AVRO, Runde 13: Fine gewinnt gegen Aljechin

von Johannes Fischer
15.06.2020 – Reuben Fine startete mit 5½/6 in das AVRO Turnier 1938, aber dann erlitt er einen Einbruch und holte aus den nächsten sechs Runden nur noch 1½ Punkte. Doch kurz vor Turnierende scheint Fine seine Form wiedergefunden zu haben und in Runde 13 überspielte er Alexander Aljechin mit verblüffender Leichtigkeit. Die drei anderen Partien der Runde endeten mit Remis und so liegen Fine und Keres eine Runde vor Schluss mit je 8.0/13 gemeinsam an der Spitze - und treffen in der letzten Runde aufeinander. | Foto: Aljechin und Fine bei ihrer Partie aus Runde 6

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Ein scheinbar einfacher Sieg

Wie er selbst zugibt, hat Reuben Fine viel von Aljechin gelernt. So schrieb er einmal:

"Um das Jahr 1932 herum fing ich an, Schachbücher zu studieren. ... Aljechins Bücher und seine Lebensgeschichte faszinierten mich. Ich studierte seine Partien und kannte viele von ihnen irgendwann auswendig, vielleicht besser als er selbst. Ich lernte seine Stärken und seine Schwächen kennen."

Diese Art der umfassenden Vorbereitung hat sich jetzt beim AVRO Turnier 1938 ausgezahlt, denn nachdem Fine in Runde 6 gegen Aljechin gewonnen hatte, überspielte der Amerikaner den amtierenden Weltmeister auch in Runde 13 überraschend problemlos. Nach nur 13 Zügen stand Fine in einem damenlosen Mittelspiel bereits deutlich besser und im weiteren Verlauf der Partie verwandelte er seinen Vorteil mit ruhigem und starkem Spiel souverän.

 

Die drei anderen Partien der Runde endeten alle mit Remis.

Mikhail Botvinnik kam gegen Salo Flohr mit leichtem Vorteil aus der Eröffnung heraus, aber Flohr konnte den weißen Druck neutralisieren und so verflachte die Partie bald.

 

Spannender verlief die Begegnung zwischen Samuel Reshevsky und Max Euwe. In einem Damengambit griff Reshevsky am Damenflügel an, Euwe konterte am Königsflügel. Doch nach einem kurzen taktischen Intermezzo kam es zu einem ausgeglichenen Turmendspiel und wenig später endete auch diese Partie mit Remis.

 

Die Partie zwischen José Raúl Capablanca und Paul Keres schien eine Nervensache zu sein. Capablanca spielte die Eröffnung ungewöhnlich und Keres, für den der Turniersieg zum Greifen nahe war, spielte im Endspiel nicht vorsichtig genug und geriet in Verlustgefahr. Aber einmal mehr fehlte Capablanca die Kraft, um das auszunutzen, und so konnte Keres mit etwas Glück ins Remis entwischen.

 

Damit liegen Keres und Fine vor der Schlussrunde gleichauf an der Spitze. Wie der Zufall es will, treffen die beiden in der letzten und entscheidenden Runde aufeinander und spielen im direkten Duell um den Turniersieg. Allerdings muss Fine diese Partie gewinnen, wenn er auch das Turnier gewinnen will, denn bei Punktgleichheit entscheidet die direkte Begegnung, und das ist gut für Keres, der in Runde 7 gegen Fine gewonnen hat.

Ergebnisse der 13. Runde

R. Fine 1-0 A. Aljechin
J.R. Capablanca ½-½ P. Keres
S. Reshevsky ½-½ M. Euwe
M. Botvinnik ½-½ S. Flohr

Tabelle nach der 13. Runde

 

Partien

 

Turnierseite




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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