100 Jahre Barmbeker Schachklub

von André Schulz
09.09.2026 – Der Barmbeker Schachklub von 1926 feierte am vergangenen Freitag sein Jubiläum. Als Ehrengast überreichte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher seine Glückwünsche. Matthias Deutschmann lud mit einem Vortrag zu einer Reise durch 1500 Jahre Schachgeschichte ein. | Fotos: André Schulz

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100 Jahre Barmbeker Schachklub

In diesem Jahr feiert der Barmbeker Schachklub sein 100-jähriges Bestehen. Im März 1926 beschlossen einige Schachfreunde um Albert Lampe, im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek einen weiteren Schachverein zu gründen, obwohl es im Stadtteil mit dem Barmbek-Uhlenhorster Schachclub und dem Arbeiter-Schachclub Barmbeker immerhin schon zwei Anlaufstellen für Schachfreunde gab. Das erste Spiellokal des neuen Schachklubs war das Restaurant Kindermann in der Fuhlsbütteler Straße 1. Markus Dimke hat für die Festschrift des Vereins die frühe Geschichte des Barmbeker Schachklubs erforscht.

Hier fing es an | Quelle: Festschrift

Der innere Kern der Gründungsväter waren Albert Lampe, der den Verein als erster Vorsitzender vom Gründungstag bis ins Jahr 1953 führte, der Kassenwart W. Kleesang und der Schachwart Karl Peter Held. „Barmbek 26“ schloss sich dem Niederelbischen Schachverband an und nahm an dessen Mannschaftskämpfen teil, die vor dem Krieg üblicherweise an zehn Brettern gespielt wurden. 1933 wurde der Niederelbische Schachverband aufgelöst, und bald übernahm der neue Großdeutsche Schachbund die Organisation des Schachlebens in Deutschland. Barmbek spielte mit anderen Hamburger Schachklubs im Gau Nordmark. Im Krieg wechselte der Barmbeker Schachverein sein Klublokal und zog ins Bierhaus Zanoletti am Barmbeker Markt um, bis dieses in der Operation Gomorrha zerstört wurde. Der Spielbetrieb war damit vorerst beendet.

Neuanfang und Wanderschaft

Nach dem Ende des Krieges bemühte sich Albert Lampe um eine Wiederbelebung des Schachklubs, erhielt 1947 Spielmaterial von der Werft Blohm & Voss und fand ein neues Spiellokal im Grenzhaus Hoheluft am Lokstedter Steindamm. Später wechselte man ins Café Lindtner an der Eppendorfer Landstraße, etwas näher an Barmbek gelegen. Von dort zog der Klub in eine Baracke an der Hufnerstraße und bald danach an den Barmbeker Bahnhof, zu Kochs Mittagstisch. Rudolf Hotze wurde 1953 zum neuen Vorsitzenden gewählt und blieb es bis 1968.

Anfang der 1960er Jahre wurde das Café König gegenüber zum neuen Spiellokal. Die Schachfreunde des Barmbeker Schachklubs brachten jetzt sogar eine Klubzeitung heraus und spielten mit ihrer Mannschaft in der Oberliga.

In den 1960er Jahren kam der Barmbeker Schachklub in der Kegelhalle Rönnhaidestraße unter und residierte danach von 1975 bis 1991 in der Altentagesstätte am Habichtsplatz 17. Die Wanderschaft des Barmbeker Schachklubs hatte damit aber noch lange kein Ende. Es folgten Spiellokale in der Bugenhagenkirche (1992–1995), in der Kindertagesstätte der Kirchengemeinde Alt-Barmbek (1995), im Vereins- und Kulturhaus Dehnhaide (1995–2009) und im Barmbeker Basch (2009–2026). In diesem Jahr musste der Klub erneut umziehen.

Alle Stationen | Quelle: Festschrift

Prominente Mitglieder

Zu den bekanntesten Mitgliedern des Barmbeker Schachklubs gehören Emil Dähne und Martin Beheim-Schwarzbach. Emil Dähne spielte in den 1930er Jahren in Barmbek. Dann wechselte er zum Hamburger Schachklub, dessen Vorsitzender er 1948 wurde. 1951 wurde Dähne auch Präsident des Deutschen Schachbundes. Von ihm stammte die Idee eines Deutschen Pokalwettbewerbs, und er stiftete den nach ihm benannten Dähne-Pokal. Dähne setzte sich sehr für die Schachjugend ein und förderte die Gründung des Hamburger Jugendschachbundes.

