Frisch rezensiert: Eröffnungslexikon 2026

von Lukas Köpl
14.05.2026 – Das Eröffnungslexikon 2026 von ChessBase gehört neben der Mega Database (kurz: „Megabase“) und dem ChessBase-Datenbankprogramm ChessBase´26 zu den Flaggschiffen. Seit Jahren zählen die drei Programme zum Grundwerkzeug der täglichen Schacharbeit. Dabei spielt das Eröffnungslexikon von Beginn an eine Schlüsselrolle, um einen schnellen und effizienten Überblick über sämtliche Eröffnungen erarbeiten zu können. Lukas Köpl hat sich die aktuelle Ausgabe des Eröffnungslexikons genauer angesehen und seine Eindrücke zusammengefasst.

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1. Inhaltliche Tiefe und Umfang

Mit dem Eröffnungslexikon 2026 bringt ChessBase eine neue Version seines bekannten Standardwerks heraus – und bleibt dabei seiner Grundidee treu, möglichst viel aktuelles Eröffnungswissen an einem Ort zu bündeln. Dabei ist das Lexikon mehr als nur eine Ansammlung von Eröffnungsartikeln. Es ist vielmehr als riesiger Werkzeugkasten für alle zu verstehen, die ihre Eröffnungen wirklich verstehen und verbessern wollen. Das zentrale Merkmal des Eröffnungslexikons ist erneut seine schiere Materialdichte. Mit über 1500 Theoriedatenbanken, mehr als 40.000 Musterpartien, 100 Videos mit einer Gesamtspielzeit von 35 Stunden und rund 8200 Eröffnungsübersichten bietet das Werk eine nahezu vollständige Abdeckung der modernen Eröffnungstheorie.

2. Struktur und Aufbau

Die Struktur ist das vorrangig herausragende Merkmal des Eröffnungslexikons. Selbst wenn die Theoriedatenbanken den Kern des Produkts bilden, kann eine solche Masse an Informationen unstrukturiert schnell zu Überlastung anstatt Entlastung führen. Um die große Menge an Informationen nutzen zu können, bedarf es einer sinnvollen Struktur. Hier überzeugt das Eröffnungslexikon auf ganzer Linie:

Die Inhalte sind so aufgebaut, dass man sich entweder schnell einen Überblick verschaffen oder gezielt tiefergehen kann. Genau das macht den Unterschied zu vielen reinen Datenbanken aus, in denen man oft einfach nur Varianten durchklickt, ohne wirklich etwas mitzunehmen.

Während aktuelle Eröffnungstrends vor allem für jene interessant sein dürfte, die gezielt Theoriediskussionen suchen, stellen die Ideen für das eigene Repertoire Möglichkeiten dar, es systematisch zu erweitern. Der Nutzer kann selbst entscheiden, in welche Richtung man mit dem Eröffnungslexikon arbeiten möchte.

Wer erst am Anfang seiner Eröffnungsarbeit steht, dem helfen die Eröffnungsübersichten, eine Datenbank systematisch aufzubauen und später mit weiteren Quellen und Analysen zu ergänzen. Die Eröffnungsübersichten (Surveys) sind hierbei nach den ECO-Codes kategorisiert und stellen ein Abbild sämtlicher Eröffnungen dar. Somit ist es egal, ob der Gegner zur Grob-Eröffnung, der Wiener Partie oder zur aktuellen Trendvariante im Sveshnikov-Sizilianer greift – man hat sämtliche Eröffnungen abgedeckt.

Trotz des enzyklopädischen Anspruchs gelingt es dem Lexikon erstaunlich gut, den Stoff didaktisch aufzubereiten. Die Eröffnungsbeiträge sind mittlerweile recht standardisiert und folgen einem klaren Format:

  • strukturierte Variantenübersichten
  • ausgewählte Musterpartien
  • erklärende Kommentare zu typischen Plänen

Allerdings gilt weiterhin, dass die Lernkurve stark vom Nutzer abhängt. Einsteiger profitieren zwar von den Erklärungen, können jedoch von der Materialfülle schnell überfordert sein. Für ambitionierte Vereinsspieler und Turnierspieler hingegen beginnt das Lexikon, seinen größten Wert zu entfalten.

Gerade die Modellpartien sind ein echtes Highlight. Dies ist insbesondere für jene Spieler interessant, die nicht über die Megabase verfügen und anderweitig schwer an gut kommentiertes Partiematerial kommen. Statt trockener Theorie bekommt man hier ein Gefühl dafür, wie eine Stellung eigentlich gespielt wird.

Welche Pläne sind typisch? Wo liegen die Fallen? Was ist langfristig wichtig?

Das ist vor allem für Vereinsspieler Gold wert.

3. Praxisrelevanz

Ein großer Pluspunkt der 2026er-Version ist die Aktualität. Neue Trends aus der Turnierpraxis wurden sichtbar eingearbeitet, sodass man am Puls der Zeit bleibt und in der und man merkt, dass hier nicht einfach altes Material recycelt wurde. Wer keine Zeit hat, selbstständig allen Trends zu folgen, bekommt hier alles ordentlich aufbereitet vorgelegt.

Besonders spannend sind die Video-Beiträge zu aktuellen Entwicklungen. Hier bekommt man einen Einblick, was auf Großmeisterniveau gerade angesagt ist – und warum.

Das macht das Lexikon nicht nur zu einem Nachschlagewerk, sondern auch zu einer Art „Trendradar“ für Eröffnungen.

