Chris Ward: Dragon 3 - The Real Deal! - eine Rezension

von ChessBase
17.01.2023 – Die Drachenvariante ist eine der spannendsten Eröffnungen im Schach. In vielen Varianten gehen beide Seiten geradewegs auf den gegnerischen König los und wollen mattsetzten. Im dritten Band geht es nun um die ultrascharfen Varianten nach 9.Lc4. Philipp Hillebrand hat sich den Fritztrainer angesehen.

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Von Philipp Hillebrand

Rezension: Sicilian Dragon, Teil 1...

Rezension: Sicilian Dragon, Teil 2...

Sicilian Dragon: The Real Deal! Teil 3 von GM Chris Ward - eine Rezension

In diesem dritten und letzten Teil der Serie von Fritztrainern aus der Feder von Chris Ward geht es verstärkt um scharfe und konkrete Abspiele in der sogenannten Jugoslawischen Variante um 9.Lc4. Diesmal scheut sich auch der Anziehende nicht auf ein langes Theoriegefecht einzulassen und es werden auch viele Zugreihenfolgen und Zugumstellungsfeinheiten in den Fokus genommen. Indem es sich um keine ausschließliche Repertoireempfehlung handelt, bespricht die englische Koryphäe des Drachens auch alternative Abspiele. Dies hat zum einen die Idee ein Verständnis für einen aktuellen Trend nachvollziehen zu können und zum anderen auch mögliche Entwicklungen um kritische Abspiele vorausschauen zu können. Diese beiden Aspekte verzahnen sich durch das Kennen der „alten“ Hauptvarianten, denn durch die Tatsache, dass ein bestimmtes Abspiel eben nicht mehr so populär ist, kann man erkennen, worauf es ankommt in bestimmten Stellungen.

Sicilian Dragon: The Real Deal! Part 1: Understanding The Dragon

In this first part, the emphasis is on themes and ideas as the viewer is armed with tactical and positional motifs and concepts after 1 e4 c5 2 Nf3 d6 3 d4 cxd4 4 Nxd4 Nf6 5 Nc3 g6.

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Sicilian Dragon: The Real Deal! Part 2

Es ist an der Zeit, sich mit der Theorie zu befassen, die diese spannende Eröffnung im Laufe der Jahre geprägt hat. Von einst beliebte Varianten, die nicht mehr existieren bis hin zu den moderneren Systemen, die derzeit von der Weltelite eingesetzt werden

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Sicilian Dragon: The Real Deal! Part 3

Es ist an der Zeit, sich mit der Theorie zu befassen, die diese spannende Eröffnung im Laufe der Jahre geprägt hat. Von einst beliebte Varianten, die nicht mehr existieren bis hin zu den moderneren Systemen, die derzeit von der Weltelite eingesetzt werden

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Folglich behandelt dieser erste Teil des Fritztrainers sowohl

1) die etablierte „Soltis – Variante“, welche u.a. nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Ld7 10.h4 h5 11.0-0-0 Tc8 12. Lb3 Se5 13.Lg5 Tc5 etc. entsteht. Kennzeichnend sind hier die beiden gespielten h-Bauern und das Zugpaar um Lg5 und Tc5.

2) den zuletzt immer populärer werdenden „Chinesischen Drachen“, welcher meist nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Ld7 10.0-0-0 Tb8 auf dem Brett entsteht und

3) der ebenfalls bewährten „Topalov – Variante“, welche durch die Züge 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Ld7 10.0-0-0 Tc8 11.Lb3 Sxd4 gekennzeichnet ist.

