Start der Schachbundesligasaison 2026/27

von Stefan Liebig
07.10.2026 – Die Schachbundesliga startet am kommenden Wochenende in die Saison 2026/27. Die Favoriten auf den Titel sind der Meister der letzten Saison SC Viernheim und die OSG Baden-Baden. Mit dem SV Erkenschwick 1923 ist auch ein Neuling in der Liga mit von der Partie. Die beiden anderen Aufsteiger aus der 2. Bundesliga – SF Bad Mergentheim und SC Remagen Sinzig – verfügen bereits über Schachbundesligaerfahrung. Bundesliga-Fans können sich in der kommenden Saison im Übrigen endlich auf eine umfassende Live-Kommentierung freuen ... | Fotos: Nils Rohde, Stefan Liebig, Carolin Köpp

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Am Freitag um 16 Uhr beginnt die neue Saison der Schachbundesliga. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt den Mannschaften allerdings nicht. Innerhalb von nur drei Tagen stehen drei Runden auf dem Programm – eine Konsequenz des neuen Spielplans, der die bislang sieben Bundesliga-Wochenenden auf fünf Termine mit jeweils drei Spieltagen verteilt. Die Saison beginnt am 9. Oktober und endet vom 2. bis 4. April 2027 mit der zentralen Endrunde in Neuwied.

Souveräner Meister der Saison 2026/27: SC Viernheim. | Foto: Nils Rohde

Sportlich bleibt das Bild vertraut: Der SC Viernheim geht als amtierender Meister in die Saison, die OSG Baden-Baden ist nach der Papierform erneut das stärkste Team. Mit einem laut unserer Statistik ermittelten Elo-Schnitt von 2718,5 liegt Baden-Baden vor Viernheim, das auf 2692,6 kommt. Der Abstand allein sagt allerdings wenig über den Ausgang der Saison aus. Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich, dass nicht nur die nominelle Stärke zählt, sondern vor allem, welche Spieler tatsächlich an den Brettern sitzen. Genau hier will Baden-Baden diesmal zuverlässiger auftreten.

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Endlich ausführliche Kommentierungen

Zurecht wurde in den letzten Jahren eine der „stärksten Liga der Welt“ entsprechende Live-Kommentierung angemahnt. Genau diese wird es ab der Freitag beginnenden Spielzeit geben. Zwar gab es bereits bisher regelmäßig eine Live-Kommentierung des SC Viernheim mit GM Ilja Zaragatski und Angelika Valkova, die sich allerdings überwiegend auf den eigenen Verein konzentrierte. Diese wird es auch künftig geben. Daneben boten auch andere Vereine, etwa St. Pauli oder Bayern München gelegentlich entsprechendes Begleitprogramm an. Der FC Bayern wird auch am kommenden Wochenende in Person von GM Klaus Bischoff die Spiele aus München (der MSA Zugzwang ist Ausrichter) kommentieren. 

Doch das eigentlich umfassendste und wichtigste sowie neue Angebot kommt vom Deutschen Schachbund: Schachdeutschlandtv wird künftig per Youtube und Twitch ausführlich über die gesamten Spieltage berichten. Den Start machen am Wochenende WGM Josefine Safarli und WCM Katharina Reinecke.

Mannschaften 2026/27
1. SC Viernheim
2. OSG Baden-Baden
3. SK Kirchweyhe
4. FC Bayern München
5. Hamburger SK
6. SV Werder Bremen
7. SG Solingen
8. Düsseldorfer SK
9. SC Heimbach-Weis-Neuwied
10. FC St. Pauli
11. SF Bad Mergentheim
12. SV Deggendorf
13. MSA Zugzwang
14. SF Berlin
15. SC Remagen Sinzig
16. SV Erkenschwick 1923

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Viernheim beginnt als Titelverteidiger

Der Meister bekommt es zum Auftakt mit dem Aufsteiger SV Erkenschwick 1923 zu tun, den Viernheim kürzlich im Pokalfinale bezwang. Auf dem Papier ist die Rollenverteilung klar. Viernheim verfügt über eine außergewöhnlich starke Spitzenmannschaft und hat seine Besetzung im oberen Bereich weitgehend zusammengehalten. Nodirbek Abdusattorov, Jan-Krzysztof Duda, Jorden van Foreest und Shakhriyar Mamedyarov führen eine Mannschaft an, die ihren Titel verteidigen möchte. Mit Aydin Suleymanli wurde zudem ein starker Spieler für den Kader gewonnen.

