Dirk Jordan machte sich vor Jahren in Dresden und auch außerhalb unter anderem einen Namen als umtriebiger Organisator von Schachturnieren. Er organisierte das Dresdner Schachfestival, viele weitere Turniere und holte auch einige hochklassige internationale Wettbewerbe nach Dresden, darunter die Frauen-Europameisterschaft 2007 und die Schacholympiade 2008.
In Kooperation mit dem Deutschen Schachbund hatte Jordan schon 2001 die Deutsche Schachamateurmeisterschaft ins Leben gerufen, eine Serie von Turnieren, die sich vor allem an Hobby- und Vereinsspieler wandte. Mit steigender Beliebtheit wurde pro Jahr jeweils eine bestimmte Anzahl von Turnieren in mehreren Leistungsgruppen und an verschieden Orten in den Hotels der Ramada-Kette (später auch H-Hotels) durchgeführt, weshalb die Serie einige Zeit auch Ramada Cup hieß.
Im Jahr 2018 fielen dem damaligen Leiter der DSB-Wirtschafts-GmbH Ossi Weiner und dem neuen Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes Marcus Fenner jedoch auf, dass die Zimmerpreise bei der großen Anzahl von Übernachtungen, für die die Turniere sorgten, recht hoch waren und vermuteten versteckte Nebenabsprachen. Nachforschungen ergaben, dass Jordan als Cheforganisator von den Hotels Provisionen für die vermittelten Übernachtungen erhalten, aber gegenüber dem Schachbund nicht angegeben hatte. Der Deutsche Schachbund verklagte Jordan.
Es stellte sich heraus, dass Jordan Provisionen erhielt, diese aber nicht direkt entgegennahm und nicht ordnungsgemäß als Einnahmen verbuchte und versteuerte. Stattdessen wurden die Provisionen als Spenden deklariert und an Vereine wie „64 Felder e.V.“ überwiesen, die Jordan gegründet hatte oder in denen er oder einer seiner Angehörigen Funktionen ausübten. Die Vereine kauften dann beispielsweise bei Jordans Schach-Firma das Schachmaterial ein und so landete das Geld auf Umwegen doch beim ihm. Von den Vereinen wurden außerdem "Aufwandsentschädigungen" an seine Frau und ihn ausgezahlt. Soweit die Vorwürfe.
2023 wurde Dirk Jordan vom Amtsgericht Dresden wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, Betrug und Untreue zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. 2025 folgte für das Ehepaar Jordan auch noch eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung mit einer Strafe von 50.000 Euro. In beiden Fällen legten Dirk und Martina Jordan Berufung ein.
Nach einer langen Verfahrensgeschichte inklusive der Berufung wurde Dirk Jordan nun am 27. April 2026 abschließend zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Die Strafe wird für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Seine mitangeklagte Frau Martina Jordan wurde zu einer Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt. Dirk Jordan trägt außerdem fünf Sechstel der Prozesskosten. Martina Jordan trägt zu zwei Dritteln die Kosten der Berufung.
Der Schachbund hatte schon zu Anfang des Verfahrens auf Schadensersatz geklagt, allerdings nicht auf die ganze entgangene Summe seit 2001, sondern nur auf den Zeitraum 2014-2018, Die Unterschlagungen aus den Jahren 2001-2013 waren bereits verjährt. Die Zivilklage ruhte allerdings, bis das Strafverfahren abgeschlossen war.
In einem außergerichtlichen Vergleich hat Jordan nun mit dem Deutschen Schachbund vereinbart, dass er insgesamt 125.000 Euro an den Verband zahlt, teils über den Verein 64 Felder e.V, teils aus Privatmittel.