18.09.2026 – Alle 28 topgesetzten Spieler gewannen die zweite Runde der offenen Schacholympiade, doch einige Favoriten mussten hart kämpfen. Die USA (im Bild), Indien und die Niederlande setzten sich jeweils mit 2,5:1,5 durch, während El Salvador mit dem Sieg über Kuba die größte Überraschung im Mannschaftswettbewerb schaffte. Gukesh Dommaraju spielte gegen Satria Duta Cahaia remis und rutschte in der Live-Weltrangliste unter 2700 Elo-Punkte ab. Deutschland
gewann klar mit 3,5:0,5 gegen Usbekistan 3. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE, Steffen Rätzke von Stoyentin
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Gukesh fliegt aus dem 2700er-Club
In der zweiten Runde der Schacholympiade in Samarkand konnten alle 28 Topgesetzten Siege erringen, obwohl einige der Favoriten deutlich härter arbeiten mussten als in der ersten Runde.
Zwei Teams aus den Top 50 spielten unentschieden. Georgien (Nr. 29) und Kirgisistan (Nr. 79) trennten sich remis, während auch Finnland (Nr. 42) und Libanon (Nr. 92) die Punkte teilten. Die größte Überraschung lieferte El Salvador (Nr. 94), das Kuba (Nr. 44) besiegte.
Der 15-jährige türkische Star Yagiz Kaan Erdogmus erzielte den entscheidenden Punkt zum 2,5:1,5-Sieg seines Teams gegen Bangladesch. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE
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China besiegte Chile mit 3:1. Wei Yi und Xiangrui Kong gewannen jeweils mit den weißen Steinen an Brett zwei und vier. | Foto: Rafal Oleksiewicz / FIDE
Vincent Keymer und Frederik Svane steuert jeweils einen Punkt zum 3,5:0,5-Erfolg gegen Usbekistan 3 bei. Interessanterweise heißt der deutsche Gegner in Runde 3 nun Usbekistan 2. | Foto: Steffen Rätzke von Stoyentin
Alexander Donchenko und Rasmus Svane. | Foto: Steffen Rätzke von Stoyentin
Knappe Siege für mehrere Favoriten
Unter den zehn besten Teams gewannen drei mit dem denkbar knappsten Vorsprung. Die USA, Indien und die Niederlande setzten sich jeweils mit 2,5:1,5 gegen die Mongolei, Indonesien bzw. Nordmazedonien durch.
Die USA mussten eine Niederlage am vierten Brett wettmachen, wo Khuyagtsogt Itgelt (Mongolei, 2435) Awonder Liang (USA, 2693) besiegt hatte. Siege mit Weiß von Fabiano Caruana und Levon Aronian reichten jedoch aus, um das Match zugunsten der Amerikaner zu drehen und den unerwartet knappen Sieg zu sichern.
Indien wurde von Indonesien noch stärker gefordert. Drei Mitglieder des Titelverteidigerteams spielten remis, darunter der amtierende Weltmeister Gukesh Dommaraju (Indien, 2703), der mit Schwarz gegen Satria Duta Cahaia (Indonesien, 2412) remis spielte.
Den entscheidenden Punkt erzielte Nihal Sarin (Indien, 2718) am zweiten Brett, obwohl seine Partie gegen Arif Abdul Hafiz (Indonesien, 2428) alles andere als einfach war. Sarin stand in einer komplizierten Stellung zwischenzeitlich sehr schlecht, bevor ein Fehler des indonesischen Internationalen Meisters ihm die Oberhand verschaffte und er den Sieg errang, der Indien einen 2,5:1,5-Erfolg bescherte.
Nihal gegen Hafiz 1:0
In beiderseitiger Zeitnot hatte Hafiz (noch 22 Minuten auf der Uhr) mit Schwarz einen klaren Vorteil gegenüber Nihal (noch 9 Minuten), nachdem der indische Großmeister mit 22.Dg3?? einen Fehler gemacht hatte.