Diese drei großen Abschnitte werden anhand von 20 Musterpartien besprochen, welche insgesamt auf 5 Clips á ca. 25 Minuten verteilt sind. Hier wird eine zwar sehr breite Theoriedichte abgebildet, aber wie der Autor einräumt eben auch nicht alle Aspekte bzw. Details können an der Stelle besprochen werden, gemessen am vorgegebenen Rahmen. Wer als Nachziehender den Drachen spielen möchte ist natürlich am besten aufgestellt, wenn man alle drei Varianten gut beherrscht. Praktisch gut und ausreichend ist das Kennen von zwei Abspielen und auch mit einem dieser drei Abspiele kann man zurechtkommen. Allerdings ist man dann im letzten Fall für eine konkrete Vorbereitung etwas anfälliger und andererseits kann der Anziehende auch durch geschickte Zugreihenfolgen den Chinesischen Drachen umgehen, beispielsweise durch Lb3 vor der langen weißen Rochade, und er kann auch dem Grunde nach die Topalov- Variante ausschließen, indem er früh h2-h4 spielt, denn hier ist der Nachziehende gut beraten auf die bewährte Reaktion …h5 zurückzugreifen. Wer es als Anziehender also „kompakt“ haben möchte hinsichtlich seines Repertoires, der sollte sich mit der „Soltis Variante“ vertraut machen! Wenn alles bis hier zu abstrakt klingt, der sei beruhigt, der Autor präsentiert diese Feinheiten in ausgezeichneter Weise und man merkt ihm an, dass er den Drachen liebt und mit Hingabe verteidigt. In diesem Teil des Fritztrainers gibt es sogar einen Clip, der anhand von sechs Musterpartien diese ganzen Zugreihenfolgen und Feinheiten behandelt. Oft nutzt der Autor dafür Partien bzw. präsentiert die Analysen ausgewiesener Drachenexperten wie Hikaru Nakamura (Partien) oder Gawain Jones (Analysen). Aber auch Computerpartien kommen zum Einsatz, welche manchmal aber eine bestimmte Stellung vorgegeben bekommen haben, wobei manche Zugreihenfolgen nicht sinnvoll sind. Der englische Großmeister weist aber genau darauf hin, auf was es zu achten gilt!

 

Diese Tabiya ist eine aus der sog. Soltis-Variante und auch hier wird der Zuschauer nicht alleine gelassen, denn es werden die drei kritischen Abspiele um 13.Kb1, 13.Lh6 und 13.Lg5 untersucht. Im Zuge der Besprechung dieser Abspiele verweist der Autor auch gerne und zu Recht auf seine ersten beiden Werke dieser Trilogie, insbesondre den ersten Teil, wo eher nach Themen das Material gruppiert ist. Er wird nicht müde zu betonen, wie wichtig und attraktiv das Feld c4 für einen schwarzen Springer ist und dass der Anziehende gut beraten ist seinen Le3 nicht abtauschen zu lassen gegen einen schwarzen Springer. Wenn dann ein weißer Königsläufer das Brett verlassen hat, dann sind schon viele Mattideen des Anziehenden nicht mehr gegeben, denn der schwarze Bauer f7 ist nicht mehr gefesselt und der Punkt g6 dadurch weniger anfällig. Dieses Detail kann man beispielsweise sehr gut nachvollziehen, indem man die „Topalov- Variante“ mit der „Soltis- Variante“ in einem Detail miteinander vergleicht:

 

Dies ist eine Stellung, wie sie in der „Topalov- Variante“ entsteht nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Ld7 10.0-0-0 Tc8 11.Lb3 Sxd4 12.Lxd4 b5 13.e5 dxe5 14.Lxe5 und nun 14…Lc6. Dieses Endspiel ist absolut annehmbar für den Nachziehenden, siehe u.a. Yu Yangyi -  Jones, G, Gibraltar 2016.

 

Dieses Diagramm unterscheidet sich dadurch, dass das Zugpaar h2-h4 und h7-h5 eingeschoben wurde und der Nachziehende kann in diesem Falle das Abspiel um …Sxd4 nicht mehr nutzen, denn in der Diagrammstellung gewinnt 16.Dg5! die Partie.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Fesselung des Bauern f7 ausgenutzt werden kann und auf diesem Fritztrainer gibt es viele Beispiele dafüf, wo der Nachziehende Acht geben muss.

