Seit den 1970er Jahren bildeten die georgischen Frauen den Stamm der sowjetischen Frauenteams bei internationalen Frauen-Teamwettbewerben. Die Georgierinnen Nona Gaprindshvili und Maia Chiburdanidze hielten nacheinander von 1962 bis 1991 den Weltmeistertitel. Ihre Herausforderinnen Nana Ioseliani und Nana Alexandria kamen ebenfalls aus Georgien. Immer wenn das sowjetische Team antrat, gewann es mit seinen Georgierinnen bei den Schacholympiaden die Goldmedaille. Erst Ende der 1980er Jahre endete die georgische Überlegenheit, als die Polgar-Schwestern auf der internationalen Bühne auftauchten und 1986 und 1988 zweimal Gold für Ungarn holten.
Nach dem Zerfall der UdSSR gewannen die georgischen Frauen 1992, 1994 und 1996 noch dreimal Gold unter georgischer Flagge. Ein letztes Mal gelang das 2008 in Dresden. Eine neue Generation von georgischen Spielerinnen hatte zwar ihre große Überlegenheit verloren - Spielerinnen aus Russland, der Ukraine, dann China und zuletzt Indien waren eine starke Konkurrenz - aber sie gehörten und gehören weiterhin zum engeren Favoritenkreis bei allen Team-Wettbewerben und gewannen, wenn nicht Gold, dann viele andere Medaillen.
Bei der Frauenolympiade in Samarkand nimmt das georgische Frauenteam mit der Aufstellung 1. Nana Dzagnidze, 2. Nino Basiashvili, 3. Bella Kotenashvili 4. Lela Javakishvili und 5. Meri Arabidze mit dem Eloschnitt der Spielerinnen Platz zwei in der Startrangliste ein, hinter Indien und vor Kasachstan, China, den USA und der Ukraine. Georgien ist also erneut ein Topfavorit auf eine Medaille.

Das georgische Team
Auf dem Weg dahin darf man aber vor allem gegen die "Kleinen" keine Punkte liegen lassen. Aber diese "Kleinen" sind besonders gefährlich. Da gilt noch mehr beim Frauenschach als beim offenen Turnier. Begabte Spielerinnen aus den Schach-Entwicklungsländern haben bisweilen wenig Gelegenheit bei gut besetzten Turnieren mitzuspielen und sind oft viel stärker, als ihre Elozahlen es aussagen.
Nachdem das georgische Team in der ersten Runde zu einem glatten 4:0-Sieg gegen Tunesien kam, wurde es in Runde zwei gegen Montenegro gelost - kein Gegner auf Augenhöhe, aber auch keine völlige "Mäusemannschaft". In der Startliste findet man Montenegro auf Rang 48. Bei knapp 150 Teilnehmer-Verbänden ist das nicht schlecht. Die beste Spielerin Alexandra Zherebtsova trägt den FM-Titel. Drei Spielerinnen haben den Frauen-FM-Titel (WFM) erworben. Eine Spielerin ist titellos.
Der Wettkampf verlief dann für die hochfavorisierten Georgierinnen überhaupt nicht nach Plan. Während an den Brettern eins und vier Nana Dzagnidze und Meri Arabidze gegen Alexandra Zherebtsova und Mateja Popvic ihrer Favoritenrolle mit Siegen gerecht werden konnten, stießen Bella Kotenashvili und Lela Javakishvili in ihren Partien gegen Alena Skvortsova und Aleksandra Milovic auf besonders harten Widerstand.

Alena Skvortsova
Alena Skvortova führte gegen Bella Kotenashvili die weißen Steine und hatte sich mit der Caro-Kann Verteidigung auseinanderzusetzen. Nachdem Kotenashvili mit ihrem König in der Mitte geblieben war, fand Skvortsova einen entschlossenen Weg, dem gegnerischen König zuzusetzen. Die Computerananlysten sehen den Opferangriff zwar etwas kritisch, aber als Mensch ist man von dem geistreichen Versuch doch sehr beeindruckt.
Eine sehr umkämpfte Partie lieferten sich Lela Javakishvili und Alexandra Milovic an Brett drei.

Lela Javakishvili

Aleksandra Milovic
Hier führte die Georgierin die weißen Steine und erreichte in der Eröffnung im Lf4-Damengambit eigentlich nichts. Der Versuch aktiv zu werden, erwies sich als Bumerang und die Favoritin stand zeitweise wirklich schlecht. In der Zeitnotphase änderte sich das Bild dann völlig. Javakishvili erhielt eine favoritengerechte Stellung und dominierte das Geschehen. Die letzten Fehler waren aber noch nicht gemacht - eine sehr spannende Partie.
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