Das Schach lebt im "Simpson's-in-the-Strand"

von André Schulz
29.10.2026 – Das Londoner Schachcafé "Simpson's-in-the-Strand- war einige Zeit der Treffpunkt der besten Spieler der Welt. Jetzt lebt das Haus nicht nur als Top-Restaurant, sondern dank Jeremy King und Jason Kouchak auch als Schachtreff wieder auf. | Fotos: Chiao Lee

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Das Simpson’s-in-the-Strand in London ist eines der berühmtesten Schachcafés in Europa und war zudem eine ganz exquisites Restaurant, in dem  die Londoner High Society sich regelmäßig zum Essen, für Gespräche und lange auch noch zum Schach traf. 

Das Haus war 1828 noch unter dem Namen „Grand Cigar Divan" eröffnet worden. Mitte des 19. Jahrhunderts war der das Haus für mehr als 20 Jahre der Treffpunkt der englischen Schachszene. Wer die besten Spieler der Welt, zum Beispiel Henry Bird, Willhelm Steinitz oder dessen Kontrahenten beim Anspruch der weltbeste Spieler zu sein, Johannes Hermann Zukertort, einmal aus der Nähe sehen oder vielleicht sogar gegen sie spielen wollte (gegen Geld), war hier an der richtigen Adresse. 

Hier, im Simpson's wurde am Rande des ersten großen internationalen Schachturniers von 1851, dem Anfang des modernen Turnierschachs, auch die berühmte "Unsterbliche Partie" zwischen Adolf Anderssen und Lionel Kieseritzky gespielt, als freie Partie. 

In späteren Zeiten wurden das Schach und die Schachspieler immer mehr in den Hintergrund gedrängt und die Schachspieler suchten sich andere Treffpunkte oder gründeten Schachclubs. Dennoch wurde die Schachtradition im Simpson's noch lange gepflegt.

Eine der regelmäßigen Besucher des Simson's zum Ende des 19. Jahrhunderts war Arthur Conan Doyle (1859–1930), der hier beim Speisen über seine Detektivgeschichten nachdachte. Das Restaurant wird in seinen Sherlock Holmes-Kriminalromanen gelegentlich erwähnt. 

Auch zum Schach hatte Conan Doyle eine Beziehung. Sein Zitat zur Ermittlungsmethode seines Detektivs Sherlock Holmes kann auch auf die Rechenmethode beim Schach angewendet werden. 

"Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt – so unwahrscheinlich es auch sein mag –, die Wahrheit sein."
Conan Doyle 

Anfang des 20 Jahrhunderts wurde das Simpson's umgebaut und galt zeitweise als bestes Restaurant in England. Schach wurde hier aber schon lange nicht mehr gespielt. Nach den 1980er Jahren versuchten englischen Schachfreunde, die Tradition noch einmal aufleben zu lassen und organisierten hier einige Schachturniere. Das Haus wechselte zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer und stand dann einige Zeit leer.

Schließlich wurde das Simpson’s-in-the-Strand von der Hotelkette Savoy Hotel Group gekauft und unter der Leitung des Gastronomen Jeremy King als Restaurant neu eröffnet. Doch auch die Schachtradition sollte nach der Wiedereröffnung wieder gepflegt werden.

Jeremy King macht seinen Freund, den Musiker und Komponisten, Jason Kouchak zum Impresario für Musik und Schach. 

Vergangenen März wurde im Simpson's schließlich das erste Blindschach-Simultan seit 100 Jahren veranstaltet. Das Blindspiel gehörte seit Philidor zu den besonderen Kunststücken der alten Meister, die ohne Ansehen des Bretters gegen einen oder sogar mehrere Gegner spielten und gewannen. Der englische Großmeister Luke MCShane knüpfte an die alte Blindspiel-Tradition an.

Kürzlich organisierte Jason Kouchak nun zusammen mit Luke McShane und Stuart Conquest einen weiteren Schachevent im legendären Simpson's. Am 18. Oktober spielte Luke McShane gegen drei Gegner ein Blind-Simultan. Seinen Gegenspieler waren recht starke Vereinsspieler mit Wertungszahlen zwischen 1850 und 2100. 

Luke McShane

Stuart Conquest trat zugleich sehenden Auges gegen 12 Gegner bei einem "normalen" Simultan an. 

Jason Kouchak führt die Züge von Luke McShane aus.

Stuart Conquest beginnt sein Simultanschach

Jason Kouchak moderierte als "Renaissance-Man" den Abend mit Flair und Elan und ergänzte das historische Ambiente mit einem passenden Gehrock, der an die Mode aus der Zeit von Philidor erinnerte.

Jason Kouchak: Auf der Suche nach Inspiration 

Im Anschluss an die Schachvorstellung wurde im Jazz-Teil des Abends seine Musik gespielt.

Nach 40 Minuten hatte Luke MCShane alle seine Gegner besiegt. Für seine Überlegenheit gab der Großmeister einen nachvollziehbaren Grund an: "Wenn ich blind spiele, bin ich im Vergleich zu meinen Gegnern im Vorteil. Denn ich werde nicht durch die wunderschöne Umgebung hier abgelenkt." 

Zum Abschluss: Schach und Jazz!

Einer der Simultangegner von Start Conquest war Henry McWatters, Vorsitzender des Schachkreises des Royal Automobil Clubs. Ihm gelang es mit etwas Glück, seine Partie zu gewinnen. Freundlicherweise hat er die wilde und komplizierte Partie hier zur Verfügung gestellt.

"Jeremy King ist der weiße Weißer Ritter, der das ‚Home of Chess‘ – Simpsons am Strand – gerettet und zu seinem früheren Glanz zurückgeführt hat," freute sich Jason Kouchak über den gelungenen Abend.

Der bekannte Naturfotograf Chiao Lee war gekommen, um die „wilden“ Züge auf dem Schachbrett und die "Überlebensinstinkte der Ritter im Kampf gegen die Intuition und den Scharfsinn der Großmeister" (Jason Kouchak) festzuhalten. 

Am 6. Dezember werden weitere Überraschungsgäste aus dem Großmeisterkreis dabei sein, um ein begeistertes Schachpublikum zu begeistern, anzuregen und vielleicht sogar zu überraschen.

Mit bestem Dank an Jason Kouchak für Inspiration und Informationen.

Simpson's in the Strand: The Home of Chess....


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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