4. Zielgruppe

Offiziell richtet sich das Produkt an alle Spielstärken – und das stimmt grundsätzlich auch. In der Praxis würde ich aber sagen, dass man sich der eigenen Erwartung an das Produkt bewusst werden muss:

  • Einsteiger profitieren bedingt vom Eröffnungslexikon, da die Informationsflut enorm ist
  • Vereinsspieler holen hier bereits viel heraus, wenn sie einen Überblick erhalten wollen
  • Turnierspieler bekommen ein starkes Werkzeug zur Vorbereitung und Repertoirepflege

Wer nur gelegentlich spielt, wird den Umfang vermutlich kaum ausschöpfen. Wer aber ernsthaft besser werden will, findet hier eine riesige Goldgrube. Aus Trainersicht kann ich sagen, dass es nützlich sein kann, aufbereitete Theorie abrufen zu können, um schnell Rückmeldungen zum gegenwärtigen Stand der Dinge geben zu können. Das spart enorm Zeit, die man anderen Handlungsfeldern widmen kann.

5. Arbeiten mit dem Lexikon in Chessbase: Effizient, jedoch mit Optimierungsmöglichkeit

Die größte Stärke liegt in der Verbindung mit der ChessBase-Software. Wenn man weiß, wie man damit arbeitet, kann man:

  • eigene Repertoires aufbauen
  • vorhandene Eröffnungen aktualisieren, aufbereiten und pflegen
  • gezielt Varianten vorbereiten
  • Gegner analysieren

Beim Workflow sehe ich allerdings noch Optimierungsbedarf. Auch wenn dies keine Rezension zum Datenbankprogramm ist, so ist es wichtig festzuhalten, dass ChessBase mittlerweile viele Datenbanken in Funktionen einteilen lässt (vgl. Weißrepertoire, Schwarzrepertoire, Referenzdatenbank), so hat mich bisweilen immer gestört, dass das Grundangebot an ChessBase-Produkten nicht vollständig in der Schnellleiste abgedeckt und völlig integriert werden kann. Während die Mega Database als Referenzdatenbank eingestellt werden kann und die Repertoiredatenbanken jeweils in Weiß und Schwarz aufgeteilt werden können, fehlt eine eigenständige Funktion für das Eröffnungslexikon, welches über die variable Datenbank ausgewählt werden muss. Will man dann Analysen zusätzlich mit einem Fritz-Trainer und gar einer eigenen Analysedatenbank abgleichen, sind zu viele Slots bereits belegt. Dies erschwert mitunter den Workflow, wenn man gespielte Partien mit drei Datenbanken (Megabase, Eröffnungslexikon, Analysedatenbank/Fritz-Trainer) abgleichen möchte, ohne, dass man die Datenbank neu definieren muss.

Hier könnte man dem Eröffnungslexikon meines Erachtens den Platz einräumen, den es verdient. Dadurch würde es vom Nachschlagewerk hin zu einem (inter-)aktiven Teil der eigenen schachlichen Arbeit werden.

6. Fazit

Insgesamt kann man festhalten, dass das Eröffnungslexikon 2026 kein Produkt ist, welches man „einfach mal durchgeht“. Es ist eher ein Werkzeugkasten, den man sich nach und nach erschließt.

Wenn man bereit ist, Zeit zu investieren, bekommt man dafür:

  • ein extrem umfangreiches Nachschlagewerk
  • viele verständliche Erklärungen
  • aktuelle Theorie auf hohem Niveau

Kurz gesagt: Wer ernsthaft an seinen Eröffnungen arbeiten will, wird hier sehr gut bedient.

So gut das Gesamtpaket ist – ein paar Dinge fallen auf:

  • Die Menge kann überfordern. Ohne Plan verliert man schnell den Überblick.
  • Nicht jeder Artikel ist gleich stark. Manche sind großartig, andere eher durchschnittlich.
  • Gute Nutzbarkeit, jedoch ausbaufähige Integration. Hier insbesondere in das ChessBase Datenbankprogramm (z.B. ChessBase´26).

Das sind meines Erachtens keine Dealbreaker, jedoch Punkte, die man kennen sollte.


Gesamtwertung: ★★★★★ 5/5

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DIE SCHACH-HORIZONT-ERWEITERUNG
In ChessBase gibt es immer wieder Ansätze, die typischen Pläne einer Eröffnungsvariante zu zeigen. Zwar ist Schach im Zeitalter der Engines viel konkreter als früher gedacht. Doch gerade Amateure lieben Eröffnungen mit klaren Plänen, siehe Londoner System. In ChessBase ’26 beschäftigen sich gleich drei Funktionen mit der Darstellung von Plänen. Im neuen Eröffnungsreport wird für jede wichtige Variante untersucht, welche Figurenzüge oder Bauernvorstöße darin wichtig sind. In der Referenzsuche sieht man jetzt auf dem Brett, wo die Figuren üblicherweise hingehen. Und startet man die neue Monte-Carlo-Analyse, zeigt auch hier das Brett die häufigsten Figurenpfade.


Lukas Köpl, geboren 1989, ist ein leidenschaftlicher Vereins- und Turnierspieler, der mit aktiver Trainer- und Schiedsrichterlizenz seit mittlerweile über 15 Jahren erfolgreich als Schachtrainer tätig ist. Zu seinem erweiterten Themenfeld zählen journalistische Tätigkeiten für Schachzeitschriften und Verlage sowie die aktive Vereins- und Jugendarbeit. Als Schachspieler vertrat er über die Jahre in diversen Ligen bei mehreren Vereinen das Spitzenbrett.
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