Überhaupt hat vor Svane nur ein deutscher Spieler zweimal Gold bei einer Olympiade gewonnen: Dr. Robert Hübner. 1972 in Skopje holte er mit 15 Punkten aus 18 Partien und 83,3 Prozent Gold am ersten Brett. 18 Jahre später, 1990 in Novi Sad, gewann er erneut Gold. Hübner erzielte am ersten Brett 7 Punkte aus 10 Partien und kam damit an Brett 1 in der Brettwertung zwar "nur" auf Platz 5, erzielte aber mit einer Performance von 2734 das beste Ergebnis aller Olympiateilnehmer und gewann dafür seine zweite Goldmedaille.

Robert Hübner 1971 | Foto: Bert Verhoeff, Anefo
Tatsächlich haben sich die Regeln für die Medaillenvergabe für die besten Einzelleistungen bei Schacholympiaden im Laufe der Geschichte mehrfach geändert. Bei der ersten offiziellen Olympiade 1927 in London gab es noch keine feste Brettreihenfolge. Ausgezeichnet wurden die besten Einzelergebnisse des gesamten Turniers. 1928 wurde ähnlich verfahren, aber 1930 in Hamburg zählte die absolute Zahl der erzielten Punkte. Deshalb gewann Akiba Rubinstein, Polens Brett 1, mit 15 aus 17 Gold. Hätte man die Medaillen nach prozentualem Ergebnis vergeben, hätte Alexander Aljechin, der für Frankreich an Brett 1 spielte, mit 9 aus 9 Gold gewonnen.
Doch ab 1931 entschied das prozentuale Ergebnis, auch wenn man im Laufe der Jahrzehnte immer mal wieder Sonderregelungen einführte. Von 1984 bis einschließlich 2006 wurden allerdings nicht nur Gold, Silber und Bronze für die besten prozentualen Ergebnisse an den einzelnen Brettern vergeben, sondern auch noch drei zusätzliche Medaillen für die besten Elo-Performances des gesamten Turniers. Damit konnte ein Spieler bei einer einzigen Olympiade drei Medaillen gewinnen: eine mit der Mannschaft, eine für eines der besten drei Ergebnisse an seinem Brett und eine für seine Performance.
Das schaffte John Nunn bei der Olympiade 1984 in Thessaloniki. Mit England gewann er Silber in der Mannschaftswertung, mit 10 Punkten aus 11 Partien Gold am zweiten Brett und mit einer Performance von 2868 außerdem Gold für die beste Performance des gesamten Turniers.
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John Nunn 1982 | Foto: Rob Croes, Anefo
2008 wurde die zusätzliche Performance-Wertung jedoch wieder abgeschafft und seitdem zählt die beste Performance an den einzelnen Brettern.
Laut OlimpBase-Datenbank halten jedoch weder Frederik Svane noch Dr. Robert Hübner den deutschen Rekord für die meisten Brettpreise – hier liegt Karl May-Verleger und Schiedsrichter Lothar Schmid vorne, der viermal Silber am zweiten Brett gewann: 1950 in Dubrovnik, 1952 in Helsinki, 1968 in Lugano und 1970 in Siegen. Berücksichtigt sind bei diesem Vergleich alle Spieler, die seit der ersten offiziellen Schacholympiade 1927 für Deutschland gespielt haben, in der Weimarer Republik, in der NS-Zeit, für die Bundesrepublik und die DDR und für das wiedervereinigte Deutschland.

Lothar Schmid bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig | Foto: Turnierbuch
Aber auch Schmids Rekord könnte der erst 22-jährige Frederik Svane irgendwann brechen. Die nächste Schacholympiade findet 2028 in Abu Dhabi statt.
Am ChessBase-Olympiastand: Frederik Svane zeigt Bahne Fuhrmann seine Gewinnpartie gegen Isik Can aus Runde 7