Wem diese drei großen Abspiele noch nicht reichen, um seine Spielpartner zu verwirren, dem gibt der Autor sogar noch das Abspiel 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Sxd4 10.Lxd4 Le6 an die Hand. Dabei gesteht er aber ein, dass dies eher zu remislastigen Abspielen führt. Die noch älteren Abspiele um 9…Sd7 (Idee …Sb6-c4!) und 9…Ld7 mit 10…Db8?! Oder 10…Dc7!? Werden auch kurz gestreift, aber GM Ward spricht sich eindeutig für die „Soltis- Variante“ und den „Chinesischen Drachen“ aus. Diese Abspiele sind kämpferischer als die Topalov- Variante, denn einerseits kann der Anziehende das Endspiel um 13.e5 wählen, vgl. oben oder der Nachziehende läuft recht lange einem Minusbauern hinterher. Dieses Abspiel ist zwar hinreichend gesund, aber doch eher sinnvollerweise im Fernschach einzusetzen, da die Ideen um eine positionelle Kompensation doch recht versteckt liegen in einem Großteil der Abspiele.

Nun mag sich der eine oder andere Lesen an dieser Stelle fragen, was es mit den Abspielen um …Da5 nebst …Tfc8 auf sich hat, welche Chris Ward in seinen beiden Büchern Winning with the Dragon I + II proklamiert hat. Sofern der Anziehende das typische Qualitätsopfer auf c3 gestattet, was den gefährliche Zug Sd5 aus der Stellung nimmt, und auch den weißen König schwächt, ist alles in Ordnung für den Nachziehenden:

 

Dieses Diagramm kann u.a. nach folgenden Zügen aufs Brett kommen 1. 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Ld7 10.0-0-0 Da5 (also weder der Chinesische Drache, noch die Topalov- Variante, was diesmal aber der Nachziehende in der Hand hatte zu spielen!) 11.Lb3 Tfc8 12.h4 Se5 13.h5 Sxh5 14.g4 (?!) Sf6 15.Lh6 Lxh6 16.Dxh6 Txc3!

Leider verfügt der Anziehende aber über das gemeine 14.Sd5!, was sogar den Damentausch gestattet, aber dieses Endspiel ist sehr undankbar für den Nachziehenden, und für Fernschach ist die weiße Gewinnquote als relativ hoch zu bezeichnen, was viel über die Schwierigkeiten aussagt, welche der Nachziehende zu verwalten hat. Diese letzten Beispiele dienen dazu, die Güte der „großen Drei“ zu untermauern. Ich halte dies auch für alles andere als für verschwendeten Zeit, denn anhand dieser „alten“ Partien bzw. Abspiele kann man sehr viel über Dynamik, Taktik und Kompensation für geopfertes Material lernen. An dieser Stelle schließt sich der Kreis zum ersten Teil, den GM Ward hier und da auch erwähnt und damit hervorhebt, dass es ihm darum geht das „große Ganze“ des Drachens zu verstehen. Sicher sind in den meisten Abspielen konkrete Theoriekenntnisse von Vorteil und auch überlebensnotwendig, aber dem Autor geht es darum, nicht nur isoliertes Detailwissen zu präsentieren!

Zu der Erweiterung des strategischen Arsenals gehört auf jeden Fall der sog. Chinesische Drache, denn er präsentiert Stellungsbilder, welche im Vergleich zu den anderen Abspielen zwar ebenfalls durch die heterogenen Rochaden geprägt sind (was in der Regel per se Schärfe verspricht), aber durch feine Bauernzüge seitens des Nachziehenden charakterisiert sind:

 

