Endspielrätsel Fischer vs Spassky, Partie 10: Spassky hat Remis verpasst!

von Karsten Müller
15.02.2022 – Der WM-Kampf zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky 1972 in Reykjavik hat überall in der Welt für Schlagzeilen gesorgt, und die Partien des Wettkampfs wurden immer wieder gründlich analysiert. Besonders inhaltsreich war die zehnte Partie, in der Fischer nach einem Eröffnungsduell im Spanier und kompliziertem Mittelspiel im Endspiel zu Vorteil kam und schließlich gewann. 50 Jahre nach dem Wettkampf hat Karsten Müller die ChessBase-Leser eingeladen, diesen Klassiker noch einmal zu analysieren. Hier sind seine Ergebnisse. | Foto: Skáksamband Íslands – Isländischer Schachverband

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Die Idee, sich diese berühmte Partie noch einmal anzuschauen, stammt von Alex Fishbein. Seit dem Wettkampf in Reykjavik wurde diese Partie von einer Vielzahl von Kommentatoren immer wieder ausführlich analysiert, unter anderem von Garry Kasparov in "Meine großen Vorkämpfer, Band 6: Robert James Fischer" (2004) oder von Jan Timman in "The Art of Chess Analysis" (1997). Aber Analysen mit modernen Engines werfen ein anderes Licht auf die Partie.

Eine Entdeckung war, dass Fischer kurz vor der Zeitkontrolle im 40. Zug nicht die besten Züge gefunden hat. Er hätte im 39. Zug 39.g4!+- spielen und sofort am Königsflügel vorgehen sollen. Und auch im 40. Zug hat er die Möglichkeit zu 40.g4!+- verpasst.

Wolfram Schön fasst die Ergebnisse der Analysen zusammen:

Vorherige Analysen dieser Partie sind nicht in allen Punkten korrekt. Tatsächlich hatte Spassky bis zum 38. Zug eine spielbare Stellung. Aber nach einer Serie von fünf aufeinander folgenden Ungenauigkeiten (zwei von Fischer, drei von Spassky), auf die Charles Sullivan 2018 aufmerksam gemacht hat, war die schwarze Stellung verloren.

  • 38...h5? (38...Le5 = oder 38...Ta6 =)
  • 39.Tb6? (39.g4! +-)
  • 39...Td1? (39...Kf5! =)
  • 40.Kf3? (40.g4! +-)
  • 40...Kf7? (40...Td3+! =)

Im vorherigen Verlauf der Partie sind beiden Spielern Ungenauigkeiten unterlaufen, und ein halbes Jahrhundert hat man zu Unrecht geglaubt, dass Spassky schlecht gespielt hätte.

  • 26.Lb3?! (Objektiv harmlos. 26.b6 und 26.bxa6! sind gefährlicher.)
  • 29...Te7 (Kein großer/entscheidender Fehler und mindestens genauso gut wie 29...Tad8, wenn nicht sogar ein wenig besser.)
  • 32...Lxe4 (Okay, aber nicht erzwungen und der Beginn der praktischen Probleme von Schwarz. 32...c4 hält die Stellung, aber 32...b4!, was fast ausgleicht, ist sogar noch besser.)
  • 35...Ta1+ (Okay, aber der zweite Grund für die Schwierigkeiten, denen sich Schwarz gegenüber sieht. 35...Ld6! ist der bequemere Weg, die Stellung zu halten. Der von Larsen vorgeschlagene Zug 35...b4?, der lange Zeit als Verbesserung/letzte Rettungschance gesehen wurde, scheint zu einer Verluststellung zu führen.)
 

Helmut Kahovec hat das Endspiel mit Stockfish 14 analysiert:

 

 

Endspielrätsel: Fischer gegen Spassky, Partie 10


Karsten Müller gilt als einer der größten Endspielexperten weltweit. Dazu hat sein zusammen mit Frank Lamprecht verfasstes Buch „Grundlagen der Schachendspiele“ ebenso beigetragen wie seine Kolumnen auf der Webseite ChessCafe sowie im ChessBase Magazin. M.s ChessBase-DVDs im Fritztrainer-Format über Endspiele sind Bestseller. Der promovierte Mathematiker lebt in Hamburg, wo er auch für den HSK viele Jahre in der Bundesliga auf Punktejagd ging.

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