Weiß hätte 22.c3 spielen müssen, um den schwarzen Zug 22...Dxc2+ zu verhindern , wie er in der Partie gespielt wurde. Da die Bedenkzeit jedoch gefährlich knapp wurde, verlor der indonesische IM zunächst seinen Vorteil und beging dann mit 26…Kc7?? den entscheidenden Fehler.
26…Kb8 war der richtige Weg, um in dieser zweischneidigen Stellung das Gleichgewicht zu wahren. Nach dem Partiezug (der gespielt wurde, nachdem Hafiz 7 der ihm verbleibenden 9 Minuten auf der Uhr verbraucht hatte) erlangte Weiß mit 27.Tgd1 Lc6 28.Txc6! klaren Vorteil.
Nach 28…Dxc6 29.Dxe4+ Kc7 30.Dxb4 Tc8 31.Dd6+ wird Weiß den Springer erobern und eine starke Initiative gegen den verwundbaren schwarzen Monarchen erlangen.
Der weiße Springer und Läufer sind derweil perfekt aufeinander abgestimmt, um den König auf b1 zu verteidigen. Hafiz gab sechs Züge später die Partie auf.
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Gukeshs Remis hatte auch Auswirkungen auf die Weltrangliste, da er unter die 2700er-Marke rutschte. Der Inder wird im November in Genf seinen Weltmeistertitel gegen Javokhir Sindarov aus Usbekistan verteidigen.
Sindarov gab am Donnerstag sein Debüt bei dieser Olympiade und errang einen überzeugenden Sieg gegen Diego Flores aus Peru. Er belegt nun den vierten Platz in der Weltrangliste, nur einen Punkt hinter Fabiano Caruana und rund 80 Punkte vor Gukesh.
Bevor Sindarov im April das Kandidatenturnier gewann, lag er nur drei Punkte hinter Gukesh, der mit einer Elo-Zahl von 2748 (Stand: März 2026) auf Platz zehn der Weltrangliste stand. Sindarov kam im Februar 2025 in den 2700er-Club, als Gukesh kurz nach seinem Sieg im WM-Kampf 2024 gegen Ding Liren in Singapur eine Elo-Zahl von 2777 aufwies.
Flores gegen Sindarov 0:1
Der WM-Herausforderer konnte bei seinem Debüt bei der diesjährigen Olympiade eine wunderschöne Kombination spielen und damit das Spiel für sein Team gewinnen.
Sindarov ignorierte seine angegriffene Dame auf f1 völlig und spielte 29…Tf6!, womit er mit …Tf6-h6 Matt drohte. Darauf folgte 30.Kh4 Th6+ 31.Kg5, und nun wählte der usbekische Star den schönsten der vielen Gewinnzüge in dieser Stellung: 31…Kf7!
32.Dxf1 Th3 und es gibt keine Verteidigung gegen die Drohung ...h7-h6#. Verblüffend!
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Usbekistan besiegte Peru schließlich mit 3,5:0,5 doch das Endergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht wirklich wider. Steven Rojas (Peru, 2387) schien am dritten Brett zwischenzeitlich kurz davor zu stehen, Shamsiddin Vokhidov (Usbekistan, 2654) zu bezwingen, doch der Spieler mit der niedrigeren Wertungszahl konnte seinen Vorteil nicht nutzen und verlor schließlich.
Die Niederlande überstanden auch ein knappes Match gegen Nordmazedonien. Nikola Nikolovski (Nordmazedonien, 2393) besiegte Casper Schoppen (Niederlande, 2582) am vierten Brett. Schoppen hatte in der ersten Runde bereits gegen einen deutlich schwächeren Gegner nur ein Remis erzielt. Siege von Anish Giri und Jorden van Foreest an den beiden Spitzenbrettern sicherten den Niederländern dennoch den Gesamtsieg mit 2,5:1,5.
Ungarn sicherte sich ebenfalls den Sieg erst dank der einzigen entscheidenden Partie. Drei Partien endeten remis, während Benjamin Gledura (Ungarn, 2620), der in der ersten Runde eine überraschende Niederlage einstecken musste, sich mit einem Sieg über Esteban Valderrama (Kolumbien, 2390) am zweiten Brett zurückmeldete.
