April, April!

03.04.2003 – Der Artikel vom 1.April "Schach älter als angenommen" auf dieser Seite (s.u.) enthält Unwahrheiten und war als Aprilscherz gemeint. Viele Leser haben es gleich gemerkt und uns detaillierte Auflösungen geschickt. Vielen Dank dafür. Natürlich ist die am Textende und hier rechts abgebildete Figur keine Schachfigur. Es handelt sich vielmehr um die berühmte "Venus von Willendorf", das wohl bekannteste archäologische Fundstück aus der Steinzeit. Die Figur wurde 1908 in der Wachau gefunden und irgendwann zwischen 25.000 und 30.000 v.Chr. hergestellt. Mehr...

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Sie sind stutzig geworden? Zurecht! Da gibt es tatsächlich noch eine Reihe weiterer Unwahrheiten im Text: Schach stammt nämlich doch nicht aus Ägypten.

Der Scherz wurde durch eine Meldung inspiriert, die im Juli letzten Jahres durch die Gazetten eilte. "Schach in Europa viel älter?" hieß es auch in den
ChessBase-Nachrichten. Der Historiker und Balkan-Experte Nicole Petrin hat uns bald danach darauf aufmerksam gemacht, dass es reine Spekulation sei, eine Skulptur, die in Butrint in Albanien gefunden wurde, als Schachfigur zu deuten. In Spektrum der Wissenschaft erschien im Dezember 2002 ein Hinweis von Manfred Eder vom Fördekreis Schachgeschichtsforschung, dass die Meldung zur "Dame von Butrin" von Reuters schon veröffentlicht wurde, bevor Dr. Irving L. Finkel, Keeper of the Department of Western Asiatic Antiques vom British Museum seine abschlägige Stellungsnahme dazu abgeben konnte. Diese "Wahrheit" erreichte die breite Öffentlichkeit allerdings nicht.

Wir bekamen damals schon von Skeptikern und Witzbolden Bilder zugeschickt, die suggerieren könnten, dass das Abgebildete sehr alt sei und etwas mit Schach zu tun haben könnte.



Auf diesem Bild sieht man einen Stein. Mehr nicht. Wenn man seiner Behauptung einen wissenschaftlichen Anstrich gibt, kann man aber alles mögliche behaupten und manche werden es glauben Und je mehr Details berichtet werden, desto besser. Also:

Archaische Schachfigur, Nil-Oberlauf 
Mittleres 2 Jt. v.Chr., Museum of early board and card games, Kairo

Ein solches Museum gibt es nicht, immerhin könnte es ein solches geben. Wer weiß: Im Altertum wurde gewürfelt, vielleicht auch Karten gespielt. Auf dem Bilde kann man übrigens nicht erkennen, wie groß der Stein ist. Vielleicht ist er zwei Meter groß? Dann wäre die Deutung einer Schachfigur recht unglaubwürdig. Bilder zeigen nicht alles und lassen sich beliebig interpretieren und auch manipulieren.

Hier sieht man das authentische Bild eines Ägypter an einem Tisch sitzen, auf dem kleine...- ja, was eigentlich? - stehen. Wen man darüber hinwegsieht, dass zu viele Türme auf dem Brett sind, könnte es tatsächlich ein Schachspiel sein. Wahrscheinlich handelt es sich aber eher um Parfümfläschchen.

 

Eine manipulierte Version des gleichen Bildes sähe übrigens so aus:



Nun steht im Hintergrund des "Schachbrettes" auch noch eine "Schachuhr". Diese Manipulation stammt von Mig Greengard. Weil hier doch etwas dick aufgetragen wurde, haben wir dieses Bild nicht verwendet.

Es ist schwer, Unwahrheiten zu erkennen, besonders auf Gebieten, auf denen man sich nicht so auskennt, wenn Tatsachen und Erfundenes mit einander vermengt wird. In unserem  (harmlosen) Aprilscherz stimmen alle Fakten zum Thema Qumran, die Bilder sind als solche authentisch. Die Behauptung, dort sei jetzt ein Text in bestimmter Form neu übersetzt worden und alle Schlüsse daraus, sind erfunden. Einen Prof. On Ekoj-dab gibt es nur, wenn man den Namen rückwärts liest (bad joke= schlechter Scherz) . Für seinen Sohn Esneson gilt das gleiche (no sense = sinnlos). Die Details zu Hebräern, Ägyptern und Hethitern und die zeitliche Einordnung stimmt, nur alle Verweise auf Schach sind erfunden. Das ägyptische Senet-Spiel gab es allerdings.



Der abgebildete ägyptische Spieltisch ist authentisch.



Das Bild oben zeigt ein unscharfe Vergrößerung eines authentischen Qumran-Fundstückes. Die Deutung eines Teils als Datum ist Unsinn. Auch konnte ein Datum 1359 B.C. in jenem Jahr nicht so notiert werden, da die damaligen Bewohner nicht wussten, dass sie 1359 Jahr Before Christ (vor Christus) leben.

Dr. Robert Hübner gab den Hinweis, dass "alles geglaubt" wird, wenn ein Computer es heraus gefunden hat. Die Idee, dass also ein Computer bei der (erfundenen) Neu-Übersetzung eines Textfragments geholfen hatte, stammt also eigentlich von ihm.

Ein Aprilscherz dient dazu, dem Autor desselben eine Freude zu machen, indem man das Behauptete glaubt. In dem Sinne danken wir allen, die uns diesen Gefallen getan haben. Aber Vorsicht! Wir alle werden ständig mit den Methoden Weglassung, Hinzudichtung und mit Teilwahrheiten manipuliert, um bestimmte Dinge zu glauben. Gerade jetzt!

 

 


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