Sarah Hund lädt zum Frauenschachtreffen nach Ottenau ein
Schach gilt als königliches Spiel, doch bei der Frauenquote ist es eher ein Sorgenkind. Gerade einmal zehn Prozent der knapp 100.000 Mitglieder des Deutschen Schachbundes (DSB) sind weiblich. Sarah Hund möchte das ändern – zumindest im Kleinen. Die 28-jährige Rastatterin lädt deshalb am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr zu einem Frauenschachtreffen ins Alte Rathaus nach Gaggenau-Ottenau (Friedrichstraße 72) ein.
Ihr Anliegen im Bezirk Mittelbaden: Frauen für das Schach begeistern, Kontakte knüpfen und zeigen, dass man weder ein mathematisches Genie noch eine erfahrene Turnierspielerin sein muss, um Freude an dem Denksport zu haben.
Die Initiative ist aus einem gemeinsamen Projekt des Deutschen Schachbundes und der Deutschen Schachjugend entstanden. Der Badische Schachverband hat sich daran mit regionalen Frauenschachtreffen beteiligt. Vorbild sind die Karlsruher Schachfreunde, die bereits monatliche Zusammenkünfte anbieten. Nun soll das Angebot auch auf weitere Bezirke ausgeweitet werden.
In diesem Videokurs untersuchen Experten die Partien von Judit Polgar. Lassen Sie sich von ihnen zeigen, welche Eröffnungen Polgar wählte, wo ihre Stärken im Mittelspiel lagen oder wie sie ihre Gegner im Endspiel überspielte.
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die Zahlen: Zwar ist der Frauenanteil im Deutschen Schachbund zuletzt von etwa sechs auf zehn Prozent gestiegen, dennoch bleibt Schach eine der Sportarten mit dem geringsten Frauenanteil. Selbst beim Boxen liegt die Quote mit 17 Prozent deutlich höher. Warum sich Mädchen und Frauen so selten für das königliche Spiel begeistern, kann sich Hund nicht erklären. Sie selbst liebt vor allem das „Knobeln“. Auch die besondere Turnieratmosphäre fasziniert sie: wenn Hunderte Menschen in einem Raum sitzen und dennoch eine beinahe vollständige Stille herrscht, weil alle konzentriert nachdenken.
In Ottenau soll es bewusst ungezwungen zugehen. Wie der Abend gestaltet wird, möchte Hund von den Teilnehmerinnen abhängig machen. Denkbar sind das Erlernen der Schachregeln, gemeinsames Spielen, Analysieren von Partien oder einfach ein Austausch in lockerer Runde. Auch eine Diskussion über die geringe Frauenquote und mögliche Veränderungen kann sie sich vorstellen. Der Schachklub Ottenau hat seine Unterstützung zugesagt und stellt dafür sein Spiellokal im Alten Rathaus zur Verfügung.
Anfängerinnen sind ausdrücklich willkommen
Besonders wichtig ist Hund, dass auch Frauen ohne Schacherfahrung den Weg nach Ottenau finden. „Gerade Neueinsteigerinnen sind mir sehr willkommen“, betont sie. Niemand müsse Angst haben, sich vor vermeintlichen Profis zu blamieren. Schließlich gehe es nicht um Leistung oder Wettbewerb, sondern um die Freude an einem gemeinsamen Hobby. Sie möchte zudem erfahren, welche Rahmenbedingungen Frauen brauchen, damit sie solche Angebote gerne wieder besuchen.
Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung. Gerade in kleineren Vereinen könne leicht der Eindruck entstehen, als Frau mit der Begeisterung für Schach allein zu sein. Das Treffen soll zeigen, dass es in der Region durchaus weitere schachinteressierte Frauen gibt. „Mein Wunsch ist, dass sich Frauen hier vernetzen können und sehen, dass sie nicht die Einzige sind.“ Auch der Austausch außerhalb der gewohnten Vereinsstrukturen soll möglich werden.
Schachfamilie Hund
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Großvater Gerhard Hund war mit 92 Jahren noch geistig fit. Der Computerpionier war auch ein bundesweit anerkanntes Schach-Ass und bekannter Schach-Journalist.

Dass Sarah Hund selbst eine besondere Verbindung zum Schach hat, überrascht angesichts ihrer Familiengeschichte kaum. Sie stammt aus einer der bekanntesten Schachfamilien Deutschlands. Ihr Großvater Gerhard Hund war ein hervorragender Schachspieler, Mathematiker und Computerpionier. Zudem hat er als Journalist bis ins hohe Alter von 92 Jahren emsig für das königliche Spiel geworben. Ihre Mutter Barbara Hund (rechts) gehörte in den 1980er-Jahren als Großmeisterin zu den zehn besten Schachspielerinnen der Welt. Die Mathematikerin war so auch das Aushängeschild der deutschen Nationalmannschaft. International vertritt die heute 67-Jährige noch immer die Schweiz. Auch die Tante von Sarah Hund, Isabel Hund, spielte in der Damen-Bundesliga.
Sarah Hund hat die familiären Talente somit gewissermaßen geerbt. Sie studierte Wirtschaftsmathematik und arbeitet heute als Aktuarin bei einer Versicherung. Schach spielt sie für den SK Freiburg-Zähringen in der Frauen-Bundesliga, darüber hinaus tritt die in Rastatt lebende 28-Jährige auch in der Oberliga der Männer an. „Ich bin in vielerlei Hinsicht in die Fußstapfen meiner Vorfahren getreten“, sagt sie. Die Liebe zur Mathematik und die Freude am Schach hätten ihr ihre Verwandten mitgegeben. Ob ihre Mutter am 5. November ebenfalls nach Ottenau kommt, ist noch offen.
Ein Blick nach Georgien zeigt, dass ein hoher Frauenanteil im Schach durchaus möglich ist. Dort genießen ehemalige Weltmeisterinnen wie Nona Gaprindaschwili und Maia Tschiburdanidse den Status von Nationalheldinnen. Von einem vergleichbaren Schachboom in Deutschland möchte Hund allerdings nicht gleich träumen. Sie setzt lieber auf kleine Schritte: „Ich denke, dass es reicht, kleine Brötchen zu backen.“ Wenn ein regionales Frauentreffen dazu beitrage, das Frauenschach zu stärken, sei bereits viel gewonnen.
Im besten Fall entstehen laut der Mitteilung aus dem ersten Abend in Gaggenau-Ottenau neue Freundschaften und ein regelmäßiger Austausch. Für Sarah Hund wäre das ein voller Erfolg. Denn manchmal braucht es nur eine offene Tür, ein Schachbrett und ein wenig Neugier, um die verborgenen Schönheiten des königlichen Spiels zu entdecken.
In insgesamt 6 Kapiteln untersuchen wir folgende Aspekte: die richtige Entscheidung anhand taktischer Faktoren, Entscheidungen beim Abtausch & Schlagzügen, komplexe & psychologische Entscheidungen in längeren Partien und bei der Verteidigung.