Fagernes: Dotzer fordert den Führenden Glöckler in Runde 7 heraus

von Stefan Liebig
08.10.2026 – Christian Glöckler bleibt beim Internationalen Herbstopen im norwegischen Fagernes auf Erfolgskurs. Der 14-jährige deutsche IM bestand am Mittwoch auch im Spitzenduell der sechsten Runde gegen den topgesetzten Norweger Elham Amar (Titelfoto) und führt das GM-Turnier nun mit 5 Punkten aus sechs Partien an. Damit rückt auch die zweite GM-Norm des Jahres näher – noch ist sie allerdings nicht erreicht, aber gegen drei Großmeister hat Glöckler nach sechs Runden bereits gespielt. | Fotos: Anna Ovidia Young, Anniken Vestby

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Glöckler baut Führung aus und peilt GM-Norm an

Christian Glöckler hat beim Fagernes International Autumn den nächsten großen Schritt gemacht. Nach seinem starken Doppelspieltag am Dienstag mit einem Remis gegen GM Rinat Jumabayev und einem Sieg gegen GM Frode Urkedal. Gelang es dem 14-Jährigen am Mittwoch, mit Schwarz gegen den norwegischen Topgesetzten Elham Amar, eine schwierige Stellung ins Remis abzuwickeln. Damit kommt Glöckler nach sechs von zehn Runden auf 5 Punkte und liegt weiterhin allein an der Spitze des 64 Spieler umfassenden GM-Turniers.

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Glöckler zeigte sich in der Spanischen Verteidigung wieder gut vorbereitet. Beim Übergang ins Endspiel übernahm Amar aber die Kontrolle über die Partie und stand leicht besser. Diesen Vorteil vergrößerte er um die Zeitkontrolle herum. In der Diagrammstellung begann der Norweger aber die Kontrolle abzugeben:

Amar gegen Glöckler

Der Läufertausch 47.Lxf8?! war schon nicht die beste Idee. Besser wäre es hier gewesen, nicht selbst die Läufer zu tauschen und weiter zu drücken. Nach den nächsten Zügen 47...Kxf8 48.Kc3 Kg7?! 49.Tf5?! Der Turm sollte auf der a-Linie bleiben. Ta8 50.Kb3 Ta1 landeten die beiden Spieler in der folgenden ausgeglichenen Stellung:

Nach 51.Td5 Tb1+ 52.Kc3 Tc1+ 53.Kd4 Tb1 54.Tdc5= einigten sich die Kontrahenten auf Remis:

Bereits drei Großmeister unter den Gegnern

Das Spitzenduell war eine weitere wichtige Partie für Glöcklers Normambitionen. Amar war mit einer Elo-Zahl von 2567 als Nummer eins der Setzliste in das Turnier gegangen. Glöckler, der im Sommer in Biel seine erste GM-Norm erzielte, hatte bereits am Vormittag des Doppelspieltags am Dienstag mit Rinat Jumabayev einen 2564 bewerteten Großmeister zum Gegner und am Abend Frode Urkedal mit 2554 Elo. Mit Amar folgte nun der dritte Großmeister innerhalb von drei Runden. Eine GM-Norm setzt nach den FIDE-Regularien unter anderem eine Performance von mindestens 2600 gegen Gegner mit einem durchschnittlichen Rating von mindestens 2380 voraus. Außerdem müssen mindestens drei der Gegner Großmeister sein. Die FIDE verlangt darüber hinaus, dass mindestens die Hälfte der Gegner Titelträger sind. Glöcklers aktuelle Performance liegt bei 2709, er spielte bereits gegen sechs Titelträger. Es sieht also vielversprechend aus für das große deutsche Nachwuchstalent.

Gegen Urkedal (links) gewann Glöckler in Runde 5. Hier in Runde 6 setzte es gleich die nächste Niederlage für den Norweger gegen seinen Landsmann Semen Mitusov, der jetzt einen halben Punkt hinter dem Führenden liegt. | Foto: Anna Ovidia Young

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Stand nach 6 Runden und Duell gegen Dotzer in Runde 7

Mit seinem Remis gegen Amar hat sich der Deutsche zugleich seinen kleinen Abstand auf die unmittelbaren Verfolger erhalten. Amar, Jumabayev, Aksel Bu Kvaløy, Vitaly Sivuk, Lukas Dotzer und Semen Mitusov liegen nach sechs Runden bei 4,5 Punkten. Dahinter folgen mehrere Spieler mit vier Punkten. 

In der heutigen Runde um 14 Uhr trifft das deutsche Talent auf Österreichs Nachwuchshoffnung IM Lukas Dotzer, der mit einem guten Schlussspurt ebenfalls noch eine und damit seine dritte GM-Norm erreichen könnte. 

Dotzer (links) gehört zu den größten österreichischen Nachwuchshoffnungen und hat auf dem Weg zum Großmeistertitel bereits zwei GM-Normen gesammelt. Die erste erzielte der 2010 geborene Internationale Meister im November 2025 in der kroatischen Liga mit 7 Punkten aus 9 Partien und einer Turnierleistung von 2627 Elo. Nur wenige Wochen später folgte beim GM-Turnier in Wien die zweite Norm: Dotzer gewann das Turnier mit 6,5/9 und einer Performance von 2629. Außerdem konnte Dotzer bereits acht Medaillen bei Jugend-Europameisterschaften sammeln, zuletzt holte er Bronze im klassischen Wettbewerb der U16 im Jahr 2025 in Budva. | Foto: Anna Ovidia Young

Auch für die beiden anderen deutschen Teilnehmer verlief die sechste Runde erfolgreich: FM Keyvan Farokhi (2389) konnte bereits seinen vierten Sieg bei zwei Niederlagen einfahren. Er schlug den indischen FM Bagwe Gaurang (2289) nach einer erfolgreichen Bauernumwandlung im Turmendspiel. IM Bennet Hagner hingegen brauchte in seiner spanischen Partie gegen CM Andreas Skotheim (NOR/2256) lediglich 30 Züge, um zu gewinnen. Hagner hat mit 3,5 Punkten einen halben Punkt weniger als Farokhi. Farokhi liegt nun auf Rang 14, Hagner auf Platz 17.

FM Keyvan Farokhi liegt auf einem starken 14. Platz. | Foto: Anniken Vestby

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Tabelle nach Runde 6

Partien

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Turnierinfos

Das Internationale Herbstturnier in Fagernes hat begonnen und wird vom 3. bis 11. Oktober im Scandic Valdres Hotel in Fagernes, rund 187 Kilometer nördlich von Oslo, ausgetragen. Die GM-Gruppe mit 62 Spielern wird über zehn Runden in neun Tagen ausgetragen. Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten für die ersten 40 Züge, danach 40 Minuten für den Rest der Partie, mit einer Zeitzugabe von 30 Sekunden ab dem ersten Zug. Der Lokalmatador Elham Amar ist mit einer Elo-Zahl von 2567 der Topgesetzte, gefolgt vom Kasachen Rinat Jumabayev (2564) und einem weiteren Norweger, Frode Olav Olsen Urkedal (2554). Abhijeet Gupta, GB Harshavardhan und Krishnan Sasikiran sind die nächsten drei Spieler auf der Startliste, während Aksel Bu Kvaloy und der deutsche Nachwuchsstar Christian Gloeckler beide eine Elo-Zahl von 2515 aufweisen.

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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