Südamerika war schon immer ein Kontinent, den ich besuchen wollte. Und dank des 67-Stunden Weltrekord-Schachmarathons, den WR Chess organisierte, eröffnete sich mir die Möglichkeit, dorthin zu reisen. Ich flog mit meiner besseren Hälfte Amruta und meinem Teammitglied Abhudaya nach Lima, Peru, um über eines der ungewöhnlichsten Schachevents zu berichten: Der WR Chess Marathon. Mit dieser Veranstaltung versuchte man einen Weltrekord durch 67 Stunden kontinuierlichem Schachspiel aufzustellen. Aber bevor ich erzähle, was während dieser Tage passierte, möchte ich darüber sprechen, weshalb Peru nicht einfach nur ein weiterer Punkt auf der Karte für mich ist.
Durch die Cori-Geschwister entstand meine Verbindung zu Peru. Jorge Cori kam für die Jogendweltmeisterschaften 2014 nach Indien und seit dieser Zeit funktioniert der Nachname "Cori" für mich als Fenster nach Peru als Schachnation.

Die Startrangliste der Jugend-WM 2014 in Pune – Jorge Cori hatte bereits eine 2600+ Elo
Vor zwölf Jahren: Video von Jorge Cori, der lernt, Piano zu spielen
Deysi Cori, Jorges Schwester, ist die aktuelle Nummer 1 der Frauen im Schach in Peru. Sie ist mir durch eine Begegnung in 2014 als Gegnerin am Schachbrett in Erinnerung geblieben. Nach der Partie gegen sie erreichte ich ein Live-Rating von 2400 und wurde IM. 2017 spielten wir erneut gegeneinander und sie besiegte mich bei der Begegnung in Jakarta, Indonesien.

Ich hatte Glück und wurde gegen Jorge beim WR Chess Marathon gepaart. Wir spielten eine aufregende Partie! | Foto: Amruta Mokal

Eine weitere Persönlichkeit, die Peru auf die Weltkarte brachte: Julio Granda Zúñiga |
Foto: Amruta Mokal

WIM Angela Franco ist die bessere Hälfte von Niklesh Jain (Hindi ChessBase India) und steht Amruta und mir sehr nahe | Foto: Niklesh Jain / ChessBase India
Durch Angela (die aus Kolumbien kommt) hatte ich bereits eine Verbindung zu Südamerika. Als ich in Lima landete, fühlte es sich nicht so an, als würde ich in einem fremden Land ankommen. Es fühlte sich an als würde ich Leute besuchen, die ich bereits kannte!

Das Sheraton Hotel in Lima, Peru | Foto: Abhyudaya Ram

Die Lobby des Sheraton Hotel vibrierte vor Energie | Foto: Amruta Mokal

Der Spielsaal war fast bis zum letzten Stuhl gefüllt. Wie viel Uhr war es? | Foto: Abhyudaya Ram

...4:31 Uhr morgens | Foto: Abhyudaya Ram
Vom 25. bis zu 28. Juni 2026 wurde der WR Chess Marathon im Sheraton Lima Historic Center veranstaltet. Die Veranstaltung brachte Spieler, Schiedsrichter und Veranstalter und deren Durchhaltekraft in ihre Grenzen. Es war ein großartiger Test! Das Programm wurde in zwei Hälften aufgeteilt:

Saft und Kekse für alle Spieler | Foto: Abhyudaya Ram

Es gab auch Kaffee und Tee für die Teilnehmer! | Foto: Abhyudaya Ram
Die beeindruckendste Entscheidung der Veranstalter des Turniers war folgende: Es gab keine Startgebühr. Dies half immens dabei, das Event zu bewerben und Schachspieler nicht nur aus Peru sondern auch aus ganz Südamerika anzulocken. Einen Nachteil brachte die kostenfreie Anmeldung aber: Viele Spieler hatten sich angemeldet, traten aber zu Turnierbeginn nicht an, wodurch die Schiedsrichter die Startranglisten regelmäßig überarbeiten mussten.

Die Schiedsrichter arbeiteten rund um die Uhr | Foto: Abhyudaya Ram
Die finanzielle Last des Turniers stemmte Wadim Rosenstein mit WR Chess als Sponsor. Sebastian Siebrecht übernahm die Rolle des Turnierdirektors und Martha Fierro spielte eine wichtige Rolle, alles zusammenzuhalten.

