Ein kurzes Interview mit Rustam Kasimdzhanov

von Carlos Colodro
13.07.2020 – In einem kurzen Interview spricht Rustam Kasimdzhanov, ChessBase-Autor, Sekundant von Fabiano Caruana und einer der größten Eröffnungskenner der Welt, über die Vorzüge der Benoni-Verteidigung, seine Arbeit als Sekundant und die Vorbereitung auf Online-Turniere. | Foto: Lennart Ootes

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"Ich habe mein ganzes Leben mit Schach verbracht"

Rustam Kasimdzhanov gilt als einer der größten Eröffnungskenner und besten Sekundanten der Welt. 2008, 2010 und 2012 beriet Kasimdzhanov Vishy Anand als Sekundant bei dessen WM-Kämpfen, seit einigen Jahren unterstützt er Fabiano Caruana, der nicht zufällig als einer der am besten vorbereiteten Spieler der Welt gilt.

Kasimdzhanov wurde am 5. Dezember 1979 in Taschkent, Usbekistan, geboren, aber lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland, in der Nähe von Bonn. Er spielt für die OSG Baden Baden in der Bundesliga und ist nicht nur ein hervorragender Trainer, sondern auch ein sehr starker Spieler. Sein größter Erfolg war der Gewinn der FIDE K.o.-Weltmeisterschaft 2004 in Tripolis.

In dem folgenden kurzen Interview gibt Kasimdzhanov Antwort auf sieben Fragen – über die Benoni-Verteidigung, seine Arbeit als Sekundant und die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.

Ioan-Cristian Chirila, Rustam Kasimdzhanov, Fabiano Caruana

Ioan-Cristian Chirila, Rustam Kasimdzhanov und Fabiano Caruana | Foto: Nikolai Dunaevsky / World Chess


CC: Auf deiner DVD über die Benoni-Verteidigung verrätst du viele neue Ideen. Aber wie lange bleiben neue Ideen heute, in der Zeit intensiver Vorbereitung mit dem Computer, denn überhaupt noch ein Geheimnis? Wie lange dauert es, bis jemand anders die gleiche Idee entdeckt?

RK: Eine interessante Frage. Wahrscheinlich hängt das von dem Level ab, auf dem man spielt  — auf dem höchsten Niveau gehen die Spieler eigentlich davon aus, dass ihre Konkurrenten ähnliche Ideen entdeckt haben. Aber wir sehen auch immer wieder, wie ein gut aufgebautes und durchdachtes Repertoire viele Jahre Bestand hat. Am wichtigsten ist, wie gut man seine Varianten kennt.

Rustam KasimdzhanovDu spielst noch regelmäßig Online-Blitz und natürlich auch in der Bundesliga für die OSG. Welche Variante fürchtest du am meisten, wenn du mit Schwarz Benoni spielst? Und warum?

Ich würde sagen, in allen scharfen Varianten geht es Benoni im Moment gut. Ich würde mich vor allem den Varianten widmen, die stärker positionell orientiert sind — wie der klassischen Variante mit Sd2 oder g3. Diese Varianten sind zurückhaltender und nicht so scharf wie andere Abspiele, aber sie können ziemlich giftig sein und bieten Raum, um nach neuen Ideen zu suchen.

Ist Benoni nur eine Eröffnung für dynamische Spieler oder können auch stärker positionell ausgerichtete Spieler hier auf den Geschmack kommen?  

Ich glaube, die Eröffnung ist mittlerweile so gut erforscht, dass Spieler mit den unterschiedlichsten Stilen sie anwenden können (lächelt).

Wie hast du die Zeit der Coronakrise verbracht? 

Ganz unterschiedlich. Ich habe mir Phasen der Ruhe gegönnt, aber auch viel gearbeitet. Ich bin schon seit Monaten nicht mehr gereist, aber demnächst werde ich wieder unterwegs sein, zunächst in Deutschland.

Hilfst du Fabiano bei der Vorbereitung auf Online-Turniere? Und gibt es Unterschiede bei der Vorbereitung auf ein klassisches Turnier und bei der Vorbereitung auf Schnellturniere im Internet?

Ja, da gibt es Unterschiede — man sucht vor allem nach Ideen, von denen man glaubt, dass sie im Blitz- oder Schnellschach funktionieren könnten. Aber ehrlich gesagt ist das fast schon der ganze Unterschied (lächelt).

Im Kandidatenturnier, das nach sieben Runden unterbrochen wurde, liegt Fabiano im Moment einen ganzen Punkt hinter Ian Nepomniachtchi und Maxime Vachier-Lagrave, die gemeinsam an der Spitze liegen, zurück. Würdest du es gerne sehen, wenn das Turnier so bald wie möglich wieder aufgenommen wird? Wie viel Zeit sollte die FIDE den Spielern zur Vorbereitung geben, bevor das Kandidatenturnier wieder beginnt? 

Ich sehe hier leider keine wirklich befriedigende Lösung. Natürlich wäre es schön, wenn man einige Zeit vorher wüsste, wann das Turnier weitergeht, damit man seine Gedanken und Energie sammeln kann.

Wenn du ein klassisches Turnier (sechs Teilnehmer, doppelrundig) organisieren und sechs Spieler einladen könntest, die immer noch aktiv sind, wen würdest du dann einladen und warum?

Ich habe mein Leben lang mit Schach verbracht und habe viele Freunde in der Schachwelt. Ich kann diese Frage nur beantworten, wenn ich ein Turnier nach Schweizer System organisieren dürfte (lächelt).

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
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