Anish Giri bezwang Emil Risteski durch die Verwertung eines besseren Turmendspiels mit einem Bauern mehr. | Foto: Michal Walusza / FIDE
Auch Benjamin Gledura nutzte seinen Mehrbauern in einem Turmendspiel optimal, um Esteban Valderrama zu besiegen. | Foto: Michal Walusza / FIDE
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis erzielte Estland im Wettkampf gegen die Ukraine, wo Ilja Sirosh (Estland, 2385) den erfahrenen Großmeister Vasyl Ivanchuk (Ukraine, 2630) bezwang.
Ivanchuk gegen Sirosh 0:1
In einem scharfen Kampf, der aus einem Abgelehnten Damengambit hervorging, gerieten sowohl Ivanchuk als auch Sirosh bereits im 20. Zug in Zeitnot. Doch es war das ukrainische Genie, das dem Druck nicht standhielt und mit 21.Sf5?? nachgab.
Sirosh fand die Widerlegung: 21…Sd4!, und die weiße Dame wird sowohl vom Springer als auch vom Läufer angegriffen. Die Taktik spricht für den estnischen Spieler, wie die Partie zeigt: 22.Txd4 Lxf3 23.Sxe7 Lh5 24.g4 Lxf7 25.Sf5 Tac8
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Carlos ColodroCarlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.
27.09.2026 – Die finale Runde der Schacholympiade 2026! Deutschland spielt in der offenen Sektion gegen die Niederlande und hat noch Chancen auf den ersten Platz. Frederik und Rasmus Svane, die für einige entscheidende Siege gesorgt hatten, wurden erneut wieder aufgestellt. Usbekistan 1 könnte sich aber auch aus eigener Kraft von den Verfolgern absetzen. In der Frauensektion spielen Dinara Wagner, Hanna Marie Klek, Jana Schneider und Lara Schulze gegen Montenegro. China hat die besten Chancen auf den Turniersieg. | Foto: Nils Rohde / ChessBase | Live mit Kommentar ab 8 Uhr (MESZ)
17.09.2026 – Die ersten Runden einer Schacholympiade sind meist sehr eindeutig. Die Top-Teams treffen auf schwächere Mannschaften und in der Regel gewinnen die Favoriten klar. Aber nicht immer. Der Held der Runde eins war IM Prin Laohawirapap, der im Match Indien gegen Thailand den Superstar Arjun Erigaisi beiegen konnte. | Fotos: Rafal Oleksiewicz / FIDE
Auch den großen Meistern passieren furchtbare Missgriffe. Der frühere Bundesligaspieler und Kabarettist Matthias Deutschmann präsentiert mit charmanter Ironie seine persönliche Hitliste der "schlimmsten Patzer der Schachgeschichte". Genießen Sie in 50 Videoclips ultrakurze Meisterpartien, die nach einem bitteren Patzer, einer versteckten Falle oder einem grausamen Irrtum grandios enden. Freuen Sie sich auf viele fremde Fehler! Das macht Spaß und ist das beste Praxistraining.
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Der Nimzo-Inder hat sich seit über einem Jahrhundert bewährt: Bis heute ist er eine erste Wahl der Weltelite, von Magnus Carlsen bis Praggnanandhaa, und er bleibt eine der zuverlässigsten Möglichkeiten für Schwarz, nach 1.d4 2.c4 3.Sc3 um echte Chancen zu
Italian Game Powerbase 2026 ist eine Datenbank und enthält 8571 hochklassige Partien aus der Mega 2027 bzw. der Correspondence Database 2026, davon sind 479 kommentiert.
Videos: Nico Zwirs zeigt Sizilianisch mit 2…e6 3.d4 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.De3 Sf6 6.Sc3, Mihail Marin prüft Sindarovs 6.Se5 im Damenbauernspiel. Dazu die „Wundertüte“ mit 41 Analysen von Berg, Ftacnik, Gupta u.v.a.
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