Wadim Rosenstein sponserte das Preisgeld von 100.000 US-Dollar und machte aus dem Event ein großartiges Festival für Schachspieler Perus und Südamerikas | Foto: Amruta Mokal

Wadim Rosenstein gibt Fans Autogramme in Lima | Foto: Amruta Mokal

GM Sebastian Siebrecht, Turnierdirektor, mit Faustino Oro | Foto: Amruta Mokal

IM Martha Fierro übernahm zwei Rollen: Host und Spielerin! | Foto: Amruta Mokal
Der Spieler der Stunde war Jorge Cori. Der peruanische GM gewann den Grand Prix, in dem die Einzelergebnisse zusammengezählt wurden. Für diesen ersten Platz im Grand Prix bekam er 7.000 Dollar überreicht. Insgesamt verdiente er sich bei dem Schachmarathon 16.000 Dollar, der kombinierte Betrag aus den von ihm erreichten Preisgeldern der einzelnen Turniere. Ein süßer Abschluss für den peruanischen Spieler vor peruanischem Publikum nach einem Turnier mit 67 Stunden Schach.

Wadim Rosenstein übergibt Jorge Cori den 1. Preis

Pablo Salinas Herrera tritt gegen Jorge Cori in einem der Mitternachtsblitzturniere an | Foto: Abhyudaya Ram
Jorge Cori spielt Schach nicht mehr professionell. Er leitet mittlerweile eine Online-Schachschule und lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen Katzen in Mexiko. Hier sind ein paar wundervolle Fotos, die Jorge mit uns teilte.

Eine glückliche Familie! | Foto: Familie Cori

Mit einigen Medaillen im Hintergrund und von Liebe umgeben – ist das nicht das perfekte Leben? | Foto: Familie Cori

Jorges bessere Hälfte ist Ivette García Morales. Sie ist die Direktorin von ChessKid auf Spanisch | Foto: Familie Cori
Ein Interview mit Perus Pragg und Vaishali – die Geschwister Jorge und Deysi Cori
Nach Cori folgten Daniel Yeager (USA) und Eilia Zomorrodian (Kanada) im Grand Prix. Sie teilten sich die beiden nächsten Plätze und bekamen so 4.000 Dollar überreicht. Sie erreichten ihre Punkte durch zwei Turniersiege beim Tandemschach.

Der Präsident des Peruanischen Schachverbands, Víctor Pimentel, überreicht Daniel Yeager seinen Preis
Interview mit Daniel Yeager am Ende des Events

Wadim Rosenstein trat gegen GM Leinier Dominguez in Tandemschach an

Der großartige Fausti! | Foto: Amruta Mokal
Wenn Jorge der Marathon-Champion war, denn war Faustino Oro das Marathon-Phänomen. Der 12-jährige Argentinier gewann beide Schnellschachturniere mit je 8/9. Er setzte sich gegen GM Cristóbal Henríquez Villagra aus Chile beim Tiebreak-Duell durch und ließ Großmeister und den Grand Prix-Sieger Jorge Cori (8. Platz) hinter sich.

Die Zahl an Leuten, die Faustinos Partien verfolgte, war riesig | Foto: Amruta Mokal

Deysi Cori vs. Faustino Oro - ein unfassbar spannendes Spiel, das zugunsten des Youngsters ausging | Foto: Amruta Mokal
Zusätzlich gewann Faustino das Exhibition Match gegen GM José Eduardo Martínez Alcántara, wodurch er ein Preisgeld von 6.000 Dollar erreichte. Eines der Highlights der Reise war es, einen so jungen Schachspieler dabei zuzusehen, mit dem Druck in so vielen aufeinanderfolgenden Spielen umzugehen.

Faustino nahm auch an den Tandemschach-Events teil. Zuerst spielte er in einem Team mit Harshit, danach mit Carolina Luján | Foto: Amruta Mokal

Bei der Analyse mit Faustino Oro! | Foto: Amruta Mokal
Hier sind zwei von Faustinos besten Spielen. Die Analyse gibt es im Video unten.
Interview mit Faustino in dem er zwei seiner besten Schnellschach-Partien bespricht

Leontxo García, der Mann, der Mann, der mehr als jeder andere dazu beigetragen hat, das Schachspiel auf Spanisch populär zu machen – hier mit Faustino Oro | Foto: Amruta Mokal

Faustino schaut sich mit seinem Vater Alejandro ein Video von ChessBase India an
Dieses Video schauten sie sich an:
Ein aufregendes Match zwischen Amruta und Faustino, 3min vs. 30sek

Faustino gibt Autogramme an seine "kleinen Fans"! | Foto: Amruta Mokal
Faustino Oro ist auf dem besten Weg, einen gesamten Kontinent zu inspirieren. Mit 12 Jahren spielt der Argentinier schon jetzt auf der Weltbühne mit.

