Zum 200. Geburtstag von Tassilo von Heydebrand und der Lasa

von André Schulz
17.10.2018 – Tassilo von Heydebrand und der Lasa veröffentlichte 1843 das "Handbuch des Schachspiels" unter dem Namen seines verstorbenen Freundes Rudolph Bilguer. Beide gehörten zu den Berliner "Plejaden". Als preußischer Diplomat hatte Tassilo v.H.u.d.L keine Zeit für Schachturniere, doch er blieb dem Schach als Autor und Sammler bis zum Tod treu. Heute jährt sich sein Geburtstag zum 200sten Mal. | Bilder: Archiv der von der Lasa-Sammlung, Schloß Kornik

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Tassilo von Heydebrand und der Lasa, geboren am 17. Oktober 1818 in Berlin, heute vor 200 Jahren, gestorben am 27. Juli 1899 in Storchnest (Osieczna) bei Lissa, Provinz Posen. 

Sein Vater, Generalmajor D. Heinrich Joseph Karl von Heydebrand und der Lasa (1790-1868), gehörte einem alten schlesischem Adelsgeschlecht an, schon in Urkunden aus dem 13. Jahrhundert erwähnt. Er hatte sich in den Befreiungskriegen ausgezeichnet und war dafür mit dem Eisernen Kreuz geehrt worden. Nach der Heirat mit Emilie Thomann, verwitwete Frau von Kleist (1785-1875), zog das Paar von Breslau nach Berlin. Tassilo von Heydebrand und der Lasa kam am 17. Oktober 1818 in Berlin zur Welt. Er hatte eine jüngere Schwester, Marie, und einen jüngeren Bruder, Adam Sigismund Leopold, der sich später als Pferdekundler einen Namen machte.

Seine Jugend verbrachte Tassilo von Heydebrand und der Lasa in Potsdam. Er besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin und war dort schon zu Schulzeiten als guter Schachspieler bekannt. 1836 hatte er die ersten Kontakte zu anderen Berliner Schachspielern. 1937 trat von Heydebrand und der Lasa dann der Berliner Schachgesellschaft bei. Im folgenden Jahr schloss er die Schule mit dem Abitur ab. Danach studierte von Heydebrand und der Lasa in Bonn und Berlin Jura und Verwaltungswissenschaft (Cameralia).

Von Heydebrand und der Lasa als junger Mann

Aus der Berliner Schachgesellschaft stachen sieben Schachfreunde wegen ihrer Spielstärke und ihre Leistungen auf eröffnungstheoretischem Gebiet besonders hervor. Von den Zeitgenossen wurden sie als Berliner "Plejaden" (Siebengestirn) bezeichnet. Zu diesen gehörte neben Tassilo von Heydebrand und der Lasa auch der früh an Tuberkulose verstorbene Paul Rudolph von Bilguer (1815-1840), mit dem von Heydebrand eng befreundet war. Bilguer hatte ein "Handbuch des Schachspiels" geplant und mit handschriftlichen Aufzeichnungen begonnen, konnte es es aber nicht mehr selber veröffentlichen. Tassilo von Heydebrand und der Lasa brachte das Werk zu Ende und veröffentlichte es 1843 unter dem Namen seines Freundes.

Handbuch des Schachspiels

Der Kreis der "Plejaden" beschäftigte sich intensiv mit der Erforschung des Zweispringespiels im Nachzug als Alternative zur Italienischen Partie und legte mit Partien und Analysen die theoretischen Grundlagen dieser Eröffnung.

Aus dem Jahr 1839

 

Aus dem Jahr 1846

 

Nach dem Militärdienst bei den Garde-Landwehr-Ulanen in Potsdam legte von Heydebrand und der Lasa 1843 sein Examen als Regierungs-Referendar ab und wurde preußischer Diplomat, zunächst als Attaché in Wien. Weitere Stationen waren Stockholm, Frankfurt/ Main, Brüssel, Den Haag und Rio den Janeiro. Von Heydebrand und der Lasa besaß ausgezeichnete Sprachkenntnisse, besonders der romanischen Sprachen, was ihm auch beim Studium alter Schachliteratur von Nutzen war. Seine Auslandsaufenthalte nutzte er auch dazu, sich dort internationale Schachliteratur und alte Handschriften zu beschaffen. Im Laufe der Jahre legte sich von Heydebrand eine beeindruckende Schachbibliothek an mit etwa 2300 Bänden.

Als Buchautor war er selber 1857 noch in Erscheinung getreten, als er zusammen mit Robert Franz das Buch "Die Schachpartieen (sic) und Endspiele des Portugiesen Damiano, nebst der Kunst, aus dem Gedächtnisse zu spielen" veröffentlichte. Darüber hinaus verfasste von Heydebrand und der Lasa zwischen 1846 und 1896 etwa 75 Essays, Nachrufe und Rezensionen. 

1860 heiratete er in Baden Anna v. Helldorf (1831-1880) und hatte mit ihr einen Sohn. Nach seiner Heirat wurde er Gesandter in Weimar, dann nach dem preußisch-dänischen Krieg in Kopenhagen. 1880, nach dem Tod seiner Frau, nahm er seinen Abschied und lebte nun in Wiesbaden.

Tassilo von Heydebrand und der Lasa unternahm nun mehrere Weltreisen, die ihn unter anderem bis nach Australien führten. 

Von Heydebrand und der Lasa in späteren Jahren

Das erste Karl-Heft des Jahres 2018 hatte Adolf Anderssen und Tassilo von Heydebrand und der Lasa als Themenschwerpunkt. Beide große Persönlichkeiten der frühen deutschen Schachgeschichte wurden 1818 geboren. Michael Negele und Herbert Bastian haben Leben und Werk des preußischen Diplomaten Tassilo von Heydebrand und der Lasa in der Karl-Ausgabe 1/2018 ausführlich gewürdigt.

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Die Mega Database enthält 312 Partien von Tassilo von Heydebrand und der Lasa. Die erste stammt aus dem Jahr 1836 und wurde in seiner Schulzeit in Berlin gespielt.

 

Die letzte überlieferte Partie ist mit 1888 datiert und wurde auf einer der zahlreichen Auslandsreisen gespielt, 1888 auf Kuba.

 

Der größte Teil der überlieferten Partien wurde als freie Partien in den späten 1830er und 1840er Jahren in der Berliner Schachgesellschaft gespielt. Sie atmen den Geist der Schachromantik. 1846 besiegte von Heydebrand dabei Adolf Anderssen in einem freien Wettkampf über vier Partien mit 3:1. Während seiner Zeit in Brüssel spielte von Heydebrand und der Lasa 1853 auch einen Wettkampf gegen Howard Staunton über 13 Partien, den er mit +5 -4 =4 ebenfalls für sich entscheiden konnte.

Die Zeit der großen Schachturniere begann erst mit dem Londoner Turnier von 1851. Als preußischer Gesandter hatte Tassilo von Heydebrand und der Lasa wohl keine Zeit und keine Gelegenheit an solchen teilzunehmen. Als Autor und Sammler und auch als starker Gelegenheitsspieler blieb er dem Schach aber bis zuletzt treu. 1898 ernannte ihn der Deutsche Schachbund zu seinem ersten Ehrenmitglied. 

Die Bilder sind dem Artikel von Michael Negele beim Deutschen Schachbund von 2015 entnommen. 

Artikel von Michael Negele beim Deutschen Schachbund...

Karl-Heft 1/2018...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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