Der Schriftsteller Martin Beheim-Schwarzbach gehörte seit den 1960er Jahren dem Barmbeker Schachklub an. Vorher war er auch Mitglied des Hamburger Schachklubs. Beheim-Schwarzbach wurde in London geboren und kehrte nach der Machtergreifung der NSDAP Deutschland den Rücken. 1946 kehrte er nach Hamburg zurück. Beheim-Schwarzbach schrieb mehrere Schachbücher, von denen sein „Knaurs Schachbuch“ eines der meistverkauften Schachbücher in deutscher Sprache wurde.

Jubiläumsfeier mit prominenten Gästen

Am vergangenen Freitag feierte der Barmbeker Schachklub sein Jubiläum in den Räumen des Margarete-Rothe-Gymnasiums. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher ließ es sich nicht nehmen, als Ehrengast die Jubiläumsfeier zu eröffnen.

Da er selbst Barmbeker ist, wollte der Bürgermeister sich dies nicht nehmen lassen. In seiner Ansprache erinnerte Peter Tschentscher an die Zeit der Gründung in den 1920er Jahren und an den demokratischen Aufbruch, der auch dazu führte, dass viele Arbeiter sich nun auf Gebiete begaben, die zuvor nur höheren Kreisen vorbehalten waren.

Zu Beginn seines Besuchs hatte der Bürgermeister einen Klassenraum der Schach-AG inspiziert, in dem junge Schachfreunde eifrig Schach spielten.

Hamburgs Chef mit Fans

Angesichts des prominenten Besuchs zückten die jungen Leute dann noch eifriger ihre Handys und baten den prominenten Besucher um Selfies, für die Peter Tschentscher sich gerne zur Verfügung stellte. Auch zu einigen Schachpartien ließ er sich einladen.

Ein Geschenk hatte der Bürgermeister auch mitgebracht: eine Sportplakette, verbunden mit einem Grußwort des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. „Schach ist offiziell als Sport vom Deutschen Olympischen Sportbund und vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt“, betonte Hamburgs Bürgermeister die Rolle des Schachs als Sportdisziplin.

Peter Tschentscher im Gespräch

Als weiteren Ehrengast durften die Barmbeker Schachfreunde den Vorsitzenden des Hamburger Schachverbandes, Klaus-Jürgen Herlan, begrüßen, der ebenfalls einige Grußworte anlässlich des Jubiläums sprach und auch ein Geschenk mitgebracht hatte. Herlan überreichte Silver-Schachuhr mit, zu der die Barmbeker Schachfreunde offenbar eine besondere Beziehung haben.

Alf-Tomas Epstein und Klaus-Jürgen Herlan

Kabarettistischer Blick auf 1500 Jahre Schachgeschichte

Durch den weiteren Abend führte Alf-Tomas Epstein, der als Vorsitzender des Klubs zugleich die Moderation übernommen hatte. Anschließend begann der kulturelle Teil der Feier. Dafür hatten die Barmbeker Schachfreunde den Kabarettisten Matthias Deutschmann gewinnen können.

Deutschmann brachte zur Unterstützung prominente Schachspieler mit

Deutschmann war in seiner Jugend selbst ein großes Schachtalent und Jugendkaderspieler des Badischen Schachverbandes. Später entschied er sich für das Kabarett und begann, das politische Tagesgeschehen mit spitzer Zunge und feinem Humor zu kommentieren. Dem Schach blieb er jedoch immer verbunden. Mit seinen pointierten und häufig spöttischen Partiekommentaren im Schachprogramm Fritz wurde er einem breiten Schachpublikum bekannt und Deutschlands "Schachstimme".

Zitat von Tarrasch

Emil Diemer blieb beim Schach gesund

In seinem einstündigen Vortrag nahm Deutschmann die Zuhörer mit auf eine Reise durch 1500 Jahre Schachgeschichte. Er zeigte die vielen Facetten des Spiels und schilderte die Metamorphosen, die das Schach im Laufe seiner langen Geschichte durchlaufen hat. Anhand ausgewählter Beispiele demonstrierte er, auf welch unterschiedliche Weise man sich mit dem königlichen Spiel beschäftigen kann. Natürlich fehlten dabei auch die für Deutschmann typischen satirischen Seitenhiebe nicht.

Zum Jubiläum waren zahlreiche Hamburger Schachfreunde aus anderen Vereinen erschienen. Beim abschließenden Meet-and-Greet am Büfett bot sich reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über die jüngsten Entwicklungen in der Hamburger Schachszene auszutauschen.

Die 100-jährige Vereinsgeschichte des Barmbeker Schachklubs mit vielen verschiedenen Domizilen ist wohl nicht ganz untypisch. Mit 14 Umzügen in 100 Jahren steht der Barmbeker Schachklub aber vermutlich weit oben in der Liste der "wandernden Schachklubs". Trotz aller Widrigkeiten ließen sich die Barmbeker Schachfreunde aber ihre Freude am Schach nie nehmen. 

Webseite des Barmbeker Schachklubs...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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