Parham Maghsoodloo (links) spielte letzte Saison durchgehend am dritten Brett und holte starke 4,5 aus 7 – hier gegen Ihor Samunenkov dessen Verein Wolfhagen sich nach dem dritten Platz in der Premierensaison zurückzog. | Foto: Stefan Liebig 

Nach dem Auftakt gegen Erkenschwick wartet am Samstag bereits die nächste Aufgabe: der SC Heimbach-Weis-Neuwied. Am Sonntag folgt das Duell mit Werder Bremen. Der erst zwölfjährige Argentinier ist der zweitjüngste Großmeister der Schachgeschichte und wird in Bremen – so er denn antritt – für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.

Baden-Baden – hoffentlich mit weniger Aufstellungssorgen

Auch Baden-Baden beginnt gegen einen Traditionsverein: Am Freitag geht es gegen die SG Solingen. Einen Tag später wartet mit dem SC Remagen Sinzig einer der Aufsteiger, ehe am Sonntag beim SV Deggendorf die dritte Partie des Wochenendes ansteht.

Als Viswanathan Anand auf der europäischen Schachbühne erschien, hatte er in Indien schon einige Erfolge erzielt, die indischen Jugendmeisterschaften und als Jugendlicher auch die Landesmeisterschaften der Erwachsenen gewonnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Anand 1984 für die Schacholympiade in die indische Nationalmannschaft berufen. 1987 wurde er Juniorenweltmeister, 1988 verlieh die die FIDE dem 19-jährigen den Titel eines Großmeisters.

Über viele Partien dieses Duos würden sich die Bundesliga-Fans freuen: Viswanathan Anand und Vincent Keymer. | Foto: Stefan Liebig

Die OSG hat ihren Kader gegenüber der vergangenen Saison gezielt verändert. Anish Giri, Alireza Firouzja und Levon Aronian gehören nicht mehr zum Aufgebot. Dafür kamen unter anderem die deutschen Spitzenspieler Matthias Blübaum und Dimitrij Kollars sowie Shamsiddin Vokhidov und Maxime Lagarde hinzu. Mit Fabiano Caruana, Javokhir Sindarov, Vincent Keymer, Viswanathan Anand und Maxime Vachier-Lagrave stehen weiterhin Weltklassespieler im Aufgebot. Entscheidend wird jedoch sein, wie regelmäßig diese Spieler tatsächlich eingesetzt werden können.

St. Pauli und Bayern im Verfolgerfeld

Besonders interessant ist der Auftakt in der Spielgruppe mit dem FC Bayern München, dem Hamburger SK, dem FC St. Pauli und MSA Zugzwang. Bayern trifft am Freitag auf den Hamburger SK, bevor am Samstag MSA Zugzwang und am Sonntag St. Pauli warten. Der Hamburger SK wiederum spielt am Samstag gegen St. Pauli und am Sonntag gegen Zugzwang.

St. Pauli geht erneut mit einem prominenten Namen in die Saison: Magnus Carlsen führt den Kader an, dahinter steht mit Richard Rapport ein weiterer Weltklassespieler. Ob Carlsen allerdings eingesetzt werden kann, bleibt wie schon in den Vorjahren offen. Der Verein hat seinen Eloschnitt dennoch deutlich verbessert und gehört nominell zur Verfolgergruppe hinter Baden-Baden und Viernheim.

Bayern hat seinen Kader ebenfalls verstärkt. Nodirbek Yakubboev kommt hinzu und soll hinter Vladimir Fedoseev am zweiten Brett spielen. Damit gehört München zu den Mannschaften, die sich im Kampf um die vorderen Plätze etablieren wollen.


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Für die Aufsteiger beginnt der Kampf sofort

Während an der Spitze bereits über Meisterschaftspunkte gesprochen wird, geht es für die Aufsteiger um eine andere Art von Standortbestimmung. Neben Erkenschwick sind Bad Mergentheim und Remagen Sinzig neu beziehungsweise zurück in der Bundesliga. Für Remagen Sinzig ist Vassyl Ivanchuk (Foto links beim Simultan in Salzgitter | Foto: Stefan Liebig) an 1 gesetzt. Die lebende und noch sehr aktive Schachlegende ist dem Verein seit vielen Jahren verbunden.

Bad Mergentheim startet gegen den Düsseldorfer SK, spielt am Samstag gegen die SF Berlin und trifft am Sonntag auf Kirchweyhe. Remagen Sinzig bekommt es zunächst mit Deggendorf zu tun, anschließend mit Baden-Baden und schließlich mit Solingen. Damit wartet auf den Aufsteiger am zweiten Spieltag bereits ein ganz schweres Brett.

Auch Erkenschwick hat nach dem Auftakt gegen Viernheim kaum Gelegenheit, Luft zu holen: Am Samstag steht das Duell mit Werder Bremen auf dem Programm, bevor am Sonntag Heimbach-Weis-Neuwied wartet.

