer Ansicht nach würde das neue Staatsoberhaupt das Amt nur vorübergehend bekleiden, bis ein neuer Verfassungsrahmen geschaffen sei.
Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar antwortete am Sonntagabend mit einem Post auf seiner offiziellen Facebook-Seite.


Hier die Übersetzung:
Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den jeder Ungar stolz sein kann. Das Präsidentenamt ist kein Job, kein Arbeitsplatz, sondern die höchste Form des Dienens. Die Aufgabe des Präsidenten ist es, allen Ungarn zu dienen und sie zu vertreten. Allen Ungarn.
Judit Polgár, die heute von anerkannten Persönlichkeiten des ungarischen öffentlichen Lebens für das Präsidentenamt vorgeschlagen wurde , ist eine solche Person. Deshalb werde ich mich morgen mit ihr treffen und sie fragen, ob sie bereit ist, unserem Land bis zur Verabschiedung der neuen Verfassung in einer neuen Rolle zu dienen.
Seit Jahrzehnten steht der Name Judit Polgár für Talent und Beharrlichkeit. Als erfolgreichste Schachspielerin der Geschichte führte sie 26 Jahre lang ununterbrochen die Frauenweltrangliste an und gehörte zugleich zu den zehn besten Spielern der Welt.
Sie ist fünffache Olympiasiegerin, Großmeisterin und Trägerin des ungarischen Sankt-Stephans-Ordens. Ihre außergewöhnliche Lebensgeschichte wurde vor Kurzem in dem Dokumentarfilm The Queen of Chess porträtiert. Vor wenigen Wochen wurde sie zudem zum Mitglied des Christ's College der Universität Cambridge gewählt.
Judit Polgárs Laufbahn war stets von ihren Leistungen geprägt. Die Anerkennung, die sie genießt, verdankt sie weder politischen Bindungen noch persönlichen Beziehungen, sondern ihrem außergewöhnlichen Talent, ihrem Fleiß, ihrer bemerkenswerten Widerstandskraft und ihrer Integrität. Sie ist eine Ungarin, deren Erfolge in ihrer Heimat ebenso wie weltweit Respekt und Anerkennung hervorrufen.
Ich persönlich würde es als große Ehre empfinden, wenn sie die Nominierung annähme.
Die Nachricht, die zunächst wie ein Aprilscherz im Sommer klingt, wurde inzwischen auch von Reuters und anderen Nachrichtenagenturen sowie Medien bestätigt.