José Martínez, der Star des Events!
Der Großmeister-Star des Events war José Martínez. Er wuchs in Peru auf und lebte für einige Jahre in Lima. Mittlerweile lebt er in Mexiko und spielt unter mexikanischer Flagge.
José Martínez spricht über seine Teilnahme beim WR Chess Marathon

Die ehemalige Weltmeisterin Antoaneta Stefanova beim Simultanschach | Foto: Amruta Mokal

Ein Simultanevent mit Super-GM Leinier Domínguez | Foto: Amruta Mokal
Tandemschach – chaotisch, großartiger Spaß – brachte zwei Geschichten, von denen ich berichten möchte, hervor. Daniel Yeager und Partner Eilia Zomorrodian waren unerreichbar in den frühen Phasen des Events. Sie gewannen Bughouse #1 und Bughouse #2. Danach übernahmen Mark Plotkin (kanadischer IM) mit Partner Tobias Rizzo. Sie gewannen das dritte Tandemturnier. Die beiden Teams zusammen kontrollierten die Tandembretter von Start bis Ende.
Ein Video für jeden, der im Tandemschach besser werden möchte
Ein Marathon wie dieser wird nicht nur daran gemessen, was an den Brettern passiert. An dieser Stelle möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Arbeit des Chefschiedsrichters Gerhard Bartagnolli richten, der alles dafür gab, den Spielplan über die drei Tage und Nächte einzuhalten. Auch das lokale Schiedsrichterteam arbeitete pausenlos, oft unter schwierigen und unverhersagbaren Umständen: 67 Stunden Schach sind anstrengend für alle, die Spieler, die Schiedsrichter, die Organisatoren. Dass das Event so problemlos ablief, ist ihnen allen geschuldet.

Großartige Leistung von den Schiedsrichtern | Foto: Amruta Mokal

Die Schiedsrichter waren zu jeder Zeit wach | Foto: Abhyudaya Ram

Gerhard mit Turnierdirektor Sebastian Siebrecht | Foto: Amruta Mokal

Faustino schaut mit Gerhard, weshalb sich Startzeiten verschoben | Foto: Amruta Mokal

Leute suchten sich Orte, um zwischen den Runden zu schlafen | Foto: Abhyudaya Ram

... manchmal auch am Brett | Foto: Abhyudaya Ram

GM Harshit Raja beim Powernap zwischen seinen Spielen
GM Harshit Raja erreichte den dritten Platz im Blitzturnier (Vlog)

Das Team von St. Kitts und Nevis | Foto: Amruta Mokal

Stolze Peruaner!

Spannende Partien! | Foto: Amruta Mokal
Auch wenn ich ordentliches Schach während der beiden Schnellschachturniere, an denen ich teilnahm, spielte, konnte ich mit meiner Nervosität nicht gut unter Zeitdruck umgehen. Meine Ergebnisse waren enttäuschend. In beiden Events verlor ich 50 Elopunkte, wodurch mein Rapid-Rating unter 2200 fällt.
Diese 18 Partien brachten mich dazu, noch ein größeres Verständnis für das Spiel bekommen zu wollen. Die Videos, die ich danach machte, und auch die Interviews, die ich führte, ich konnte die Arbeit mit dem Spiel so besser genießen. Nach meiner Meinung hilft selbst zu spielen dabei, professionell mit Schach zu arbeiten. Es schärft den Verstand, egal ob für Journalist, Trainer oder andere Personen, die in Verbindung mit Schach arbeiten.

Amruta und Faustino | Foto: Sagar Shah
Nachdem Amruta ihre Haare vor ein paar Monaten geschnitten hatte, nannten sie einige Leute im Chat "Faustino Indiens" als Spaß. Als sie die Möglichkeit bekam, stellte sie sicher, ein Foto mit Faustino Oro zu bekommen.

Harshit Raja, Sebastian Siebrecht, Fiona Antoni Steil und Sagar Shah

Teamwork in Lima! Es gibt einige fantastische Shorts von Abhudaya auf dem ChessBase India Kanal | Foto: Sagar Shah / ChessBase India
Peru hatte uns mit offenen Armen empfangen und ich verlasse das Land mit einer stärkeren Wertschätzung für eine Schachnation, die ich sonst nur durch zwei Geschwister und eine Freundin kannte. Der WR Chess Marathon stellte einen Rekord basierend auf Stunden auf, aber für mich war es ein Rekord basierend auf den Menschen, die diese Stunden füllten.

Die Leute, die hart dafür arbeiteten, dass das Event stattfinden konnte | Foto: Amruta Mokal
Die Abschlusszeremonie des WR Chess Weltrekord-Marathons
Faustino Oro blitzt besser als Blitzspezialist José Martínez