Diese Stellung stand zwischen Dominguez Perez, L und Carlsen, M im Jahre 2009 beim Superturnier in Linares auf dem Brett. Der schwarze e-Bauer kann hin und wieder zu einer Verpflichtung werden, wenn der Anziehende diesen Unter Druck setzen kann. Dies ist aktuell nicht gravierend, dies gilt es dennoch zu berücksichtigen. Indem der Anziehende seinen Königsturm nach e1 stellte, deutete er an, dass er diesen rückständigen Bauern belagern möchte. Auf der anderen Seite ist an einem schnellen Überfall auf den Punkt h7 auch nicht mehr zu denken. Der nun folgende Zug des damals angehenden Weltmeisters war 18…e7-e5! Dieser Zug hat viele Vorteile, denn er reduziert nicht nur den Druck gegen den Bauern selbst. Was auch ein wichtiger Aspekt ist, wenn die siebte Reihe derart geöffnet ist, wird es den schwarzen Schwerfiguren auch ermöglicht den neuralgischen Punkt h7 von der „Seite“ her decken zu können. Dieses Thema ist Chris Ward in vielen Abspielen sehr wichtig: Wie kann eine Schwerfigur des Nachziehenden den Punkt h7 stützen? Dafür liefert der sympathisch wirkende Großmeister erneut mehrere gelungene Beispiele, welche u.a. auch im ersten Teil untergebracht sind. Darüber hinaus wird auch noch einmal die Funktion eines Bauern auf e6 selbst besprochen, sprich die Überwachung des Feldes d5. Zugegeben, diese mag hier nicht mehr so wichtig sein, aber es ist nützlich daran zu denken, wenn man zu …e6 oder …e5 greift! Der schwarze Turm b6 überwacht dabei auch den schwarzen Kammerden auf d6 und manchmal schaut er sogar bis nach h6 auf die weiße Dame, was für taktische Ideen gut ist. Wenn auf d5 kein weißer Bauer mehr steht und der Nachziehende zu …e5 greift, gilt es das „Loch“ auf d5 zu bedenken. Vor allem diese Nuancen machen die schwarze Bauernstruktur doch deutlich beweglicher, als ich es früher in Erinnerung hatte, denn damals verband ich den Drachen „nur“ mit den Angriffen gegen den Komplex a2/b2/c2 samt Opfern auf diesen Feldern oder auf c3, was freilich weiterhin wichtige Themen sind, aber mir erschien die schwarze Bauernstruktur für Mittelspiele als doch relativ starr, was insbesondere der chinesische Drache „widerlegt“:

 

Diese Stellung stammt aus der Partie zwischen Borner, D – Pavlovic, M M, 0-1 (24) Winterthur 2010. Hier ist das Loch auf d5 nicht tragisch, denn der weiße Springer e2 wir von den schwarzen Bauern e5 und b4 daran gehindert Kurs auf dieses Feld zu setzen. Darüber hinaus ist die Sicherheit des weißen Königs arg gefährdet, wie ein schöner taktischer Streich des Le6 in der Folge zeigte.

Der zweite Teil dieses Fritztrainers wird mit „non- Yogoslav lines“ bezeichnet. Bei diesen Abspielen macht GM Ward keinen Hehl aus seiner Einschätzung und nennt diese Abspiele allesamt als wenig beeindruckend. Aber dieses Urteil ist sicher seiner langen Erfahrung geschuldet, denn wer nicht so viel Erfahrung mit dem Drachen hat, der kann schon mal schnell ins Stolpern kommen, da es bei diesen Abspielen andere Feinheiten zu bedenken gilt als bei heterogenen Rochaden. Die Tatsache, dass diesmal 27 Musterpartien besprochen werden, spricht dafür, dass man diese Abspiele nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, allerdings ist es für Ward dennoch eine ehrenvolle „Pflicht“ den Drachen auch gegen diese Abspiele zu perfektionieren. Dies ist natürlich etwas überspitzt dargestellt, aber es verdeutlich doch sehr gut die Haltung bzw. den gesunden Respekt, welchen der Autor gegenüber den einzelnen Abspielen besitzt. Der Fianchetto Variante um weißes g3 nebst Sde2 und Aufbauten mit Le2/Le3 oder Le2 nebst Te1 und Lf1 damit ein Lg5 und ein Sd5 Druck gegen den schwarzen Bauern e7 ausüben könnte, federt der Autor gekonnt ab. Dazu gehört u.a. ein gut getimtes …e6, damit Sd5 nicht möglich ist, oder er von dort vertrieben wird.

