Jan Henric Buettner: Der Mann hinter dem Freestyle Chess in Weissenhaus

von André Schulz
07.02.2024 – Jan Henric Büttner ist der Macher hinter dem Freestyle Chess G.O.A.T. Challenge in Weissenhaus, das am Freitag beginnt und in punkto Besetzung und Präsentation eines Schachturniers neue Maßstäbe setzt. Im Gespräch mit André Schulz stellt der erfolgreiche Unternehmer das Turnier vor: "Es wird eine Mega-Gaudi!"

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Die Geschichte der großen Schachturniere ist eng verbunden mit Schachliebhabern, die mit ihrer Tatkraft und/oder ihren finanziellen Möglichkeiten die Voraussetzungen für die großen Spieler geschaffen haben, in den Wettkämpfen und Turnieren ihre Fähigkeiten auf dem Schachbrett zu zeigen. Ohne Sponsoren und Mäzen, ohne Organisatoren und helfende Hände hätte es gar keine großen Schachturniere gegeben und würde es keine geben.

Jan Henric Büttner ist so ein schachbegeisterter Macher. Der gebürtige Hamburger hat einst in einer Grundschule in Eppendorf Schach gelernt. Dann machte er als Verlagskaufmann beim Springer Verlag und dann bei Bertelsmann Karriere, war in der Anfangszeit der digitalen Kommunikation maßgeblich am Erfolg von AOL-Europa und AOL-Deutschland beteiligt und wurde schließlich in den USA ein erfolgreicher Finanzunternehmer. Für Schach blieb da erst einmal wenig Zeit. Aber die Saat war gelegt.

Seine Erfolge als Unternehmer gaben Jan Henric Büttner die Möglichkeit, sich Träume zu verwirklichen. So entdeckte er, dass an der Ostsee ein altes Landgut mit ein paar Nebengebäuden, ein kleines Dorf eigentlich, zum Verkauf stand, dort, wo er einen Teil seiner Jugend verbracht hat. Büttner kaufte das etwas heruntergekommene Anwesen und begann, es herzurichten. Zunächst musste die ganze Infrastruktur neu geschaffen werden. Die Gebäude wurden saniert und erhielten neuen Glanz. Und es kamen neue Gebäude dazu. 

Aus dem 400 Jahre alten Anwesen wurde das "Private Nature Luxury Ressort Weissenhaus". Der Name sagt es: Wer hier seine Zeit verbringt, ist für sich und in Ruhe, mitten in der Natur - ein zwei Kilometer langer Strand gehört auch dazu -, in luxuriösem Ambiente. Wer sich ein Bild machen möchte, dem sei der Besuch der Webseite empfohlen. 

Der Aufbau dieses Anwesens wurde für Jan Henric Büttner zur Herzensangelegenheit. Man spürt seine Begeisterung für dieses Projekt in einer Vielzahl von Details, die überall in den Gebäuden und auf dem Gelände zu finden sind. Und so geht der Hamburger Unternehmer auch an sein Schachprojekt ran.

"Mit fast 60 habe ich über mich nachgedacht, darüber, was mir wichtig ist, womit ich mich gerne beschäftige. Das war Schach und Musik." 

Büttner kaufte erst einmal einen Trainingskurs bei Niclas Huschenbeths "Chessence"-Plattform. So fing es an. Er begann, über das Internet das Schachgeschen in der Welt zu verfolgen. Als Niclas Huschenbeth, inzwischen in Berlin zu Hause, seine Geburtsstadt Hamburg besuchte, schlug er ein Treffen vor. Büttner und Huschenbeth trafen sich schließlich in Weissenhaus und im Gespräch darüber, was man mit Schach machen könnte, entstand die Idee zu einem Turnier an diesem besonderen Ort.

Da Jan Henrich Büttner groß denkt, kam für ihn nur ein Weltklasseturnier in Frage, mit Magnus Carlsen als Headliner und erstem Ansprechpartner. Er traf den Weltranglistenersten beim Open in Katar und im Gespräch mit dem Ex-Weltmeister wurde ein Turnier entworfen, maßgeschneidert für den Norweger: Carlsen wollte unbedingt einmal ein Chess960-Turnier mit langer Bedenkzeit spielen. Gegen andere Topspieler der obersten Kategorie.

Und so wurde das Turnier nach seinen Wünschen designt. Für die Umsetzung hatte Niclas Huschenbeth Sebastian Siebrecht als Organisator empfohlen. Mit ihm kamen weitere internationale Topleute hinzu, für Berichte, Fotos, Livevideos und Kommentierung, etc., für alles.

Carlsen hatte die Spieler genannt, gegen die er gerne antreten würde. Und diese wurden eingeladen: Weltmeister Ding Liren, Levon Aronian und Fabiano Caruana, neben Magnus Carlsen die Routiniers. Und vier junge Wilde: Alireza Firouzja, Nodirbek Abdusattorov, Dommaraju Gukesh und Vincent Keymer. Gespielt wird zunächst ein Vorturnier jeder gegen jeden, mit Schnellschachbedenkzeit. Dann folgte ein K.o.-Turnier mit langer Bedenkzeit.

So wird also vom 9.bis 16. Februar im Weissenhaus an der Ostsee das bedeutendste und bestbesetzte Turnier in diesem Jahr auf deutschem Boden stattfinden. "Es heißt Freestyle Chess G.O.A.T Challenge. 

"Magnus Carlsen wollte auf jeden Fall Chess960 spielen. Ich wusste erst gar nicht, was das ist", erzählt Jan Henric Büttner im Interview. "Die Random-Geschichte fand ich supertoll. Der Name  war aber zu Insider-mäßig. Deswegen heißt das jetzt Freestyle. Das verstehen die Leute auch, wenn sie keine Insider sind. Und G.O.A.T Challenge, weil der "Greatest Of All Time", Magnus Carlsen herausgefordert wird."

Jan Henric Büttner erzählt im Gespräch mit André Schulz, wie das Turnier entwickelt wurde und was er für die Zukunft plant. Unter Umständen kann er sich auch eine Fortführung denken, vielleicht eine Serie. Die Spieler und die Zuschauer dürfen sich auf ein perfekt organisiertes, vor allem aber auf ein perfekt präsentiertes Turnier freuen. Mit dem Freestyle Chess Turnier in Weissensee erreicht die Präsentation von Schachturnieren eine neue Stufe. Jan Henric Büttner realisiert auch dieses Projekt mit großer Begeisterung. Die Schachfreunde dürfen sich freuen. Über das Internet können alle kostenlos zuschauen. Wer es exklusiver haben will, mietet sich im Weissenhaus ein.

Gespräch mit Jan Henric Büttner

Im Interview spricht Jan Henric Buettner auch über seine zweite Liebhaberei, die Musik. Auf dem Weissenhausgelände ist das modernste Aufnahmestudio Europas im Werden, das Big Barn Studio. Hier sind einige Impressionen:

Die Lounge

Turnierseite Freesyle-chess.com...

Webseite von Weissenhaus...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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