Drei Tage, neun Mannschaftskämpfe pro Spielgruppe – und erste Hinweise

Der neue Spielplan verändert damit auch die Dramaturgie der Saison. Die ersten drei Runden bilden einen kompakten Block, in dem sich schnell erste Tabellenabstände entwickeln können. Gleichzeitig sollte man aus einer einzelnen Niederlage noch keine langfristigen Schlüsse ziehen. Die Liga ist in dieser Saison erneut von einer deutlichen Differenz zwischen den beiden Topteams, einer starken Verfolgergruppe und einem breiten Mittelfeld geprägt.

Das neue Format soll vor allem die Terminplanung erleichtern und die Verfügbarkeit der Spitzenspieler verbessern. Fünf statt sieben Wochenenden reduzieren Reise- und Organisationsaufwand und sollen Überschneidungen mit internationalen Turnieren verringern. Das Grundprinzip bleibt unverändert: 16 Mannschaften spielen an acht Brettern um Mannschaftspunkte, am Ende entscheiden die Gesamtpunktzahlen über Meisterschaft und Abstieg.

Spielplan

1. + 2. + 3. Runde
Ausrichter: MSA Zugzwang
Fr 09.10.26 16:00 FC Bayern München − Hamburger SK ISR Thomas Strobl ---
Fr 09.10.26 16:00 MSA Zugzwang − FC St. Pauli ISR Nadèjda Jussupow ---
Sa 10.10.26 14:00 FC Bayern München − MSA Zugzwang ISR Nadèjda Jussupow ---
Sa 10.10.26 14:00 Hamburger SK − FC St. Pauli ISR Thomas Strobl ---
So 11.10.26 10:00 FC St. Pauli − FC Bayern München ISR Nadèjda Jussupow ---
So 11.10.26 10:00 Hamburger SK − MSA Zugzwang ISR Thomas Strobl ---
Ausrichter: SC Remagen Sinzig
Fr 09.10.26 16:00 OSG Baden-Baden − SG Solingen ISR Jeffrey Paulus NSR Christina Marx
Fr 09.10.26 16:00 SC Remagen Sinzig − SV Deggendorf ISR Hans-Uwe Hinrichs ---
Sa 10.10.26 14:00 OSG Baden-Baden − SC Remagen Sinzig ISR Jeffrey Paulus NSR Christina Marx
Sa 10.10.26 14:00 SG Solingen − SV Deggendorf ISR Hans-Uwe Hinrichs ---
So 11.10.26 10:00 SV Deggendorf − OSG Baden-Baden ISR Jeffrey Paulus ---
So 11.10.26 10:00 SG Solingen − SC Remagen Sinzig ISR Hans-Uwe Hinrichs NSR Christina Marx
Ausrichter: SK Kirchweyhe
Fr 09.10.26 16:00 SK Kirchweyhe − SF Berlin ISR Dirk Rütemann ---
Fr 09.10.26 16:00 Düsseldorfer SK − SF Bad Mergentheim ISR Claudia Münstermann ---
Sa 10.10.26 14:00 SK Kirchweyhe − Düsseldorfer SK ISR Dirk Rütemann ---
Sa 10.10.26 14:00 SF Berlin − SF Bad Mergentheim ISR Claudia Münstermann ---
So 11.10.26 10:00 SF Bad Mergentheim − SK Kirchweyhe ISR Dirk Rütemann ---
So 11.10.26 10:00 Düsseldorfer SK − SF Berlin ISR Claudia Münstermann ---
Ausrichter: SC Heimbach-Weis-Neuwied
Fr 09.10.26 16:00 SC Viernheim − SV Erkenschwick 1923 ISR Dirk Windhaus NSRN Patrick Busley
Fr 09.10.26 16:00 SV Werder Bremen − SC Heimbach-Weis-Neuwied FSR Christian Gießelbach ---
Sa 10.10.26 14:00 SC Heimbach-Weis-Neuwied − SC Viernheim ISR Dirk Windhaus NSRN Patrick Busley
Sa 10.10.26 14:00 SV Werder Bremen − SV Erkenschwick 1923 FSR Christian Gießelbach ---
So 11.10.26 10:00 SC Viernheim − SV Werder Bremen ISR Dirk Windhaus NSRN Patrick Busley
So 11.10.26 10:00 SV Erkenschwick 1923 − SC Heimbach-Weis-Neuwied FSR Christian Gießelbach ---

Links

Schachbundesliga: Vorschau auf die Saison 2026/27 

Ergebnisdienst des Deutschen Schachbundes

Schachbundesliga


Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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