Verstärkt Theoretisches Gewicht misst der Autor der Variante um Le2 nebst langer weißer Rochade zu und empfiehlt es sogar einem Anziehenden, denn hier ist mehr Gift vorhanden, als es der zunächst zaghaft anmutende Zug Lf1-e2 vermuten lässt. Heterogene Rochaden versrechen wie gesagt mehr Schärfe und wenn der weiße Königsläufer ein auf c4 auftauchenden Springer schlägt, geschieht dies in zwei, anstatt in drei Zügen via f1-c4-b3xc4. Dieses eingesparte Tempo kann einen großen Unterschied machen. Ergänzend kommt hinzu, dass ein auf e2 stehender Läufer den Zug g2-g4 unterstützt:

 

Diese Stellung war zwischen Dgebuadze, A und Fedorovsky, M, 1-0 (56), Neckar Open 2008 auf dem Brett. Der letzte Zug des Anziehenden war 11.g2-g4 und er konnte in der Folge schnell Linien gegen den Schwarzen König öffnen und sich eine langanhaltende Initiative sichern. Wie sich der Nachziehende besser verteidigen konnte, demonstrierte kurze Zeit später der norwegische GM Simen Agdestein gegen Nigel Short, indem er mittels …Sg4 einen Abtausch erzwang und dank des weißfeldrigen Läufers auch viel Gegenspielpotential besitzt. Nach dem Schlagen auf g4 nebst f2-f3 kann der Nachziehende sich entscheiden, ob der angegriffene Läufer sich nach d7 oder nach e6 zurückzieht. Insgesamt bevorzugt der Autor Aufstellungen mit Le6, denn von dort wirkt der Läufer aktiver gegen die weiße Stellung und auch die vielen taktischen Motive um den Kniff e4-e5 nebst g4-g5 entfallen, wobei der Ld7 oft ein taktisches Problem darstellte.

Abgerundet wird dieser Fritztrainer durch die bewährten Trainingstools um die interaktiven Übungsaufgaben, die Verbindung zu den Apps (u.a. Drill Trainer) und 133 Musterpartien. Darüber hinaus sind diese Lektionen als Stream abrufbar und auch für Mac OS Geräte verfügbar.

Fazit

Mich hat insbesondere die Kombination aus der „Soltis –Variante“ mit dem „Chinesischen Drachen“ (die Flexibilität der schwarzen Bauernstruktur welche ich „damals“ vermisste“) überzeugt und man spürt bei jeder vorgestellten Partie, dass Chris Ward eine besondere Beziehung zum Drachen hat. Er ist dieser Eröffnung über einen langen Zeitraum treu gewesen und spielt ihn auch heute noch, obwohl es immer wieder Rufe nach einer Widerlegung gibt. Wenn allerdings der Drachen sowohl im Fernschach, als auch zwischen den stärkten Engines der Welt eingesetzt werden kann, dann kann dies nichts anderes bedeuten, als dass diese Abspiele vollkommen spielbar sind, zwar an einigen Stellen mit haarsträubenden Komplikationen, aber dennoch „sicher“ für den Anziehenden. Dazu gehören aber auch der Mut und die Bereitschaft auf seinen König schwere Angriffe zu gestatten, welche auch mal ein jähes Ende nehmen können oder eben nach einem langen Lauf ein sehr vorteilhaftes Endspiel in Aussicht stellen. Gerade dieser Nervenkitzel macht diese Eröffnung so faszinierend, ansprechend und geeignet, um als Nachziehender um den vollen Punkt kämpfen zu können.

Die Vielfalt, welche der Autor präsentiert ist groß und man kann sich dem Grunde nach aus vier absolut spielbaren Varianten die aussuchen, welche einem am ehesten zusagt am entsprechenden Wettkampftag. Ich empfehle die Partien von GM Nakamura besonders eingehend zu studieren, denn er hat gezeigt, wie vielseitig einsetzbar diese Eröffnung ist.

Chris Ward spricht relativ klar und deutlich und nicht allzu schnell, sodass es mit Standard Schulkenntnissen möglich ist, den Aufführungen zu folge.

Es ist für Einsteiger von Vorteil, sich zunächst den ersten Teil in Ruhe anzuschauen, damit man sich dann aus den Teilen 2 und 3 sein Arsenal zusammenstellt für die kommenden Wettkampfpartien. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für Spieler, welche mit den schwarzen Steinen gerne aktiv spielen möchte gegen 1.e4

 

Sicilian Dragon: The Real Deal! Part 1: Understanding The Dragon

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